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Reisen mit der TARANAKI

Wessem – Maastricht

 

Nach einem Abstecher zurück in der Schweiz, wo wir unsere Lieben besuchen konnten, sind wir nach Wessem zurückgekehrt. Bereits am Dienstag hat uns die Werft Boat Equipment unsere Taranaki besucht und die zu reparierenden Teile diagnostiziert. So konnten bereits Einspritzdüsen bestellt werden, die am Freitag eingebaut wurden. Zudem wurde die Seewasserpumpe, die Dieselanzeige sowie beim Bugstrahlruder eine neue Sicherung eingesetzt. Bei intensivem Gebrauch brennt die durch und so konnte ich seit Sloten das Bugstrahlruder nur noch mit halber Kraft nutzen.

Zudem kam Boris am Donnerstag morgen und änderte im AIS unseren Namen von Joy auf Taranaki. Es war eine kleine Sache, kann aber nur vom lizenzierten Fachmann ausgeführt werden.

Wir gingen dann noch gleichentags tanken und konnten das einwandfreie Funktionieren der Komponenten testen.

Wessem - MaastrichtAm Abend begegnete uns im Hafen von Wessem das schwimmende „Pfadihaus“, immerhin als doppelstöckiges Gefährt und Strohdach. Wir hatten das Schiff schon früher beobachten können, aber über den Winter bekam es noch einen Wintergarten.

Am nächsten Morgen legten wir gegen neun Uhr ab und fuhren zur Schleuse bei Maasbracht. Es handelt sich um die Schleuse mit dem grössten Hub in den Niederlanden, ist aber bequem mit Schwimmpolern ausgerüstet.

Wessem - MaastrichtBeim Warten auf die Schleuse sahen wir ein Schiff, das sich mal eine andere Fortbewegungsart, als Wasser ausgesucht hatte. Auf der Strasse, die die Schleusen quert, fuhr für einmal ebenfalls ein Schiff. Das Besondere: Das Trägerfahrzeug, das unter dem Schiff als blaues Fahrzeug erkennbar ist, wurde vom Schiff aus ferngesteuert.

Zusammen mit fünf anderen Sportbooten sowie einem Schlauchboot der Polizei schleusten wir bergwärts. Die Fahrt war angenehm, es war bedeckt und teilweise ziemlich böig.

In der Schleuse Born konnten wir mit den gleichen Schiffen wieder in die offene Schleuse einfahren und ebenfalls bergwärts weiterziehen. Die sonst für Sportboote vorbehaltene Schleuse ist ausser Betrieb und wird vermutlich repariert. In Born gibt es noch zwei weitere Schleusenkammern, eine kleinere für kürzere Cargos und eben Sportboote. Zügig stiegen wir mit dem Wasserspiegel bergwärts.

Wessem - MaastrichtUnterwegs kam uns ein Cargo entgegen, der sich bei näherer Betrachtung als Freizeitboot entpuppte.

Wessem - MaastrichtSchliesslich erreichten wir Maastricht. Zwei Begleitschiffe aus unserem Konvoi bogen zum Stadthaven ab, den wir schon von früheren Reisen kennen. Zum Stadthaven wird talwärts geschleust, zudem ist die Brücke sehr niedrig.

Wessem - MaastrichtDie Strömung und der talwärts wehende Wind lässt normalerweise Skipper bergwärts anlegen. Das machen aber nicht alle so, Robert ist also keine Ausnahme. Hinter der Kade erkennt man ebenfalls einen Vertreter dieser nicht immer einfachen Anlegerichtung.

Wessem - MaastrichtDieses „Ei“ beherbert ein Kunstmuseum, das wir mal bei schlechtem Wetter besuchen werden.

Dann assen wir im Klubhaus der WSC Treech’42 konnten wir unseren kulinarischen Vorlieben frönen. Das klubeigene Restaurant ist auch bei Nichtschiffern bekannt und beliebt. Zudem lädt im Garten ein kleiner Swimingpool sowie Rutschbahnen zum Baden ein. Es gibt zudem Kinderspielplätze und Rasen zum Fussballspielen, was die Area besonders familienfreundlich macht. Die sanitarischen Anlagen sind sehr gut unterhalten und im Top-Zustand. Sehr empfehlenswert!

Wessem - MaastrichtAm Abend schlenderten wir noch durch die Stadt, die ähnlich wie Utrecht eine Studentenstadt ist. Die Universität ist bekannt und beliebt bei Studentinnen und Studenten aus aller Herren Länder.

Wessem - MaastrichtSchliesslich konnten wir beim Nachhauseweg zurück zum Hafen ein seltenes Schauspiel beobachten: Das Hotelschiff Viva Tiara legte ab und fuhr talwärts. Deshalb musste einerseits die Brücke der Verkehr gestoppt und die Brücke angehoben werden.

Wessem - MaastrichtDie Fussgänger und solche, die ihre Fahrräder stossen, können die Brücke jederzeit passieren, also auch während dem sie gehoben oder gesenkt wird.

Wessem - MaastrichtDas Flussfahrtschiff musste das ganze Oberdeck räumen (Stühle einklappen, Zelte abbrechen und fixieren) sowie die Kommandobrücke absenken.

Wessem - MaastrichtDann fährt das Schiff in die Nacht, um den nächsten interessanten Ort anzupeilen, an dem die Gäste Landurlaub bekommen.

Nach diesem tollen Tag, es hat nur zweimal kurz geregnet, konnten wir uns noch einem der schönsten Home Office-Arbeitsplätze überzeugen.

 

 

 

 

 

Venlo – Wessem

 

Venlo - WessemHeute starteten wir zur letzten Etappe unserer ersten Rundreise im 2023. Abends und in der Nacht hatte es geregnet, heute zeigte sich das Wetter wieder von seiner besten Seite. Wir nahmen Abschied vom sympathischen Vereinshaven und wendeten uns der letzten Etappe zu.

Venlo - WessemDie Highlander hatte sich von den gestrigen Unpässlichkeiten erholt und zeigte heute wieder eine einwandfreie Leistung.

Venlo - WessemWir fuhren am Stadthaven von Venlo vorbei, den wir schon mehrere Male besucht hatten. Der Hafen ist schön gelegen, verfügt über Wasser und Strom, aber leider über keine sanitarischen Anlagen. Wir hatten gehofft, dass der beobachtete Umbau nördlich an den Stadthaven angrenzend hier Abhilfe schaffen sollte, sahen uns aber getäuscht. Es gibt im Hafen nach wie vor keine Duschanlagen oder Toiletten.

Venlo - WessemUnterwegs konnten wir wiederum Tiere beobachten. Dabei gelang mir ein Schnappschuss zu einer Gänseart, die ich bis dahin noch nicht bestimmen konnte: Die Weisswangengans. Diese Gänseart ist ein Koloniebrüter auf Felsinseln in der Tundra, neuerdings aushc in der Ostsee. Überwintert an Nordwesteuropas Küsten. Diese Gänse soweit im Süden zu entdecken, war für mich eine kleine Überraschung.

Venlo - WessemDer Schwarzschwan (auch Trauerschwan genannt) ist eine Vogelart aus der Gattung der Schwäne und der Familie der Entenvögel. Er ist der einzige fast völlig schwarze Schwan und hat den längsten Hals aller Schwäne. Das natürliche Verbreitungsgebiet ist Australien, in Neuseeland wurde er eingebürgert. In Europa kommen ausschließlich ausgesetzte und verwilderte Trauerschwäne vor. Eine selbsttragende Population, die im Jahr 2000 sechzig bis siebzig Brutpaare umfasste, gibt es wohl nur in den Niederlanden und möglicherweise auch in Nordrhein-Westfalen. Et voilà!

Venlo - WessemOft werden die grünen und roten Tonnen von Laien als Bojen bezeichnet. Es handelt sich also um Tonnen, die die Fahrrinne in Flüssen und Seen abgrenzen. Grüne Tonnen auf der Steuerbordseite (also rechts des Schiffes) bedeuten, dass wir uns bergwärts bewegen. Rote Tonnen zeigen auf der Backbordseite, wo am rechten Ufer (in Fliessrichtung des Flusses) die Fahrrinne aufhört. Wer ein Bild mit Tonnen sieht weiss deshalb auf Anhieb, ob sich das Schiff berg- oder talwärts bewegt.

Venlo - WessemNach zwei Schleusen erreichen wir schliesslich den Comfortpark in Wessem. Unser Liegeplatz ist neu zwischen zwei älteren Schiffen. Dasjenige rechts unseres Liegeplatzes will der Eigner verkaufen. Es ist in einem sehr schlechten Zustand und der Besitzer will das Schiff noch auf Vordermann bringen.

Venlo - WessemBevor wir unsere Reise antraten, hat er sein Schiff mit Hochdruckreinigern abspritzen lassen. Dabei wurde unser Schiff durch seinen Dreck mit verschmutzt. Er war aber vor unserer Abfahrt aber nicht mehr auffindbar, so dass ich keine Reklamation anbringen konnte.

À-propos Schleusen: Ich habe einen Schleusenvorgang einmal mit einem Video festgehalten, so dass du einen Eindruck bekommst.

 

Venlo - WessemZufrieden und unfallfrei haben wir 1’214 km zurückgelegt und freuen uns auf eine Pause in Wessem. Wir treffen uns nächste Woche mit Erwin Schuller, um die diversen Problemchen der Taranaki zu beheben.

Unser Blog wird deshalb solange ruhen, bis es wieder heisst: Leinen los! Das wird hoffentlich nicht lange dauern.

Leukermeer – Venlo

 

Heute starteten wir zur zweitletzten Etappe zurück zum Comfortparc in Wessem. Seit einiger Zeit muss ich beim Starten jeweils ziemlich lange vorglühen und im Leerlauf mindestens 1’000 Touren einstellen, damit der Motor rund läuft. Zudem produziert die Maschine ziemlich viel Rauch. Der Ölverbrauch ist normal. Martin, unser Stegnachbar, der sich mit Motoren gut auskennt, vermutete, dass ein Zylinder nicht mitmacht. Erst wenn die Maschine mit gewissen Touren läuft und der Motor auf Betriebstemperatur kommt, machen arbeiten alle Zylinder normal.

Wir werden das in Wessem mit Erwin Schuller analysieren und beheben. Martin meinte – und da gehe ich mit ihm einig – dass dadurch der Motor keinen dauerhaften Schaden nimmt.

Wir fuhren gemütlich die Maas bergwärts und heute hatten wir keine Schleusen zu überwinden. Dafür gab es eine ganze Reihe von Fähren, die oft kurz vor dem Passieren die Maas queren.

Fähren in der Binnenschifffahrt verkehren auf Flüssen, Kanälen, Binnenseen und in Häfen. Fährstellen dienen als Teil des öffentlichen (Personen-)Nahverkehrs zum Verbinden von Verkehren über Gewässer als Alternative zu Brücken oder Tunneln. Die Fähre verkehrt dabei meist nach Fahrplan und gegen Entgelt, zumindest aber regelmässig und innerhalb fester Zeiten.

Das Steuerhaus ist bei den meisten Binnenfähren unterstromseitig (der Fährmann steht mit dem Rücken zu Tal) in der Mitte des Fahrzeuges angeordnet. Seltener findet man Fähren mit dem Steuerhaus mittig über der Fahrbahn auf einer Art Brücke (alte Fähre Loreley) oder gar mit zwei Steuerhäusern (für jede Fahrtrichtung eines).

In den Niederlanden gibt es freifahrende Fähren (meist für Radfahrer und Fussgänger), die mit eigenem Antrieb versehen sind und auch die Fahrt durchs Wasser frei gestalten können. Daneben treffen wir sehr oft Gierseilfähren an. Einige nutzen die Wasserkraft, indem sie die Flussenergie zur Querung nutzen. Sie gleiten durch das Gierseil geführt ans andere Ufer. Auf der Maas mit wenig Gefälle und entsprechend geringer Fliessgeschwindigkeit sind das langsame Fähren.

Leukermeer - VenloDaneben gibt es Gierseilfähren, die auch über das an beiden Ufern verankerte Seil geführt werden, aber die sich aktiv am Seil ans andere Ufer ziehen. Sie haben dafür einen eigenen Motor und sind deshalb auch deutlich schneller, als die vorerwähnten Fähren.

Alle Fähren nehmen Rücksicht auf die Berufsschifffahrt. Wenn ein Cargo oder ein Passagierschiff  kommt, werden diese nie durch eine Fähre ausgebremst.

Leukermeer - VenloAnders bei den Sportbooten: Fähren haben in diesem Fall immer Vortritt. Sobald sie die Barrieren senken, heisst das für uns Skipper, dass die Fähre losfährt.

Robert hatte während der Fahrt noch ein Problem mit seinen Anzeigen: Sie spielten verrückt und die Analoganzeigen gaben keine echten Daten wieder. Er reduzierte daher etwas die Geschwindigkeit. Die Betriebstemperatur lag im normalen Bereich, die Seewasserpumpe tat zuverlässig ihren Dienst.

Erwin Schuller wird ein paar Knacknüsse lösen müssen. Nach 1’178 km, die wir dieses Jahr bis jetzt zurückgelegt haben und in Anbetracht des Alters unserer Ladies haben wir für solche Gebresten Verständnis.

Leukermeer - VenloDer Jachthaven WSV De Maas ist neu ausgerüstet und sehr gepflegt. Hier legen wir gerne an. Brigitte hatte sich beim Hafenmeister telefonisch gemeldet und der beorderte Robert und mich an den Längssteg G. Ich fuhr an den vorgesehenen Anlegeplatz und zwischen Robert und mich hatte sich ein holländisches Schiff, die Marcella, gedrängt. Die Fendermieze dieses Schiffes rief schon von weitem: „Das ist unser Platz, ihr dürft hier nicht anlegen, wir haben hier reserviert!“. Sie gellte richtig übers Wasser. Ich fuhr unbeirrt an den mir zugewiesenen Platz und selbstverständlich so, dass noch ein grosses Schiff Platz hat. So konnte auch das Schiff mit der aufgeregten Frau problemlos anlegen. Robert fand mit der Highlander weiter hinten am Steg ebenfalls einen Liegeplatz.

Am Abend genossen wir herrlichen Fisch in der Brasserie De Admiral des WSV De Maas in Venlo.

Es war den ganzen Tag etwas schwül gewesen und endlich begann es zu regnen. Die Natur kann das langersehnte Nass gut gebrauchen. Der Wasserstand der Maas ist ansonsten nach wie vor normal.

Grave – Leukermeer

 

In der Nacht hatte es geregnet, endlich wieder einmal, und am Morgen war es diesig und es gab etewas Nieselregen. Wir hatten rund 40 km auf dem Programm und mussten nicht allzu spät aufbrechen, wenn wir im Leukermeer noch einen Anlegeplatz erhaschen wollten.

Das Wegfahren gestaltete sich viel einfacher als gestern das Anlegen. Das lag zum einen am ausbleibenden Wind und zum andern an der Ausrichtung unseres Schiffes: Wir konnten problemlos ohne zu wenden Wegfahren. Auch Robert schaffte das ohne Probleme, obschon er rückwärts und ohne Bugstrahlruder ausfahren musste.

Wir gleiteten so dahin, zu Beginn noch ohne Berufsverkehr. Auf der Höhe der Verzweigung Maas und Waal-Maas-Kanaal kamen dann die Cargos, manchmal drei kurz hintereinander.

Grave - LeukermeerZuerst begegneten wir dem Flusskreuzfahrtsschiff Amadeus Imperial, das unter deutscher Flagge fährt.

Grave - LeukermeerEtwas später sahen wir ein Cargo-Schiff mit Containern. Das Fassungsvermögen beträgt 84 Container.

Diese Schiffe haben ein Problem mit dem toten Winkel. Wenn sie im Steuerhaus aufs Wasser blicken wollen, dann versperren die vordersten Container die freie Sicht.

Grave - LeukermeerDamit der tote Winkel möglichst gering ausfällt, heben diese Schiffe die Kommandobrücke an.

Manchmal zwingen dann Brücken mit geringer Durchfahrtshöhe die Kapitäne, die Brücke massiv abzusenken. Sie sind dann gewissermassen im „Blindflug“, haben nur den Radar zur Verfügung und sind darauf angewiesen, dass kleine Nussschalen keine unvorhersehbaren Manöver durchführen.

Grave - LeukermeerAuch auf dieser Fahrt gab es wieder einen Leckerbissen zu bewundern. Der Schlepper macht nicht nur den Eignern Freude, sondern auch den Schweizer Freizeitskippern.

Grave - LeukermeerEs wird aber nicht nur auf dem Fluss gearbeitet. Das nächste Beispiel zeigt ein Cargoschiff, das über eine Rampe von einem LKW aus beladen wird.

Bald landeten wir im Leukermeer und fanden uns im Hafen wieder, an den gleichen Plätzen, die wir vor einiger Zeit schon belegt hatten. Der Martin ist noch immer da und bringt zusammen mit seiner Frau sein Schiff in Ordnung. Sie wollen bald den Nordostkanal befahren und dafür ist ihr Schiff bestens geeignet.

Nach einem Flamkuchen im Hafenrestaurant und dem obligaten Bier sind wir bei der sich wieder einstellenden Hitze recht schlapp, Zeit für eine Siesta. Sie bricht jetzt gleich nach dem Publizieren des Berichts für mich ebenfalls an.

Maasdriel – Grave

 

Heute morgen fuhren wir um ca. halb zehn in Maasdriel los. Wir hatten dort noch die Malu unserer Bekannten vom Schleusenverein angelegt gesehen, die Besitzer waren aber abwesend.

Die Fahrt war gemütlich, kurz bevor wir in die Maas einbogen, gewahrten wir auf dem Kartenplotter noch den Schlepper Anna, den wir gestern schon gesehen und im Blog abgebildert hatten.

Die Maas ist hier sehr breit und ein richtiger mäandernder Fluss. Die Ufer sind zum grössten Teil naturbelassen und bieten Uferschwalben, aber auch Eisvögeln ideale Lebensbedingungen.

Viel Verkehr gab es heute nicht. Einige Sportboote wechselten ab mit wenigen Frachtschiffen.

Bei der ersten Schleuse, bei den Prinses Maxima Sluizen, war eine der Kammern in Reparatur. Uns folgte der Frachter „Christina“. Es kamen gerade Sportboote aus der Schleuse und ich fragte die Schleusenverantwortlichen über Funk, ob ich auf den Cargo warten solle. Ich kam zur Antwort, ich könne einfahren und solle auf Steuerbord anlegen. Dann sei das kein Problem.

Die Schleuse ist recht gross und so waren wir insgesamt drei Sportboote und der Cargo, die bergwärts schleusten. Im Oberwasser warteten bereits drei Cargo-Schiffe auf uns, weshalb wir rasch Platz machten. Die Christina liessen wir ebenfalls passieren. Frachtschiffe sind auch beladen schneller als wir und da lassen wir gerne den Vortritt.

Wir näherten uns Maasbommel, wo wir vor zwei Jahren bereits einmal im Watersportcentrum Maasbommel anlegten. Heute fuhren wir daran vorbei, denn unser Ziel war der Nieuwe Haven in Grave der WSV De Stuw. Den ganzen Tag war das Wetter mehrheitlich bedeckt und deshalb eher angenehm kühl. Immer wenn die Sonne durch die Wolken stach, wurde es sofort ziemlich heiss.

Wind gab es beinahe keinen, bis wir in die Hafeneinfahrt fuhren. Dort wären die Manöver ohne Wind wesentlich einfacher gewesen. Wir legten am Längssteg C an, Robert mit der Highlander zuerst, weil daneben ein Hausboot liegt und die Durchfahrt trotzdem gewährleistet sein muss. Die Highlander ist 10 cm weniger breit als die Taranaki. Der Hafenmeister empfahl, Rückwärts anzulegen. Für Robert mit der Highlander bei vorherrschenden böigen Wind ohne Bugstrahlruder schlicht nicht möglich. Auch vorwärts war’s nicht einfach. Helfende Hände aus dem Hafen haben ihn beim Manöver unterstützt.

Mit der Taranaki wendete ich und benutzte am Anfang das Bugstrahlruder. Ich merkte, wie dessen Kräfte deutlich nachliessen (ich denke, dass das Nachwirkungen aus Sloten sind, wo wir beim starken Seitenwind fast nicht aus den Kadekojen rausgekommen sind und die Bugstrahlruder extrem beanspruchen mussten).

Maasdriel - GraveErfahrungsgemäss kann ich beim Rückwärtsfahren mit einem starken Anströmen des Ruders den Bug einigermassen in die richtige Richtung lenken. Ich musste aber mehrmals Anlauf nehmen und mich so Schritt für Schritt an den Anlegesteg hin bewegen.

Maasdriel - GraveZudem durfte der vertäuten Highlander nichts geschehen. Auch bei mir haben helfende Händer den Finish zu einem glücklichen Abschluss gebracht. Nicht zu vergessen meine geliebte Fendermieze, die trotz dem schwierigen Manöver nie die Contenance verlor.

Maasdriel - GraveNach einer Erfrischung in einem Restaurant in Grave machten wir noch einen Spaziergang durchs Städchen. Plötzlich fühlten wir uns beobachtet.

Maasdriel - GraveBeim Schlendern entdeckten wir noch weitere architektonische Besonderheiten. Offenbar sind die Wohnungen zweigeteilt und durch einen Balkon verbunden.

Maasdriel - GraveBrigitte und ich spazierten noch zur John-S.-Thompson-Brücke (niederländisch John S. Thompsonbrug). Das ist eine Brücke über die Maas zwischen Grave und Nederasselt in den Niederlanden. Sie ist bedeutend für die Strassenverbindung von ’s-Hertogenbosch nach Nijmegen und wurde zwischen 1926 und 1929 errichtet.

Die Brücke war 1944 ein strategisches Ziel der Operation Market Garden. 2004 wurde sie nach Leutnant John S. Thompson (1917–1988) benannt, der sie zusammen mit seiner Gruppe während der Operation im 2. Weltkrieg eingenommen hatte.

Auf der Brücke konnten wir einer Gruppe von Flussseeschwalben zusehen und ihre Flugkünste bewundern.

Der Hafenmeister erzählte uns noch über einen Unfall im Winter 2017. Damals hatte ein slowakischer Kapitän mit einem deutschen Tanker bei Nebel irrtümlicherweise das Wehr bei Grave gerammt. Es schien zunächst nur ein harmloser Schiffsunfall mit etwas Metallschaden zu sein, doch die Kollision wirkte, als ob jemand in der Badewanne den Stöpsel gezogen hätte. Als das Wehr gerammt wurde, ergossen sich grosse Teile des Flusses in Richtung Rotterdam, die Maas lief auf einer Strecke von 28 Kilometern regelrecht leer. Binnen weniger Stunden fiel der Pegel um zwei Meter.

Maasdriel - GraveSo sah die Maas bei Cuijk aus (etwas flussaufwärts) 1. Der Hafen sei bis auf ein paar Pfützen komplett leergelaufen.

Daraus kann man erahnen, wie wichtig gut gewartete Wehre und Schleusen für die Binnenschifffahrt sind.

 


1 Quelle

 

Gorinchem – Maasdriel

 

Gorinchem - MaasdrielGestern Abend konnten wir nach einem heissen Tag eine schöne Abendstimmung geniessen.

Heute morgen starteten wir um 08:30 Uhr, weil wir nicht genau wussten, wie sich die Wasserknappheit auf den Wasserstrassen und insbesondere den Schleusen auswirken wird.

Zuerst mussten wir rund drei Kilometer die Waal hochfahren. Dabei gab es auf die Cargoschiffe Rücksicht zu nehmen, die aber am Montagmorgen jeweils noch nicht so zahlreich unterwegs sind. Es gab starken Wind aus Westen, was grosse Wellen bergwärts verursachte. Da wir noch im Hafenbecken gewendet hatten und damit mit den Wellen reitend das linke Ufer anvisieren konnten, geriet die Taranaki nie ins Rollen.

Gorinchem - MaasdrielBald erreichten wir die Afgedamde Maas, die die Waal mit der Maas verbindet. Die Strecke ist herrlich zu befahren. Wir sahen viel Natur und eine Vogelwelt, die sich hier sehr zu Hause fühlt.

Gorinchem - MaasdrielHier eine Schar Kanadische Gänse mit halbwüchsigen Jungen.

Kurz vor der Wilhelminasluis in Andel konsultierte ich die App Gewässerkarte und stellte fest, dass die Schleuse wegen Reparaturarbeiten auf unbestimmte Zeit gesperrt sei. Sollten wir umkehren und eine andere Route wählen? Immerhin hatten wir zwei Sportboote entgegenkommen sehen und im Warteraum der Schleuse warteten zwei weitere Sportboote. Brigitte frage einen der Skipper, ob die Schleuse geschlossen sei. Er verneinte, sie werde in ca. 5 Minuten für uns geöffnet. Wir waren sehr erleichtert.

Gorinchem - MaasdrielIn der Schleuse konnten wir wiederum eine ganz besondere Schönheit fotografieren. Ein Schlepper namens Anna.

Bei der Schleuse handelt es sich eigentlich um einen Hochwasserschutz, doch ging’s immerhin 20 cm abwärts.

Kurze Zeit später bogen wir in die Maas ein, unserem Heimatfluss. Wir hatten starken Rückenwind, was die Geschwindigkeit bei gleich hoher Tourenzahl um ca. 1.5 – 2 km / Std. erhöhte. Auf den Geraden des Flusses Richtung West – Ost gab es dann auch bergwärts ziehende Wellen.

Am Ufern gibt es in der Gegend am Ufer Absätze aus Sand, ideale Nistplätze für Uferschwalben. Sie bohren ihre Nester in die sandigen Absätze und gehen von dort auf Insektenjagd für ihre immer hungrigen Jungen.

Es gibt aber auch grössere Tiere, die sich am Flusslauf der Maas gemütlich niederlassen. Ihre Behausungen sind dauerhafter angelegt und in der Regel gut unterhalten. Gorinchem - MaasdrielDabei gibt es wahre Schmuckstücke, am und neben dem Wasser.

Gorinchem - Maasdriel

Kurz vor unserem Ziel wurde unser Schiff Ziel einer Übung von Kampfhelikoptern der niederländischen Streitkräfte. Brigitte hat das Ereignis festgehalten und ich habe aus den Bildfolgen ein GIF erstellt.

Gorinchem - MaasdrielLange dachten wir ja, solche Übungen seien völlig überflüssig, schliesslich werde es in Europa keine Kriege mehr geben. Wir haben uns alle getäuscht. Deshalb nehmen wir solche Scheinattacken gerne in Kauf.

 

Nieuwegein – Gorinchem

 

Am Freitag stiess Robert mit seiner Highlander am Nachmittag wieder zu uns. Johann von Boatequipment aus Maasbracht brachte neue Relais, womit die Maschine wieder lief.

Brigitte und ich machten noch eine Velotour der Vecht entlang und unter Benutzung zweier Fähren. Es war schon ziemlich heiss und beim Einkauf im Albert Heyn in Vreeswijk genossen wir den gekühlten Laden.

Nieuwegein - GorinchemBei der Rückfahrt entdeckten wir das Zentrum aus Schiffersicht in Vreeswijk: Die 650 Jahre alten Schleusen. Selbstverständlich wurden sie mehrmals restauriert, die Originalpläne zeigen, dass die Lage und die Grösse den heutigen Massen entsprechen.

Nieuwegein - GorinchemRund um die Schleusen, in denen der Santi Klaus, Weihnachten, Sylvester und noch vieles mehr gefeiert wird (es gibt auch einen Schleusenlauf für Kinder), sind ein paar lauschige Restaurants unter Bäumen angeordnet. Dort haben wir in einem herrliche Hühner-Flügeli genossen und dabei einen feinen Rosé genossen. Das Preis- / Leistungsverhältnis war unübertrefflich, das Essen sehr gut und empfehlenswert.

Nieuwegein - GorinchemDer nördliche Teil des Kanals ist für historische Schiffe reserviert. Einfahren dürfen dort nur Fahrzeuge, die mindestens 50 Jahre alt sind. Es gab darunter ein paar wirklich tolle Sehenswürdigkeiten.

Am Samstag war für Robert Waschtag angesagt. Brigitte und ich besuchten ein Industriedenkmal, das wir ebenfalls bei unserer Velotour entdeckten: Die Museums Werf Vreeswijk. Sie wird im folgenden Video vorgestellt und ist ebenfalls jederzeit einen Besuch wert. Hier werden auch heute noch Schiffe repariert und restauriert. Der Industriekomplex, der einst zu einem wichtigen Zentrum der Binnenschifffahrt gehörte, sollte mit Wohnungen überbaut werden. Ein paar ansässige Bürger taten sich zusammen und retteten das Kulturdenkmal vor dem Verschwinden.

Nieuwegein - GorinchemIm Museum können auch Motoren bewundert und die Entwicklung vom Segeln, über Treideln hin zu den ersten motorsierten Schiffen anschaulich nachvollzogen werden.

Nieuwegein - GorinchemZudem gibt das Museum Einblicke in den Alltag der damaligen Berufsschiffer, wie zum Beispiel an der engen Schiffsbehausung auf dem Bild (im Hintergrund sieht man ein Doppelbett in den Dimensionen eines heutigen sehr kurzen Einzelbettes).

Nieuwegein - GorinchemIm Hafen sahen wir eine Art schwimmendes Rollbrett. Das mit einem Foil und Elektromotoren ausgerüstete Brett wird über eine Handkonsole gesteuert und fährt ganz flott durchs Wasser.

Am Sonntag fuhren wir dann los Richtung Gorinchem. Wir starteten um 09:00 und erfuhren an der Königinnenschleuse, dass wir bis kurz vor 10:00 Uhr warten müssten. Wegen relativ tiefen Wasserständen wird das Schleusen eingeschränkt mit entsprechenden Wartezeiten. Wir waren schliesslich vier Schiffe, die geschleust und den Merwedekanaal in Angriff nehmen konnten. Allerdings hier bei De Grote Sluis Vianen die gleiche Situation. Auch hier wurden wir vertröstet. Es war in der Zwischenzeit schon sehr heiss geworden und wir legten deshalb in der Schleuse backbord im Schatten an.

Nieuwegein - GorinchemDie Koninginnensluis ist eine Doppelkammerschleuse. Normalerweise wird die zweite Kammer offen gehalten, aber damit beim Schleusen nicht zuviel Wasser verloren geht, wurden die Zwischentore ebenfalls geschlossen.

Nieuwegein - GorinchemUnterwegs haben wir dann flott vorankommen können. Es gab auch Zeit, Nilgänse mit dem Nachwuchs zu beobachten oder andere Sehenswürdigkeiten anzuschauen.

Nieuwegein - GorinchemEs war inzwischen brütend heiss geworden und die Kinder genossen den Sonntag im kühlen Nass. Das heisst für Skipper immer gut aufpassen, damit genügend Abstand eingehalten wird. Kinder sehen oft die Gefahren von laufenden Schrauben nicht oder springen von Brücken in den toten Winkel unserer Schiffe.

Nieuwegein - GorinchemKurz vor Gorinchem erreichten wir wieder einmal eine Eisenbahnbrücke in Form einer Drehbrücke, an der wir nur einen Zug abwarten mussten. Schon nach fünf Minuten konnten wir weiterfahren.

Der Routenplan zeigte mir, dass ich die Rijkstraatwegbrug passieren solle. Obschon ein Pfeil für Sportboote Richtung Linge zeigte, funkte ich die Brücke an. Der freundliche Brückenwart beschied mir, dass ich die Linge befahren solle und dort gut durchkäme. Die Höhe unserer Schiffe sein kein Problem. Also machten wir uns über die Linge auf den Weg und kamen durch eine wunderschöne Landschaft, die offenbar vielen Menschen als Naherholungsgebiet dient. Vor der letzten Schleuse unserer heutigen Tour machten wir am Anlegesteg fest. Ein Belgier erklärte uns, er warte schon seit eineinhalb Stunden und es gehe noch eine halbe Stunde, bis geschleust werden könne. Grund war wiederum der Wasserhaushalt, der sparsames Schleusen erforderlich machte.

Schliesslich landeten wir im Hafen der Wassersportvereinigung De Merwede.

Die Hitze machte uns immer noch zu schaffen, weshalb Brigitte und ich beschlossen, im Rhein baden zu gehen. Das kühlte etwas ab, aber gemäss Prognose sollte es um 22:00 Uhr immer noch 30 C° warm sein.

Ich schreibe den Bericht auf der Heckterasse, wo es zurzeit doch etwas kühler geworden ist.Nieuwegein - Gorinchem

Hier noch ein Bild von der Highlander, die wieder mit voller Kraft agieren kann. Wir sind sehr froh darüber.

Ijsselstein – Nieuwegein

 

Da wir in der Nacht zum zweiten Mal keinen Stromanschluss hatten, liessen wir am Morgen nochmals die Generatoren laufen. Dann gingen wir in Ijsselstein in ein Bistro ein „Gaffe“ trinken und liessen uns ein Joghurt-Müesli schmecken.

Heute Morgen musste Robert feststellen, dass sein Problem mit der Highlander definitiv nicht in den Batterien zu suchen ist. Er hatte diese ebenfalls mit dem Generator geladen und normalerweise damit fahren können.

Liliane und Esther hatten ihr Sachen gepackt und dislozierten auf die Taranaki. Die Taranaki liess sich nach dem Generator-Input problemlos starten und so konnte ich das Schiff wieder in Richtung Ziel drehen. Dieses Mal ging es problemlos durch die Klappbrücken (es gab auf der kurzen Strecke nur noch drei).

Ijsselstein - NieuwegeinSchliesslich landeten wir um die Mittagszeit im Passantenhaven Plettenburg in Nieuwegein.

Nach einer ersehnten Duschen fuhren wir mit Liliane und Esther mit ihrem Gepäck nach Utrecht. Das Gepäck übergaben wir den Automaten und schlenderten anschliessend zu den Grachten.

Im Il Pozzo assen wir eine Pizza, bevor wir uns von Liliane und Esther im Central Bahnhof wieder verabschieden mussten. Robert hatte das schon am Morgen machen müssen, weil er auf den Rückruf verbunden mit dem weiteren Vorgehen mit Boatequipment in Maasbracht wartete.

Es war eine sehr schöne Reise gewesen mit Liliane und Esther. Wir haben viel erlebt, schöne Landschaften geniessen können und auch viel gelacht. Das machte riesig Spass und wenn’s die Beiden wieder mal überkommt, sie sind auf unseren Schiffen jederzeit herzlich willkommen.

Liliane und Esther reisten dann über Amsterdam zurück zum Flughafen Schiphol, wo sie nach Zürich zurückflogen.

Gouda – Ijsselstein

 

Nachtrag zu Gouda: Am späteren Nachmittag ging über Gouda ein starkes Gewitter nieder. Wir erkundigten uns noch bei anderen Skippern nach Duschen / WC, doch die konnten nur vage die Richtung der vermuteten Anlagen angeben. Die Anlegestellen mit Stromanschlussmöglichkeiten waren alle belegt, wir mussten auf der Kade ohne diese Möglichkeit vorlieb nehmen. Robert meinte, dafür sei diese Kade ja gratis. Doch weit gefehlt: Am nächsten Morgen pünktlich um 08:00 Uhr, bevor sich Schiffe von der Kade losmachten, kam die Hafenmeisterin einkassieren. € 20.00 kostete der Spass ohne Strom und Dusche / WC. Wir fragten dann, wo es denn das gebe, schliesslich macht Gouda damit Werbung (dort steht nirgends, dass Stromanschlüsse nur beschränkt vorliegen). Im Schleusenhaus sei eine neue Anlage eingerichtet worden mit Duschen, Waschgelegenheiten und Toiletten. Nun denn, spät aber ausgiebig machten wir davon noch Gebrauch. Ohne Strom hatten wir den Generator etwas laufen lassen, damit wenigstens die Startetbatterien aufgeladen wurden.

Ein Tagesziel wurde bereits am Morgen erreicht. Liliane feierte Geburtstag, was wir mit einem kleinen Geschenk, Gipfeli und einem Geburtstagküchlein und den besten Wünschen für das neue Lebensjahr einleiteten.

Am nächsten Morgen machten wir uns etwa zwanzig vor zehn Uhr auf den Weg nach Utrecht, unserem eigentlichen Etappenziel. Vor der ersten Durchfahrt der Guldenbrug telefonierte Brigitte und ihr wurde die Durchfahrt in einer Viertelstunde in Aussicht gestellt. Tatsächlich dauerte es nur 5 Minuten, dann wurde die Klappbrücke hochgezogen. Das war an diesem Tag die weitaus kürzeste Wartezeit.

Nach der Klappbrücke beginnt der historische Hafen mit älteren grösseren Schiffen. Am Ende liegt ein Wartebecken (ohne Anlegemöglichkeit) und dort tummelten sich bereits eine ganze Reihe von Schiffen, um bergwärts zu schleusen. Die zu schleusenden Schiffe wurden teilweise von unerfahrenen Skippern geführt, was den Prozess deutlich verlangsamte. Endlich waren wir an der Reihe und konnten die Highlander und die Taranaki an der Schleuse fieren. Bald konnten wir auch dieses Hinternis hinter uns lassen. Nach kurzer Zeit erreichten wir die nächste Klappbrücke, die wir mit einer Durchfahrtshöhe von 3.40 m problemlos passieren konnten (ich habe die Höhe unseres Schiffes gemessen, sie beträgt ohne Masten 3.34 m). Auf eigenes Risiko, so der angerufene Verantwortliche für die Klappbrücke und mit der Drohung, uns 45 Minuten warten zu lassen, wenn wir auf das Hochheben der Klappbrücke beharrten.

Gouda - IjsselsteinEs ging flott weiter, bis zur nächsten Kurve. Dort warteten eine ganze Reihe weiterer Schiffe auf das Schleusen in der Waaiersluis. Der Hub war so kurz, wie die Schleuse selber. Es passten höchstens zwei Schiffe hinein und manchmal auch nur eines (wie zum Beispiel die Luxemotor auf dem Bild ganz links).

Hinter uns lagen noch mehr Schiffe und warteten ebenfalls. Dort verloren wir am meisten Zeit und konnten diesen und warteten etwa 1 Stunde, Robert noch länger. Es gab Drängler und die machten uns das Leben schwer, dauernd waren wir am Ausweichen, weil es keine Möglichkeit zum Anlegen gab. Die Anlegepfähle sind nur für Cargos oder Luxemotorschiffe geeignet. Endlich konnten wir mit Robert die Fahrt fortsetzen. Es war mittlerweile Mittag geworden und wir hinkten dem Zeitplan hinterher.

Gouda - IjsselsteinBeim Warten auf Robert mit der Highlander entdeckte ich ein Teichhuhn mit ihrem Jungen, das zeitweilig tapfer über die Seerosenblätter stapfte.

Die Reise über die Hollandsche Ijssel ist wunderschön. Der Fluss führt mäandert und bietet landschaftlich sehr schöne Abschnitte.

Gouda - IjsselsteinManchmal sieht man vor lauter Bäumen nicht mehr so genau, wo der Fluss eigentlich weitergeht. Zudem sind die Stellen teilweise ziemlich eng und mit Gegenverkehr ist jederzeit zu rechnen. Auf der Strecke hat es ziemlich viele LeBoat-Schiffe unterwegs, die wegen ihrer Breite und den teilweise unerfahrenen Schiffsführern eine besondere Herausforderung darstellen können.

Wie das so aussieht, kann man auf dem Film von Liliane erahnen.

Im Schiffsverkehr ist es ähnlich, wie im Strassenverkehr. Am besten geht es, wenn man aufeinander Rücksicht nimmt und anderen hilft, die Strecken unfallfrei zu befahren. Ein grosser Unterschied zum Strassenverkehr: 12 Tonnen ist im Wasser mit Trägheit verbunden. Uns fuhr kurz nach der Videoaufnahme von Lilian in einer Engstelle ein Schiff entgegen. Vor der Engstelle war es breiter und der entgegenkommende Skipper hat dort auch abgebremst. Ich hatte in der Engstelle keine Chance, problemlos auszuweichen. Plötzlich gab der entgegenkommende Skipper wieder Gas und fuhr direkt auf mich zu. Mit Mühe und Not, konnte ich die Taranaki in die herunterhängenden Bäume und Gebüsche drücken, so dass eine Kollision vermieden werden konnte. Meine Ausdrücke, die ich für diesen Skipper übrig hatte, will ich hier gar nicht wiederholen. Sie waren ziemlich unflätig.

Auf der Reise erreichten wir die Luxemotor, die vor uns geschleust hatte, vor einer weiteren Klappbrücke. Beim Warten bemerkte ich, dass der Skipper das Schiff wohl noch nicht lange besass. Er dampfte ein, Bugleine am Poller festgemacht und Ruder zum Poller quergestellt. Anstatt nur wenig Gas zu geben und dann das Schiff arbeiten zu lassen, prallte er mit voller Wucht in die Anlegestelle. Er hatte das Gas nicht weggenommen. Es kam aber noch schlimmer. Die kurvige Strecke ist für lange Schiffe nicht einfach zu befahren. In zwei Kurven war er mit dem Heck deutlich zu nah am Ufer und rasierte dort einige Büsche. Wir konnten ihn dann auf einer geraden Strecke überholen, das entsprechende Manöver hatte ich mit dem Horn angekündet.

Gouda - IjsselsteinWir passierten die seit dem 10. Juni 2023 wieder befahrbare Drehbrücke in Montfoort. Sie wurde durch die Stadt unter Anwesenheit von Behörden und Bevölkerung nach länger dauernden Renovationsarbeiten feierlich wieder eingeweiht.

Gouda - IjsselsteinDurch die vielen Wartezeiten landeten wir schliesslich in Ijsselstein und wollten die letzten Klappbrücken Richtung Utrecht passieren. Da sahen wir Doppelrot vor der Schleuse. In meinen akutellen Unterlagen (Gewässerkarte 2023, auf dem neusten Stand) gab es wohl Hinweise auf Einschränkungen wegen Bauarbeiten, die betrafen aber nur die Fahrwasserbreite und keine Betriebszeiten der Klappbrücken. Ich funkte zweimal, bekam aber keine Antwort. Es gab nur eine Möglichkeit: Wenden und zurückfahren in einen Hafen. Im Nachhinein stellte ich fest, dass diese Brücke ebenfalls zwischen 07:00 – 09:00 Uhr und zwischen 16:00 – 18:00 Uhr zurzeit nicht bedient wird.

Brigitte klärte die Möglichkeiten und telefonierte mit dem nächsten Hafen, der etwa 6 Kilometer weit weg war. Bei der Rückfahrt zu diesem Hafen standen wir vor der nächsten Brücke mit Doppelrot. Dieses Mal konnten wir an der Ijsselkade anlegen. Dort gibt es keinen Strom und weder Duschmöglichkeit, noch eine Toilette. Nach erneutem Anruf beim Hafen teilte der Hafenmeister mit, die Brücken seien zwischen 16:00 bis 18:00 Uhr nicht bedient und würden anschliessend bis 20:00 Uhr wieder geöffnet.

Als wir losfahren wollten, mussten wir feststellen, dass die Schiffe nicht mehr wollten. Robert hat vermutlich ein Problem mit einem Kurzschluss, das er selber nicht lösen kann. Bei der Taranaki waren die Batterien erschöpft, weil ich den ganzen Tag mit dem Bugstrahlruder hantierten und gestern Nacht keinen Landstrom bezogen.

Gouda - IjsselsteinDeshalb sagte Brigitte die Hafenreservation wieder ab und wir feierten den Geburtstag von Lilian in Ijsselstein in der Brasserie 1560. Liliane hatte beide Crews zu einem wunderbaren Essen mit einem sehr schönen Rosé mit einer Crème brullée mit Glacé zum Dessert eingeladen.

Gouda - IjsselsteinAuf der Treppe im Hintergrund erschienen auf einmal rüstige und adrett gekleidete Herren. Wir dachten zuerst, die seien da, um Liliane zum Geburtstag ein Ständchen zu bringen. Aber Pustekuchen: Es waren wohl Mitglieder einer Studentenvereinigung, die sich in der Brasserie 1560 ebenfalls verwöhnen liessen.

Nach dem Essen liessen wir den Generator wieder laufen, damit unsere Batterien am nächsten Morgen wieder über genügend Saft verfügten. Während der Generator arbeitete, vergnügten wir uns mit Yatzy nach Esther’s Regeln. Es war sehr amüsant und wir schlossen den schönen und erlebnisreichen Tag mit einem Schlummertrunk aus Schottland.

Leiden – Gouda

 

Bei der Ankunft im Passantenhaven von Leiden gings zum Waschen von Vorhängen (Liliane und Esther animierten Robert dazu und siehe da, sie sehen wieder aus wie neu) und wir mussten Kleider und Bettwäsche einer Kur unterziehen. Die Stadt hatte es uns mit ihrer Ausstrahlung angetan, so dass wir beschlossen einen Tag länger zu bleiben. Am nächsten Tag konnten deshalb die Crews länger im Bett bleiben, ohne dass wir etwas verpasst hätten.

Leiden - GoudaRobert entdeckte diese beiden sehr schön gepflegten Exemplare von Schleppern. Farblich abgestimmt scheinen sie dem gleichen Eigner zu gehören.

Gegen Mittag besuchten wir das Städtchen und anschliessend den Botanischen Garten, der als ältester von ganz Westeuropa bezeichnet wird. Er bietet schöne Einblicke in eine wunderbare Blumenpracht, wie du dich selber überzeugen kannst.

Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda Leiden - Gouda

Die Treibhäuser mit tropischem Klima werden umgeben von schönen Parkanlagen. Der Hortus Botanicus in Leiden können wir wirklich jedem empfehlen, dessen Herz für Blumen und Pflanzen schlägt.

Heute morgen starteten wir pünktlich um neun Uhr die Motoren und fuhren aus dem Passantenhafen Richtung Gouda.

Leiden - Gouda Leiden - GoudaDie Reise führte über den Oude Rjin vorbei an schönen Häusern und immer wieder vor Klappbrücken mit niedriger Durchgangshöhe.

Unterwegs trafen wir auch Unerwartetes.

Leiden - GoudaJedenfalls zeigten sich nicht nur Liliane und Esther überrascht, was sie hier zu Gesicht bekamen.

Zeigen wir doch des Rätsels Lösung, ein Schiff der Extraklasse.Leiden - Gouda

Leiden - GoudaAber eigentlich sind es die kleinen Schmuckstücke, die es uns noch mehr angetan haben.

Leiden - GoudaAuch Hausboote müssen mal zur Werft, um sich vom Ballast der Flüsse zu befreien (in der Regel ist das eine dicke Muschelkruste).

Auf der Reise gab es eine ganze Reihe von Klappbrücken zu passieren.

Leiden - GoudaDas führt manchmal zu Stausituationen, wie Beispiel zeigt. Hier warten 10 Schiffe auf Durchfahrt, die etwas dauerte, weil offenbar nach der Brücke Berufstaucher an der Arbeit unterwegs waren.

Leiden - Gouda Leiden - GoudaEs gibt aber nicht nur Klapp- und Drehbrücken, es gibt auch Hebebrücken, wie hier in Boskoop.

Schliesslich landeten wir vor der Klappbrücke zum Gemeindehaven von Gouda. Dort dümpelten wir beinahe drei Viertel Stunden, weil es keine Anlegemöglichkeit gab. Endlich schafften wir dieses Hindernis und dann auch noch die darauf folgende Schleuse. Der Gemeindehaven wir als Hafen mit Stromanschlüssen, Duschen, WC usw. angepriesen. Leider gilt das nicht für alle Anlegestellen. Diejenigen mit Stromanschlüssen waren alle schon besetzt. Nun den, wir haben ja Sonnengläser und werden morgen kurz den Generator anwerfen. Denn ohne „Gaffe“ können wir nicht losfahren.

Am späteren Nachmittag gab es ein kräftiges Gewitter, wir hatten schon angelegt und waren beim Zvieri. Unser Zelt ist dicht und das viele Wasser konnten wir gut ableiten.