Heute Morgen traf der Hafenmeister ein, der sich entschuldigte, weil er am Sonntag nicht noch vorbeigekommen sei. Sie seien eben alles Volontäre. Ich antwortete, das mache überhaupt nichts, wir hätten uns gut zurecht und auch eine freie Steckdose für den Bezug der Elektrizität gefunden.
Wir verliessen kurz nach neun Uhr den schönen Hafen und drehten Richtung Maastricht in den Albert-Kanal. Ich sah, dass sich die Melody, eine Linssen-Sedan, ebenfalls auf den Weg machte. Vor uns fuhr ein Tanker und schon nach drei Kilometern gelangten wir zur Schleuse. Der Schleusenwart wies mich an, mit dem Tanker in die grosse Schleuse zu fahren. Brigitte fierte an am zweiten Schwimmpoller und ich unterstützte sie an der Leiter mit dem Schleuserhaken. Da hupte es hinter uns und die Melody wollte, dass ich vorziehe. Der Tanker war auf Backbordseite ganz vorne in der Kammer und dahinter gab es genügend Platz, so unterliess ich es, weiter nach vorne zu fahren. Zudem hatte der Tanker den Motor in Fahrt und das Ruder so eingedreht, dass es ihn an die Wand drückte. Die Melody fuhr an mir vorbei, nicht ohne mich wütend darauf aufmerksam zu machen, dass ich hätte vorziehen sollen. Er wollte auf keinen Fall hinter dem Tanker festmachen.
Schliesslich folgte noch die Motorjacht Christine und wir schleusten bergwärts.
Brigitte machte Bilder von Sand- und Kieshaufen, die auf Abnehmer warten. Es wird emsig gebaut, das haben wir in ganz Belgien beobachten können.
Die River Dronen sind nach wie vor in Betrieb. Hier wird eine mit Containern beladen. Obschon sie ferngesteuert werden kann, sind immer noch ein bis zwei Mann an Bord.
Die Schleusen folgen in kurzen Abständen, so dass wir immer in der gleichen Konstellation schleusen konnten. Die dritte Schleuse Genk ist nur teilweise in Betrieb. An ihr wird gearbeitet, so auch an der Kammer, in die wir einfahren sollten. Ich fuhr als letzter der drei Sportboote in die Kammer vorbei am Arbeitsschiff, das unmittelbar vor dem Schleusentor wartete. Der Tanker hatte den Motor gestoppt und ich fuhr im stumpfen Winkel auf den zweithintersten Schwimmpoller zu. Als ich auf Backbordseite eindrehen wollte, startet der Tanker erneut den Motor. Ich hatte keine Chance, die Strömung drehte den Bug Richtung Schleuseneingang. Ich hatte keine Chance, die Taranaki machte mit dem dicken Tau am Bug Bekanntschaft mit der Schleusenwand. Ich betätigte den Gashebel stark rückwärts und kam wieder von der Schleusenwand weg. Nun trieb ich seitwärts auf das Arbeitsschiff zu. Ich drehte das Ruder ganz nach Steuerbord und gab kräftig Gas. An die Betätigung des Bugstrahlruders war nicht zu denken, das ist für solche Situationen viel zu schwach. Mein Manöver half, die Taranaki drehte sich in die korrekte Lage und ich konnte den Schwimmpoller trotz der Strömung korrekt ansteuern. Brigitte legte das Tau darum und fierte. Glück gehabt und das Tau hat nur ein paar wenige grüne Flecken ab bekommen.
Dann ging alles planmässig weiter. Bei Kanne passierten wir die schöne Brücke.
Ein paar Kilometer weiter überspannt neu eine Fussgänger-Hängebrücke die Schlucht.
Die beiden Sportboote fuhren schneller, als wir. Bei der Lanaye-Schleuse holten wir sie wieder ein und konnten mit ihnen zusammen talwärts schleusen.
Wir erreichten schliesslich unser Ziel, den Treech’42-Hafen und machten längs am Passantensteg fest. Wir mussten feststellen, dass auch hier das Kraut enorm gewachsen ist, wie wir das hier noch nie so gesehen haben.
Bei einem feinen Nachtessen aus der Bordküche und einer Dame-Blanche vom Club-Restaurant beschliessen wir den Abend.

