Heute war wiederum eine längere Fahrt angesagt. Wir starteten um ungefähr Viertel vor neun Uhr bei grösstenteils bedecktem Himmel und angenehmen Temperaturen. Brigitte löste die Leinen, ich dampfte ein, damit das Heck vom Anlegesteg wegkam und ich problemlos rückwärts aus dem Hafen ausfahren kann. Ich drehte die Taranaki und es konnte losgehen. Wir befuhren noch ein kurzes Stück die Nete und etwa 2 Kilometer vor der Schleuse meldete ich uns an. Der Schleusenwart sicherte mir die Schleuse zu und als wir sie erreichten war das Signal bereits auf Grün. Vor der Schleusenkammer kommen von zwei Seiten starke Strömungen, weil aus dem Albertkanal die Nete mit Wasser gespiesen wird. Ich musste aufpassen, dass ich glatt durch diese Wirbel kam. Früher machte ich noch den Fehler, solche Passagen zu langsam anzugehen. Dann wird das Ruder nicht optimal angeströmt und das Schiff damit schlecht steuerbar.

Die Schleuse selber verfügt über Poller und eine Leiter. Im unteren Teil konnten wir den Poller noch benutzen, dann ging’s nur noch mit der Leiter. Früher war die Schleuse noch durch einen Schleusenwart vor Ort bedient. Heute geht es nur noch mit Videoüberwachung.

Im Albertkanal war wenig Verkehr. An einem Sonntag sind nur noch Frachter unterwegs, die ihren Zielort zum Löschen oder Beladen anpeilen. Am Montag werden deshalb mindestens morgens auch noch nicht so viele Frachter unterwegs sein. Ein Schuber mit zwei Leichtern war mit Containern beladen. Möglicherweise war die fehlende Sicht ein Grund, weshalb der vordere Leichter etwas ungewöhnlich beladen war: Die mittler Reihe fehlte vollständig.

Unterwegs trafen wir die Tarnaka (nicht zu  verwechseln mit unserer Taranaki). Das Schiff fährt unter belgischer Flagge, ist 80 m lang und 8 m breit. Es wurde 1959 unter dem Namen „Ruhr 32“ vom Stapel gelassen.

Der Albertkanal hat in dem Abschnitt, den wir befahren, zwei Schleusen mit jeweils drei Kammern. Bei beiden waren Kammern frei, so dass ich unmittelbar nach der Anmeldung eine freie zugewiesen bekam. Diese Kammern sind mit Schwimmpollern ausgerüstet und das Befüllen der Kammer erfolgt von unten. Beide Rahmenbedingen sind günstig für entspanntes bergwärts schleusen.

Am Ufer haben wir mehrere Kieswerke gesehen, die unterschiedliches Material und in unterschiedlicher Grösse gelagert hatten. So fanden wir solche mit Flusssand, mit Seesand und mit Granit. Das Bild zeigt die Maschine, die diese Berge aufhäuft. Ein Kran entlädt die Schiffe und leert das Schüttgut in den Trichter hinten am Raupenfahrzeug. Über das Förderband werden dann die Berge angehäuft.

Brigitte hatte uns gestern im Hafen angemeldet. Der Hafenmeister meinte, das sei überhaupt kein Problem, wir sollten am Anleger für Visitors festmachen. Als wir den Steg erreichten gab es für uns keinen Platz. Hätten die Vorgänger platzsparender angelegt, hätte es gereicht, aber so? Brigitte kontaktierte nochmals den Hafenmeister und der wies uns die Boxen 36 oder 37 zu. Die 36 war besetzt, aber die 37 war ideal.

Die Steckdose für die Elektrizität war mit einem Schloss gesichert. Ich habe dann eine freie Steckdose gefunden und so konnten wir unseren Kühlschrank laufen lassen.

Am Hafen gab es ein Sonntagskonzert einer Brassband, sehr schön. Wir duschten und warten schon mal auf den Hafenmeister. Er komme noch diesen Abend oder am nächsten Morgen. Mal sehen!