Wir sind drei Nächte in Mons geblieben. Das Schiffshebewerk von Ronquières ist am Sonntag ausser Betrieb und so wollten wir die nächste Etappe am Montag absolvieren. Samstagnacht gab es ein heftiges Gewitter. Brigitte erzählte mir, dass es extrem gewindet hatte und starker Wellengang das Schiff hin und her schaukelte. Ich hatte von alldem überhaupt nichts mitbekommen. Erst am nächsten Tag sah ich Blattwerk und Äste, die weit vom Ufer weg auf den Ponton geweht wurden. Der Sturm hatte sogar Bäume gefällt, die einen Teil der Strasse versperrten.
Am Sonntag haben wir gewaschen und am Abend Mons besucht. Dieses Mal fanden wir den Place-Centrale und der bildet wirklich ein sehenswertes Zentrum mit vielen Restaurants. Wir assen ein feines Nachtessen im „Le Verde“, das wir sehr empfehlen können.
Heute verliessen wir den Hafen Mons kurz nach acht Uhr und machten uns auf den Weg. Wir passierten zuerst zwei Schleusen. Bei der ersten wird kräftig gebaut und die zweite ist bereits auf dem neusten Stand mit Schwimmpollern ausgerüstet. Die Écluse d’Havré hat eine geteilte Kammer. Gemäss unseren Informationen wurden heute nur 58 Meter davon bedient, was für grössere Frachter ein Problem darstellt. Sie müssen warten, bis wieder die ganze Schleuse in Betrieb genommen wird.
Mit uns hat ein weitere Sportboot, Le Vagabond, die Schleuse passiert. Aufgrund der Informationen, die wir dem Schleusenwärter mitteilten, wussten wir, dass das dritte Schiff in den Hafen von Thieu wollte.
Wir erreichten schliesslich das Schiffshebewerk Strépy-Thieu, ein riesiges Bauwerk. Wir stellten fest, dass Le Vagabond nun doch auch den Lift nehmen will.
Wir konnten bald einfahren und vorne festmachen. Brigitte machte danach einen entspannten Eindruck, nach dem Festmachen war ihre Arbeit vorerst abgeschlossen.
Imposant ist die Infrastruktur allemal. Oben sieht man den Abschluss des wegführenden Kanals, der dicht halten muss, bis wir ordentlich angeflanscht sind.
Als es dann so weit war, öffneten die Betreiber das Tor.
Beim Ausfahren wünschte uns die Sachbearbeiterin am Funk einen schönen Tag und gute Reise. Das ist bei den belgischen Schleusen, die wir bei diesem Törn befahren haben, offenbar so üblich. Wir bedankten uns und erwiederten die Wünsche.
Der 1832 eröffnete Kanal Charleroi–Brüssel war seit 1914 zwischen Charleroi und Clabecq für 300-Tonnen-Schiffe (Pénichen) befahrbar. Grösstes Hindernis für die Schifffahrt war stets der durch das Tal der Samme verlaufende Abschnitt Ronquières-Godarville, auf dem mittels zahlreicher Kurven, 14 Schleusen und einem Tunnel ein Höhenunterschied von knapp 70 Meter überwunden werden musste. Das Durchfahren dieses Abschnitts dauerte ein bis zwei Tage.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied die belgische Regierung, den Kanal auf voller Länge für 1350-Tonnen-Schiffe (Europaschiffe) auszubauen. Daher musste dieser Abschnitt völlig neu trassiert werden. Ausserdem sollte der Abschnitt nicht durch Schleusen, sondern ein Schiffshebewerk überwunden werden.
Bereits zum Zeitpunkt der Eröffnung des Schiffshebewerks nahm der Gütertransport auf dem Kanal aufgrund des Niedergangs der Kohle- und Stahlindustrie im Grossraum Charleroi erheblich ab. Zwischen 1987 und 1997 wurden pro Jahr nur noch rund 1 Mio. Tonnen Güter über das Schiffshebewerk transportiert. Ab dann nahm die transportierte Tonnage jedoch wieder deutlich zu, so wurden 1999 bereits knapp 1,6 Mio. Tonnen transportiert. Bereits ein Jahr später wurde die Grenze von 2 Mio. Tonnen übersprungen. Ab 2002 wurde es durch das neue Schiffshebewerk Strépy-Thieu im Canal du Centre auch Europaschiffen ermöglicht, nicht nur bis Charleroi zu fahren, sondern auch die Wasserscheide zwischen Maas und Schelde zu überqueren. 2007 transportierte das Schiffshebewerk Ronquières dann etwas mehr als 3 Mio. Tonnen Güter.
Hier nun ein paar Eindrücke dieser Fahrt mit der Drahtseilbahn.
An der zweiten Bahn wird gearbeitet. Sie wird verbreitert und soll in ein bis zwei Jahren in Betrieb gehen. Dann wird auch die Bahn überarbeitet, mit der wir heute fahren.
Beim Befahren des Schiffshebewerks Ronquières sind vier Leinen Pflicht. Wir machten entsprechend fest, aber immer noch lose genug. So meinten wir mindestens. Unten beim Angleichen an den Wasserstand war die Leine am Mittelpoller zu eng angesetzt und wir konnten sie nach vor dem Verlassen nicht mehr lösen. Sie hatte sich an unserem Poller verklemmt und ich musste die Leine durchschneiden. Man lernt eben nie aus!
Bald darauf landeten wir im kleinen Hafen von Ittre. Kurz vor uns hatte eine Joy festgemacht, so wie unsere Taranaki beim Kauf geheissen hat. Der Hafenmeister begrüsste uns sehr freundlich und half uns beim Festmachen. Er empfahl, etwas zurückzusetzen, da das Gewitter vom Vortag viel Wasser eingebracht habe und wir deshalb noch bis 50 cm sinken würden. Dann wären wir etwas gar nahe am Ufer.
Das Clubrestaurant hat geschlossen, aber als „Selbstversorger“ kommen wir auch so über die Runden.








