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Reisen mit der TARANAKI

Hattem – Kampen

 

Heute war wieder eine relativ kurze Tour angesagt. Wir hatten Einiges über Kampen gelesen und wollten deshalb die Stadt ansehen. Zudem werden am Wochenende Hanse-Städte ein Fest veranstalten, weshalb wir zwei Tage in Kampen bleiben werden.

Die Tour verlief sehr ruhig. Es gab kaum Verkehr und der Wasserstand ging etwas zurück. So hatten wir unterwegs Zeit, einige Bilder und Videos zu machen.

Der Wind blies zwischen 16 und 18 km / Std., weshalb die Bilder etwas verwackelt ausgefallen sind (Kamera vom Mast der Taranaki).

Hattem - KampenHier noch etwas zu den Flaggen. An Steuerbord werden die Flaggen des Gastlandes aufgehängt, und zwar immer dasjenige Land, dessen Küste auf Steuerbord-Seite zu sehen ist (Steuerbord = in Fahrtrichtung rechts). Bei der Rückreise in den Heimathafen werden die Flaggen aller bereisten Länder aufgehängt.

An Backbord-Seite (in Fahrtrichtung links) sind die Vereinsflagge, also der Wimpel des Schleusenvereins, die Schweizerfahne und die Berner Fahne aufgehängt. In Kampen kaufte ich beim Hafenmeister noch einen Wimpel des Oude Buitenhavens und der hängt jetzt ebenfalls unter der Berner-Flagge.

Als Begrüssung winkte uns eine Windmühle am Ufer zu.

Bald schon fuhren wir unter der Stadsbrug Kampen hindurch, die die Altstadt mit dem Bahnhof und neueren Stadtteilen von Kampen verbindet. Auf der Backbord-Seite konnten wir schon bald den Oude Buitenhaven anpeilen.

Hattem - KampenDer Hafen ist ebenfalls mit der bereits früher erwähnten App ausgerüstet. Im Liegeplatz inbegriffen sind der Strom, was die Abrechnung stark vereinfacht. Der Hafenmeister ist ein Unikum, er begrüsste uns mit „Nicht schlecht“, als er unsere Anlegemanöver oder die Schiffe sah. Auf jeden Fall habe er gelernt, dass die Schweizer mit „nicht schlecht“ eigentlich „sehr gut, sehr schön“ meinten.

Der Oude Buitenhaven mit der Taranaki rechts im Vordergrund (mit dem hellen Verdeck) und der Highlander gleich dahinter (mit dem blauen Verdeck).

Bei einem Kaffee in seiner Hafenmeister-Bar resp. der Terasse im Schatten – es wurde schon sommerlich heiss – liessen wir die schöne Fahrt Revue passieren. Anschliessend assen wir einen kleinen Imbiss und gingen der Ijssel entlang und schliesslich in die Stadt, wo uns ein reger Touristenstrom begegnete.

Auf der Ijssel konnten wir einige schöne Schiffe plus die Hebemechanik der Stadbrug bewundern.

Morgen werden wir einen Ruhetag einlegen, weshalb es morgen auch keinen Blogbeitrag geben wird.

Dafür werde ich noch einen „privaten Videofilm“ zusammenschneiden, wofür ich einen Link separat verteilen werde.

Deventer – Hattem

 

Heute war wieder eine etwas längere Tour geplant. Wir hatten die Absicht, den Jachthafen von Hattem anzufahren. Wir starteten deshalb kurz nach 9:00 Uhr in Deventer. Es hatte nicht viel Verkehr unterwegs. Das Wasser in der Issel war noch etwa 10 cm gestiegen und sie wurde immer breiter.

Deventer - HattemEs kam uns ein Passagierschiff bergwärts fahrend entgegen. Am Buch der Taranaki flattert übrigens die Flagge der Provinz Limburg. Es ist üblich, am Bug die Flagge der Provinz zu zeigen, aus der man herkommt. Weil das Schiff De Nassau die starke Strömung überwinden muss, haben die beiden Motoren ordentlich Wellen verursacht. Unsere Taranaki schaukelte noch mehrere hundert Meter unten kräftig. Beim Passagierschiff handelte sich um eines, mit dem die Passagiere einen Teil mitfahren, die übrigen Teile mit dem Fahrrad zurücklegen können, ganz im Gegensatz zu uns: Bei uns gibt es das eine oder das andere. Vor drei Minuten hat es in Nijmegen angelegt.

Schon bald überholte uns die Thurgau Saxonia. Sie hat vor 23 Minuten in Lemmer festgemacht.

Deventer - HattemÜber weite Teile der heutigen Fahrt lenkte Kilian die Taranaki. Dabei machte er einen völlig entspannten Eindruck. So ist das richtig!

Deventer - HattemSo in etwa sieht die Aussicht aus, die der Skipper im Aussensteuerstand geniesst.

Aber auch im Salon lässt sich während der Fahrt gut leben, oder Brigitte?Deventer - Hattem

 

Deventer - HattemZeitweise kommen grössere Cargo-Schiffe, die relativ langsam die Ijssel hochpflügen.

Deventer - HattemDann staunten wir nicht schlecht: Es passierte Backbord eine St. Jozef-Vlet 1050 Salon. Wir winkten einander erfreut und intensiv zu. Sie ist mehr oder weniger baugleich mit unseren beiden Schiffen. Einzig ein Verdeck fehlt auf der Heckterasse.

Deventer - HattemDann erreichten wir auch schon die Einfahrt zum Jachthafen Hattem. Diese liegt auf der Aussenseite einer Kurve und deshalb ist es bei der Strömung ratsam, die Einfahrt nicht direkt anzufahren. Deshalb machten wir etwas unterhalb der Einfahrt eine 180°-Wende und fuhren bergwärts in die Einfahrt.

Über Kanal 31 meldeten wir uns beim Hafenmeister. Der antwortete nicht sogleich, meldete sich aber kurze Zeit später. Wir konnten die Liegeplätze 71 und 72 direkt nebeneinander belegen.

Als wir gerade am Essen waren, fuhr ein Schiff mit französischer Flagge in den Hafen und am Bug hatte eine Schweizer Fahne und den Wimpel vom Schleusenverein.

Ich verliess den Mittagstisch, setzte meine Schleusenverein-Mütze auf und half dem Schiff Linna und seiner Besatzung beim Anlegen. Es gehört André Keller und Brigitta Gwerder. Ich fragte natürlich, ob sie auch nach Harderwijk fahren wollten. Sie bejahten das und erzählten, sie seien jetzt drei Wochen unterwegs und kämen von Strassbourg. Wir treffen sie deshalb wieder. Wenn sie nicht schon beim Schleusenverein wären, hätte ich ihnen einen Flyer gegeben und hätte Werbung für unseren Verein gemacht.

Deventer - HattemNach einem feinen Mittagessen auf der Taranaki begaben wir uns ins nahe gelegenen Hansestädchen. Das Wetter wurde immer besser und so konnten wir bei Sonnenschein und blauem Himmel durchs Städchen spazieren.

Deventer - HattemIlse hätte sich in diesen Läden sicher wohlgefühlt.

Zutphen – Deventer

 

Die für heute geplante Etappe war nicht allzu lang, deshalb beschlossen wir, später loszufahren. Wir nutzten die Zeit nach dem Morgenessen, um mit Kilian noch Zutphen anschauen zu gehen. Im Städtchen fand gerade ein Markt statt und wir erstanden uns unter anderem ein Brot mit Oliven und Rosmarin oder sechs Laugen-Gipfel für einen Euro (alle sechs zusammen).

Zutphen - DeventerAm Ufer der Ijssel spazierten wir gegen Süden und konnten noch ein dreidimensionales Bild eines Strassenkünstlers bewundern.

Beim zweiten Hafen konnten wir feststellen, dass auch grössere Schiffe Platz finden würden. Im Führer wurden nur Schiffe bis 10.20 m als zulässig angegeben.

Gegen 11:00 Uhr fuhren wir los. Unterwegs überholten uns diverse Frachter und Sportboote oder kamen uns entgegen. Kurz vor Deventer gibt es eine Engstelle, auf der wir vor Jahren bergwärts fahrend einen Frachter entgegen kommen sahen, der aufgrund der Fliessgeschwindigkeit und des niedrigen Wasserstandes mit dem Heck nahe an uns vorbeifahren musste. Nachher überholte uns an der Stelle noch ein Frachter, der durch den Schub riesige Wellen verursachte. In den Bunen konnten wir damals Sog und Schwall beobachten, der unser Schiff wahrhaft tanzen liess.

Vor diesem Abschnitt hatten wir Respekt. Heuer sind die Wasserstände stark angestiegen, viele Büsche und das Gras an den Ufern standen im Wasser. Als wir die Stelle passieren wollten, zeigte sich folgende Situation:

Zutphen - Deventer

Nr. 2 fuhr talwärts, Nr. 3 war die Highlander und Nr. 4 die Taranaki. Da im Engnis die Fliessgeschwindigkeit hoch ist und das Cargo-Schiff deshalb direkt Steuerbord in den Baggersee einfahren muss, musste das bergwärts fahrende Cargo-Schiff Nr. 1 aufstoppen. Wir (Nr. 3 und 4) hatten ebenfalls Fahrt rausgenommen, so dass da Containerschiff nach Steuerbord abbiegen konnte.

Sobald Nr. 2 die halbe Flussbreite frei gegeben hatte, konnte Nr. 1 wieder voll Gas bergwärts fahren und wir konnten, nachdem Nr. 2 im Baggersee verschwunden war, ebenfalls normale Fahrt aufnehmen. Das Engnis stellte damit für uns keine besonderen Herausforderungen mehr dar. Die Abläufe auf dem Fluss sind für uns logisch und nachvollziehbar. Über Kanal 10 des Binnenschifffahrtfunks wurde dieses Manöver zwischen den Cargo-Schiffen 1 und 2 so vereinbart.

Zutphen - DeventerGegen Deventer zeigte sich eine wunderschöne Stadtkulisse. Diese wurde durch vorbeiziehende Schiffe untermalt, die uns vor der Stadt noch überholten.

Zutphen - Deventer

Schliesslich bogen wir in den Jachthafen von Deventer ein. Dort wurden wir von einem sehr freundlichen und hilfsbereiten Hafenmeister begrüsst und an die Liegeplätze 11 und 13 der B-Reihe Zuid eingewiesen. Der Hafen war beim letzten Besuch noch ein Vereinshafen und das dazugehörige Restaurant noch ein Vereinslokal.

Zutphen - DeventerHeute ist es ein öffentliches Restaurant, in dem wir bei einem Bier noch einen Tisch für das Abendessen reservierten.

Nachdem Kilian sein Jogging abgespult und geduscht hatte, gingen wir noch nach Deventer hinein.

Der Ort bietet viele malerischen Gässchen und Plätze. Im Regen ging’s dann zurück zum Hafen, wo wir uns zu Recht auf ein feines Nachtessen im Restaurant freuten. Der Kellner (und vermutlich Gerant) erklärte uns, er habe unter anderem auch im Schuh in Interlaken gearbeitet, Damals sei er jedoch noch sehr jung gewesen, es habe ihm aber sehr gefallen. Schön, das auch von Dritten zu hören.

Doesburg – Zutphen

 

Heute fuhren wir ca. 10:30 Uhr los, da die Strecke nach Zutphen nicht besonders lang war. Kilian legte ab, drehte die Taranaki Richtung Ausfahrt und steuerte in die Ijssel. Er machte das sehr gut.

Unterwegs überholten uns zwei Sportboote im Überholverbot, ein Luxemotor und ein grösseres Sportboot. Die Ijssel macht an der Stelle talwärts einen Bogen nach rechts. Es kam uns ein Frachter mit blauer Tafel und Funkel entgegen. Normalerweise kreuzen Schiffe Backbord / Backborder, eine blaue Tafel bedeutet, dass Steuerbord / Steuerbord gekreuzt wird. Die Sportboote missachteten diese Regel, mir wurde der Weg abgeschnitten und musste ich auch Backbord / Backbord kreuzen. Es sind diese elementaren Regeln, die von Sportbootführern oft nicht beachtet werden, zum Leidwesen der Cargo-Schiffer.

Unterwegs sahen wir viele Graugänse mit ihren Jungen in unterschiedlichem Alter. Auf einem in der Höhe abgesägten Baumstamm hatten Störche ein Nest gebaut. Sie begleiteten uns noch eine Weile, da sie offenbar auf Futtersuche waren. Ein Turmfalke griff den Storch an, doch dieser liess sich nicht gross aus der Ruhe bringen. Ich denke, dass der Turmfalke den Storch als Nesträuber ansah und ihn deshalb angriff.

In Zutphen legten wir im Jachthaven Noorderhaven an. Wir kannten den Hafen schon von früher, doch gab es einige Änderungen. So ist ein zweiter Aufgang erstellt worden, welcher den Weg zu Toiletten und Duschen stark verkürzt. Zudem scheinen einige Liegeplätze fest vermietet, so dass der Hafen recht besetzt aussah.

Die Plätze waren markiert mit roten und grünen Schildern (rot = besetzt, grün = frei). Ich fuhr auf einen grünen Liegeplatz. Das Anlegemanöver gelang nicht 100-%-ig, weil von Westen her der Wind unser Schiff wegdrückte. Schliesslich gelang das Eindampfen mit Slip in die Vorspring. Wie dieses Manöver grundsätzlich funktioniert, zeigt das verlinkte Video.

Der Noorderhaven ist ein moderner Hafen und wird via App AanUit.net bezahlt. Dort kann man den Liegeplatz buchen, den Strom freischalten und auch Wasser, wenn das benötigt wird.

Mein Liegeplatz war als frei markiert, die App sagte aber, dass er besetzt sei. Der Stromanschluss war frei. Ich telefonierte auf die Combox des Hafenmeisters, welcher mich nach kurzer Zeit zurückrief und versprach vorbeizukommen. Als er ankam offerierte er, den Nachbarliegeplatz zu buchen und die Stromzufuhr meines Platzes freizuschalten. Offenbar hatte der Vorgänger vergessen, den Liegeplatz über die App wieder freizugeben. Beim Strom werde der Anschluss nach einer Stunde Nichtgebrauch automatisch gekappt, der Liegeplatz wird allerdings weiterhin belastet.

Vor zwei Jahren war der Noorderhaven nur gegen Norden durch einen grossen Wohnblock abgegrenzt. Damals waren auf der Südseite Bagger aufgefahren und hatten zu arbeiten begonnen. Heute wird auch die Südseite durch einen langen Wohnblock abgegrenzt. Zutphen hat sich gegen Norden ziemlich ausgedehnt, auch nördlich des Bahnhofs sind neue Häuser entstanden.

Doesburg - ZutphenIn Zutphen kann man Kanutouren buchen und eine davon führt durch einen besonders niedrigen Tunnel, der für Kanus gerade noch so geht. Das Foto wurde am Standort der Einfahrt zum Tunnel gemacht.

Lathum – Doesburg

 

Heute hatten wir nur eine kurze Etappe geplant. Der Wetterbericht versprach Regen und wir wollten unbedingt in Doesburg Halt machen. Als wir vor der Abreise noch Dusch-Jetons abholten, fragte mich die Tochter der Besitzerfamilie, ob ich mit dem Schiff da sei und ob nicht schon mal da gewesen sei. Das konnte ich bestätigen und machte ihr ein Kompliment zum guten Gedächtnis.

Der Jachthafen ist kombiniert mit einem Campingplatz und einem kleinen Laden. Da wir noch in der Vorsaison unterwegs sind, finden wir überall einen Platz, können aber in den Läden noch nicht das volle Sortiment einkaufen. Das ist nur verständlich.

Ich kann den Jachthafen De Mars aber bestens empfehlen.

Wir fuhren gemütlich über die Seen und durch die Mündung in die Ijssel. Sofort hat uns die starke Strömung durch die schöne und abwechslungreiche Landschaft geführt. Schon nach kurzer Zeit näherten wir uns dem Passantenhafen von Doesburg. Ich sah auf dem Kartenplotter rechtzeitig einen Cargo, der Steuerbord ausfahren wollte. So verringerten Robert und ich das Tempo, so dass der Cargo ohne zu stoppen einmünden konnte. Er drehte bergwärts.

Ich habe beim Einfahren in den Hafen Folgendes gelernt: Die starke Strömung erfordert, dass ich den Bug in die Kurveninnenseite lege, das Steuerrad voll nach links drehe, so dass die unterschiedlichen Strömungsgeschwindigkeiten das Schiff wie von Zauberhand drehen. Dann konnten wir bergwärts in die Hafeneinfahrt ziehen.

Lathum - DoesburgDer Passantenhafen ist grosszügig angelegt, es sind mit unseren beiden nur 11 Schiffe festgemacht. Platz ist noch im Überfluss vorhanden. Wie idyllisch die Schiffe liegen, seht ihr anhand des Fotos.

Hinten die Highlander und vorne die Taranaki

Dann gingen wir die Stadt erkunden. Erste Regentropfen fielen, doch wir hatten uns mit Regenschutz gewappnet.

Lathum - DoesburgWir wussten, dass es in Doesburg das ältestes noch bestehende Wirtshaus der ganzen Niederlande gibt. Es heisst „De Waag“ und wurde im Jahre 1478 als Annex-Herberge zur Waage gebaut. Doesburg hat seit mehreren Jahrhunderten Handel betrieben. Seit 1447 ist sie eine Hansestadt. Händler mussten auf eingehenden Waren Steuern entrichten. Damals wurde nach Gewicht versteuert, so dass Bedarf für einen zentralen Ort entstand, wo Waren gewogen werden konnten. Deshalb wurde „De Waag“ gebaut. Wo viele Menschen sich versammeln wird es schnell gemütlich. Zudem wurde im 15. Jahrhundert ein Teil des Lohnes in Form von Bier entrichtet wurde. Damit war der Grundstein gelegt für das Haus als Waggebäude und Stadtbierhaus. Sie verkaufen immer noch Bier, die Karte ist entsprechend reichhaltig, wie wir uns persönlich überzeugten.

In der Zwischenzeit hatte starker Regen eingesetzt, so dass wir uns auf Geniessen und Einkaufen fokussierten. Brigitte und Kilian gingen noch ins „Senfmuseum„, ich genoss unsere Taranaki.

Nijmegen – Lathum

 

Nach den gestrigen Erfahrungen haben wir genau studiert, wer denn auf der Waal unterwegs sei, bevor wir unsere Reise starteten. Am Morgen sahen wir die Daan, einen 264 langen und 23 breiten Schuber, der ähnlich wie der Kohle-Shipper gestern jede Menge Flusswasser nach hinten schob.

Nijmegen - LathumWir fuhren los und kamen bei guten Verhältnissen und ordentlichem Zupf besser voran, als wir gedacht hatten. Es gab ordentlich Verkehr auf der Waal und wir hörten im Funk auf Kanal 4 resp. 5 laufend den Schiff – Schiff-Funkt mit.

Nijmegen - LathumDie Überholmanöver gestalteten die Cargoschiffe so, dass wir nie Probleme hatten. Einer fragte einen Kollegen, ob er wegen unseren beiden Sportbooten mit der Geschwindigkeit zurückgehen sollte. Der Kollege antworte ihm, das sei nicht nötig, was uns zeigte, dass wir kein Hindernis darstellten. So soll’s auch sein.

Auf der Höhe der Einfahrt in den Pannerdensch-Kanaal fuhr ein Passagierschiff aus dem Kanal Richtung Basel. Vor uns wendete ein Frachter in den Kanal und das war der Augenblick, auch unser Wendemanöver einzuleiten wir fuhren immer noch bergwärts über die Mitte des Pannerdensch-Kanaals, um dann mit dem Wendemanöver die Talfahrt einzuleiten. Mit tieferen Tourenzahlen ging’s von da an rasch den Kanal hinunter. 14 km / Std. gegenüber 6 auf der Wahl waren schon ein toller Unterschied.

Nijmegen - LathumWir hatten geplant, in Arnheim festzumachen. Die Verzweigung war gut beschildert, wir hätten sie aber auch ohne Schilder einfach gefunden. Als wir dann im geplanten Zielhafen eine Runde machten, verzichteten wir auf ein Anlegemanöver und beschlossen statt dessen den Jachthaven in Lathum anzusteuern.

Nachdem wir den Nederrijn verlassen und wieder in die Ijssel einfuhren, ging es wieder zackig voran. Wir begegneten einigen Cargo-Schiffen, einem weiteren Passiergierschiff. Kurz vor dem Ziel kreuzten wir auf gleicher Höhe einen beladenen Frachter, der von einem leeren Cargo-Schiff überholt wurde.

Schliesslich fuhren wir in die Seenplatte ein, an deren Ende unser neues Ziel lag. Dort machten wir am Passantensteg fest und meldeten uns beim Hafenmeister. Dort wusste die Vertretung nicht genau, wieviel wir bezahlen sollten. Die Chefin, die bald darauf eintraf, konnte diese Unsicherheit beseitigen.

Ein älterer Mann, der ebenfalls zum Camping gehörte, erzählte von einem Schweizer Camping-Aufenthalter, der sich darüber beschwerte, dass er keine Schweizer Fahne aufgezogen hätte. Nach einer Weile tauchte er wieder auf mit einer Schweizer Fahne in der Hand.

Nijmegen - LathumWir hatten heute gut 52 Kilometer zurückgelegt, was zwar ursprünglich nicht unser Plan, aber wegen der Talfahrt problemlos bewältigt werden konnte.

Heute fuhr Kilian auf der Highlander und durfte gar als Schiffsführer operieren. Dabei war Robert wie früher bei uns ein guter und geduldiger Lehrmeister.

Nijmegen - LathumDas Foto zeigt Kilian am Steuer der Taranaki.

Plasmolen – Nijmegen

 

Mit Kilian an Bord hatten wir heute Grosses vor: Erstkontakt mit der Waal, wie der Rhein hier bei Nijmegen heisst. Der dortige Lindenberghafen war denn auch unser Tagesziel. Der Wetterbericht versprach ab 10:00 Uhr Regen und teilweise intensiv, tatsächlich setzte er aber erst um Viertel nach Fünf ein.

Vorher gings von Plasmolen gemütlich über die Seen und den Mündungskanal wieder zurück auf die Maas. Kurz nachher teilte sich der Fluss.

Plasmolen - NijmegenDer Kanal verbindet die Maas mit der Waal und deshalb wird er von Cargo-Schiffen gerne befahren. Heute war aber nicht viel los, so dass Brigitte ganz entspannt vorne sitzen konnte. Das sollte sich noch ändern, du wirst später sehen warum.

Bald darauf meldete ich die Highlander und die Taranaki der Schleuse Weurt zum talwärts schleusen an. Zuerst wurde noch die Calypso hochgehievt, allerdings betrug der Hub nur etwa einen Meter. Meine Crew meinte, wir würden bergwärts schleusen, aber der Skipper hat bekanntlich immer recht.

Nach der geschützten Schleuse sollte es bergwärts gehen zum Stadthafen Lindenberg. Auf dem Kartenplotter waren gerade sechs bergwärts ziehende Cargoschiffe aufgeführt. Einer von ihnen war ein gewaltiger Schuber, welcher Kohle beförderte, nur sehr langsam fahren konnte und hinten gewaltige Wellen produzierte. Was das heisst und für Brigitte sowas wie eine Äquatortaufe war, siehst du auf dem Video.

Die bergwärts und die talwärts fahrenden Cargo-Schiffe verursachten rechte Wellen und ich musste als Skipper dauernd korrigieren, um die Kursrichtung einigermassen einhalten zu können.

Plasmolen - NijmegenSchliesslich erreichten wir wohlbehalten den Hafen und legten nach einer Wende mit beiden Schiffen mit dem Bug zu Tal am Gästesteg an.

Plasmolen - NijmegenDer Hafen beheimatet eine ganze Reihe schöner historischer Schiffe, die Auge und Gemüt erfreuen. Ein Skipper führte vor, wie man diese Segler gekonnt im engen Hafen mit schlechter Sicht voraus und mit einer Handpinne sorgfältig in einem Schwung an seinen angestammten Platz fährt.

Nachher gingen wir einkaufen. Trotz Sonntag sind die Läden geöffnet und viele Touristen bevölkern die Stadt, unter anderem auch zwei Vertreter des Schleusenvereins.

Leukermeer – Plasmolen

 

Heute wollten wir um 9:00 Uhr losfahren, aber Robert brachte seinen Mocken nicht zum Laufen. Ein hilfsbereiter Stegnachbar, der Martin, fand die Ursache: Die Ventile waren nicht ganz dicht und hatten Luft angesogen.

Wir fuhren mit der Taranaki gegen 10:00 Uhr los und hofften, dass das Problem bei der Highlander rasch gelöst würde. Erleichtert waren wir, als ein Telefon diese Zuversicht bestätigte.

Auf der Reise gibt es nur die Schleuse Sambeek. Wir konnten neben der Moin einschleusen, die und deren Besitzer wir gestern Abend beim Klönschnacken kennengelernt hatten.

Wir warteten noch auf einen kleineren Cargo, dem wir nach der Schleuse bereitwillig Platz machten. Achim, Besitzer der Moin, funkte das Schiff an und machte ihn auf unser Entgegenkommen aufmerksam. Der Kapitän bedankte sich und wünschte ein schönes Wochenende.

Leukermeer - PlasmolenIch freute mich auf die kurze Fahrt von der Maas über den Kanal zu den Seen nach Plasmolen. Ich finde die Ecke besonders reizvoll. Wir legten den Mast ab, der würde schon bei der ersten Brücke zu einem Unfall führen.

Plasmolen verdankt seinen Namen einer gleichnamigen Wassermühle, die laut Jahreszahl des Gebäudeankers 1725 entstand. Der Ort wurde jedoch schon im 2. Jahrhundert nach Christus besiedelt, was durch entdeckte Fundamente 1931 belegt werden konnte. Seit 1900 ist der Ort besonders beliebt bei Künstlern, die sich von der wunderschönen und unberührten Natur inspirieren liessen.

Venlo – Leukermeer

 

Heute starteten wir – das sind mein Bruder Robert mit seiner Highlander und ich – die Motoren pünktlich wie vereinbart um 09.00 Uhr die Motoren.

Die Strecke hat keine einzige Schleuse, wohl aber einige Fähren, die mir von einem früheren Erlebnis in Erinnerung geblieben sind. So sind wir damals bergwärts gefahrten und auf der Höhe der Fähre startete diese. Es handelte sich um eine sogenannte Gierseilfähre1, die wohl noch vor einem herannahenden ebenfalls bergwärts fahrenden Cargoschiff die Maas überqueren wollte. Dabei überschätzte der Fährenkapitän wohl unsere Geschwindigkeit und sein Gierseil streifte unseren Kiel. Wie sich später herausstellte war der Schaden an unserem Schiff gering, sowas könnte aber ins Auge gehen. Deshalb queren wir die Fährenrouten heute mit entsprechend hohem Respekt.

Venlo - LeukermeerRobert seine Highlander und unsere Taranaki tuckern gemütlich durch die schöne Maas.

Dabei begegneten uns heute nur wenige Cargo-Schiffe. Eine solche Begegnung zeigt das folgende Video. Rechts im Bild sehen wir weisse Kühe, die friedlich grasen und weder heisses Wetter, noch fehlendes Wasser beklagen müssen. Abkühlung und Wasser gegen den Durst bietet die Maas zur Genüge.

Bald fuhren wir ins Leukermeer (heisst schöner, unterhaltsamer See) und machen im Hafen t’Leuker fest. Die Umgebung vom Leukermeer ist ein sehr schönes Naherholungsgebiet, den Maasduinen.

Kurz nachdem wir festgemacht hatten und bei einem gemütlichen Bierchen beginnt das angekündete Gewitter.


1 Gierseilfähren nutzen die Kraft des strömenden Wassers von Flüssen aus, indem sie ihren Rumpf schräg zur Strömung einstellen (also „gierend“), um Vortrieb in Richtung des angestrebten Ufers zu erzielen. Dabei gibt es mehrere mögliche Bauformen.

Bei der einen laufen von beiden Enden der Fähre zwei sog. Gierseile zu einem Punkt zusammen, von dem ein drittes Seil flussaufwärts zu einem Verankerungspunkt im Wasser nahe einem Ufer führt. Zwei Winden auf der Fähre erlauben das Verkürzen der zwei Arme dieses „Y“, um den Winkel des Rumpfs in der Strömung geeignet einzustellen. Bojen tragen das Seil an der Wasseroberfläche und dienen als Markierung, um Schiffe vom Überfahren des Seils abzuhalten. Die kreuzende Schifffahrt längs des Flusses passiert die Fahrstelle immer dann, wenn sich die Fähre an der Flussseite befindet, nahe der das Seil verankert ist.

Wessem – Venlo

 

Wessem - VenloIn der Nacht auf Montag, den 1. Mai 2023, fuhren wir los Richtung Wessem zu unserem Schiff. Es heisst ja neu „Taranaki“, weil es im Schweizer Schifffahrtsregister bereits ein Schiff mit dem Namen „Joy“ gab. Im Gepäck hatten wir unter anderem die Kennzeichen sowie die neuen Schilder mit dem Schiffsnamen und dem neuen Heimathafen Basilea.

Auf der Reise wunderten wir uns noch, weshalb so wenig Verkehr anzutreffen war. In der Schweiz war’s noch normal, aber in Deutschland gab’s fast keine PWs und schon fast gar keine LKWs. Letztere blieben auf den Rastplätzen stehen. Dann dämmerte es uns, die fuhren nicht wegen dem Tag der Arbeit. Und die Menschen genossen das verlängerte Wochenende und weil der Sonntagabend lang und länger wurde, trafen wir sie noch nicht auf der Autobahn.

Am Montag gegen Mittag kamen die Leute von Linssen und installierten die AIS-Komponenten. Dazu gehören eine GPS-Antenne und einen Transeiver, womit wir die Standorte entgegenkommender Schiffe, deren Kurs und Geschwindigkeit ablesen können aber noch wichtiger, womit sie uns auf ihren Radarschirmen erkennen können. Auch die Schleusen wissen genau, wer da daher kommt.

Die Funkanlage war auch Neuland für mich. Ich hatte sie auf 1 Watt Sendeleistung eingestellt und hörte laufend Kanal 10. Vor der Schleuse wechselte ich auf die angegebenen Kanäle. Mir hatten Peter Suter und Peter Morgenthaler vorhergesagt, dass die in der Theorie geübten Texte für einen reibungslosen Funkverkehr eben Theorie sind. Wir haben uns dann textlich an die früheren Gegensprechanlagen angelehnt und kamen so gut zu recht. Es ist schon sehr praktisch, über Funk mit der Schleuse zu kommunizieren. Zudem erlaubt ein Funkgerät ja auch die Kommunikation von Schiff zu Schiff, was zusätzlich zur Sicherheit beitragen kann.

Vor der ersten Schleuse Linnen war schon ein deutsches Schiff festgemacht und wir sprachen kurz mit dem Skipper und seiner Frau. Von ihnen erfuhren wir, dass die Schleuse Roermond noch bis 5. Mai abends wegen Wartungsarbeiten geschlossen sei. So fuhren wir über die Heel-Schleuse weiter nach Venlo.

Wessem - VenloWir machten im Hafen der Watersportvereniging De Maas fest. Es ist ein schöner Hafen mit einem Vereinslokal, wo man sehr gut isst. Das liessen wir uns nicht entgehen.

Die Taranaki mit dem Kennzeichen K2210