Manchmal führt uns das planlose Schlendern dorthin, wo das Leben seine kostbarsten Schätze verborgen hat – ganz ohne Ziel, aber nie ohne Sinn. So erging es uns heute, aber alles der Reihe nach.
Heute waren starke Winde angesagt. So sollte in Böen bis 74 km / Std. daher brausen. Wir wählten deshalb einen kürzeren Abschnitt von Hannover nach Wunstorf zum Yachthafen Idensen Rademacher.
Wie so oft nach dem Wochenende sind nur wenige Frachter unterwegs. Ich erkläre mir das so, dass sie am Wochenende noch zum Zielort gefahren sind, um die Ladung zu löschen oder neue aufzunehmen.
Unterwegs trafen wir zwar den einen oder anderen Frachter, oder einen Schuber, der wohl noch einen Leichter sucht.
Das laue Lüftchen vom Morgen hatte kräftig zugelegt. Der Gegenwind machte gut einen Stundenkilometer weniger Geschwindigkeit aus, wenn er frontal oder bis 45 ° von der Fahrtrichtung abwich. Wir kamen aber gut voran und bald schon sah ich in der Ferne Regen aufziehen. Die Bilder unterscheiden sich kaum von denen, die ich aus den Bergen kenne. Der Schleier, der durch Regen entsteht, hat eine unverkennbare Marke. Bald regnete es auch bei uns kräftig, deshalb Scheibenwischer an. Anfangs funktionierten alle drei, dann fiel plötzlich der in der Mitte aus. Ich versuchte ihn zu reparieren, was im ersten Anlauf nicht gelang. Dann putzte ich nochmals den Stecker. Da es zu regnen aufhörte, kletterte Brigitte aufs Dach und putzte die Scheibe mit dem Schaber. Ich versuchte es nochmal mit Elektrizität und siehe da, der Scheibenwischer funktioniert wieder.
Bald erreichten wir den Zielhafen. Dort kann das Tor mit einer Telefonnummer ausgelöst werden, wobei ebenfalls darauf zu achten ist, dass gerade keine Frachter vorbei fahren. Es klappte bestens.
Wir suchten einen freien Platz und machten fest. Es gab immer wieder kurze Regengüsse, als ob sie unser Regenwasser-Ableitungssystem testen wollten.
Schliesslich klarte es auf und wir beschlossen, noch im Dorf Idensen spazieren zu gehen. Wir entdeckten eine Lutherianische Kirche, die aber verschlossen war. Ein paar Schritte weiter sahen wir einen Kirchturm einer sehr alten Kirche. Mal schauen, ob es da was zu sehen gäbe.
Wir staunten nicht schlecht und traten in die Sigwardskirche ein. Sie gilt als eine der bedeutendsten romanischen Kleinbauten des 12. Jahrhunderts in Deutschland und eine von wenigen Kirchen in Europa,die noch die Originalfarben aus der Romanik zeigen.
Bischhof Sigward liess sie während seiner Amtszeit (1120 -1140) als Hofkapelle resp. Eigenkirche und Grablege bauen. Die reinen Formelemente der Frühromantik sind unzerstört und unverfälscht.
Maler, wahrscheinlich aus Frankreich und / oder Italien, haben damals für die künstlerische Gestaltung des Innenraums gesorgt, die heute den eigentlichen Schatz der Kirche darstellt.
Im ersten Stock – da sind wir wieder beim eingangs geschilderten Gedanken – erreichbar über eine stark ausgetretene Originaltreppe, hat Laila Sahrai kunstvolle Gemälde ausgestellt. Die im Kirchenschiff verwendeten Farben sind immer noch imponierend. Die besonders üppige Verwendung der Farbe Blau fällt auf. Das Ultramarin auf der Basis von Lapislazuli war so teuer wie Gold. Bischof Sigward liess diese Farbe sehr ausgiebig verwenden. Zur damaligen Zeit wurde Lapislazuli ausschliesslich in Afghanistan abgebaut und über die Seidenstrasse bis nach Idensen gebracht.
„Die Frage der Herkuft“ ergab dann auch die Idee der Künstlerin mit afghanischen Wurzeln, in einer deutschen Kirche den ungewöhnlichen Kontext zu visualisieren und gleichzeitig Raum, Zeit und gesellschaftliche Konstrukte zu verbinden und Schranken zu überwinden.
Der Wunsch der Künstlerin besteht darin, eine ästhetische Brücke zu schaffen, auf der sich Kulturen jenseits aller politischen, religiösen und sozialen Unstimmigkeiten näher kommen und verständigen können.
Lassen wir die Bilder wirken und mögen ihre Wünsche fruchtbaren Boden finden.
Nach dem Spaziergang meldeten wir uns beim Hafenmeister, der gleichzeitig das Restaurant Schatzinsel führt, und bezahlten unseren Obulus.
Nach einem feinen Nachtessen bewunderten wir die vielfältige Magerwiese mit einem Blumenteppich, der nicht nur Hummelaugen erfreut.
Auch die Taranaki zeigte sich nach dem Regen und dem Sonnenschein in einem neuen Licht. Der Hafen liegt ausserordentlich schön, ist zweckmässig eingerichtet und verfügt über eine grosszügige Infrastruktur. Der Starkwind, der unsere Haare verstrubelte (mindestens die von Brigitte, bei meinen besteht die Gefahr viel weniger), sei untypisch hier. Das meinte ein Ortsansässiger.
Für heute war heisses Wetter angekündet, deshalb wollten wir etwas früher wegfahren, damit wir die kühleren Morgenstunden nutzen konnten. Wir legten um 8:48 Uhr im Braunschweiger Motorboot Club ab, öffneten das Tor und fuhren auf dem Mittellandkanal weiter Richtung Hannover.
Das klappte gut, wir hatten einigen Verkehr und auch mal einen Halbgleiter, der uns überholte. Wir spürten die Reaktionen im Kanal und dank den Spuntwänden sicher noch 20 Minuten später. Wir erreichten dann die Schleuse Anderten um ca. 20 Minuten nach ein Uhr. Dort warteten bereits zwei Frachtschiffe und der Gleiter, der uns sportlich überholt hatte. Ich sah, dass bei der Schleuse nur ein Rotlicht eingeschaltet war, was bedeutet, dass bergwärts geschleust wird. Wir waren ja im Oberwasser. Ich funkte die Schleuse an und erfuhr, dass wir unmittelbar nach den beiden Frachtern ebenfalls talwärts werden schleusen können.
Die Frachter fuhren in die Schleuse und wir in respektvollem Abstand hinterher. Der Schleusenwärter bat die Frachter, möglichst weit nach vorne zu fahren, da noch zwei Sportboote mitkämen. Tatsächlich, es hatte hinter dem letzten Frachter zwar Platz genug, aber wir konnten nicht mit dem Mittelpoller unseres Schiffes schleusen. Dann wäre ich auf den Frachter aufgefahren. Die Leiter wiederum war zu weit hinten, dort hätte ich nicht helfen können. Es gab nur eine Lösung: Wir schleusten über den Poller auf dem Vorschiff, von dem Brigitte die Poller in der Schleusenkammer gerade noch erreichte.
Ich liess zudem den Motor laufen, damit ich das ausbrechende Heck immer wieder an die Wand der Schleusenkammer eindampfen konnte. Das klappte bestens. Der Matrose des Frachters vor uns sagte uns, wie viele Poller in der Schleusenwand noch kämen. Beim untersten Poller machten wir fest, damit ich mit Eindampfen die Taranaki trotz dem wegfahrenden Frachter unter Kontrolle halten konnte. Beim talwärts Schleusen hat es in der Kammer dann nur noch wenig Wasser und der Grossteil des Wasserdrucks geht nach hinten weg, was unvorbereitete Skipper sehr wohl in die Bedrouille bringen kann.
Nach der Schleuse noch einen Blick zurück in das imposante Bauwerk.
Unten warteten schon Frachter, die bergwärts fahren wollten.
Nach kurzer Zeit bog ich auf Steuerbord in den Kanal ein, der zum Hafen des Hannoverschen Motorbootclub führt. Der Hafenmeister und ein Vereinsmitglied empfingen uns sehr freundlich und halfen beim Festmachen. Anschliessend genehmigten wir uns aus dem Vereinshaus ein Bierchen und klönschnackten mit anderen Vereinsmitgliedern. Unter dem überdachten Vorplatz und bei einem angenehmen Lüftchen sowie angeregten Gesprächen war die Hitze sehr gut auszuhalten.
Nach und nach verliessen uns die Mitglieder, weil zu Hause es doch bedeutend kühler zu und her gehe. Tatsächlich hatte der Wind aufgehört und es wurde brütend heiss. Wir waren richtig schlapp und hingen in den Seilen. Einzig die Duschen erweckten uns zu neuem Leben. Im Schiff zeigte das Thermometer 35 C°. Das ersehnte Gewitter brachte dann endlich die gewünschte Abkühlung.
Der Hafen ist sehr sauber und sympathisch und kann bestens empfohlen werden. Es ist sehr ruhig und ein Refugium für vielerlei Vögel, inklusive Eisvögel.
Wir verliessen den Wittinger Sporthafenum 9:15 Uhr bei schönem Wetter. Am Längssteg dürfen nur Schiffe ab 10.50 m anlegen, die kleineren müssen in die Boxen. Unsere Taranaki ist 10.60 m, deshalb dürfen wir am Steg anlegen. Beim Ablegen fuhr ein Frachter vorbei, der einigen Schwell verursachte. Ich musste nochmals eindampfen, bevor wir ablegen konnten.
Unterwegs gab es nur wenig Frachtverkehr. Es gibt immer auch Tiere zu beobachen. So landete ein Falke direkt auf dem Fahrradweg und ruhte sich etwas aus. Als wir uns näherten, flog er eilig weg.
Etwas später sah ich einen Kormoran, der einen Fisch gefangen hatte, der ihm aber immer wieder entwischte. Beim Näherkommen entdeckte ich, dass er einen Aal gefangen hatte. Aber den zu schlucken schien ein schwieriges Unterfangen zu sein.
Überraschenderweise kommt uns auch ein kleineres Ausflugsboot entgegen. Ich gehe davon aus, dass es aus Richtung Berlin kam und möglicherweise bis Bad Bevensen fährt. Dort gibt es bekannte Kur- und Heilbäder.
Bei der Verzweigung Mittellandkanal in den Elbe-Seitenkanal und Richtung Berlin konnten wir bereits die Lichter der Schleuse Sülfeld sehen. Diese Schleuse führt weiter nach Berlin, den geneigte Berlin-Fahrer nehmen müssen, wenn die Elbe zu wenig Wasser führt. Das ist zur Zeit der Fall.
Wir fuhren den Mittellandkanal bis zum Hafen des Braunschweiger Motorboot Clubs. Dieser ist mit einem Tor gegen den Mittellandkanal vor Verschlammung geschützt. Er wird nur geöffnet,wenn keine Frachtschiffe vorbeifahren.
Brigitte telefonierte mit dem Hafenmeister, der uns das Tor öffnete und uns einen Anlegeplatz zuwies. Der Nachbarplatz war frei und wir machten fest. Am Abend stellten wir fest, dass der Nachbar zurückgekehrt war und wir eigentlich zu breit für den Liegeplatz sind. Wir hatten zwar unsere Breite angegeben, der Hafenmeister hatte die sie aber offenbar unterschätzt. Auf jeden Fall mussten beim Nachbarschiff alle Fender weggenommen werden, damit er noch einfahren konnte.
Braunschweig ist einen Ausflug wert. Wir fuhren mit dem Bus in die Stadt. Dort gibt es verschiedene Sehenswürdigkeiten, die wir digital festhielten.
Wir gönnten uns in einer Pizzeria einen feinen Mafia-Fladen und wir waren kaum damit fertig, brannte es etwa 150 m weiter weg. Im Tayba Grillhaus entstand ein Fettbrand. Die Flammen schlugen in die Rohre der über der Friteuse angebrachten Abzugsanlage. Diese geriet ebenfalls in Brand. Der stinkende Rauch war überall zu riechen, obschon die Feuerwehr den Brand rasch unter Kontrolle brachte. Schnell zahlten wir und suchten das Weite.
Am gleichen Tag fand in Braunschweig gerade das Busker-Festival statt. Hier eine kleine Kostprobe:
Heute morgen legten wir punkt 9:00 Uhr ab. Wir hatten uns dank des Generators einen heissen Nespresso gegönnt und gleichzeitig Wasser gekocht. Das füllen wir jeweils in die Thermosflasche ab und Brigitte macht mir dann jeweils auf der Fahrt einen feinen Kaffee.
Bis auf ein Schiff hatten die anderen bereits abgelegt. So tuckerten auch wir Richtung Schleuse Uelzen.
Uns begegneten einige Frachter, jedenfalls deutlich mehr, als auf dem Hinweg. Auf der Fahrt Richtung Schleuse kam uns ein Schiff der Wasserschutzpolizei entgegen. Ich freue mich, wenn sie nichts zu tun haben. Havarien sind immer übel und meist auch mit Schäden an der Umwelt verbunden.
Dann überholte uns plötzlich ein Motorboot, das eigentlich ein Halbgleiter wäre, aber so tief im Wasser lag, dass Gleiten auch der Spur nach nicht möglich gewesen wäre. An der Schleuse waren wir wieder gleich weit. Die Fendermieze half uns beim Anlegen und erklärte auf die Frage von Brigitte, dass sie Richtung Weser unterwegs seien.
Nachdem ich mich bei der Schleuse angemeldet hatte, kam kurze Zeit später und nachdem ein Frachter aus der Kammer gefahren war über die Lautsprecheranlage die Aufforderung, wir sollten einfahren und in der Mitte der Schleuse festmachen. Zuerst meinte ich, auf Backbordseite habe es in der Mitte gar keine Schwimmpoller. Brigitte wies mich auf den Irrtum hin und wir fanden dann doch eine zum Fieren (Anbinden wollen wir aufgrund der Erfahrung vom letzten Mal nicht mehr). Das damals durchgeschnittene Tau hat Peter Morgenthaler übrigens perfekt gespleisst.
Nachdem die Schleusentore geöffnet wurden, fuhren wir den Rest zum Sportboothafen Wittingen. Es soll sich um den grössten künstlich angelegten Sportboothafen Deutschlands handeln. So steht es mindestens auf der Speisekarte des Restaurants, das heute offen hatte. Geöffnet ist es zwischen 17:00 – 20:00 Uhr.
Heute ging es wieder in den Elbe-Seitenkanal mit dem imposanten Schiffshebewerk Lüneburg – Scharnebeck. Zuerst fuhren wir noch die Elbe hinunter, bis wir in den Elbe Seitenkanal einbiegen konnten. Auf dem Kartenplotter konnte ich einen Frachter lokalisieren, der den Kanal talwärts fuhr, aber noch genügend weit weg war, dass ich mein Manöver problemlos durchführen konnte.
Dann ging es bis hinauf zur Stelle, wo Sportboote anlegen können. Ich meldete mich beim Hebewerk und erhielt die Anweisung, vorerst zu warten. Er werde einen Frachter herunterfahren, dann kämen wir oder allenfalls ein Schuber mit einem Leichter, mit dem wir sicher hochfahren könnten. Der sei gerade unten in den Kanal eingebogen.
Nach etwa einer Stunde fuhr zuerst der Frachter herunter, wartete an der Steuerbordseite in seiner Fahrtrichtung, bis der Schuber den Leichter einfuhr. Bevor der fertig platziert war, näherte ich mich in Absprache mit dem Hebewerk der Einfahrt in die Wanne, damit möglichst wenig Zeit verloren ging. Zeit ist für die Frachter Geld und ich wollte diesbezüglich kein Hindernis sein.
Dankend winkte mir der Frachtführer zu und wir machten die Tarananki hinter dem Leichter fest. Ich meldete das dem Hebewerk und bald ging es aufwärts.
Die Wanne fährt mit uns sehr zügig nach oben. Nachdem der Wasserpegel ausgeglichen war, öffneten die Verantwortlichen das bergseitige Tor. Der Leichter fuhr langsam aus der Wanne und wir folgten ihm. Beobachtet wurden wir von vielen Schaulustigen, die sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen wollten.
Wir hatten die erste Hürde geschafft und fuhren weiter zur Bucht in Bad Bevensen. Dort hatte bereits eine Sturdy 39.0 festgemacht. Wir legten unmittelbar dahinter an. Bis am Abend kamen noch drei weitere Schiffe, so dass es langsam eng wurde.
Wir gingen anschliessend zu Fuss ins Dorf durch einen Park mit einem Neptun und tranken in einer Konditorei Kaffee respektive Tee. Anschliessend kauften wir im Aldi ein und Brigitte holte noch Brot aus der Bäckerei.
Auf dem Schiff zurück putzte ich die Bilge und den Filter, kontrollierte den Ölstand und goss etwas Maschinenöl nach.
In der Bucht gibt es keinen Strom, ideal deshalb, wieder einmal den Generator zu benutzen. Jetzt brutzelt bereits etwas Feines aus der Küche und wir werden demnächst das Abendessen geniessen.
Nun fuhren auch die Schiffe vorbei, die mit und nach uns geschleust hatten. Der Schwell ist mehr als erträglich.
Nach einem kurzen Schwatz mit Weingärtners, die noch einkaufen und Mölln anschauen wollen, mussten wir wieder Abschied nehmen. Nach einer kurzen Erholung von den Strapazen seiner Fahrradtour von Thun nach Lübeck sowie der Erholungsfahrt mit der Taranaki nach Mölln wollte sich Roland wieder aufs Rad schwingen. Wir hätten ihn gerne noch weiterhin an Bord als Gast mirgenommen, aber ihr wisst ja: Reisende soll man nicht aufhalten! So gab es noch eine letzte gemeinsame Foto, bevor er auf staubigen Wegen und grobschlächtigen Strassen das Weite suchte. Auf das Tau, das wir ihm für alle Fälle mitgeben wollten, verzichtete er ausdrücklich.
Dann bunkerten wir noch Wasser, legten um 10:00 Uhr ab und informierten die Schleuse Witzeeze, dass wir abgefahren seien. Der Schleusenwärter seinerseits stellte uns eine Schleusung in drei Stunden in Aussicht.
Unterwegs beobachtete ich eine Sägerfamilie mit Jungen. Roland meinte, er habe bisher nur Stockenten gesehen, aber es gibt auch andere.
Bei der Schleuse Witzeeze machten wir hinter den Dalben fest, so wie wir es im Kartenführer gelesen hatten. Schliesslich kam noch eine zweite Motorjacht, die wir in Mölln angelegt gesehen hatten. Dann fuhren wir rückwärts aus den Dalben und vorwärts in die Schleusenkammer. Wir verliessen damit den Scheitelkanal und schleusten abwärts.
Vor der Schleuse Lauenburg kam uns das einzige grössere Schiff entgegen. Einen fahrenden Frachter hatten wir auf der ganzen Strecke zwischen Lübeck und Lauenburg keinen einzigen gesehen.
Die Schleuse Lauenburg stand auf grün und so konnten wir beide Sportboote unverzüglich einfahren. Bald ging es abwärts und schon kurze Zeit später fuhren wir in den Hafen Lauenburg. Brigitte hatte uns angemeldet und die Hafenmeisterin wies uns den Anlegeplatz zu.
Ich wollte ebenfalls tanken und erwähnte, dass ich sehr langsam tanken würde, wegen der unzulänglichen Entlüftung. Sie sagte, das gehe nicht, sie könne nur auf dem kleinsten Klick tanken. Aber wir könnten 20 Liter-Kanister abfüllen und diese dann in unsere Tanks einfüllen. Sie habe erst kürzlich wegen eines dänischen Katamarans die Ölwehr aufbieten müssen, das wolle sie nicht nochmal erleben.
Das Tanken mit den Kanistern war zwar mühsam und eine ziemliche Schlepperei, aber ich benötigte den Diesel unbedingt. Schliesslich hatte ich 160 Liter getankt.
Nach einer erfrischenden Dusche gönnten wir uns auf der schönen Terasse beim Hafenmeisterbüro ein feines Nachtessen.
Nach dem Essen spazierten wir durch die Altstadt und erfreuten uns an den alten und zum grössten Teil sehr gut erhaltenen alten Häusern.
Wir kauften noch etwas ein und spazierten auf einer alternativen Strecke unter anderem durch einen Park zurück zum Hafen. Brigitte wunderte sich etwas, aber schliesslich bin ich Einheimischer und kenne mich aus.
Wir verbrachten einige Tage in Lübeck. Brigitta und André hatten Besuch von Freunden aus der Umgebung erhalten, dem wir uns bereits beim Mittagessen anschliessen durften.
Am Nachmittag machten wir mit einem gemieteten Elektroboot eine Stadtrundfahrt rund um Lübeck.
Es war für uns alle interessant, die Stadt aus einer ungewohnten Perspektive zu entdecken, da wir von dieser Rundfahrt nur einen Teil bei der Hinfahrt gesehen hatten. Zudem war es ziemlich heiss. Auf dem Wasser blies uns ein kühlender Wind entgegen.
Unterwegs erspähten wir einen stillen Protest der Schifferzunft, den ich hier gerne wiedergebe.
Möge er in den Ohren der zuständigen Politikerinnen und Politiker gehört werden.
Unser Skipper André brachte die Gesellschaft heil und ganz wieder zum Ausgangspunkt, ohne dass ihr, dem Boot, Einrichtungen oder der Umwelt irgendwelcher Schaden zugefügt worden wäre. Beste Seemannschaft eben!
Lübeck war einst nach Köln die zweitgrösste Handelsstadt Deutschlands. Sie prosperierte und wuchs schnell, so dass sie allmählich aus allen Nähten platzte. Damals wurde verdichtetes Bauen erfunden.
In die Häuser wurden kleine Tunnel gebaut, die die Innenhöfe der Häuserreihen erschlossen. Diese Tunnel hatten die Auflage, so breit zu sein, dass ein Sarg hinaus getragen werden konnte.
In den Innenhöfen wurden schmucke kleine Häuser errichtet, die den nachgefragten zusätzlichen Wohnraum boten.
Auf unserem Spaziergang durch die Stadt entdeckte ich ein Plakat hinter einem verstaubten Schaufenster in einer alten Remington-Schreibmaschine eingeklemmt, das aktueller nicht sein könnte.
Nach einem erfrischenden Getränk in einem der Restaurants verliessen uns die Freunde von André und Brigitta wieder.
Am Abend lasen wir von Roland ein Mail, der sich erfreulicherweise ganz in der Nähe beim Schwerin-See befand und uns treffen wollte. Wir freuten uns ungemein, weil wir schon glaubten, dieses Zusammentreffen auf unserer Taranaki komme nicht zustande. Wir wollten sowieso nach Travemünde eine Fahrradtour unternehmen und hofften, ihn dort bereits anzutreffen. Der Ausflug bei schönstem Wetter war toll und dank digitaler Hilfsmittel trafen wir Roland beim Tourismusbüro an der Kade beim alten Leuchtturm (es handelt sich gemäss Dirk um den ältesten Leuchtturm Deutschlands).
So verbrachte er die folgenden Tage in unserer Gesellschaft.
Ganz in der Nähe der St. Jakobi-Kirche befindet sich das Restaurant der Schiffergesellschaft, das im 1229 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Am 26. Dezember 1401 wurde die Schiffergesellschaft als St. Nikolaus Bruderschaft gegründet mit folgendem Gründungszweck: „Zu Hilfe und Trost der Lebenden und Toten und aller, die ihren ehrlichen Unterhalt in der Schifffahrt suchen.“ Wir liessen uns durch ein feines Nachtessen im traditionsreichen Restaurant verwöhnen. Leider konnte Brigitta nicht mitmachen, weil sie von einem hartnäckigen Husten geplagt wurde.
In der St.-Jakobi-Kirche Lübeck – Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Jakobi Lübeck – wurden wir einmal mehr an das Schicksal des P-Liners Pamir erinnert.
Die Jakobikirche ist mit der Seefahrt ebenso lange verbunden, wie die alte Hansestadt Lübeck, die als Haupt der Hanse einst das Zentrum des Seehandels war. Seit der Baugründung im Mittelalter ist St. Jakobi traditionell die Kirche der Schiffer, Seefahrer, Bootsleute und Fischer. In ihr hielten sie ihre Gottesdienste, gedachten der untergegangenen Seeleute und sorgten für die Hinterbliebenen.
Am nächsten Tag mussten wir uns auch von unseren Freunden André und Brigitta verabschieden. Seit Blokzijl haben wir gemeinsame Fahrt gemacht, bis Lauenburg auch mit Peter und Elisabeth. André und Brigitta fuhren mit der Linna nach Travemünde, wo sie diverse Reparaturen vornehmen lassen wollten.
Am Abend bemerkten wir beim Nachbarschiff auf Backbord einen schwefligen Geruch. Sensibilisiert durch einschlägige Erfahrung in Wessem zogen wir Rudi hinzu, was er dazu meine. Er kam zum Schluss, dass es sich um die Batterie handeln müsse. Die herbeigerufene Hafenmeisterin und ein weiterer Inhaber eines Schiffes sahen sich die Sache an und kamen zum gleichen Schluss.
Sie telefonierten dem Eigner, der aus Hamburg anreiste. Er lüftete das ganze Schiff und sagte uns, die Ursache sei eine faule Mango gewesen. Dem Rudi sagte er später, die Ursache sei eine faule Avocado gewesen. Wir glauben weder noch, der unangenehme Schwefelgeruch hatte sich auch in der Nacht und am nächsten Morgen noch nicht verzogen.
Heute Morgen verabschiedeten wir uns von Rudi und Regina, die mit ihrem tollen Schiff Alegria (gleichbedeutend mit Joy, dem früheren Namen unserer Taranaki) seit einiger Zeit Lübeck als Heimathafen schätzen. Wir erinnern uns gerne an das angeregte Klönschnacken mit den beiden. Rudi hatte während 35 Jahren in Maasbracht und Umgebung in Schiff stationiert, bevor er dann in den Norden wechselte.
Wir meldeten uns bei der ersten Schleuse an, worauf uns beschieden wurde, wir müssten nach der Ankunft etwa eine halbe Stunde warten, da er gerade einen Konvoi schleuse.
So fuhren wir gemächlicher der Schleuse entgegen und machten wie gewünscht hinter den Dalben fest.
Unterwegs fuhr auch Roland seine ersten Meilen am Steuer der Taranaki und machte dabei einen sehr entspannten Eindruck.
Unterwegs trafen wir wieder einige Schilfinseln, aber weitaus weniger, als auf der Hinfahrt. Bald wussten wir auch warum: Arbeitsschiffe räumten diese Inseln aus dem Weg. Insgesamt drei solcher Schiffe sahen wir unter Kurz vor der letzten Schleuse sah ich auf Facebook eine Meldung von Peter Weingärtner. Er schickte ein paar Fotos und den Liegeplatz seines Schiffes in Mölln, dazu die Bemerkung, es habe noch Platz.
Dann erreichten wir die Donnerschleuse. Sie war vom Oktober letzten Jahres bis am 25. Mai 2025 gesperrt. Beim Schliessen der Tore befürchtete ich schon, da sei wieder etwas nicht ganz in Ordnung, da sich zuerst nur der Backbordflügel schloss. Später ging auch die Steuerbordseite zu und ich war wieder beruhigt.
Beim Anlegen erwartete uns Peter bereits und half. Er hatte uns auf dem Kartenplotter gesehen und gedacht, die Taranaki, die kenne ich.
Ein Ankerbier war angesagt, das uns bei wärmstem Sommerwetter etwas Kühlung verschaffte.
Roland lud uns im Amadeus zu einem feinen Nachtessen ein. Nun blieb mir noch, den Blog zu schreiben.
Die Abendstimmung über dem Ziegelsee bei Mölln kündigte einen wunderschönen neuen Tag an. Etwas wehmütig denken wir an die gemeinsamen Fahrten und Erlebnisse mit Elisabeth und Peter zurück, die gestern in Lauenburg die Rückreise angetreten haben. Aber wir sehen uns ja im Belgien-Törn im Herbst spätestens wieder.
Wir starteten heute morgen um 9:14 Uhr in Mölln, dem schönen Hafen des WSV Mölln. Ich meldete der Donnerschleuse unsere Abfahrt an. Der Schleusenwärter bedankte sich und sagte, bei ihm liege noch ein Boot, das auf die Schleusung warte und in etwa einer halben Stunde könnten wir alle zusammen schleusen.
Uns erwartete eine Fahrt wie durch den Garten Eden. Wir staunten ob der abwechslungsreichen Landschaft. Der Kanal wird umsäumt von Mischwäldern, Hügellandschaften und vereinzelten Dörfern.
Der Elbe-Lübeck-Kanal (ELK, 1900–1936: Elbe-Trave-Kanal) ist eine 61,55 km lange Bundeswasserstrasse der Klasse IV von Lauenburg/Elbe bei Elbe-Km 569,23 nach Lübeck im Bundesland Schleswig-Holstein. Er stellt eine Verbindung für die Binnenschifffahrt zwischen Elbe und Ostsee dar. Zuständig ist das Wasserstrassen- und Schifffahrtsamt Elbe.
Vorläufer des Elbe-Lübeck-Kanals ist der historische Stecknitzkanal, der 1391 bis 1398 von den Lübeckern im Verlauf der Flüsse Stecknitz und Delvenau gebaut wurde. Deren Altstrecken sind links und rechts des heutigen Elbe-Lübeck-Kanals noch an einigen Stellen zu erkennen. Dieser Kanal hatte 17 Schleusen (zunächst Stauschleusen, später als Kammerschleusen) auf einer Länge von 97 Kilometern und war der erste echte Wasserscheidekanal Europas. Von den Schleusen sind die Palmschleuse in Lauenburg und die Dückerschleuse (Stauschleuse) bei Witzeeze noch erhalten. Fast 500 Jahre blieb diese Wasserstrasse in Betrieb bis zum Baubeginn des ELK.
Heute gibt es zwischen Mölln und Lübeck fünf Schleusen, alle 12 m breit und 80 m lang:
Donnerschleuse
Behlendorf
Berkenthin
Krummesse
Büssau
In der Schleuse Behlendorf wartete bereits ein Schuber mit einem Leichter in der Schleuse. Als wir talwärts geschleust hatten, gab er unseren Sportbooten den Vortritt. Beim Vorbeifahren sahen wir, dass der Leichter mit einem Bagger versehen war, der die vielen Schilfinseln einsammelte.
Diesen auszuweichen glich einem Slalomlauf. Wir wollten das „Gemüse“ schliesslich nicht um die Welle gewickelt haben oder in der Schiffsschraube mitziehen.
Schliesslich erreichten wir die Trave, die Lübeck umfliesst. Unser Ziel war „The New Port“, der entlang alter Lagerhäuser neu errichtet wurde.
Wir hatten den über Internet vorreserviert und bezahlt. Als wir an unserem gebuchten Platz festmachen wollten, lag dort bereits ein Boot. Brigitte erkundigte sich bei der Hafenmeisterin, wo wir denn anlegen könnten. André hatte mit der Linna auf seinem gebuchten Platz bereits festgemacht und die Hafenmeisterin hatte uns auf den Platz direkt daneben umgebucht. Das finde ich sehr aufmerksam.
Der Hafenmeister und ein Kollege halfen uns beim Festmachen. Es gab dort eine Strömung von Ost nach West, die ich im ersten Anlauf nicht richtig beachtete. Beim zweiten Anlauf klappte es.
Bei einem ersten Spaziergang durch die Stadt konnten wir erste Eindrücke gewinnen. Wir konnten feststellen: Lübeck ist wirklich eine Reise wert. Dabei begutachteten wir das Restaurant der Schiffergesellschaft, das nebst kulinarischer Hausmannskost einige tolle Schiffer-Requisiten zu bieten hat.
Im Hafenrestaurant genossen wir ein feines Nachtessen und die letzten Sonnestrahlen des Tages.
Heute Morgen wollten wir in Lauenburg eigentlich noch tanken. Da aber bereits ein Hausboot angelegt hatte, tanken eigentlich nicht zwingend nötig war und die Hafenmeisterin wohl erst gegen 10:00 Uhr erscheinen würde, beschlossen wir, sofort loszufahren.
Der Elbe-Lübeck-Kanal kennt einige Besonderheiten. Er darf mit maximal 10 km / Std. befahren werden. Wer schneller fährt, muss mit einer Busse rechnen. Die Zeit, die man bei 10 km / Std. benötigt, ist in den Karten festgehalten. Diese Zeiten zwischen den Schleusen werden überprüft. Wer zwischen zwei Schleusen in einem Hafen anlegt, muss das der nächsten Schleuse melden. Auch die Weiterfahrt muss der Schleuse gemeldet werden.
Fracht- und Passagierschiffe haben Vorrang.
Das war auch heute der Fall: Beim Anlegesteg (auch eine Vorschrift, an die sich jedoch nicht alle halten), erfuhren wir, dass ein Passagierschiff einfahren werde, das jedoch verspätet sei. Bald kreuzte es auf und wir konnten alle (insgesamt 4 Sportboote) mit dem Passagierschiff Lüneburger Heide in die Schleusenkammer einfahren.
Bei der Fahrt durch schöne Gegenden beobachteten wir einige Greifvögel und einen Feldhasen. Auch die Schleuse Witzweeze konnten wir in der gleichen Formation bergwärts befahren. Der Schleusenwart beorderte uns an die Backbordseite und half dem Segler beim Legen des Taus.
Nach einiger Zeit erreichten wir den Ziegelsee mit dem Hafen des WSV Mölln. Der verfügt normalerweise über genügend Gästeplätze. Heuer feiern sie am Samstag ihr 100-jähriges Bestehen, weshalb viele Clubmitglieder am Freitag bereits anreisen. Wir machten deshalb mit der Linna wiederum ein Päckli. Morgen werden wir die nächste Etappe nach Lübeck in Angriff nehmen.
Ich meldete unsere zwei Schiffe bei der Donnerschleuse ab. Der Schleusenwart bedankte sich und wir wünschten uns einen schönen Abend.
Der Hafen des WSV Mölln liegt an einem romantischen See. Die Hafengebäude und die Umgebung werden im Blick auf das anstehende Jubiläum auf Vordermann gebracht. Die Anlagen sind sauber und zweckmässig.
Hamburg war wettermässig vielseitig, nur geschneit hat es nicht. Es war immer ziemlich feucht. Trotzdem haben wir ein paar besondere Höhepunkte erleben dürfen, worüber ich hier nun berichte.
Der Michel
Die Hauptkirche St. Michaelis (umgangssprachlich: Michel) ist ein evangelischer Sakralbau in der Neustadt von Hamburg. Der 132 Meter hohe Turmbau wurde 1751 bis 1786 durch den Rat der Stadt von Ernst Georg Sonnin geschaffen. Nach der Zerstörung 1945 wurde die Michaeliskirche 1947 bis 1952 wiederaufgebaut. Sie gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt und zu den bedeutendsten Bauwerken des Barock.
Jeden Sonnabend gibt es von Frühling bis Herbst ein Orgelkonzert. Die Kirche beherbergt fünf Orgeln: Eine Marcussen-Orgel auf der Konzertempore (Nordempore), die grosse Steinmeyer-Orgel mit 85 Registern, 5 Manualen und 6674 Pfeifen auf der Westempore, in der Krypta die romantische Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Orgel sowie ein Fernwerk im Dachboden, mit Generalspieltisch auf der Konzertempore. Am 1. Advent 2010 wurde auf der Südempore die Carl-Phillip-Emanuel-Bach-Orgel eingeweiht.
Wir haben dieses Konzert besucht, das vom Hauptpastor angesagt wurde. Wenn alle Pfärrer so sprechen könnten und witzig wären, die Kirchen wären auch heute noch voll oder müssten gar erweitert werden.
Der Hafen Hamburg
Der Hamburger Hafen ist ein Tidehafen an der Unterelbe in der Freien und Hansestadt Hamburg. Er ist der grösste Seehafen in Deutschland und nach dem Hafen Rotterdam sowie dem Hafen von Antwerpen der drittgrösste in Europa (Stand 2020).
Gemessen an den Standardcontainer-Umschlagszahlen von 2020 gehört er mit seinen vier Containerterminals zu den 21 grössten Häfen der Welt.
Der Hamburger Hafen ist mit mehr als 900 Häfen in über 170 Ländern durch Schiffsrouten verbunden. 2008 war das Jahr mit dem bis dahin grössten Warenumschlag: 140,4Mio. Tonnen, davon 95,1 Mio. Tonnen in Containern, das entsprach 9.73 Mio. Standardcontainern. Der restliche Umschlag entfiel auf Stückgut und Massengut. Im Krisenjahr 2009 brach der Gesamtumschlag um 21 % ein und erreichte erst im 2014 wieder Werte des Jahres 2008.
Die Ursprünge des Hafens liegen im 9. Jahrhundert. Die Gründung wurde allerdings erst mit dem kaiserlichen Freibrief vom 7. Mai 1189 besiegelt. Dieser Tag wird jedes Jahrmit einem mehrtägigen Fest, dem Hafengeburtstag, gefeiert. Seit den 1970-er Jahre haben der steigende Umsatz mit Containern zu einer Umstrukturierung geführt.
Eine Besonderheit bildet der Lotsendienst. Die Hafenlotsen, der Schiffsmeldedienst sowie die nautische Zentrale sind zuständig für die Überwachung und Koordination des sicheren und reibungslosen Schiffsverkehrs im gesamten Hamburger Hafen von Oortkaten bis zum Leuchtfeuer Tinsdal. Seit 1977 sind alle drei Institutionen zusammengefasst und im Lotsenhaus Seemannshöft am Bubendeyufer untergebracht. Lotsenpflichtig sind Seeschiffe ab einer Länge von 90 m oder einer Breite von mehr als 13 m sowie alle Tanker. Die von See kommenden Schiffe werden zwischen Blankenese und Teufelsbrück mit einem Hafenlotsen besetzt und auf der weiteren Fahrt in den Hafen beraten. Nach See fahrende Schiffe werden in Höhe Teufelsbrück vom Hafenlotsen an den Elblotsen übergeben, der das Schiff bis zum Nord-Ostsee-Kanal oder in die Elbmündung begleitet.
Auf einer Hafenrundfahrt haben wir viele Eindrücke auf uns wirken lassen.
Die Schiffsbegrüssungsanlage Willkomm-Höft
Die Schiffsbegrüssungsanlage Willkomm-Höft (von niederdeutsch Hööft „Landspitze, -zunge“) ist eine Einrichtung am Restaurant Fährhaus in Schulau an der Unterelbe. Hier werden Schiffe von einem von fünf sogenannten Begrüssungskapitänen begrüsst oder verabschiedet, die den Hamburger Hafen anfahren oder verlassen.
Diese Begrüssung erfolgt, indem sie die Hamburger Flagge dippen und das internationale Flaggensignal für „Gute Reise“ mit den Buchstaben „U“ und „W“ hissen. Bei Schiffen über 1000 Bruttoraumzahl, die die deutschen Gewässer verlassen, wird – zwischen 08.00 Uhr und Sonnenuntergang beziehungsweise 20.00 Uhr – ausserdem die Nationalhymne ihres Heimatlandes angespielt. Manche Schiffe grüssen durch Dippen der Flagge oder durch einen Ton des Signalhorns zurück.
Wir sind mit den Fahrrädern dorthin gefahren und haben im Fährhaus etwas Kleines gegessen. Damit das nicht so trocken war, gab es auch Getränke.
Übrigens: Die Navigation von Google Maps für die Fahrräder ist verbesserungsfähig. Die Rückkehr haben wir dann in die eigenen Hände genommen und sind alles der Elbe entlang zurück gefahren. Sehr empfehlenswert!
Die Elbphilharmonie
Ein Besuch in der Elbphilharmonie ist ein Fest für alle Sinne – im Zentrum steht selbstverständlich die Musik. Besonders eindrucksvoll wird dies im Großen Saal erlebbar: Die Ränge erheben sich dort terrassenartig rund um die Bühne und schaffen so eine einmalige Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die meisterhafte Akustik von Yasuhisa Toyota, die jeden Klang bis ins feinste Detail klar hörbar werden lässt.
Hier eine kleine Kostprobe:
Doch nicht nur das Konzerterlebnis selbst fasziniert. Schon beim Durchstreifen des Gebäudes eröffnen sich immer wieder überraschende Perspektiven auf Stadt und Hafen. Das architektonische Meisterwerk der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron thront direkt im Strom der Elbe: eine gläserne Welle, die sich auf einem massiven Backsteinsockel aus den 1960er-Jahren erhebt. Zwischen beiden Elementen liegt die frei zugängliche Plaza – Aussichtspunkt, Treffpunkt und Ausgangspunkt für die Entdeckung der vielfältigen Bereiche des Hauses: vom Großen und Kleinen Saal über Hotel und Restaurant bis hin zum Souvenirshop.
Wir besuchten am Montag, dem 2. Juni, 2025 das 9. Philharmonische Konzert des Staatsorchesters Hamburg. Der Abend war ganz Richard Strauss (1864 – 1949) gewidmet. Zuerst führte uns Michael Sangkuhl ins das Konzertprogramm ein. Er wusste das auf eine auch für Laien – zu denen ich mich durchaus zähle – anschaulich und amüsante Art darzulegen.
Wir hörten die Mondscheinmusik und und Schlussszene aus der Oper Capriccio. Dann wurden die vier letzten Lieder vorgetragen mit Texten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff mit 1. Frühling, 2. September, 3. Beim Schlafengehen und 4. Im Abendrot.
Nach der Pause verzauberte das Orchester unsere Sinne mit „Ein Heldenleben“ opus 40. Dirigiert wurde das Orchester von Bertrand de Billy und als Sopranistin sang Maria Bengtsson.
Es war ein tolles Erlebnis und ihr hättet unsere Frauen sehen sollen: Sie würdigten die Vorführungen mit entsprechend tollen Kleidern.
Der Cotton Club
Der Cotton Club ist Hamburgs ältester Live-Musikclub, in dem an über 300 Konzerten im Jahr das Beste aus den Genres des internationalen Jazz, Blues, Boogie, Swing, Soul, Rock’n Roll, Afrobeat, Latin Jazz uvm. präsentiert wird.
Im Jahre 1959 wurde der Cotton Club unter dem Namen Vati’s Tube Jazzclub im Tiefbunker Grindelhof 89b gegründet. 1961 wurde er von Dieter Roloff übernommen und 1963 in den Cotton Club umgetauft. Bis 1965 blieb der Cotton Club in diesen Räumen. Dann zog er mehrmals um, bis er sich 1971 in der vorherigen Jailhouse Taverne am Alten Steinweg 10 ansiedelte.
Wir besuchten diesen Club und konnten ein Konzert und eine tolle Jam-Session mit verfolgen. Es war ein toller Abend bei feiner Musik.
Der König der Löwen
Der König der Löwen ist ein Broadway-Musical von Elton John und Tim Rice. Es basiert auf dem gleichnamigen Disney-Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1994. Unter der Regie von Julie Taymor treten sowohl Schauspieler in Tierkostümen als auch riesige Puppen auf. Das Musical wurde am 31. Juli 1997 im Orpheum Theater in Minneapolis uraufgeführt und war von Beginn an ein grosser Erfolg. Im Oktober wurde es dauerhaft ins New Amsterdam Theatre auf dem Broadway in New York verlegt. Seit dem 13. Juni 2006 wird es im Minskoff Theater gespielt, da es für die Musical-Version von Mary Poppins Platz machen musste.
Die deutsche Produktion feierte in Hamburg Premiere. Seit dem 2. Dezember 2001 wird das Musical im Theater im Hafen Hamburg gezeigt und am 14. Januar 2014 wurde das Jubiläum der 5000. Aufführung gefeiert. Da das Theater auch über einen direkten Zubringer mit Fährschiffen zu erreichen ist, sind dort einige der Personenfähren in den Farben des Musicals gehalten oder wurden sogar nach Charakteren des Stücks benannt (wie die Nala und Schwesterschiff Rafiki).
Wir besuchten das Musical und waren begeistert ob der Musik, den Tänzerinnen und Tänzer sowie der grandiosen Kostüme und Bühnenbilder. Ein Ohren- und Augenschmaus!
Die Peking
Die Peking ist eine Viermast-Stahlbark und gehörte zu den berühmten Flying P-Linern der Reederei F. Laeisz. Wie drei Viertel der Segelschiffe dieser Reederei ab 1877 erhielt sie analog zum Spitznamen Pudel der Sophie Laeisz, Ehefrau von Carl Laeisz, einen mit „P“ beginnenden Namen. Eignerin ist heute die Stiftung Historische Museen Hamburg.
Im Jahr 1909 bestellte die Reederei Laeisz die Peking, zusammen mit der späteren Passat. Die Viermastbark lief am 25. Februar 1911 bei der Hamburger Werft Blohm & Voss (Baunummer 205) vom Stapel. Die Baukosten betrugen 680.000 Goldmark. Die Peking war als Frachtschiff für die Salpeterfahrt konzipiert.
Da die Peking keine Hilfsmotoren hatte, war sie beim Ein- und Auslaufen in Hamburg auf Schlepperhilfe angewiesen, ebenso bei Sturm im Ärmelkanal. Mit voller Besegelung war sie schneller als damalige Dampfschiffe.
F. Laeisz verkaufte nach 20 Südamerikafahrten das Schiff 1932 infolge der Weltwirtschaftskrise an Shaftesbury Homes and Arethusa (heutiger Name: Shaftesbury Young People Trust), eine wohltätige englische Hilfsorganisation für Kinder und Jugendliche. Das Schiff wurde nunmehr für den Internatsbetrieb umgebaut, in Arethusa II umbenannt (nach der HMS Arethusa, Vorgängerin gleichen Namens aus dem 19. Jahrhundert, die wiederum nach einer Nymphe aus der griechischen Mythologie benannt war) und bald darauf nach Upnor nahe Rochester, Kent, verholt und auf dem Medway verankert.
Die Rahen wurden bis auf drei am Fockmast abgenommen und der Rumpf mit einem Portenband versehen. Im Jahr 1940 wurde die Bark von der Royal Navy als Unterkunft beschlagnahmt, wieder in HMS Pekin [sic] umbenannt und im Chatham Dockyard, Kent, aufgelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie wieder an den Vorbesitzer und erhielt den Namen Arethusa II zurück.
Am 31. Oktober 1974 wurde die Viermastbark an die J. Aron Charitable Foundation versteigert. Vom 5. bis zum 22. Juli 1975 wurde der Rumpf der Peking vom niederländischen Seeschlepper Utrecht von Blackwall, London, nach New York geschleppt. Dort wurde sie originalgetreu wiederaufgeriggt. Mit der Beschriftung „Peking Hamburg“ lag sie fortan am Pier des South Street Seaport Museums in New York.
Im Oktober 2012 erlitt das South Seaport Museum erhebliche Schäden durch eine mit dem Hurrikan Sandy verbundene Sturmflut, wobei die inzwischen völlig marode Peking noch weiter beschädigt wurde. In dieser Situation entschied das Museum, dass es aus finanziellen Gründen in Zukunft keinen Platz mehr für die Peking gebe, da dort mit der Wavertree noch ein weiterer, ebenfalls erheblich sanierungsbedürftiger Grosssegler lag, der nach Ansicht der Verantwortlichen aufgrund seiner Vorgeschichte besser zu New York passte.
Das Museum erklärte sich zwar bereit, das Schiff zu verschenken, jedoch war eine schwimmende Überführung der Peking in einen anderen Hafen ohne eine umfassende Instandsetzung nicht möglich. Wenn niemand hierfür die Kosten aufbringen könne, sollte das Schiff zur Verschrottung freigegeben werden.
Schliesslich kam im letzten Augenblick Mitte 2015 ein Gespräch zwischen Wolf und dem Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs (SPD) zustande, der das Projekt der Rückholung des Schiffes sofort unterstützte. Es gelang ihm, gemeinsam mit seinem ebenfalls aus Hamburg stammenden CDU-Kollegen Rüdiger Kruse, am 12. November 2015 einen Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages herbeizuführen, mit dem das im Aufbau befindliche Deutsche Hafenmuseum mit insgesamt 120 Millionen Euro bezuschusst werden sollte, wovon 26 Millionen Euro auf die Rückholung und Restauration der Peking entfielen.
Eigentümer des Schiffes wurde die Stiftung Hamburg Maritim. Sie erhielt im Mai 2016 den Auftrag zur Rückholung und fachgerechten Restaurierung. Daraufhin wurde die Peking im September 2016 mit Schleppern zur Caddell-Werft auf Staten Island verholt und dort für die Überführung vorbereitet.
Der Transport über den Atlantik mit dem Dockschiff Combi Dock III begann am 19. Juli 2017. Am 30. Juli 2017 traf die Combi Dock III mit der Peking in Brunsbüttel ein, am 2. August 2017 wurde die Peking zur Peters-Werft überführt. Hier wurde das Schiff – mit Unterbrechungen – aufgearbeitet und im Mai 2020 an die Stiftung Historische Museen Hamburg übergeben. Am 7. September 2020 wurde die Peking nach Hamburg überführt. Ihr künftiger Liegeplatz soll voraussichtlich am Schumacherwerder gegenüber der Hafen City sein. Dort soll ab 2023 auch der Hauptstandort des Deutschen Hafenmuseums entstehen.
Die Alster
Die Alster ist ein 56 Kilometer langer Nebenfluss der Elbe und fliesst durch Süd-Holstein und Hamburg. Der bekannteste und prägnanteste Teil der Alster ist der Alstersee, der im innerstädtischen Gebiet Hamburgs durch die Binnen- und Aussenalster gebildet wird. Die Bebauung um die Binnenalster herum ist vielfach von weissen Fassaden und kupfergedeckten Dächern gründerzeitlicher Büro- und Geschäftshäuser geprägt.
Mit einer einstündigen Fahrt konnten wir auch versteckte Winkel des Sees entdecken, samt der eleganten und schönen Luxusvillen, die den See umsäumen. Auch das ein empfehlenswertes Erlebnis.
Törn von Hamburg nach Lauenburg
Bei Regenwetter warteten wir auffliessendes Wasser ab, obschon wir etwas früher kurz vor elf Uhr den City Hafen verliessen.
Das Wetter zeigte sich diesig und ungemütlich und wir setzten die Positionslichter. In die Schleuse Geesthacht folgte uns ein weiteres Sportboot und so konnten wir bald bergwärts in tidefreies Gewässer schleusen. Es ist übrigens die einzige Schleuse an der Elbe in ganz Deutschland.
Nach der Schleuse entdeckte ich auf Backbord an einer Linssen eine Schweizer Flagge. Ich konsultierte die App MarineTraffic und stellte fest, dass es sich um die Tiana von einem Vereinskollegen handelt. Wie wir vermuteten und auch feststellen konnten, liegt sie nun im Hafen von Hamburg.
Wir erreichten den Yachthafen Lauenburg um 16:42 Uhr und machten fest, natürlich wieder im Regen.
Die freundliche Hafenmeisterin gebot uns, zu dritt ein Päckli zu bilden. Es sei ein Schweizer Tag, weil noch ein weiteres Schweizer Schiff angesagt sei (Die Kira, wie wir später feststellten und die wir bereits vom Cityhafen in Hamburg kennen lernten).
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