preloader

Reisen mit der TARANAKI

Maastricht – Bocholt

 

Am 16. Mai 2024 konnten wir auf einem Picnic-Tisch im Garten des Treech ’42-Vereinshafens ein feines Raclette geniessen. Die verschiedenen Käsesorten wurden
unterstützt durch schöne Rosé-Weine. Es war ein gemütlicher Abend, den wir zusammen mit unseren Freunden und meinem Bruder Robert geniessen konnten. Leider müssen wir die Reise vorerst ohne ihn und seine Highlander fortsetzen.

Maastricht - Bocholt Maastricht - Bocholt Maastricht - Bocholt Maastricht - Bocholt Maastricht - Bocholt Maastricht - Bocholt

Von oben links nach rechts unten: Martin, der Autor, André, Robert, Brigitte und Doris. Unten: Links im Bild verschwindet Brigitta.

Maastricht - BocholtNeben dem Hafen gibt es auf dem Rasen Tische, die für ein gemütliches Raclette genutzt wurden.

Trotz grosser Anstrengungen und Telefonaten zu Visuris konnte Robert für sein Schiff keine Wasserstrassengenehmigung für Belgien erwirken.
Zwar wird als Bedingung für die Genehmigung keine Schiffsregistrierung vorausgesetzt, wir waren jedoch der Meinung, dass ohne Registrierung keine der geforderten Nummern geliefert werden können.

Das Verfahren für die Registrierung läuft, erforderte aber schliesslich noch eine Mail-Bestätigung von Erwin Schuller, die er gemäss seinen Angaben letzten Freitag verschickt hatte.

Maastricht - BocholtDamit mussten wir uns auf die neue Situation einstellen, die Reise vorerst ohne Robert fortsetzen zu müssen. Martin und Doris organisierten für die nächsten Tage Hotel-Übernachtungen und werden mindestens bis Zilvermeer mit dem Auto reisen. Ab dort werden wir Doris und Martin abwechlungsweise an Bord haben, so dass das Auto immer nachgeführt werden kann.

Etwas nach neun Uhr fuhren wir mit drei Schiffen los, wobei sich Robert Richtung Wessem verabschiedete.

Wir fuhren mit André und Brigitte über den Verbindungskanal zur Schleuse Bosscherveld. Ich funkte die Schleusencrew an und bekamen zur Antwort, von der Gegenseite sei noch ein Frachtschiff im Anmarsch, weshalb wir etwas warten müssten.
Kein Problem, aber dann dauerte die Anfahrt des bergwärts fahrenden Frachters doch eine ganze Weile. Schliesslich konnten wir in die Schleuse einfahren und festmachen. Bei der Weiterfahrt merkten wir, dass der enge Kanal ein Kreuzen mit dem Frachter schwierig gestaltet hätte.
Nach der Schleuse erblickten wir auf der Steuerbordseite viele Jugendliche, die sich auf Meisterschaften im Ruderbooten vorbereiteten resp. die für den Wettbewerb nötige Infrastruktur aufstellten.
Bei der Weiterfahrt kam uns ein weiterer Frachter entgegen. Er hatte wegen der Enge
aufgestoppt, worauf ich mich mit «Beija, bedankt voor het wachten!» bedankte.

Maastricht - BocholtDas Neue vereinigt, was das Alte trennte.

Es war diesig, aber es fiel noch kein Regen. Wir kamen zügig voran. Auf dem Weg begegneten uns nur wenige Frachtschiffe und ein einzige Sportboot. Inzwischen hatte es pünktlich auf die Ankunft in Bocholt zu regnen begonnen. Der Passantensteg ist kurz und wir hatten etwas Mühe, unser Schiff korrekt zu vertäuen.

Bocholt ist ein schöner Ort, aber der Regen zwang uns in die gemütliche Kajüte. Es regnete sehr intensiv und wir sind froh,dass der neue Bordscheinwerfer unser Dach wieder einwandfrei abdichtet.

Schliesslich trafen wir uns in einer Pizzeria zum Nachtessen. Martin und Doris, die etwa 9 km weiter eine barrierefreie Unterkunft in einem ehemaligen Pfarrhaus gefunden hatten, trafen ebenfalls ein.

Maastricht - Bocholt

Wessem – Maastricht

 

Wessem - Maastricht

Die Highlander und die Taranaki liegen neu am gleichen Fingersteg

Am Sonntag kamen André Keller und Brigitta Gwerder mit dem Schiff Linna in Wessem an. Sie werden uns auf dem Belgien-Törn begleiten. Mein Bruder Robert mit seiner Highlander, der uns auch begleiten wird, hatte für sie einen unbesetzten Liegeplatz im Comfortparc ausfindig gemacht. Er lotste sie an einen freien Liegeplatz, unter anderem, weil die Reception am Sonntag ausnahmsweise geschlossen war. Am Montag wurde die Anmeldung im Hafenbüro nachgeholt. Am Montag musste die Linna noch verlegt werden, weil der Eigner des Liegeplatzes auftauchte und den Steg beanspruchte.

Letzterer war offenbar vom Pech verfolgt, da er das Schiff nicht aus eigener Kraft an den Steg manöverieren konnte. Es wurde angeschleppt. Möge Neptun im gnädig sein, so dass der Schaden mit wenig Aufwand repariert werden kann.

André und Robert wechselten in der Linne noch die Batterien für das Bugstrahlruder. Es waren zwei 50 Ah Batterien und für diesen Zweck bestens geeignet. Nachdem die
Batterien geladen waren, funktionierte das Bugstrahlruder wieder wie erwartet. Der Austausch war eine körperliche und logistische Herausforderung, weil die Batterien gut versteckt resp. im Bug schlecht zugänglich waren.

Wessem - MaastrichtDie Linna von André Keller und Brigitta Gwerder

Wir starteten heute um Punkt 9:00 Uhr Richtung Maastricht, André, Brigitta und Robert bereits eine halbe Stunde früher. Die Linna musste noch betankt werden. Wir staunten über den günstigen Literpreis, der nur € 1.57 betragen habe.

Der Himmel war bewölkt und ab Mittag war Regen angesagt. Wir schleusten zu viert
bergwärts, die Taranaki zuvorderst, die Linna in der Mitte ungefähr auf der Höhe einer kleinen Lynssen aus Bremerhafen und Robert fuhr als Letzter des kleinen Konvois. Beim Ausschleusen in der Sluis Born konnte die kleine Lynssen nicht mehr starten. Robert schleppte sie auf seiner Steuerbordseite ab, drehte nach der Schleuse
backbordseitig ein, so dass das havarierte Schiff auf Steuerbord am Passantensteg
festmachen konnte. Dort würde sie einfach erreicht werden können. Auch hier wünschen wir dem Skipper-Ehepaar rasch und nachhaltig Hilfe, so dass sie ihre Reise ungestört wieder fortsetzen können.

Kurz nach der Schleuse beginnt eine längere Engstelle. Wir warteten einen
entgegenkommenden Frachter ab sowie einen Schuber samt Leichter, der aus der
Schleuse auftauchte und wie wir ebenfalls bergwärts fuhr. Dieser rief uns auf, ihm direkt zu folgen. Dank dem breiten Leichter hatten wir dann in der Engstelle freie Fahrt, ohne dass wir hätten kreuzen müssen.

Der Regen hatte zugelegt und schliesslich legten wir im Hafen Treech 42 an, wo wir von einer sehr netten Hafenmeisterin begrüsst wurden. Wir hatten uns angemeldet und unsere besonderen Bedürfnisse manifestiert, weil Robert unbedingt am Längssteg anlegen muss.

Wessem - MaastrichtMartin, der von Robert auf der Highlander willkommen geheissen wird

In Maastricht hiessen wir Martin und Doris Schmied an Bord willkommen. Martin ist seit einem Unfall an einen Rollstuhl gebunden und wird die Reise mit der Highlander «unter die Räder» nehmen. Doris kommt bei unserer Taranaki an Bord.

André Keller und Brigitta Gwerder diagnostizierten erneut eine tiefe Ladung auf den Batterien des Bugstrahlruders. Eine gründliche Analyse ergab dann, dass der Monteur der Waschmaschine diese über die gleiche Sicherung wie die Batterien des Bugstrahlruders genommen hatte. Da André auf Empfehlung hin die entsprechende
Sicherung bei Nichtgebrauch der Waschmaschine ausschaltete, war auch Essig mit dem Aufladen der Bugstrahlruder-Batterien. Kleine Ursache, grosse Wirkung!

Nach dem aufregenden Tag resp. der langen Reise liessen wir uns im Restaurant Treech 42 verwöhnen. Wir beabsichtigen, einen Tag in Maastricht zu verweilen und erst am Freitag weiter zu fahren.

Robert kämpft noch mit der Registrierung seines Schiffes in den Niederlanden. Es fehlt nur noch wenig und unser Werftinhaber hatte uns mitgeteilt, dass er das geforderte Mail am Freitag abgschickt hätte. Hoffen wir, dass das klappt, weil sonst das Befahren der belgischen Gewässer grundsätzlich für die Highlander nicht möglich ist. Morgen sehen wir weiter!

Wessem – Roermond – Wessem

 

Zum Abschluss der Törn-Saison mit der Taranaki erwarteten wir Besuch. Am Freitag konnten wir Ilse und Adrian an Bord willkommen heissen. Sie waren noch nie auf dem Schiff und Adrian hat mit Ilse diese Reise zum Saisonabschluss organisiert.

Wessem - Roermond - WessemZuerst assen wir Fischbrötchen, die wir in der Kwaliteitsslagerij Wolfhagen in Maasbracht bestellt hatten. Die waren sehr lecker (und ich meine mit „lecker“, was ich darunter verstehe). Wie so oft, konnten wir dabei wiederum eine Super Van Craft beobachten, die ebenfalls zu einem Törn aufbrach.

Dann legten wir ab und fuhren gemütlich zuerst zur Maasbracht-Schleuse. Es handelt sich um die grösste Schleuse der Niederlande. Die untere Schwelle enthält 4,00 m Wasser, die obere 4,50 m. Maximale Länge mit 2 Schiffen hintereinander: 220 m. Maximale Länge mit 3 Schiffen hintereinander: 215 m. Maximale Breite mit 2 Schiffen hintereinander: 15,60 m. Maximale Sicherheitslänge mit 3 Schiffen hintereinander: 15,40 m. Der Wasserfall der Schleuse beträgt 11,85 m.

Es gab regen Berufsverkehr und wir achteten darauf, dass wir diesen in keiner Weise behinderten.

Wessem - Roermond - WessemDann ging’s Richtung Linne-Schleuse. Adrian und Ilse konnten zum ersten Mal miterleben, was Schleusen heisst und welche Aufgaben der Fender-Mieze und dem Skipper zukommen.

Wessem - Roermond - WessemUnsere Taranaki hat am Drehpunkt des Schiffes links und rechts je einen Poller. An diesem fiert Brigitte unser Schiff, ich unterstütze jeweils mit dem Schleuserhaken. Dank der Fender ist das problemlos möglich.

Wessem - Roermond - WessemFür Robert ist das Manöver weitaus anspruchsvoller. Er war alleine unterwegs und musste zuerst die Highlander in eine gute Position bringen, dann der Reling entlang gehen und das vorbereitete Tau um den Poller der Schleuse legen.

Nach der Schleuse fuhren wir in die Plas Hatenboer. Der weitläufige See ist eindrucksvoll und bei gutem Wind voller Segler. Am Freitag war der Wind schlaff, so dass sich nur wenige Segler aufs Wasser begaben.

Wessem - Roermond - WessemDie Highlander ist ebenfalls eine Linssen-Yacht von der Reihe St. Jozef-Vlet AC. Sint Jozef ist der Schutzpatron der Schreiner und als Jac. Linssen das Unternehmen gründete, fertigte er zuerst nur Steuerräder her. Diese wurden auf jeder Art von Schiffen verwendet. Erst später baute die Firma auch Sportboote und das sehr erfolgreich. So viel ich weiss, wurden im 2023 rund 100 Schiffe fertiggestellt.

Wessem - Roermond - WessemManchmal enden Sportboote auch traurig. Vom Eigner im Stich gelassen, versinken sie dann früher oder später. Leider gibt es in den Niederlanden keine Registrierungspflicht, weshalb man oft auch Segelboote angelegt sieht, die über Jahre verlassen immer an der gleichen Stelle hängen.

Rückfragen bei den Gästen zeigen zufriedene Gesichter oder gar tiefenentspannte Körpersprache.

Wessem - Roermond - Wessem Wessem - Roermond - Wessem

Wessem - Roermond - WessemDas freut natürlich auch den Skipper und die Fender-Mieze, weil sie ob all ihrer Begeisterung wohl nicht immer objektiv werten können.

Wessem - Roermond - WessemDann trennten sich unsere Wege: Robert ankerte im Plasen und wir fuhren in den Jachthaven Nautilus, wo wir für Freitag auf Samstag einen Platz reserviert hatten. Wir konnten nahe des Havenkantoors festmachen, mussten jedoch aufpassen, weil die Uferpartie ziemlich seicht ist. Da galt es, vorsichtig anzulegen und Brigitte musste beim Fieren entsprechend aufpassen.

Am nächsten Morgen frühstückten Adrian und Ilse im Hotel, das zwar etwas teuer, bot aber für den Preis eine tolle Ambiance. Zudem lag es nahe beim Hafen Nautilus.

Wessem - Roermond - WessemWir legten ab und Ilse machte es sich auf Achterdeck gemütlich.

Wessem - Roermond - WessemWir beobachteten die Graugänse in Flugformation. Die Überwinterungsgebiete der Graugans sind an der Westküste der iberischen Halbinsel, an den Nordküsten von Algerien und Tunesien und die Küsten der Adria.

Wessem - Roermond - WessemDie Weisswangengänse, auch Nonnengänse genannt, sind eigentlich Zugvögel, die normalerweise in Küstennähe überwintern. Wir konnten sie aber das ganze Jahr über auch im Landesinnern entlang der Flüsse beobachten.

Schliesslich übergab der Skipper das Steuer auch an Ilse und Adrian, nicht aber die Verantwortung. Die verbleibt immer beim Schiffsführer.

Wessem - Roermond - Wessem Wessem - Roermond - Wessem

Wir näherten uns wieder der Linne-Schleuse. Robert war inzwischen mit der Highlander auch wieder zu uns gestossen und wir konnten zusammen geradewegs in die Schleusenkammer einfahren.

Robert fuhr mit seinem Schiff direkt zum Comfortparc, wir wollten noch zur ‚t Tegelhuuske Maasbrasserie. Die Anlegestelle war leider besetzt mit kleinen Schloepen, dazwischen mehrere Meter Abstand. Wir versuchten es dann im Sailcenter Limburg, die Hafenmeisterin wollte uns aber nicht anlegen lassen. Unser Schiff sei für den Steg zu gross.

Wir konnten dann am Passantensteg in einer Box des Jachthavens De Spaanjerd anlegen. Der freundliche Hafenmeister erlaubte uns das, ohne dass wir etwas hätten bezahlen müssen.

Wessem - Roermond - WessemIm Restaurant des Hotel De Spaenjerd fanden wir ein feines Mittagessen. Das Restaurant kennen wir auch von Fahrradtouren und können es bestens empfehlen. Es liegt unmittelbar neben der Fahrrad- und Personenfähre, die über die Oude Maas führt.

Wessem - Roermond - WessemInzwischen war der Himmel mit Wolken überzogen, es war sehr feucht und sehr warm. In so einer Situation es auf dem Vordeck am gemütlichsten, der Wind macht den Aufenthalt dort richtig angenehm.

 

Zu beobachten gibt es immer Etwas, seien das Segelboote oder Kühe und Stiere, die weiden und sich in der Oude Maas abkühlen.

Wessem - Roermond - Wessem Wessem - Roermond - Wessem

Wessem - Roermond - WessemEs war ziemlich was los auf dem Wasser. Den warmen Sommertag im September wollte sich niemand entgehen lassen, der über ein schwimmfähiges Boot verfügt.

Wessem - Roermond - WessemSchliesslich begegneten wir einer Linssen der Sturdy-Reihe. Die Verwandschaft mit der St. Jozef-Vlet ist unverkennbar.

Dann erreichten wir wieder den Comfortparc.

Wessem - Roermond - Wessem

Wir hatten dieses Jahr viel erlebt und mit der Taranaki tolle Menschen kennengelernt und unvergessliche Begegnungen machen dürfen.

Die Taranaki hat uns während 233 Stunden in Fahrt sicher übers Wasser geführt und uns eindrückliche Entdeckungen in den Niederlanden und Belgien erschlossen. Sie wird nächste Woche ausgewassert und winterfest gemacht.

Wir freuen uns bereits auf nächstes Jahr und hoffen selbstverständlich, dass der Blog dann auch wieder gelesen wird.

 

Venlo – Wessem

 

Nach einer warmen Nacht fuhren wir ca. halb zehn Uhr los. Es war ziemlich ruhig auf der Maas. Hinter uns sahen wir das Arbeitsschiff Iris herankommen und kurz vor der Sluis fragte ich die Schleusenverantwortlichen, ob ich nach der Iris in die Schleuse einfahren könne. Damit sorgte ich für ein Missverständnis. Der Schleusenwärter fragte nämlich die Iris, warum der Schiffsführer sich nicht angemeldet habe. Dieser antwortete, er wolle gar nicht schleusen, er drehe vorher ab und arbeite dort am Ufer. Nachdem das geklärt war, warteten wir an der Anlegestelle für Sportboote einen Augenblick, bis uns beschieden wurde, wir könnten in die Backbordschleuse einfahren. Hinter uns kam noch ein Schuber ohne Leichter.

Venlo - WessemNach der Schleuse entdeckten wir ein entgegenkommendes Schweizerschiff, die Loon. Der Skipper ist Mitglied des SSK-CSE. Wir grüssten uns im Vorbeifahren und obschon er nicht Mitglied des schleusenverein.ch ist, gewann er mit dem Berner-Fähnli unsere Sympathien.

Venlo - WessemKurz darauf begegneten wir schwarzen Schwänen. Sie sind ursprünglich in Neuseeland und Australien beheimatet, sind aber wohl aus Zoos oder aus privaten Zuchten ausgebüxt. Es sind edle Tiere, auch wenn sie eigentlich nicht hierher gehören.

Venlo - WessemDann passierten wir auf Backbord erneut ein Schweizer Schiff: Die Zephyr. Der Skipper ist Mitglied des CSS (Cruising Club der Schweiz).

Venlo - WessemSchliesslich erreichten wir die Schleuse Roermond (oe wird u ausgesprochen). Wir mussten dort eine Weile warten, weil gerade ein Cargo talwärts schleuste. Was dann aber aus der Schleuse herausfuhr, verwunderte uns dann doch. Wir hätten nicht gedacht, das solch grosse Schiffe diese Schleuse benutzen. Aber klar: Roermond hat einen Industriehafen gebaut, der ziemlich nahe am Outlet liegt. Ich kann mir gut denken, dass viele Waren, die dort zu kaufen sind, mit Containern angeliefert werden.

Venlo - WessemNachher ging’s aufwärts: Viele kleine Motorboote und drei Motoryachten wurden dank dem Wasser bergwärts geschleust. Die Schleuse ist zweigeteilt, damit bei Sportbooten nicht immer die ganze Schleuse verwendet werden muss, was auch nur die Hälfte Wasser verbraucht. Obschon alle Schiffe im vorderen Teil reichlich Platz gehabt hätten, machte das hinterste so weit hinten fest, dass nur über die ganze Schleusenkammer geschleust werden konnte.

Venlo - WessemEs war ziemlich heiss, vor allem in der Schleuse. Dort fehlt der Fahrtwind und durch die abschirmenden Bäume regt sich kein Lüftchen. Aber auch wenn der Wind ein bischen weht, ist es trotzdem heiss. Die Kühe haben da eine eigene Methode, um sich abzukühlen.

Venlo - WessemDie Gegend um Roermond ist schon toll. Hier ein Bild auf das Wahrzeichen der Stadt, dem Torre Natalini. 1966 gründeten Peter Frassinelli, Alessandro Magris, Roberto Magris, Adolfo Natalini, Alessandro Poli und Christiano Toraldo di Francia in Florenz einen Think Tank für Architektur und Design. Ihr genreübergreifendes Werk reicht von Möbel- und Objektdesign über Städtebau und Urbanistik bis zu Studien zur Entwurfstechnik. Nachdem die Gruppe immer weniger in Erscheinung trat, realisierte Natalini diverse postmoderne Bauten, zu denen eben auch der Torre Natalini gehört.

Venlo - WessemSchliesslich passierten wir auch die Linne-Schleuse und fuhren zu unserem Stamm-Yachthafen Comfortparc. Kurz vor dem Einbiegen trafen wir noch dieses skurrile Wasserfahrzeug.

Der Sommer ist immer noch da und wir haben immer noch hohe Temperaturen. Erst in der Nacht kühlt es jeweils ein bischen ab. Wir geniessen es trotzdem und können uns ja einrichten.

Damit sind wir wieder am Ausgangsort unserer Touren in den Niederlanden und Belgien. Wir haben viel erlebt und tolle Bekanntschaften gemacht. Die Besuche von Liliane und Esther sowie von Doris waren ebenfalls Höhepunkte dieses einzigartigen Sommers. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

Venlo - Wessem

Wanssum – Venlo

 

Heute morgen putzte ich noch den Seewasserfilter. Er war weniger verschmutzt, als vermutet, trotzdem lohnte sich der Putzaufwand. Überraschenderweise hatte es Morgentau, obschon der gestrige Abend noch sehr warm war. Schlafen war nur mit Ventilator möglich.

Das deutsche Ehepaar, das gestern angekommen war, fuhr vor uns ab. Wir hatten aber nur eine kurze Strecke zu fahren und erreichten daher unser Ziel bereits kurz nach Mittag. Es gab einigen Berufsverkehr und ich musste mich ziemlich steuerbordseitig halten, da die Maas zum Kreuzen von zwei Schiffen mit Sportboot doch nicht ganz einfach war. Dabei stellte ich fest, dass in einigen Bereichen, wo rechts Sandbänke liegen, nicht gerade üppig Wasser unter dem Kiel vorhanden war. Grüne Tonnen fehlten oder waren weggerissen. Wie dem auch sei, wir erreichten den Vereinshafen problemlos.

Wanssum - VenloHeute gab es keine grossen Fotosujets, doch eines wollen wir dir nicht vorenthalten. Die Cinclus fährt unter Niederländischer Flagge, ist 27 m lang und 5 m breit mit einem Tiefgang von 1.40 m. Heimathafen ist Groningen und zurzeit ist sie im Kraaijenbergse Plassen (in der Nähe von Cuijk) vor Anker gegangen. Der Name Cinclus bedeutet übrigens Wasseramsel.

Es handelt sich um ein Passagierschiff, welches maximal 8 Personen aufnimmt und mit diesen Fahrten in Belgien, Frankreich und den Niederlanden unternimmt. Das Schiff gehört Sasja van Brink und Ekko Prins. über folgenden Link können Reisen gebucht werden.

Wanssum - Venlo

Cuijk – Wanssum

 

Cuijk - WanssumVor der Abfahrt machte ich noch ein Foto von diesem Schmuckstück. Das Schiff wurde 1910 gebaut. Ein tupfgleiches haben wir im Hafen der Watersportvereniging Aalsmeer gesehen. Schon erstaunlich, dass bereits damals Freizeitboote gebaut wurden und dass davon noch zwei so schöne Exemplare existieren.

Cuijk - WanssumAuf der Fahrt begegnete uns noch das unter Schweizer Flagge fahrende Schiff Kira. Es handelt sich um eine Linssen Dutch Sturdy 380 AC. Wir winkten uns zu und freuten uns, wieder einen Schweizer Skipper getroffen zu haben, wenn auch nur im Vorbeifahren.

Cuijk - WanssumSchliesslich gelangten wir an die Schleuse Sambeek. Es war reger Berufsverkehr unterwegs, aber wir hatten Glück. Uns hatte kurz vor der Schleuse ein Schuber mit einem unbeladenen Leichter überholt. Der Schleusenwärter gab uns die Erlaubnis, gleich hinter dem Schuber einzufahren. Kaum hatten wir angelegt, gings auch schon aufwärts. Die Schleusenkammer ist in tadellosem Zustand. Brigitte erhaschte noch einen Blick zurück in die Schleusenkammer. Die Schleusenanlagen wurden 2021 vollständig renoviert und verrichten seither zuverlässig ihren Dienst. Als kürzlich das Wehr in Grave teilweise defekt war, hielten die Schleusenanlagen und das Stauwehr von Sambeck die Wassermassen zurück.

Cuijk - WanssumOffenbar gibt es weitere Wartungsarbeiten, diesmal am Stauwehr zu bewältigen.

Um die 1920er Jahre begann man damit, die Maas zu kanalisieren und schiffbarer zu machen. Beispielsweise wurden der Juliana-Kanal und der Linne-Buggenum-Seitenkanal gebaut. In der Maas selbst wurden von Süden nach Norden sieben Wehre gebaut: Borgharen, Linne, Roermond, Belfeld, Sambeek, Grave und Lith. Diese Gesamtheit aus Wasserstrassen, Wehren und Schleusen wird Maasroute genannt.

Cuijk - WanssumUnterwegs sahen wir verschiedene Gänse, die den Formationsflug übten (Leitgans vorne und die übrigen V-förmig aufgereiht. Diejenigen, die wir zu Gesicht bekamen, müssen noch etwas üben.

Schliesslich gelangten wir in den Jachthaven Wanssum. Wir freuten uns auf den nahe gelegenen Albert Heijn-Markt,bis wir erfuhren, dass der an diesem Standort neu sei und erst am 13.9.2023 eröffnet werde.

Der Hafen liegt hinter dem Industriehaven und die Passantenkade muss rückwärts angefahren werden, damit man wie reglementarisch gefordert, auf Steuerbordseite anlegen konnte. Der Hafen hat viel Schilf und andere Pflanzenreste im Wasser.

Wir fuhren dann noch in das Restaurant Veerhuys Tante Jet. Es liegt direkt an der Maas und von der Terasse aus hat man einen herrlichen Blick auf die Maas. Am Nachmittag liegt die Terasse schön im Schatten, was bei den gestrigen Temperaturen sehr geschätzt wurde. Allerdings raten wir zu reservieren, sonst gibt es nur die Plätze längsseits des Restaurants. Von dort hat man immer noch einen schönen Blick auf die Maas, gegen Abend aber auch Sonne.

Cuijk - Wanssum

Alem – Cuijk

 

Gestern machten wir noch einen Fahrradausflug an die Waal. Dabei konnten wir einen Schuber mit sechs Leichtern beobachten, der talwärts fuhr. Kurz darauf fuhr auch ein beladener bergwärts. Dabei werden drei Paare gebildet und mit Stahlseilen aneinander gebunden. Welche Kräfte da bewältigt werden müssen, lassen die folgenden Bilder erahnen.

Alem - Cuijk Alem - Cuijk

Alem - CuijkEtwas später sichteten wir die Grace Kelly, nicht die Schauspielerin, wohl aber das edle Schiff mit gleichem Namen. Das 50 m lange und 9 m breite Schiff hat heute in Amsterdam angelegt. Es fuhr den Rhein hinauf bis Stürzelberg (in der Nähe von Düsseldorf) und wendete dort. Sehr schönes Schiff mit spezieller Ausstrahlung.

Alem - CuijkDen Abend verbrachten wir auf dem Schiff und Brigitte kochte Teigwaren, die wir mit verschiedenen Gemüse anreicherten. Der Reibkäse und die speziell scharfen Gewürze waren dann noch das Sahnehäubchen oben drauf.

Alem - CuijkAm nächsen Morgen lösten wir die Leinen kurz nach neun Uhr. Wir fuhren auf die Maas und bogen Backbord ab. Damit ging’s wieder bergwärts. Unterwegs konnten wir wiederum viel Natur geniessen. Die Maas wird auf weiten Strecken von Bäumen gesäumt. Diese verfestigen das Ufer und halten den Wind etwas ab. Aber manchmal ist der Wind zu stark, was dann die Bäume fällen kann.

Dann sehen wir immer wieder Kühe, die friedlich am Ufer weiden. Fressen gibt auch Durst und macht müde. Für Beides ist entlang der Maas reichlich gesorgt.

Alem - Cuijk Alem - Cuijk

Alem - CuijkSchliesslich kam uns ein Sportboot der besonderen Art entgegen. Was mich besonders überraschte: Ich sah auf meinem Kartenplotter kein AIS-Signal. Es war mir deshalb nicht möglch, das Schiff zuzuordnen. Ähnlich wie unsere Taranaki spielt sich das Leben auf diesem Schiff auf drei Ebenen ab, nur alles viel gröser und breiter und höher. Der Crew und insbesondere den Passagieren sind viele Törns unmöglich, die wir mit unserer Taranaki geniessen können. Nebst dem stolzen Anschaffungspreis werden die Betriebskosten ebenfalls recht hoch ausfallen.

Alem - CuijkEtwas weiter flussaufwärts überholte uns ein Schuber mit einem vorgespannten Leichter. Es handelte sich um die W. De Beijer Sr. Er kam von Oss, fuhr dann die Maas hoch und überholte uns kurz vor der Grave-Schleuse. Das Frachtschiff ist 172 m lang und 12 breit. Die Grave-Schleuse ist 137.5 m lang und deshalb war mir schon beim Überholmanöver klar, dass er den Leichter wird abkoppeln müssen. Der Leichter selber verfügte über Motoren und hydraulische Querruder. Wir waren als einziges Sportboot anwesend und die Schleusenwärterin beschied mir am Funk, dass ich nach dem Leichter ebenfalls in die Schleuse einfahren könne.

Inzwischen waren weitere fünf Sportboote angekommen, die extrem drängelten. Einer verhielt sich sehr unfreundlich und drängte mich ab, ein anderer stand plötzlich rückwärts zur Schleuse, kurz, so richtig Szenen für die versteckte Kamera.

Alem - CuijkDer Unfreundliche setzte sich direkt hinter den Leichter, der Unerfahrene direkt dahinter. Das wäre immer noch kein Problem gewesen, hätten sie in der Schleuse aufgeschlossen. Aber dem war nicht so. Vor beiden Sportbooten hatte es noch genügend Platz. Wir forderten den Unfreundlichen auf, doch bitte aufzuschliessen. Der wollte nicht. Deshalb fuhr ich zwischen den beiden durch (links der Unerfahrene und rechts der Unfreundliche). Wir legten unsere Taranaki an die Steuerbordwand der Schleuse zwischen den Leichter und den Unfreundlichen.

Alem - CuijkZwischen dem Leichter und der Taranaki war noch genügend Abstand.

Nun denn, in solchen Fällen hilft nur Achselzucken und die eigenen Manöver den Umständen anpassen.

Alem - CuijkBei der Ausfahrt ging’s dem Unerfahrenden wieder nicht schnell genug. Obschon eine halbe Bootslänge hinter mir musste er in der Schleuse überholen.

Beide, der Unfreundliche drehte zum Jachthaven Grave ab und der Unerfahrene fuhr zum Passantenhafen oberhalb der Graveschleuse, hätten gar nicht so zu drängeln brauchen.

Nachher fuhren wir entspannt zum Jachthaven W.S.V. De Kraaijenbergse Plassen. Der Hafen ist sehr gemütlich und die sanitarischen Anlagen sind top. Dabei zahlten wir weniger, als an allen bisherigen Häfen (Strom und Duschen inbegriffen).

Alem - Cuijk

Gorinchem – Alem

 

Gestern Abend legten verschiedene Frachtschiffe an, so dass ich auf den ersten Blick dachte, wir könnten am Morgen nicht abfahren. Das war ein Irrtum, wie die beiden Bilder zeigten.

Gorinchem - Alem Gorinchem - Alem

Ganz vorne wurde eine Lücke freigelassen, so dass wir sicher passieren können.

Gorinchem - AlemHeute morgen war es draussen zappenduster. In der Nacht hatte es kräftig geregnet und heute morgen legte sich eine dicke Nebeldecke über das Land. Die Feuchtigkeit perlte auch an den Spinnennetzen.

Wir warteten, wie auch eine ganze Reihe von Klubmitgliedern, die am Samstag jeweils ausfahren. Der Nebel verzog sich ein wenig, wurde wieder dichter, ein Kommen und Gehen.

Gorinchem - AlemWir setzten die Positionslichter, legten die Leinen los und fuhren nach zehn Uhr los. Das eine Cargo-Schiff hatte bereits abgelegt, dafür kamen zwei neue dazu. Aber immer noch hatten wir freie Fahrt.

Der Nebel über der Waal war ziemlich dicht, wir konnten gerade noch die Fahrwasserbegrenzungen sehen. Dank AIS sehen mich die Frachtschiffer und ich konnte sie auch sehen, bevor sie aus dem Nebel auftauchten. Wir querten die Waal und fuhren an der linken Uferseite hoch bis zur Einfahrt in die Afgedamde Maas. Dort fuhren wir einem Passagierdampfer hinterher, der für uns die Schleuse freimachte. Wir konnten zügig schleusen und näherten uns der Maas.

Gorinchem - AlemDas Wetter besserte sich zusehends, die Sicht wurde wieder sehr gut und wir konnten bei immer mehr aufklarendem Wetter die ersten Segler beobachten.

Gorinchem - AlemVor der Einfahrt in die Maas passierten wir die Kromme Nol, ein Wehr, das bei Hochwasser vor Überschwemmungen schützt.

Nach der Einfahrt bei Heusden ist die Maas ziemlich breit und breite Flüsse fliessen etwas langsamer. Wir fahren bergwärts und normalerweise hätte ich bei der Tourenzahl locker 10 km / Std. fahren können. Es waren aber nur 8 bis 9. Zudem waren die Ufer bis an den Rand mit Wasser gefüllt. Ich dachte mir aber nichts weiter dabei.

Gorinchem - AlemAuf der Höhe von Kerkdriel beobachteten wir noch ein Pfadihüttenrennen. Das war lustig anzusehen. Weniger lustig dürften die Skipper die entgegenkommenden Schnellboote empfunden haben, die tüchtige Wellen verursachten und die Pfadihäuschen arg ins Schlingern brachten.

Schliesslich erreichten wir die Abzweigung bei km 209.4 und bogen Backbord in den Kanaal van Sint Andries. Dieser führt über eine Schleuse in die Waal, aber auch in unseren Zielhafen, den Jachthaven de Maas.

Beim Anlegen half uns ein freundlicher Herr und wir staunten nicht schlecht, hatten wir ihn doch schon in Delft, in Katwijk, in Den Haag und jetzt hier wieder gesehen. Es sei sein Heimathafen und für den Winter bringe er das Schiff dann nach Sneek, weil noch einige Reparaturen gemacht werden müssten. Er und seine Frau besitzen eine Aquanaut.

Er machte uns auf einen Unfall am Wehr Grave aufmerksam. Die Maas sei in der Folge auf unbestimmte Zeit gesperrt. Er habe die Nachrichten laufend verfolgt und wir machten uns auch daran, diese zu konsultieren. Der übersetzte Liveticker der Rijkwaterstaat kann über folgende Seite angeschaut werden.

Jetzt wurde mir auch klar, weshalb wir hier im Unterlauf einen so hohen Wasserstand beobachten konnten. Das defekte Wehr und die für die Reparatur nötigen Massnahmen haben zu dieser Situation geführt.

Da die Panne wohl noch eine Weile nicht behoben sein wird, werden wir vermutlich über die Zuid Willemsvaart nach Wessem gelangen. Ob das gelingt, ist fraglich, da Brigitte eben feststellte, dass eine Schleuse bei Helmond ab heute bis auf weiteres wegen Reparaturarbeiten geschlossen ist. Wir werden morgen die Lage neu beurteilen.

Gorinchem - Alem

Vreeswijk (Nieuwegein) – Gorinchem

 

Wir haben ein paar Tage in Nieuwegein im Passantenhaven Plettenburg verbracht und von hier aus einen Ausflug mit den Fahrrädern unternommen. Aufgrund der Wetterberichte entschlossen wir uns, am ersten Tag das Kasteel De Haar zu besuchen. Die Fahrt führte zum Teil dem Amsterdam Rijn Kanaal entlang, was für uns ja immer spannend ist.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemGegen Mittag machten wir in Geertje’s Hoeve Halt. Das ist ein Hof, in dem Tiere meines Erachtens tiergerecht gehalten werden und der vor allem für Kinder und deren Grosseltern viel zu bieten vermag. Die Kinder haben viele Spielmöglichkeiten, können zwischen Hühnern und Ziegen herumtollen und über Strohballen klettern. Es gibt ein Restaurant und einen Hofladen mit selbst produzierten Lebensmitteln oder Produkten aus der Gegend.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemDann erreichten wir das Kasteel de Haar, ein wahres Märchenschloss mit einem herrlichen Park. Das mittelalterliche Haus De Haar wurde wahrscheinlich im Laufe des 13. Jahrhunderts auf einem höheren Deich entlang eines Rheinarms gegründet. De Haar wird erstmals 1391 schriftlich erwähnt.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemUrsprünglich gehörte Kasteel de Haar einem Mitglied der Familie Van der Haar, der als Diener des Fürstbischofs von Utrecht über genügend Ansehen verfügte, um für sich und seine Familie ein befestigtes Haus zu bauen. Im 15. Jahrhundert gelangte die Burg durch die Heirat von Josina van de Haar mit Dirk van Zuylen in den Besitz der Familie Van Zuylen. Ihre charakteristische fünfeckige Form erhielt die Burg vermutlich, nachdem die Burg 1482 während der Streitigkeiten zwischen dem Bischof und der Stadt Utrecht zerstört und anschließend wieder aufgebaut wurde.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemEnde des 19. Jahrhunderts erbte Baron Etienne van Zuylen van Nijevelt die inzwischen stark heruntergekommene Domäne De Haar, die in den Jahrhunderten zuvor durch verschiedene Stürme und Kriege zerstört worden war. Als der Baron Hélène de Rothschild in Paris kennenlernt und sie wenig später heiratet, beschließt er, das Familienschloss als Hommage an seine illustre Familie wieder aufzubauen.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemDer Baron beschloss, mit dem Architekten Pierre Cuypers zusammenzuarbeiten, der bereits durch die Gestaltung des Rijksmuseums und des Hauptbahnhofs in Amsterdam berühmt geworden war. Der Baron und Cuypers einigten sich darauf, das Schloss entsprechend den ursprünglichen Konturen des alten Schlosses zu bauen. Der neugotische Baustil von Cuypers, der stark an das Mittelalter erinnert, passte gut zum Wunsch des Barons, das Schloss in eine Art Familienmuseum umzuwandeln.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemDie Lebensweise des Barons war alles andere als mittelalterlich. Er war einer der ersten Automobil- und Flugzeugmeister und Präsident des „Club Automobile de France“ und des „Aéro Club de France“. Auch in den Niederlanden spielte er auf diesem Gebiet eine wichtige Rolle, weshalb er Ehrenvorsitzender des Niederländischen Automobilclubs wurde. In dieser Zeit organisierte Etienne 1898 eine Autorallye zwischen Paris und Antwerpen.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemDer Baron und die Baronin möchten auch ihre Freunde und Verwandten auf das Schloss einladen und sie beeindrucken, und so kommen für diese Zeit allerlei moderne Annehmlichkeiten ins Schloss. Fließendes Warm- und Kaltwasser, Zentralheizung, Strom, ein türkisches Bad, eine hochmoderne Küche und ein Personenaufzug. Das alles ist in den Niederlanden Ende des 19. Jahrhunderts sehr extravagant. Selbst die Königin hat nicht so viel Luxus.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemEin Besuch lohnt auf jeden Fall und ist auch für Kinder ein besonderes Erlebnis.

Am nächsten Tag war relaxen angesagt. Es regnete ab und zu und dann zeigte sich die Sonne wieder. Es war deutlich kühler geworden. Am Abend liessen wir uns im „The Good Food Restaurant“ verwöhnen. Es gibt dort asiatische Spezialitäten. Das Essen ist köstlich, das Personal ist sehr freundlich und der Besitzer sehr zuvorkommend. Das Restaurant liegt im Westen der drei 650-jährigen Schleusen.

Am Kopf der Schleusen befindet sich ein Wehr, welches Wasser aus der Lek bis in die Grachten der Stadt Utrecht leitet. Vom Wirt erfuhren wir, dass dieses Wasser über einen unterirdischen Kanal unter dem Amsterdam Rijn Kanaal in die Grachten geleitet wird (und diese in der Nacht jeweils spühlt und mit frischem Wasser versorgt).

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemHeute fuhren wir vom Passantenhaven um etwa halb zehn Uhr los, nachdem ich noch den Seewasserfilter geputzt hatte. Vor der Schleuse waren wir die ersten, doch nach und nach gesellten sich weitere vier Boote hinzu. Normalerweise liegt der Wasserpegel der Lek tiefer als derjenige in den Schleusen. Dieses Mal mussten beim Ausfahren zwei unabhängige Schleusentore geöffnet werden. Wer genau hinschaut bemerkt, dass diese gegen beide Fliessrichtungen ausgerichtet sind.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemHier sieht man das Wehr, welches am Abend und in der Nacht mit Wasser der Lek die Grachten von Utrecht versorgt.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemVor der De Grote Sluis Vianen konnten wir den toll bemalten Schlepper bewundern …

Vreeswijk (Nieuwegein) - Gorinchem… und in der Schleuse dieses wunderschöne Holzschiff. Der junge Skipper begleitete uns bis nach Gorinchem.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemWer denkt, auf dem Merwerdekanaal werde nur von Sportbooten befahren, der täuscht sich. Frachtschiffe sind zwar selten, aber man sieht sie doch. Zudem gibt es Hotelschiffe mit Fahrradfahrern oder reine Passagierschiffe.

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemDer Himmel war mehrheitlich bedeckt und zeigte eindrückliche Wolkenformationen. Ob sie uns noch begiessen würden?

Vreeswijk (Nieuwegein) - GorinchemDer Merwedekanaal ist gut unterhalten und zeigt einen abwechslungsreichen Flussverlauf. Auf den immer noch grünen und saftigen Wiesen weiden grosse Viehherden. Die für uns angenehmen Temperaturen mögen auch sie.

Die letzte Schleuse vor unserem Ziel ist die Grote Merwedesluis. Wir konnten die vielen Brücken unterwegs oft gar ohne Wartezeiten passieren. So erreichten wir den Hafen der Yachthaven Merwede und konnten am Liegeplatz B5 anlegen. Wir legten rechts an und konnten den Wind von Backbord zum Anlegen ausnutzen.

Es ist ziemlich ruhig geworden im Hafen der Watersportvereniging. Deshalb finden wir jeweils auch problemlos Anlegeplätze.

Auf der Fahrt merkte ich auf einmal, dass uns an der Steuerbordleine beim Masten die Niederländische Flagge fehlt. Die beiden Schäkel hängen noch, von der Flagge fehlt aber jede Spur. Wir müssen annehmen, dass die Flagge geklaut wurde. Einen Ersatz konnten wir in Gorinchem noch nicht finden (AWB, ACTION, VVV usw.).

Nun denn, wir werden schon noch einen Ersatz finden.

Morgen bleiben wir noch in Gorinchem, übermorgen geht’s über die Waal.

Vreeswijk (Nieuwegein) - Gorinchem

Weesp – Vreeswijk

 

Weesp - VreeswijkVorgestern sind wir mit dem Fahrrad ins Naturschutzgebiet gefahren und haben auf dem Fahrweg bei den Ankeevensche Plassen diesen Roten Amerikanischen Sumpfkrebs entdeckt. Leider handelt es sich hier um eine invasive Art, die aufgrund ihrer Gefrässigkeit und dem hohen Grad der Vermehrung einheimische Arten verdrängt. Aber nicht nur Europäische Krebse werden Opfer dieses Eindringlings, sondern auch Amphibien. Deren Laich wird ebenfalls stark dezimiert. An vielen Orten wurde deshalb der Fang freigegeben. Sie landen dann als Speisekrebse auf den Tellern der Restaurants.

Das Naturschutzgebiet ist sehr eindrucksvoll, was die folgenden Bilder belegen.

Weesp - Vreeswijk Weesp - Vreeswijk

Weesp - VreeswijkIn einem Dorf entdeckten wir ein Amsterdamerli, das zum Verkauf steht. Beachtet die Fender, die aus geknüpften Tauen bestehen.

Kurz nachher wurden wir verregnet, was der Wetterbericht so angekündet hatte. Wir waren mit Regenschutz gewappnet. Diese schützten den Oberkörper, unten wurden wir bald klatschnass. Es war aber ziemlich warm und deshalb überhaupt kein Problem.

Weesp - VreeswijkAm nächsten Tag relaxten wir im Dorf Weesp und entdeckten auf dem Spaziergang auch dort ein paar Highlights.

Weesp - VreeswijkAuch hier, das Ijsselmeer ist ja nicht weit entfernt, fanden wir eine schöne Tjalk, welche als Plattbodenboot in diesem Gebiet eine lange Tradition hat.

Weesp - VreeswijkAm Abend konnten wir einen Schleppverband der etwas anderen Art bewundern. Der kleine Schlepper zog insgesamt vier Boote.

Heute fuhren wir gegen neun Uhr los. Wir wollten endlich einmal die Vecht bis in die Nähe von Utrecht befahren. In der Vergangenheit war das wegen defekten Brücken nicht möglich, doch heute standen die Zeichen gut.

Auf der Tour kamen wir namentlich in der Nähe von Breukelen an vielen schönen Herrschaftshäusern und -gütern vorbei.

Weesp - Vreeswijk Weesp - Vreeswijk Weesp - Vreeswijk Weesp - Vreeswijk

Weesp - VreeswijkEines dieser Häuser wurde von zwei ausgewachsenen Dobermännern bewacht, die sich lauthals bemerkbar machten und sicher von der Flussseite her unliebsame Besucher vom Betreten des Grundstücks abhielten. Da brauchte es keine Verbotstafel mehr.

Weesp - VreeswijkWir fuhren oft alleine, begegneten aber doch hin und wieder auch anderen Sportbötlern. Bei den Brücken, die für uns hochgehoben werden mussten, gab es in der Regel immer wieder Schiffe, die in entgegen gesetzter Richtung fuhren.

Weesp - VreeswijkAm Ufer gab es immer wieder kleinste Schlepper, die teilweise originell um- und ausgebaut wurden.

Kurz nach Breukelen fuhren wir am Kasteel Nijenrode vorbei. Der Name Nijenrode bedeutet neu gerodetes Gelände . Um 1275 ließ Gerard Splinter van Ruwiel hier die erste Burg errichten. Sein Familienwappen bestand aus einem goldenen Feld und einem roten Balken, und diese Farben zieren noch heute die Fensterläden des Anwesens. Nach der Zerstörung der Burg in den Jahren 1481 und 1511 wurde die Ruine 1536 an Johan van den Bongard, Erbkämmerer von Gulik und Beamter von Grave, geerbt. Nach ihm ging es an seinen Sohn Bernard I. van den Bongard, dessen Sohn Bernard II. van den Bongard das Schloss zwischen 1632 und 1642 im Stil der niederländischen Renaissance umbaute. Nachdem es im Katastrophenjahr 1672 von den Franzosen besetzt und von ihrem Kommandanten La Fosse mehrere Monate lang als Hauptquartier genutzt wurde, wurde es 1673 von Truppen unter dem Kommando von Frans de Montmorency, Herzog von Luxemburg, in Brand gesteckt.

Weesp - VreeswijkDas Schloss beherbergt heute die Nyenrode Business Universiteit und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Es handelt sich um einen prächtig renovierten Sitz der vorgenannten Universität.

Die Burg ist von Wasser umgeben und über zwei Zugbrücken erreichbar.

Dann näherten wir uns der Passage zum Amsterdam Rijn Kanaal. Es handelt sich um die Vechtsluis in Maarssen. Dort kam mir ein Sportboot aus der Utrechtsche Vecht entgegen, so dass ich nicht von der Flussmitte aus in die normalerweise offene Schleuse einfahren konnte. Überraschender Weise kam dort zudem ein Schweizer Schiff, die Matador, aus dem Amsterdam Rijn Kanaal herausgefahren, so dass ich die Taranaki aufstoppen musste. Wir konnten uns noch zurufen, eine gute Reise wünschen und stellten fest, dass es sich um ein frankophones Ehepaar handelte.

Die Durchfahrt ist ziemlich eng und wellig. Ich hatte auf dem Kartenplotter die Frachtschiffe in der Nähe gecheckt und festgestellt, dass die Einfahrt in den Amsterdem Rijn Kanaal günstig war. Dann fuhren wir den Kanaal bis zur Zuidersluis hinunter, um über die Schleuse in den Merwedekanaal zu gelangen. Mit uns in der Schleuse war ein kleines Sportboot und ein grösseres von LeBoat. Der Schleusenwart instruierte diese Crew noch über korrektes Schleusen.

Schliesslich landeten wir wieder einmal im Passantenhaven Nieuwegein / Plettenburg. Dort wies uns der Hafenmeister an, rückwärts in die zugewiesene Box zu fahren. Das ist bei den engen Platzverhältnissen und ohne Heckstrahlruder gar nicht so einfach. Es klappte aber gut und der Hafenmeister half das Schiff festmachen.

Auch hier wollen wir wieder ein paar Tage verweilen.