Deinze – Gent

Heute Morgen haben wir uns auf eine Reise gemacht, auf die wir uns bereits im Vorfeld sehr freuten. Hier der entsprechende Kartenausschnitt. Die Etappe führt durch wunderschöne Landschaften, mäandert herrlich und ist ein Augenschmaus für die Seele. Er gehört zu den schönsten Etappen, die man sich denken kann.

Wir fuhren etwas vor neun Uhr los. Der Wind hatte nachgelassen, das Wetter war klar und nicht mehr so heiss, wie in den vergangenen Tagen. Brigitte hatte sich noch beim Hafenmeister der Lindelei erkundigt. Der wollte in einem SMS alle unsere Daten, die ich ihm dann auch schickte. Er kündigte uns an, dass wir voraussichtlich in einer Box anlegen müssten. Das haben wir noch nicht viel gemacht, wird aber schon klappen.

Gleich nach dem Start gibt es eine Fussgängerbrücke und kurz darauf eine Hebebrücke. Wenn man funkt, kriegte man keine Antwort und so telefonierte Brigitte und erreichte den Brückenwart. Er öffnete für uns beide Brücken, so dass wir sie problemlos passieren konnten. Die erste ist 3.20 m, was zum Durchschlüpfen mit der Taranaki nicht reicht.

Die Reise ging gemächlich los. Zuerst waren 6 km / Std. angesagt, später waren 8 km / Std. zugelassen. Der Leie entlang, so heisst der Fluss, gibt es viel Natur, viele schöne Villen und viele Tiere. So konnten wir eine Wasserschildkröte, unzählige Teichhühner, Enten und einige Kormorane beobachten.

Wir waren lange Zeit alleine unterwegs, erst gegen Schluss kamen uns dann insgesamt etwa drei Sportboote entgegen. Ganz zum Schluss in einer Engstelle kam uns ein grösseres Passagierschiff entgegen, das wir bereits an der Mole in Gent gesehen hatten. Das erste, was ich sah, war die mächtige Galionsfigur einer in rot gekleideten Frau. Nun denn, unsere beiden Manöver nutzten den Platz optimal, zwischen den Schiffen blieb nur etwa ein Meter, weil nicht zuletzt das Passagierschiff kurz vorher auf einer Geraden munter drauf los fuhr. Dort hätte problemlos gekreuzt werden können. Ich war immerhin vorgewarnt, ich sah ihn auf dem Kartenplotter. Nur von den Dimensionen war ich dann doch etwas überrascht.

Bald darauf erreichten wir unser Ziel, den Hafen Lindelei in Gent. Wir hatten für die Fahrt mehr Zeit budgetiert. Der Hafenmeister wies und wie erwartet eine Box zu  und ich fuhr mit der Taranaki rückwärts in die Box. Es windete etwas und das ist mit der Taranaki immer etwas heikel. Wir schafften das Anlegen aber problemlos. Brigitte bereitete die Taue der Heckterasse vor, kletterte auf die Badeplattform und warf dem Hafenmeister das eine und nachdem er das um den Poller gelegt hatte, auch das zweite zu. Ich manöverierte die Taranaki zwischen die Pfosten, befestige die Hecktaue und half Brigitte beim Anlegen auf der Höhe der Pfosten. Schliesslich noch die Spring angelegt und unser Schiff ist festgemacht, wie es sich gehört.

Unser Auspuff liegt tief unmittelbar unter der Badeplattform. Beim Fahren spritzt das ausgeschiedene Wasser stark. Deshalb hinterlässt das verspritzte Wasser seine Spuren auf der Heckwand und der Badeleiter. Wenn man mit dem Heck zum Anlegesteg steht, ist das eine gute Gelegenheit, das Heck und die Leiter zu putzen. Dabei kam der Skipper vom Nachbarschiff mit Heimathafen Willebroek zu mir zum Klönschnacken. Er fragte mich, ob ich vor einiger Zeit in Klein-Willebroek angelegt hätte. Das haben wir und er hat unser Schiff wiedererkannt. Er ist pensionierter Rheinschiffer und hat mir viel über die alten Zeiten erzählt. Es war spannend, ihm zuzuhören. Er war auch in den Binnengewässern Belgiens unterwegs, auch auf der Leie, und hat mir erzählt, das einer der Matrosen auf dem Dach des Leitstandes nach Schiffen Ausschau gehalten hätte. Dabei wurde über die Wiesen links und rechts geschaut, damit man vor entgegenkommenden Schiffen rechtzeitig gewarnt wurde.

Vor dem Spaziergang habe ich noch die Gezeiten berechnet. In Gent erreicht das Wasser bei Flut 3 Std. 30 Minuten nach Antwerpen seinen Höchststand. Wir möchten natürlich diesen Höchststand nutzen, um mit dem abfliessenden Wasser die Schelde runter zu fahren. Am ursprünglich geplanten Termin ist das relativ ungünstig, weshalb wir die Abreise auf Dienstag vertagen werden. Auch dann wird es früh Tagwach geben.

Print Friendly, PDF & Email