Manchmal wird man auch positiv überrascht. In Ilon gibt es eine Tankstelle und da in Frankreich grundsätzlich gilt, wenn du eine Tankstelle findest, dann tanke auch, bunkerte ich Diesel. Auf dem Zähler stand pro Liter ein Preis von € 2.30. Beim Bezahlen galt ein Preis von € 2.22. Erstaunt ob der Preisentwicklung sagte der Mitarbeiter, es habe gestern eine Lieferung gegeben und der neue Preis sei zwar im Computer gültig, auf dem Display der Zapfsäule noch nicht implementiert. Seit Beginn der Reise im 2026 haben wir damit 144 Motorstunden auf dem Zähler.

Wir  blieben ja zwei Nächte in Ilon. Am Nachmittag besuchten wir die Stiftskirche Notre Dame oder französisch Collégiale Notre-Dame de Mantes-la-Jolie. Wir werden am nächsten Tag wieder daran vorbei fahren. Sie sei, so sagt man, die kleine Schwester der Notre Dame in Paris.

Im Innern gibt es Erinnerungstafeln, die an gefallene Soldaten in den vielen Konflikten erinnert, in die Frankreich verwickelt war. Es sind dies neben den beiden Weltkriegen insbesondere Algerien, Marokko, Tunesien und Indochina. Die Namen der Soldaten sind aufgeführt, die Namen der im Krieg umgekommenen Zivilisten kennt man nicht. Ob Angehörige durch solche Tafeln getröstet werden, ist zu bezweifeln. In der Schweiz kennen wir solche Andenken nicht, weil wir wohl durch die Weltkriege ziemlich unbeschadet über die Runden kamen. Wenn ich dann jeweils vor solchen Gedenkstätten stehe, denke ich neben den Gefallenen immer auch an die namenlosen Angehörigen und Zivilisten, die zahlreichen Verletzten und die traumatisierten Menschen solcher Konflikte.

Über die Stiftskirche gibt es auch eine visuelle Dokumentation:

Yvelines | Patrimoine : La Collégiale Notre-Dame de Mantes-la-Jolie, 9 siècles d’histoire

Das Wetter war zwiespältig: Regen wechselte mit sonnigen Phasen ab. Wir warteten in einem Bistro auf das Ende des Regens, gingen noch einkaufen und erreichten unser Schiff noch rechtzeitig, bevor der Regen begleitet von starken Winden auf unser Schiff niederprasselte.

Am nächsten Tag fuhren wir los, nachdem wir noch die Übernachtungen bezahlt hatten. Der Hafen liegt sehr schön und die Anlagen sind in gutem Zustand.

An den Ufern der Seine gibt es auf beiden Seiten viele Bäume, die von zahlreichen Vögeln bevölkert werden. Immer wieder sehen wir Graureiher, Eisvögel und Schwalben. Diese Flugkünstler zeigen uns jeweils auch, welches Wetter uns erwartet. Tief fliegende Insekten weisen eher auf schlechtere Wetterbedingungen hin. Wenn die Schwalben hoch am Himmel ihr Futter jagen, freuen wir uns über stabile Wetterlagen.

Oft begegnen uns – neben Frachtschifffen – auch immer wieder Flusskreuzfahrtschiffe. Mehrheitlich fahren diese unter Schweizer Flagge.

Bald verlassen wir die Seine, die uns sehr positiv überraschte, sei das einerseits über das saubere Wasser, aber auch durch die gastfreundlichen Anwohner. Es ist einfach, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Wir erreichten den Hafen von Cergy einen Tag früher, als avisiert. Der Hafenmeister hatte uns aber zugesichert, dass er für unsere Schiffe einen Platz haben werde. Im Hafen stellten wir nach dem Festmachen fest, dass er stark dem neuen Hafen Cormeilles-en-Parisis ähnelt. Tatsächlich ist die Anlage zwar einiges älter, aber vom gleichen Architekten konzipiert.

Am Freitag besuchten wir eine Ausstellung im Museum von Pontoise zum Maler Camille Pissarro. Er hat den Namen des Städchen, was eine Abkürzung aus Pont de l’Oise ist, weltberühmt gemacht. Er gehört zu den Impressionisten und ist aus Paris nach Pontoise weggezogen, weil die Mieten für Künstler langsam unbezahlbar wurden.

Seine Werke können heute im Museum of Modern Art, im Guggenheim Museum in New York und auch im Ohara Fine Art Museum de Kurashiki in Japan bewundert werden.

Die Bilder der kleinen, aber feinen Ausstellung im schön gelegenen Museum, sind beeindruckend. Er hat auch Möbel bemalt und verkauft. Hier ein paar Eindrücke einer im Museum ausgestellten Kommode.

      

Der Begründer des Impressionismus begann in Paris im Jahr 1860 mit anderen Künstlern vornehmlich im Café Guerbois zusammen zu sitzen. Sie gründeten in der Folge eine Vereinigung von Künstlern eine „Groupe des Batignolles“, der neben Camille Pissarro, Claude Monet, Frédéric Bazille, Alfred Sisley und Auguste Renoir angehörten. Sie veranstalteten Ausstellungen, wobei Pissarro zu den eifrigsten Ausstellern seiner Bilder gehörte. Diese Ausstellungen sollten Einkommen sichern, die sonst mit habgierigen Galeristen geteilt werden mussten.

Ueli Suter, Brigittes Vater, musste ins Spital eingeliefert werden, weshalb ihn Brigitte besuchen will. Sie reiste deshalb mit Kilian zurück in die Schweiz.

Ich selber hütete das Schiff respektive ging ans Fest der Batellerie in Conflans-Sainte-Honorine. Wir fuhren mit dem Fahrrad dorthin und Brigitta, André und ich staunten ob dem Spektakel, das sich uns bot. Das Fest unter dem Namen „Pardon de la Batellerie“.

Die 1960 gegründete Pardon National de la Batellerie ist eine einzigartige Veranstaltung in Frankreich, die jedes Jahr in Conflans-Sainte-Honorine, der Hauptstadt des Bootes, am Zusammenfluss der Seine und der Oise stattfindet. Drei Tage lang im Juni würdigt dieses Gedenk-, Kulturerbe- und Seefest für Seeleute das Flussleben. Bootsparaden, die die Flamme der Erinnerung vom Arc de Triomphe wiederbeleben, die Segnung der Boote, die Flussmesse, der Bauernmarkt und die nautische Unterhaltung durchdringen ein Wochenende, das Tausende von Besuchern am Ufer der Seine anzieht. Das Hauptspektakel bildeten aber die Frachtschiffe, die eine Parade sondergleichen an den Tag legten. Beflaggt und mit lauten Schiffssirenen würdigten sie ihren Berufsstand und präsentierten ihn mit einer gehörigen Portion Stolz.

Zuerst kam eine Armada von Schubern die mit Hupen Pirouetten und rauf und runter fuhren, so dass wir schon befürchteten, sie würden zusammenfahren. Geschieht bei solchen Profis selbstverständlich nicht.

Ein Frachter mit Containern sperrte die Seine und machte hinten an einem fest vertäuten Frachter fest und vorne an der Schiffskirche, die ebenfalls fest vertäut das ganze Jahr über an der Kade liegt.

Die darauf folgenden Frachter legten sich quer zur Seine und präsentierten teilweise beladen ihr Können. Sie machten aneinander fest oder lagen parallel mit wenig Abstand im Fluss. Es war einfach grossartig.

Einer hatte sogar das Ebenbild des Taxis auf seinem Frachter. Die Filmserie ist ein grossartiges Spektakel aus Südfrankreich und wer schnelle Autos liebt, sollte sich den Film unbeding ansehen.

Zum Schluss noch ein paar filmische Eindrücke dieses einmaligen Erlebnisses.