Heute morgen hiess es um ungefährt neun Uhr „Leinen los“ und wir fuhren gegen Belgien zu. Nach einer relativ kurzen Strecke nach dem Hafen erreichten wir die Schleusen Lanaye. Es gibt noch Schleusen mit höherem Hub in Belgien, doch ist Lanaye schon eine beachtliche.

Die Schleuse 3 ist eine kürzere, in der Cargos und Sportboote gut Platz finden. Ganz rechts ist die grosse Schleuse, die dann mehrere grosse Cargos aufnehmen kann. Um Wasser und Energie zu sparen wird mit der kleinst möglichen Schleuse gearbeitet, was von Fall zu Fall entschieden wird.
Als wir die Schleuse erreichten, wäre die Einfahrt noch möglich gewesen, wir aber zu weit weg. So warteten wir, bis sich eine Gelegenheit zum Schleusen bieten würde. Brigitte wies mich darauf hin, dass wir jetzt Zeit hätten, auf der Steuerbordseite die Belgienflagge zu setzen.
Dann erschien auf dem Kartenplotter ein Passagierschiff, das regelmässig von Maastricht nach Liège fährt und am Abend die Gäste wieder zurück bringt. Nach der Einfahrt schlängelten wir uns am Passagierschiff vorbei in die Schleuse. Sie ist mit Schwimmpollern versehen, was das Schleusen sehr bequem gestaltet.

Unterwegs treffen wir auf Industrieruinen, wie sie in Belgien mehrfach anzutreffen sind. Es sind Orte, wo der Schlüssel gedreht und alles liegen gelassen wurde. Die Natur holt sich das Gelände nach und nach zurück, wie die Bilder zeigen.




Beim letzten Bild meinen wir, der Mystery Park in Interlaken habe sich einer Vorlage in Belgien bedient.






Kurz nach dieser Brücke liegt der Stadthafen. Er war früher etwas in Verruf geraten. Wir können aber nur rühmen. Zwischen 15:00 und 18:00 Uhr ist La Capitainerie besetzt. Die angegebene Telefonnummer führt zu einem Anrufbeantworter, der den Austrittscode bekannt gibt. Die sanitarischen Anlagen sind sauber und in gutem Zustand. Die elektrischen Anlagen sind neu erstellt und Wasser kann ebenfalls bezogen werden.


Auf den ersten Blick ist die Stadt modern und geniesst viel Charme. In einem Restaurant kamen wir mit einer ortsansässigen Frau ins Gespräch. Sie sagte, insgesamt habe die Stadt eine bedenkliche Entwicklung durchgemacht. Oft werde viel Geld für unnütze Dinge ausgegeben. Statt zu arbeiten gebe es viele bettelnde Menschen, weil damit ein Überleben ohne grosse Mühe möglich sei. Es gebe auch Lichtblicke: In einem Quartier hätten junge Künstler begonnen, kleine Läden neu zu beleben und das Quartier habe viel Lebensqualität dazugewonnen.
Am schlimmsten sei jedoch die Korruption: Es kämen immer wieder Fälle ans Licht, aber keiner der Verurteilten habe bisher etwas vom unrechtsmässig erworbenen Reichtum zurückgegeben.
Nach dem interessanten Einblick in die belgische Gefühlswelt gingen wir noch einkaufen. In einer Bäckerei, es ging schon gegen 17:00 Uhr, erhielten wir gleich zwei Bagettes zum Preis von einem.


1 Quelle: https://www.paysdeherve.be/de/details/ALD-0E-01WX-0001&type=11
