Heute starteten wir um ungefähr neun Uhr. Die Schleusen nehmen ja bekanntlich den Betrieb um neun Uhr auf und so rechneten wir damit, die erste Schleuse zügig passieren zu können. Manchmal kommt es anders, als man denkt. Das war auch hier der Fall: Wir lösten mit der Stange die Schleusung korrekt aus, doch nichts geschah. Die Signalanlage schien ausser Betrieb und wir riefen deshalb die Betriebsstelle an.

Die herbeigeeilte Sachbearbeiterin (das dauert eben immer eine Weile), konnte die Schleusung startem. Sie teilte uns mit, diese Schleuse sei nicht revidiert und müsse deshalb immer manuell ausgelöst werden. Da es doch schon viel Kraut im Wasser hatte, fragten wir, ob das bei den andern Schleusen auch so sei. Die Schleusen 7 und 8 seien in Ordnung, aber bei der Schleuse 9 habe es viel Kraut. Sie werde dort sein und uns unterstützen.

Es ging alles gut bis zur Schleuse 8. Dort ist eine Brücke nach der Schleuse so tief, dass André mit seiner Linna nicht durchfahren konnte und er zuerst die Bimini herunternehmen musste. Das dauert eine Weile und in der Zwischenzeit wurden die Schleusentore im Unterwasser geschlossen, ohne dass die Linna die Schleuse verlassen konnte.

Brigitte telefonierte erneut und die Sachbearbeiterin kam, um die Linna samt Crew zu befreien.

Die Schleuse 9 war dann echt eine Katastrophe. Die fleissige Sachbearbeiterin hatte bereits viel Kraut herausgefischt, das Unterfangen glich aber eher einer Sysiphus-Arbeit. Wir fuhren in die Schleuse. Mit der Einfahrt gelang noch mehr Kraut in die Schleuse, als schon drin war.

Wir waren das vordere Schiff und mit dem Absinken des Wasserpegels kam von hinten noch mehr Kraut dazu. Es wurde richtiggehend zusammengedrückt und so geschah, was in solchen Fällen immer passiert, mein Seewasserfilter war dicht. Ich befreite noch in der Schleuse den Filter und das Ansaugrohr vom Gras, aber ohne Erfolg. Beim dritten Mal habe ich dann die Taranaki ohne Wasserkühlung zu einem Unterhaltsschiff manöveriert, das unmittelbar nach der Schleuse festgemacht hatte. Dort probierte ich ein weiteres Mal, den Filter zu reinigen. Kühlwasser trat aber keines aus dem Auspuff.

André und ich vermuteten, das könne an einem defekten Impeller liegen. Wir öffneten deshalb das entsprechende Gehäuse, doch der Impeller sah intakt aus.

Nun rief ich den Retter in der Not an: Rick Graus. Er sagte mir, das habe mit der Luft zu tun, die im Kühlsystem sei. Um das zu beheben, solle ich den Seewasserfilter schliessen und bei laufendem Motor und offenem Filter gehörig Wasser nachgiessen. So füllte ich bei geschlossenem Seefilter aber offenem Filter sicher vier Eimer Wasser nach. Und siehe da, die Kühlung funktionierte wieder.

Die Schleusenverantwortliche hatte uns mitgeteilt, ab der Schleuse sollte es besser werden, weil Unterhaltsmitarbeiter das Gras geschnitten und aus dem Kanal entfernt hätten.

Wir fuhren dann die folgende Strecke mit relativ hoher Geschwindigkeit, weil mit dem Sog das Gras und die pflanzlichen Verunreinigungen beiseite geschoben wurden. Das klappte ganz ordentlich. Durch die Entpannung hatte sich unsere Reise verzögert, so dass wir Gefahr liefen, die Betriebszeiten der Schleusen (ab 18:00 Uhr ist kein Durchkommen mehr möglich) um wenige Minuten zu verletzen. Brigitte bat den Schleusenverantwortlich, eine Ausnahme zu machen. Der schlug den Wunsch zuerst ab, weil er meinte, es gebe unterhalb der Schleuse noch weitere Anleger. Sie solle ihm doch nach der Schleusung nochmals anrufen. Das tat sie: Gott sei Dank machten sie für uns eine Ausnahme und schleusten unsere zwei Schiffe bei der letzten Schleuse vor Asfeld kurz nach sechs Uhr.

Wer denkt, das sei’s gewesen: In der Schleuse verstopfte mein Filter respektive das Rohr unter dem Filter erneut und ich musste auf dem Kanal anhalten und den Filter sowie das Rohr nochmals reinigen. Nachdem ich auch diesmal Wasser nachfüllte, konnte ich unbeschadet weiterfahren.

Am Anleger in Asfeld machten wir fest und bereiteten ein köstliches Abendessen vor. Brigitte machte ein feines Risotto und Brigitta briet Würste und Gemüse. Nun sind wir gespannt auf die weiteren Etappen.