Es ist Auffahrt und da wir eine lange Strecke fahren, wollten wir früh los. Wir legten um acht Uhr ab und ich meldete uns bei der Schleuse an, die wir von der Kade aus bereits sehen konnten. Wir hatten in Waterkaarten gesehen, dass an Sonntagen die Schleusen erst um neun Uhr den Betrieb aufnehmen, aber eigentlich hätte ich als Katholik wissen müssen, dass Auffahrt ein Feiertag ist und wie ein Sonntag behandelt wird. Deshalb kam auch keine Antwort. Wir legten nochmals an und warteten. Plötzlich meldete sich die Schleuse und gab bekannt, dass sie in einer Minute öffneten. Die Oise ist hier sehr breit – es handelt sich um den zweitgrössten Fluss Frankreichs – und jede Schleuse verfügt über zwei Schleusenkammern. Die kleine ist immer noch ziemlich gross und wird für Sportboote verwendet. Kurz nach der erneuten Funkmeldung konnten wir einfahren.
Das Wetter war eher griesgrämig, wobei einige sonnige Abschnitte die Intensivregen unterbrachen. Es gab aber auch Hagel als Mini-Körner.

In einer der sechs Schleusen, die wir passierten, beobachteten wir ein Sportboot, deren Crew beim Bergwärtschleusen das Schiff fest gemacht hatte. Mit steigendem Wasserstand verlängerte das Tau den Wirkungskreis des Schiffes. Damit war es bald einmal mitten in der Schleuse mit dem Bug auf die Schleusenwand. Ein Fendermaudi im fortgeschrittenen Alter zog dann das Schiff wieder in eine normale Position. Als dann der vor ihnen liegende Frachter aus der Schleuse fuhr, löste auch das Sportboot viel zu früh die Leinen, tanzte fuhr mit dem Bug wieder gegen die Schleusenwand. Der Fendermaudi ging an Land, stiess das Boot weg und kam nur mit Mühe und Not wieder an Bord. Das sind gefährliche und vermeidbare Manöver.
Ich musste feststellen, dass unser Motor zu rauchen begann. Die Motortemparatur, der Ölstand und das Kühlwasser bewegten sich im normalen Niveau und ich konnte keine Vibrationen feststellen, die auf eine Unwucht hindeuteten. Ich kannte das Symptom von einem früheren Vorfall. Damals war eine Einspritzdüse ausgefallen. Ich bin mit Erwin Schuller in Kontakt, wie wir weiter vorgehen können.
Schliesslich bogen wir in den Hafen Isle d’Adam ein (Siehe Titelbild). Es ist ein neuer Hafen, der vor fünf Jahren eröffnet wurde. Von der Oise werden wir ins Hafenbecken hoch geschleust. Für das Schleusen ist der Hafenmeister verantwortlich. Wir legten an und kurz darauf erreichte auch die Linna den Steg. Die Überraschung gab es dann beim Versuch, das Stromkabel anzuschliessen. Ohne Adapter des freundlichen Hafenmeisters geht da gar nichts. Solche Steckernormen haben weder André, noch ich auf unseren Reisen je gesehen.
Am Ufer begrüsste uns eine wunderschöne Katze, ein Bengal. Leider ist die Züchtung eher problematisch.

