Der Morgen zeigte sich von der guten Seite: Sonnenschein mit leichter Bewölkung abwechselnd. Wir legten um ungefährt neun Uhr ab und fuhren talwärts. Bei der ersten Schleuse meldete uns André an und wir fuhren mit beiden Schiffen in die Schleuse. Ich zog an der grünen Stange mit den Schleusenvorgang auszulösen, doch nichts geschah. Ich fragte einen VNF-Mitarbeiter, woran das liege und er meinte nur, sie hätten ein Problem. Also warteten wir. Dann kam auf einmal vermutlich der Chef der nahegelegenen VNF-Basis und erklärte mir, wir müssten immer beide Schiffe anmelden. Wenn wir das nicht machten, würde die Logik des Systems ausgehebelt. Nun wussten wir, weshalb gestern die Linna nach unserer Einfahrt bei Rotlicht einfahren musste.
Das Wetter änderte plötzlich rapide: Es wurde kalt und gab einige heftige Regenschauer. Wir machten das Verdeck dicht und öffneten es nur noch zum Schleusen. Ich zog Handschuhe über, weil es mich „an die Chnoden fror“, wie man bei uns im Oberland zu sagen pflegt. Glücklicherweise hörte der Regen jeweils beim Schleusen auf. Es kam uns auch wieder ein Frachter entgegen.
Brigitte versuchte, den Passantenhafen in Compiègne telefonisch zu erreichen, ober ohne Erfolg. Sie hinterliess auf der Combox eine Sprachnachricht mit der Bitte, bei Gelegenheit zurück zu rufen. Diese Gelegenheit gab es wohl nie. Wir fuhren in den Hafen ein und nahmen zur Kenntnis, dass es keine freie Plätze mehr gab. Von einem Anwesenden Skipper erfuhren wir, dass noch viele Schiffe im „Winterlager“ ausharrten (und meines Erachtes sehnlichst auf ihre Besitzer warten, um eine Ausfahrt machen zu können). Also wendeten wir im engen und verkrauteten Hafen, warteten noch einen bergwärts fahrenden Frachter ab und fuhren an eine Promenade, die als Ersatz gute Dienste leistet. Dort hingen bereits zwei Schiffe.
Wir wendeten zu Berg und legten an, ungefär auf der Höhe des Bunkerschiffes. Beim Ankerbier besprachen wir die nächste Etappe und reservierten bereits im Hafen. Sie wird zwar etwas länger, wenn wir aber um acht Uhr starten, sollte das keine Probleme bereiten.
Inzwischen zog eine Gewitterregen über unsere Schiffe hinweg. Kilian offeriert Brigitte zum Muttertag ein Abendessen samt Tranksame. Sehr tolle Geste, die ich auch von meiner Seite bestens verdanke.

