Gestern machten wir einen Hafentag, was eigentlich nicht ganz stimmt, denn es war ein Reparaturtag. Erwin Schuller hat unsere Sorgen um den Motor ernst genommen und ist von Maasbracht angereist, um die Ursache für den starken Rauch herauszufinden und zu beheben. Zuerst prüfte er die Situation mit laufendem Motor. Unsere Vermutung, es könnte sich um eine defekte Einspritzdüse handeln, war mindestens nicht vom Tisch. Er hatte einen ganzen Satz Düsen mitgebracht und ersetzte die alten durch die mitgebrachten. Die hinterste Düse war stark verrust, was auf einen Defekt hindeutete.

Erwin meinte, beim Langsamfahren werde die Schlacke beim Verbrennen nicht richtig aus dem Motor entfernt. Er riet mir, sobald der Motor warm sei, mindestens eine kurze Zeit mit 2’500 Touren zu fahren. Normalerweise bewege ich das Schiff mit 2’000 Touren, weil der Motor damit am ruhigsten läuft. Das sei völlig in Ordnung. Mit einer kurzen Steigerung auf 3’000 Touren konnte ich mich selber über den angesammelten Russ überzeugen, der über den Auspuff das Weite suchte. Die anschliessende Probefahrt zeigte, dass der Motor wieder wie vorher lief, ohne Vibrationen und mit wenig Rauch. Ein über 40 jähriger Motor wird immer ein wenig rauchen.

Wir fuhren heute kurz nach 7 Uhr vom Hafen los. Es war eine reibungslose Fahrt mit wenig Frachtverkehr. Wir kamen gut voran. Bald einmal erreichten wir die erste Schleuse, die Schleuse de Chatou. An der Schleuse wurde gearbeitet, aber wir konnten trotzdem zügig schleusen. Wir erreichten bald die Einfahrt in den Kanal sein St. Denis. Die erste Schleuse war schon eine kleine Herausforderung, weil die Haken in der Schleusenwand nur einen Teil des Hubs abdeckten und oben offen waren. Das Tau rutschte damit von selber aus der Verankerung.

Dann ging es zügig weiter und wir kommen gut voran. Wir hatten gewissermassen eine grüne Welle, weil wir die in kurzen Abständen anstehenden Schleusen uns bereits mit grünem Signal entgegen leuchteten, wenn wir die vorangehende Schleuse noch gar nicht verlassen hatten.

Schließlich kamen wir vor die letzte Schleuse vor dem Bassin der Villette. Das war eine Allerweltschleuse mit viel Wasserdruck von der Seite und schlechten Möglichkeiten, beim Bergwärtsschleusen das Schiff an Pollern in Position zu halten. Brigitte bemühte sich nach Kräften und es war sehr schwierig, denn wiederum waren es gegen oben offene Haken und ganz oben fehlten sie dann komplett. Ich konnte mit dem Motor zum Teil etwas helfen, auch ein zweites Tau half etwas.

Mit dieser Schleuse erreichten wir den Scheitelpunkt des Schleusenwerk mitten durch Paris. Von jetzt an ging es nur noch talwärts, was immer viel einfacher ist. Zudem hatten die Schleusen Schwimmpoller, was das Leben der Matrosen zusätzlich erleichtert.

Die Schleusen sind als Doppelschleusen angelegt. Bei der Leerung der oberen Schleuse wird die darunterliegende mit Wasser gefüllt. So können grössere Höhen überwunden werden.

 

Der Kanal bewegt führt durch schöne Alleen und unser Schiff wurde von vielen Passanten fotografiert und teilweise auch gefilmt. Den Kanal passieren normalerweise flache Touristenboote, Motorjachten sind da eher selten.

Schliesslich erreichten wir den von Napoleon errichteten Tunnel, der unter der Bastille bis zum Hafen Arsenal führt. Wir konnten ganz vorne bei der  Schleuse im Päckli an der Linna festmachen.

 

Unsere Einfahrt wurde von den einen Tag früher angereisten André und Brigitta fotografisch festgehalten.

 

Am Abend feierten wir die gemeinsame Ankunft im Restaurant „Le Train Bleu“ im Gare de Lyon.

 

Am Donnerstag machten wir einen Fussmarsch zum Arc de Triomphe. Es war schon sommerlich heiss, so dass wir uns mehrmals Flüssigkeit zuführen mussten. Das geschieht am einfachsten in einem der zahlreichen Restaurants.