Wir hatten am Vorabend mit dem Hafenmeister vereinbart, dass wir um neun Uhr ablegen möchten. Er muss uns dann die Schleuse bedienen, damit wir auf die Oise talwärts schleusen können. Er wollte pünktlich sein und war das in seinen Augen auch, weil er doch um zwanzig nach neun physisch anwesend war. Wir sind in Frankreich und da richtet man sich eher nach der Sonnenuhr, statt den Schweizer Uhrwerken. Und da die Sonne in diesen Tagen wenig schien, wird es schwierig. Wir sind ja nicht in Eile, deshalb passt das schon.
Unmittelbar nach der Hafenschleuse kommt die erste Oise-Schleuse. Der Schleusenwart war – wie alle andern auch – sehr freundlich, öffnete alsbald das bergseitige Tor und liess uns einfahren, nicht ohne uns noch eine gute Reise zu wünschen.
Gleich unterhalb dieser Schleuse befindet sich auf der Oise ein voll ausgerüsteter Steg, den wir uns für die Rückfahrt merken.
Auf der Oise begegneten uns heute nur ein einziger Frachter und ein Ausflugsschiff, das Cergy ansteuerte.
Unterwegs sahen wir eine Luxemotor unter Kanadischer Flagge mit dem Namen „Bisou Bisou“. Der Hafen Cergy ist ein netter kleiner Hafen, den wir voraussichtlich auf dem Rückweg besuchen werden.
Bald einmal erreichten wir den Zusammenfluss von Oise und der Seine. Die Seine hat hier schon eine beachtliche Breite und die Fliessgeschwindigkeit betrug geschätzte 2 km pro Stunde talwärts.
Das bremste den Elan der Taranaki ein bischen. Ich fuhr sie auch nicht auf dem letzten Drücker, weil ich den Motor möglichst schonen wollte.
Manchmal goss es beachtlich, dann schien wieder die Sonne, richtiges Aprilwetter im Mai. Wenn die Sonne schien, war es angenehm war, wenn’s regnete wurde es ziemlich kalt.
Wir fuhren unserem Ziel entgegen und entdeckten bald einmal das neue Quartier mit dem Innenhafen, der im April 2026 eröffnet worden war. Der Seine entlang hatten die Initianten des Hafens einen langen, voll ausgerüsteten Längssteg errichtet, der auch für grosse Schiffe komfortable Anlegemöglichkeiten bietet.
Die Hafenmeisterin hat uns sehr freundlich empfangen. Es hat am Steg an jedem Platz moderne Strom-, Wasser- und Absauganlagen für Schwarzwasser. Die Wasseranschlüsse haben eine eigene Norm, unsere passten leider nicht dazu.
Die Toiletten, Duschen und Waschmaschine sowie Tumbler sind neu und sauber. Einzig Abfallkörbe hat es inwendig noch keine.
Gestern besuchten wir die Maisons-Laffite. Der Name „Maisons“ stammt von dem lateinischen mansio ab, was so viel wie Aufenthaltsort bedeutet (heute wird das französische Wort „Maison“ mit „Haus“ übersetzt). Bis 1882 hieß der Ort Maisons-sur-Seine, eine Bezeichnung, die seine Lage an der Seine angibt. Der Namensteil „Laffitte“ geht auf den Bankier Jacques Laffitte zurück, der den zum Schloss gehörenden Park in kleinere Grundstücke aufteilte und den neuen Bauherren das Baumaterial durch den Abriss der Nebengebäude des bestehenden Schlosses von François Mansart zur Verfügung stellte. Das Grundstück gab auch der Stadt ihren Namen. Sie liegt etwa 18 Kilometer nordwestlich von Paris und zehn Kilometer nordöstlich von Saint-Germain-en-Laye am linken Ufer der Seine gegenüber der Stadt Sartrouville, mit der sie durch eine Straßen- und eine Eisenbahnbrücke verbunden ist. Westlich der Stadt erstreckt sich ein größeres Waldgebiet, der Forêt Domaniale de Saint-Germain-en-Laye.
Wir besuchten das Schloss, das zum grossen Teil ziemlich ausgeräumt wirkte. Der letzte private Besitzer war ziemlich mittellos verstorben. Das Gut war mit hohen Schulden belastet, weshalb die Gläubiger das Inventar ausräumten, um wenigstens so zu einem Teil für ihre ausstehenden Guthaben entschädigt zu werden.
Am Dienstag wird Erwin Schuller unseren Motor bearbeiten, dass er wieder wie vorher funktioniert. Wir bleiben deshalb bis Mittwoch früh im Hafen. André Keller und Brigitta Gwerder werden am Dienstag zum Hafen in Arsenal fahren, wir voraussichtlich einen Tag später.

