Auch hier gilt, wie im Rest von Europa: Ohne die Berufsschifffahrt hätten wir durch Lastwagen versperrte Strassen und eine ungleich höhere Umweltbelastung. Deshalb ein Hoch auf die Berufsschifffahrt. Wir können davon profitieren, dass die Flüsse und Schleusen unterhalten werden, so dass wir sie ebenfalls nutzen dürfen.

Heute Morgen sind wir um halb sieben Uhr losgefahren, weil wir für die Strecke etwa sieben Stunden berechneten und wir zwingend vor 15:00 Uhr am Ziel eintreffen müssen (Der Hafenmeister ist ab diesem Zeitpunkt im Weekend). Die erste Schleuse erreichten wir bereits kurz nach der Abfahrt. Trotzdem wir abwärts schleusten und das Manöver durch Schwimmpoller unterstützt durchführen konnten, mussten wir aufpassen, dass die spezielle Bauart der Schleuse uns nicht in Verlegenheit brachte. Nach einem normalen Einstieg, bei dem die Fender gut funktionierten, wurden weiter unten grosse Löcher sichtbar, die weiter hinten durch Spuntwände abgedeckt wurden. Damit verschwanden die Fender in diesen Löchern und ohne unser (insbesondere der Hilfe von Brigitte) hätte die Bordwand unseres Schiffes Schaden genommen. Ich habe mir für die Bergfahrt schon etwas einfallen lassen, wie wir dieses Problem würden lösen können.

Der Morgen war angenehm kühl, eine deutliche Abkehr von der bisher bekannten Morgenhitze. Da wir so früh losfuhren, konnten wir von der Kühle noch profitieren, eh dann die Sonne die versprochenen 32 C° auf die Thermometer brachte.

Die Seine führt durch wunderschöne Landschaften, bis wir an die zweite Schleuse ankamen. Der Schleusenwart beschied uns, etwa eine Viertelstunde auf einen Frachter zu warten, hinter dem wir dann in die Kammer einfahren könnten. Gemacht, getan!

Sehenswert sind die oft auf die Seine herunterblickenden Kreidefelsen, die schliesslich am Ärmelkanal auch wieder auftauchen werden.

Wir können auf der Seine oft Wechsel der Fahrrinne beobachten. Normalerweise fahren wir auf Steuerbord-Seite zu Tal. Es gibt hier aber immer wieder Situationen, bei denen wir mit Signaltafeln aufgefordert werden, auf die Backbordseite zu wechseln. Wenn dieses Gebot aufgehoben wird, gibt es ein Signal, das uns auffordert, wieder auf Steuerbordseite zu wechseln.

Wir erreichten schliesslich den Hafen Venables und machten hinten am Mittelsteg fest. Ganz hinten machte er noch einen guten Eindruck, je näher wir dem Ufer zumarschierten, desto desolater wurde der Steg und ein Grossteil der Schiffe, die daran festgemacht waren. Wir glauben nicht, dass die noch fort bewegt werden können. Das Ganze ist ein grosses Problem für den Hafen, denn es fehlen die Mittel, um die nötigen Investitionen zu tätigen. Die teilweise verrotenden Schiffe gehören wohl niemandem mehr und müssten für eine Renovation weggenommen und verschrottet werden. Ausser Spesen nichts gewesen. Dem Verein und der Gemeinde fehlen die Mittel, weshalb der Hafen am 31. Dezember 2026 definitiv geschlossen wird.

Es war wiederum sehr heiss. Wir bezahlten beim Hafenmeister die vorbereiteten Rechnungen und gingen uns im See abkühlen. Gegen Abend kam ein Gewitter auf, das allerdings nur wenig Regen, brachte aber, was viel wichtiger war, eine erfreuliche Abkühlung mit sich. Wir machten Spaghetti und genossen diese auf der Linna. Brigitta hatte eine Apfelwähe gebacken (Apfelkuchen, für die, diese Fremdsprache nicht so kennen). Die Nacht war dann seit langem wieder angenehm kühl.