Schiffersleute sind flexibel, zwangsläufig. Wer plant, muss manchmal seine Pläne revidieren. So auch wir mit dem Hafen Arsenal. Der Hafen hatte nurmehr für ein Schiff noch länger Platz. Alternativ schlug uns der Hafenmeister vor, zum Hafen in Nogent zu fahren, der an der Marne liegt. Der Hafenmeister hat uns versprochen, dass wir vom Sonntag bis Dienstag wieder kommen könnten und er uns entsprechende Plätze reserviere. Das machen wir und in der Zwischenzeit sind wir im Hafen in Nogent angekommen.
Wir verliessen den Hafen Arsenal kurz vor zehn Uhr. Vor und in der Schleuse erklärte ein Lehrer seiner Kinderschar, wie eine Schleuse funktioniert. Dank der Taranaki konnten sie das ganze praktisch beobachten. Sie waren sehr interessiert und stellten viele Fragen. Zum Abschied winkten alle und wünschten eine gute Reise.
Vor der Ausfahrt wendeten wir auf Backbord und fuhren die Seine aufwärts, vorbei an einem Feuerschiff, bis zur Verzweigung in die Marne. Dort gab es einen Anleger für Sportboote und die Schleuse St. Maurice zeigte Doppelrot. Eigentlich ein Signal, dass die Schleuse ausser Betrieb sei. Ich funkte sie an und siehe da, die Schleuse ist in Betrieb. Wir konnten bald einfahren und schleusten bergwärts.
Die darauf folgende Strecke war sehr schön, von Bäumen gesäumt und mäandernd. Es kam uns ein Frachter entgegen und wir erreichten die zweite Schleuse, die vor dem Tunnel übewunden werden muss. Wir warteten, weil ein Segler (mit niedergelegtem Masten) uns aus der Schleuse entgegen fuhr. Die Schleuse war sehr lang, ein Zeichen dafür, dass den Tunnel auch Frachter befahren.
Die Schleuse hatte Spuntwände, was wir gar nicht schätzen. Bei diesen Wänden müssen wir immer aufpassen, dass unser Schiff nicht die Wände streift, weil die Fender in den Zwischenräumen verschwinden. Es ging lange gut, dann streifte unser Tau doch noch eine Wand. Nun denn: Die Taue sollen ja auch den Schiffskörper schützen.
Nach der Schleuse erreichten wir den Tunnel. In der App Waterkaarten ist die Durchfahrtshöhe mit 3.40 m angegeben, was für die Taranaki knapp reichen würde. Der Routenplaner meinte, diese Strecke sei für uns nicht befahrbar. Aber in unserem Schiffsreiseführer werden als Durchfahrtshöhe 5.60 m angegeben. Dieser Wert steht auch an der Tunneleinfahrt.
Nach dem Tunnel erreichten wir das für seine Wassersportmöglichkeiten bekannte Gebiet der Marne bei Nogent. Wir fuhren bis zum Hafen und versuchten den Hafenmeister zu erreichen. Das klappte leider nicht und wir legten direkt vor dem Restaurant am Längssteg an, wie es sich gehört, ohne Platz zu vergeuden.
Nach einiger Zeit kam dann auch der sehr freundliche Hafenmeister vorbei und hiess uns willkommen. Wir konnten Strom anschliessen, er erklärte uns, wo die Duschen und Toiletten seien und wo wir was einkaufen können. Wir fühlen uns hier sehr wohl und gut aufgehoben.
Nach einem Picknick dösten wir auf dem Schiff auf der Heckterasse, dankbar für jedes kleine Lüftchen, weil es sehr heiss ist (über 30 C°).
Morgen bleiben wir ebenfalls hier und werden mit unseren Fahrrädern nach Paris hinein fahren.

