Wiederum ging es früh los (Abfahrt um 7:00 Uhr), es sollte ja wieder heiss werden. Unser Ziel war Arleux, wo es Anleger für Sportboote haben soll.
Beim Wegfahren in Péronne sahen wir noch die Zufahrt zum Hafen. Auf der rechten Seite viel Gras und links ein schmales Fahrwasser, dessen Wassertiefe uns nicht geheuerlich erschien.
Unterwegs immer wieder das gleiche Spiel: Vor der Schleuse ein normaler Seewasserfilter, nach der Schleuse einer, der zum Putzen anregen muss.
Schliesslich erreichten wir den Tunnel de Ruyaulcourt. Der Canal du Nord verbindet die Täler der Sensée und der Oise. Der Canal du Nord ist Teil eines überregionalen Binnenwasserweges, der Belgien und den Ärmelkanal mit Nordwestfrankreich und dem Grossraum Paris verbindet.
Er ist 76 Kilometer lang und hat 17 Schleusen, deren Dimensionen betragen 92 m × 6.1 m – Tiefgang 2.80 m – Höhenbegrenzung 3.70 m. Seine Streckenführung überwindet 2 Höhenzüge.
Der Tunnel bei Ruyaulcourt ist 4’350 Meter lang. Wir durchfuhren ihn von Süden nach Norden. An seinem Nordportal befindet sich ein Turm, von dem aus die Schifffahrt durch den Tunnel geregelt wird. Im Tunnel befinden sich Dekametertafeln, deren Nullpunkt am Nordportal liegt. Als Besonderheit befindet sich im Tunnel eine Begegnungsmöglichkeit für Schiffe zwischen 1’660 und 2’690 (Meter vom Nordportal aus). Für diesen Abschnitt gilt ein Überholverbot, das durch beleuchtete Tafelzeichen angezeigt wird. Die Überwachung erfolgt mit Lichtschranken und an der Tunneldecke montierten Kameras. Beidseitig befindet sich ein Randweg, welcher seit Anfang 2009 an den Portalen mit Türen versehen ist und dadurch unerlaubtes Betreten verhindert. 2190 Meter vom Nordportal entfernt befindet sich ein Schacht zur Oberfläche, wo sich eine Ventilatoranlage befindet. Bei 2’765 Meter gibt es einen Rettungsschacht, von dem man aus durch ein Treppenhaus auf beide Randwege gelangen kann.
Vor dem Tunnel putzte ich nochmals sorgfältig den Filter. Das Gras hatte etwas abgenommen und so fuhren wir zuversichtlich durch den Tunnel. Wir erhielten vom Sachbearbeiter der Überwachung die Anweisung, in der Ausweichstelle zu warten, da uns ein Frachter entgegenkomme.
Wir hatten die Positionslichter und den Scheinwerfer eingeschaltet. Der Tunnel ist auch gut ausgeleuchtet. Plötzlich entdeckte ich einen Brei von Gras voraus und mir ahnte Böses. Richtig: Das Seewasserrohr und der Filter waren beide verstopft. Ich funkte, dass wir mit dem Filter ein Problem hätten. Der Sachbearbeiter meinte, ich solle zur Ausweichstelle fahren. Das war unmöglich und ich war bereits unten am Putzen. Brigitte wies das Ansinnen zurück, uns jemanden zu schicken. Nach kurzer Zeit hatte ich das Problem notdürftig behoben. Ich fuhr weiter und konnte den Frachter in der Ausweichstelle passieren lassen. Der Ausgang war dann nicht mehr weit. Ich fuhr langsam weiter und bemerkte, dass der Auspuff ziemlich rauchte.
Nach dem Ausgang putzte ich erneut, füllte das Rohr mit Wasser und startete den Motor. Der Impeller versorge das Kühlsystem mit nur wenig Wasser. Ich glaubte schon, der Impeller sei hinüber. André half mir, das zu prüfen, der war aber intakt. Dann erinnerte ich mich an ein Ereignis dieses Törns: Vermutlich hatte das Kühlsystem zuviel Wasser verloren und nurmehr Luft im System. So füllte ich das System bei laufendem Motor und geschlossenem Seewasserrohr zweimal mit einem Kessel Wasser. Und siehe da: Das Kühlsystem funktionierte wieder einwandfrei.
Der Sachbearbeiter vom Turm organisierte uns noch zwei Telefonnummern von Mechanikern, die uns notfall weiter helfen könnte. Sie sind sehr hilfsbereit und ich weiss dies Hilfsbereitschaft sehr zu schätzen.
Vor einer Schleuse mussten wir wieder einmal einen Frachter passieren lassen. Ich habe dafür volles Verständnis, den im Gegensatz zu den Frachtführern haben wir Zeit im Überfluss.
Dabei beobachtet ich einen Niederländer, der sein Auto sehr „spitz gerichtet“ aufgeladen hat. Oder was mein ihr, in Anbetracht des linken Hinterrades?
In Arleux hatte es keine freien Anleger mehr. Deshalb verliessen wir den Canal du Nord und befuhren den Canal de la Sensée. Auf der Höhe von Aubencheul au Bac fanden wir einen Anleger, an dem wir gut festmachen konnten.
Wir hofften im nahe gelegenen Dorf eine Einkehrmöglichkeit zu finden. Trotz Google-Unterstützung und -Versprechen fanden wir nichts. Aber auf dem Schiff konnten wir gut selber was essen und trinken. Der Abend zeigte sich immer noch sehr warm, aber in schönstem Licht.

