Bericht von Sigfried Sommerhalder, Skipper der Passion

Mit guter Vorahnung und motiviert betreffend eher schönem Wetter ging es um 08.03 Uhr ab mit allen 8 Booten auf den längsten Routenabschnitt auf dem Fluss „Sambre“ in Richtung der grossen belgischen Stadt Charleroi. 

Geplant war, eine Fahrstrecke von ca. 48 km in ungefähr 8 Stunden über 7 Schleusen und unzähligen Brücken zu schaffen.

 Jedoch, das Wetter versprach nicht etwa Lockeres bis Wechselhaft bis Sonniges, sondern bis ca. 14.00 Uhr konstant trübe Aussicht. Auch der Start in die anspruchsvollere Reise gelang nicht auf Anhieb mit einer beginnenden Verzögerung bzw. Wartezeit vor der ersten von sieben Schleusen mit Begegnungen von diversen Berufsschiffen. Dieses Szenario wiederholte sich teilweise erstreckt über den Tag verteilt noch weiter.

Eine weitere Herausforderung ergab sich noch für gewisse Bootsteams, weil der Trinkwasserbunker trocken zu laufen drohte. So musste darauf gehofft werden, bei den Schleusen dieses Bedürfnis noch abzudecken zu können. Aber, auch hier scheiterten die ersten Versuche, weil die belgische Wasser-Infrastruktur für diesen Service technisch nicht bereit war. Erst in der zweitletzten Schleuse floss endlich das Trinkwasser.

Bei der Ausfahrt aus der Schleuse Nr. 4 bei Marcinelle hielt die Taranaki für Andreas und Brigitte eine Überraschung bereit, indem überraschend ein vermeintlicher Leistungsabfall, aber eigentlich der Ausfall des Aussensteuerstandes zu verzeichnen war.  Der Bootsmechaniker aus Maasbracht musste eilig bestellt werden, weshalb sich die   TARANAKI für den Rest des Tages ausklinkte. Der Rest der Gruppe versuchte in zügigem Tempo den Rückstand etwas aufzuholen.

Peter Suter gab in der Mitte des Tages seine Befürchtung kund, dass es zeitlich wohl nicht reiche, den Hafen von Seneffe in vernünftiger Zeit zu erreichen und deshalb eine Planänderung die Übernachtung im Grünen im Raum Gosselies vorsehe. Die etwas später über Funk demokratisch durchgeführt Umfrage, wer denn wohl trotzdem lieber direkt nach Seneffe fahren würde, erbrachte eine überwiegende Mehrheit.

Folglich erreichten wir die abwechselnde Reise, dafür aber ab Mitte Nachmittag durch wunderschönes Herbstwetter begleitet, die Marina bei Seneffe um 18.15 Uhr nach total 10.15 Stunden. Eine schöne, entschleunigende Fahrt um die grünen Windungen des aber leider müllbelasteten „Canal Bruxelles Charleroi“ vermischt mit dem algenschlammartigen Seemannshandwerk in all den „parfümiert riechenden“ Schleusen.

Der Abschluss des Tages mit einem vereinten Gruppenapéro im Ankunftshafen um 19.00 Uhr löste die allerletzten allenfalls noch vorhandenen Anspannungen der heutigen farbigen Bootsfahrt.

Ergänzung von Andreas

Unsere Reise wurde durch einen Zwischenfall unterbrochen. Als ich aus der Schleuse ausfahren wollte, gelang das nurmehr im Klick und wir fuhren im Schneckentempo ans Ufer und Brigitte machte die Taranaki fest. Aufgrund des Verhaltens des Gashebels vermutete ich, das mit dem Kabel etwas nicht stimmte. Ich öffnete die Bodenplatte zum Maschinenraum, zog am Kabel und merkte sofort, dass das Kabel nicht mehr mit dem Aussensteuerstand verbunden war.

Glücklicherweise konnten wir noch mit dem Innensteuerstand fahren. Das dort installierte Steuerrad reagiert komplett anders, als im Aussensteuerstand. Zudem ist die Sicht dort auf alle Seiten ziemlich eingeschränkt. Wir beschlossen deshalb, mit der Gruppe bis Charleroi mitzufahren, dort an einem Anleger festzumachen und unsere Werft anzurufen.

Erwin Schuller versprach, noch gleichentags nach Charleroi zu fahren und uns das Gaskabel zum Aussensteuerstand auszuwechseln. Das geschah dann auch und wir sind Erwin dankbar, dass er diesen Weg auf sich nahm und uns damit prompt aus der Patsche half.

Der Anleger ist etwas abgelegen in einem Quartier, das über keine sonstige Infrastruktur verfügt. Brigitte entdeckte zudem Ratten, weshalb wir streng darauf achteten, ihnen keinen Grund zu geben, an Bord zu kommen. Ein gelungenes Nachtessen und die Recherche, die eine Frühstücksmöglichkeit mit Toilette ergab, liess uns friedlich einschlafen.