Heute sind wir etwas vor neun Uhr aufgebrochen. Der Hafen von Valencienne liegt in einem Seitenarm der Schelde und endet am Kopf an einem Wehr. Je nach Wasserstand muss man mit mehr oder weniger Strömung rechnen. Der Walsserstand wird massgeblich durch die Schleuse beeinflusst, die am Hauptarm liegt.

Zuer Zeit der Ausfahrt war es gerade günstig. Es gab wenig Strömung und ich konnte problemlos wenden. Ganz anders, als beim Anlegen, als ich mit starker Strömung am Längssteg in Fliessrichtung anzulegen versuchte. Ohne Heckstrahlruder war das sehr herausvordernd.

Die Schleuse wurde für uns vorbereitet und wir konnten bald einfahren und talwärts schleusen.

Es ging flott weiter. Unterwegs machten wir Bekanntschaft mit Wasserlinsen. Diese kleinen Dinger sind oft ein Ärgernis für Skipper und so auch für uns. Nach den Erfahrungen im Canal du Nord fahre ich nur mit offener Klappe zum Motorraum, so dass ich den Seewasserfilter genau beobachten kann. Das sieht dann folgendermassen aus:

Unterwegs meldete ich André einen anstehenden Reinigungsvorgang, stoppte das Schiff und putzte den Seewasserfilter. Es gab weiter unten ein sich näherndes Arbeitsschiff und voraus einen Frachter, der uns kreuzen würde. So war genügend Zeit, um die Reinigung vorzunehmen. Ich bin inzwischen gut vorbereitet und geübt, so dass dabei nur wenig Zeit verloren geht.

Wir machten noch einen kleinen Umweg, weil in Brüssel die Tankstelle nicht mehr in Betrieb ist und wir sicher genügend Diesel möchten, um nach Wessem zu reisen. Unsere Recherchen ergaben, dass in Antoing eine Bunkerstation der Firma Neptunia verkankert liegt, wo wir werden tanken können.

Wie geplant konnten wir am speziell für Sportboote konzipierten Anleger festmachen. Wir waren damit noch nicht fertig, als ein Betriebsangestellter uns den Zapfhahn reichte. Wir tanken zum Dieselliterpreis von € 1.8889, was wir als günstig ansehen. Wir tankten 196.05 Liter und haben damit im 2026 total 193.8 Motorstunden auf dem Zähler.

Nachdem wir erfolgreich getankt hatten, es war wiederum mörderisch heiss, fuhren wir zum Zielhafen von Péronnes. Wir wurden vom Hafenmeister-Stellvertreter (Hafenmeister ist eigentlich seine Frau) sehr freundlich empfangen und in die Capitainerie eingeladen. Dort erfuhren wir auch, dass die Franzosen das gemähte Gras bewusst in die Kanäle werfen, weil das bestes Fischfutter sei. Wussten wir nicht und wir sind damit eine Erkenntnis reicher.

Am Abend machten Brigitte und ich noch einen kleinen Spaziergang im Hafen und entdeckten ein sehr schönes Flachbodenboot. Leider scheint der Besitzer nicht über genügend Mittel zu verfügen, um es fachgerecht pflegen zu können. Die Schönheit des verzierten Schiffes ist trotzdem erkennbar.

Wir machten einen zusätzlchen Hafentag, weil es sehr heiss war (in der Kabine 40.3 C°), wir noch etwas einkaufen wollten und der Hitze etwas entfliehen. Das gelang am besten in der klimatisierten Capitainerie. Sehr empfehlen können wir das direkt am Hafen liegende Hafenrestaurant. Die Küche ist ausgezeichnet, die Preise sind moderat.