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Reisen mit der TARANAKI

Deinze – Gent

Deinze - GentHeute Morgen haben wir uns auf eine Reise gemacht, auf die wir uns bereits im Vorfeld sehr freuten. Hier der entsprechende Kartenausschnitt. Die Etappe führt durch wunderschöne Landschaften, mäandert herrlich und ist ein Augenschmaus für die Seele. Er gehört zu den schönsten Etappen, die man sich denken kann.

Deinze - GentWir fuhren etwas vor neun Uhr los. Der Wind hatte nachgelassen, das Wetter war klar und nicht mehr so heiss, wie in den vergangenen Tagen. Brigitte hatte sich noch beim Hafenmeister der Lindelei erkundigt. Der wollte in einem SMS alle unsere Daten, die ich ihm dann auch schickte. Er kündigte uns an, dass wir voraussichtlich in einer Box anlegen müssten. Das haben wir noch nicht viel gemacht, wird aber schon klappen.

Deinze - GentGleich nach dem Start gibt es eine Fussgängerbrücke und kurz darauf eine Hebebrücke. Wenn man funkt, kriegte man keine Antwort und so telefonierte Brigitte und erreichte den Brückenwart. Er öffnete für uns beide Brücken, so dass wir sie problemlos passieren konnten. Die erste ist 3.20 m, was zum Durchschlüpfen mit der Taranaki nicht reicht.

Die Reise ging gemächlich los. Zuerst waren 6 km / Std. angesagt, später waren 8 km / Std. zugelassen. Der Leie entlang, so heisst der Fluss, gibt es viel Natur, viele schöne Villen und viele Tiere. So konnten wir eine Wasserschildkröte, unzählige Teichhühner, Enten und einige Kormorane beobachten.

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Wir waren lange Zeit alleine unterwegs, erst gegen Schluss kamen uns dann insgesamt etwa drei Sportboote entgegen. Ganz zum Schluss in einer Engstelle kam uns ein grösseres Passagierschiff entgegen, das wir bereits an der Mole in Gent gesehen hatten. Das erste, was ich sah, war die mächtige Galionsfigur einer in rot gekleideten Frau. Nun denn, unsere beiden Manöver nutzten den Platz optimal, zwischen den Schiffen blieb nur etwa ein Meter, weil nicht zuletzt das Passagierschiff kurz vorher auf einer Geraden munter drauf los fuhr. Dort hätte problemlos gekreuzt werden können. Ich war immerhin vorgewarnt, ich sah ihn auf dem Kartenplotter. Nur von den Dimensionen war ich dann doch etwas überrascht.

Bald darauf erreichten wir unser Ziel, den Hafen Lindelei in Gent. Wir hatten für die Fahrt mehr Zeit budgetiert. Der Hafenmeister wies und wie erwartet eine Box zu  und ich fuhr mit der Taranaki rückwärts in die Box. Es windete etwas und das ist mit der Taranaki immer etwas heikel. Wir schafften das Anlegen aber problemlos. Brigitte bereitete die Taue der Heckterasse vor, kletterte auf die Badeplattform und warf dem Hafenmeister das eine und nachdem er das um den Poller gelegt hatte, auch das zweite zu. Ich manöverierte die Taranaki zwischen die Pfosten, befestige die Hecktaue und half Brigitte beim Anlegen auf der Höhe der Pfosten. Schliesslich noch die Spring angelegt und unser Schiff ist festgemacht, wie es sich gehört.

Unser Auspuff liegt tief unmittelbar unter der Badeplattform. Beim Fahren spritzt das ausgeschiedene Wasser stark. Deshalb hinterlässt das verspritzte Wasser seine Spuren auf der Heckwand und der Badeleiter. Wenn man mit dem Heck zum Anlegesteg steht, ist das eine gute Gelegenheit, das Heck und die Leiter zu putzen. Dabei kam der Skipper vom Nachbarschiff mit Heimathafen Willebroek zu mir zum Klönschnacken. Er fragte mich, ob ich vor einiger Zeit in Klein-Willebroek angelegt hätte. Das haben wir und er hat unser Schiff wiedererkannt. Er ist pensionierter Rheinschiffer und hat mir viel über die alten Zeiten erzählt. Es war spannend, ihm zuzuhören. Er war auch in den Binnengewässern Belgiens unterwegs, auch auf der Leie, und hat mir erzählt, das einer der Matrosen auf dem Dach des Leitstandes nach Schiffen Ausschau gehalten hätte. Dabei wurde über die Wiesen links und rechts geschaut, damit man vor entgegenkommenden Schiffen rechtzeitig gewarnt wurde.

Vor dem Spaziergang habe ich noch die Gezeiten berechnet. In Gent erreicht das Wasser bei Flut 3 Std. 30 Minuten nach Antwerpen seinen Höchststand. Wir möchten natürlich diesen Höchststand nutzen, um mit dem abfliessenden Wasser die Schelde runter zu fahren. Am ursprünglich geplanten Termin ist das relativ ungünstig, weshalb wir die Abreise auf Dienstag vertagen werden. Auch dann wird es früh Tagwach geben.

Kuurne – Deinze

Kuurne - DeinzeAnlässlich eines Ausflugs mit Bus und Bahn nach Oudenaarde haben wir die stark frequentierte Strecke des Flusses begutachtet.

Kuurne - DeinzeIn der Stadtmitte muss eine Brücke angehoben werden. Da es zudem ein Engnis darstellt, mussten zwei Frachter vor der Brücke warten, bis fünf Frachter und ein Sportboot passiert hatten. Die Brücke blieb entsprechend lange oben. Sie wird hydraulisch auf vier Pfählen hochgehoben. Eine weitere Art, wie in Belgien Brücken angehoben werden.

Wir haben noch den Sportbootshafen angeschaut. Der liegt direkt neben einer langen Baustelle und ist in die Jahre gekommen. Ganz hinten haben wir dann gesehen, dass die Stege erneuert werden und wohl in einem Jahr wieder benutzt werden können. Im Kanal können Schiffe nicht drehen, ausser sie sind entsprechend kurz. Mindestens einmal muss man rückwärts fahren. Bei der Einfahrt befindet sich zudem eine Hebebrücke.

Kuurne - DeinzeAm Abend gab es ein feines Risotto von Brigitta auf der Linna. Dazu tranken wir feine Rosé Weine. Bevor wir wieder die Taranaki aufsuchten, schenkte uns Brigitta eine Tischdecke, die so gut auf unseren Tisch passt, als hätte sie vor dem Nähen vom Tisch die Masse genommen. Herzlichen Dank!

Kuurne - Deinze

Kuurne - DeinzeAuf der Fahrt hatten wir Glück: Die erste Sluis Harelbeke konnten wir hinter einem Frachter praktisch ohne zu warten passieren. Bei der zweiten Sint-Baafs-Vijvesluis warteten zwei Frachter, aber wir konnten ebenfalls mit schleusen. Es sah zuerst noch nach einem Reiseunterbruch aus, weil André den Motor der Linna nicht starten konnte. Mit seinem Know How brachte er die Maschine aber wieder in Gang, so dass wir verzögerungsfrei einfahren konnten.Kuurne - Deinze

Heute haben André und Brigitta mit der Linna sich von uns in der Nähe von Deinze verabschiedet. Sie wollen Meer sehen und da die Wetterprognosen gegenwärtig günstig sind, möchten sie davon profitieren.

Kuurne - DeinzeHier trennen sich unsere Wasserwege, Brigitta und André fahren Richtung Terneuzen, wo sie mit der Linna voraussichtlich am Samstag aufs Meer fahren.

Sie haben sich vorhin gemeldet, sie seien um 18:00 Uhr im Zielhafen angekommen. Wir haben viel gemeinsam erlebt, gelacht, feine Restaurants besucht und beim Wein mit wenigen Ausnahmen ein gutes Händchen bewiesen. André und Brigitta, es war schön mit euch und in Zukunft immer gerne wieder.

Kuurne - DeinzeWir stellen eine Zunahme von Sportbooten fest, die unterwegs sind. Das mag mit dem Wetter und den anstehenden Sommerferien zusammenhängen. Jedenfalls sind Vorabklärungen in den Zielhäfen wichtiger geworden. Bis anhin hatten wir jeweils problemlos Platz gefunden.

Wir steuerten den schön gelegenen Hafen vom Yachtclub Deinze an. Er liegt an der Leie und verfügt über gut ausgerüsete Stege, Toiletten und Duschen. Der Abfall kann sortiert abgegeben werden.

Heikel beim Anlegen sind Wind und Strömung. Der Hafenmeister erzählte uns nach gelungenem Anlegemanöver, dass durch den Schwell viel Wasser in die Leie hineingedrückt werde, was das Anlegen erschwere. Die Durchfahrt ist auf 6 km / Std. limitiert. Gerade eben ist ein Motorboot mit gegen 10 km / Std. durchgefahren, mit entsprechendem Wellenschlag. Als er mich auf der Heckterasse sah, hat er dann das Tempo deutlich reduziert.

Nun gibt es einen Waschnachmittag. Gar nicht weit hat es im Ort einen Waschsalon, der über genügend Waschmaschinen und Tumbler verfügt.

Halluin-Menen – Kuurne

Epilog zum gestrigen Abend: Nachdem ich den Blog erstellt hatte, ging ich noch aufs Achterdeck, von wo aus ich hinüber zur Linna sehen konnte. Dabei beobachtete ich, wie eine mittlere Linssen in die Linna hineinfuhr. Ich dachte, ich sehe nicht recht. Brigitta und André kamen an Deck und nahmen vom Vorfall einen Augenschein. Offenbar hatte ein etwa 80-jähriger Brite versucht, sein Schiff alleine mit den Leinen vorzuziehen. Durch den Schwell vorbeifahrender Schiffe geriet sein Schiff in eine Vorwärtsbewegung, die er offenbar nicht kontrollieren konnte. Erst am nächsten Etappenort entdeckten wir, das der rechte Fenderhalter eingedrückte worden war. Ein Malheur, das hätte vermieden werden können: Schiffe sollten nicht alleine manuell verschoben werden.

Wir hatten vereinbart, um ungefähr halb zehn Uhr zu starten. Leider hatte sich der Wasserspiegel um etwa 30 gesenkt und bereits bei der Einfahrt in den Hafen war der Tiefgang nicht gerade üppig. Der Tiefenmesser zeigte zeitweise nur noch 20 cm an. Ich kann mir das nur so erklären, dass durch das Schleusen der oft befahrenen Wasserstrasse der Spiegel immer wieder gesenkt wird. Wir konnten beobachten, dass er sich dann wieder erholte, aber nur langsam.

Am Vorabend hatten wir ja bereits dem früheren Präsidenten versichert, dass wir bereit wären für den Liegeplatz und Strom zu bezahlen. Die angekündete Dusche und die Toiletten waren eh geschlossen. Tatsächlich machte sich am Morgen beim Warten auf höheren Wasserstand eine Verantwortliche bei einem Nachbarschiff bemerkbar, die dort einkassierte. Der Wasserspiegel war wieder am Steigen, deshalb ging ich zu ihr, um wie versprochen unseren Obulus zu leisten. Ich musste dort dann ein Formular ausfüllen und unterzeichnen. Die Unterschrift genügte nicht, ich musste auch noch manuell hinschreiben „lu et approuvé“. Ich habe ein zweites Formular erhalten, falls ich wieder einmal dort festmachen wollte. Die Prüfung des Formulars ergab, dass es sich eigentlich um ein Formular für Dauermieter handelte. Die gute Frau hatte offenbar das Formular verwechselt. Den Preis von  € 20.80 fand ich dann für die Gegenleistung etwas gar hoch. Ich bezahlte bar, Wechselgeld hatte sie aber nicht dabei. Kein Wunder macht der Hafen einen etwas verfallenen Eindruck und wird offenbar nicht mehr oft von Passanten besucht. Die Administration erscheint mir typisch französisch und manchmal am Ziel vorbei.

Nachdem ich zurück auf der Taranaki war und ich den Wasserstand als genügend betrachtete, startete ich den Motor. Vor uns fuhr die Sturdy-Linssen des Passanten gegenüber aus dem Hafen und ich folgte ihr mit etwas Abstand. Wir konnten dann problemlos ausfahren.

Die Fahrt ging ohne Schleusen nicht sehr weit. Wir hatten ursprünglich Kortrijk angepeilt. Dort gibt es eigentlich zwei Anlegestellen: Die erste ist nahe bei einem Parkplatz und wir wussten nicht, ob wir dort Strom beziehen könnten. Die zweite  hatte bei der Einfahrt eine Brücke mit 3 m Durchfahrtshöhe, was für uns auch nicht in Frage kam. So beschlossen wir, den Jachthafen des Kuurnse Watersport Vereniging VZW anzulaufen. Brigitte hatte sich erkundigt, ob es freie Plätze habe.

Wir konnten anlegen und im Restaurant nebenan unser Ankerbier bei sommerlichen Temperaturen geniessen. Der stellvertretende Hafenmeister beschied uns, dass er nicht sicher sei, ob die Linna zwei Nächte am Liegeplatz bleiben könne. Der Platz gehöre einem Dauermieter, der normalerweise mehrere Wochen weg sei. Bevor er uns zusage, erkundige er sich noch bei ihm. Etwas später bestätigte er, dass wir problemlose bleiben können. Der Jachthafen ist mit sauberen Sanitäranlagen ausgerüstet. Die Dusche ist sehr geräumig und verfügt zusätzlich über ein Lavabo mit Spiegel und viel Ablagefläche. Den Hafen kann ich nur empfehlen.

Halluin-Menen - KuurneAm Nachmittag fuhren wir mit den Fahrrädern nach Kortrijk. Das kleine Stätchen kann über eine geschwungene Velobrücke erreicht werden und liegt nicht weit von Kuurne. Dort begutachteten wir noch den alternativen ersten Hafen und bemerkten dort die Linssen Nepomuk, die einerseits auf Grund gelaufen war (Tiefgang 1.29 m) und deren Generator nicht mehr funktionierte. um das Schiff dennoch einigermassen zu fixieren, musste die Mannschaft die Taue schwimmend am Landesteg befestigen. Hilfe wegen dem Generator sei unterwegs. Nach kühlen Drinks begaben wir uns nochmals zum Havaristen, der inzwischen flott gemacht worden war, aber immer noch auf den Techniker wegen dem Generator wartete.Halluin-Menen - Kuurne

Beim Besichtigen des ersten Hafens in Kortrijk entdeckte ich eine kleine Jubiläums-Linssen mit Heimathafen Maasbracht. Werde den Schuller Erwin mal fragen, ob er den Besitzer kenne. Halluin-Menen - Kuurne

Halluin-Menen - KuurneAm Abend in Kuurne, wir wollten gerade zum Nachtessen aufbrechen, erschien die Nepomuk und wurde mit Bug- und Heckstrahlruder seitwärts eingeparkt. Die aus zwei Männern bestehende Mannschaft hatte Funksprechverbindung, was das Manöver stark erleichterte. Wir erfuhren dann, dass der Filter des Generators voll gewesen sei und seine Aufgabe nicht mehr habe erfüllen können. Wir vermuteten daher, dass es sich um ein Mietschiff handelte, weil bei solchen Schiffen die Mieter im Maschinenraum nichts zu suchen haben.

Halluin-Menen - KuurneWir radelten dann mit unseren Rädern zum ganz tollen Restaurant Gust’Eaux, wo man uns ein sehr feines Nachtessen zubereitete und wo wir einen feinen Wein tranken. Das Bild zeigt gut, weshalb das so war. Das Restaurant war – an einem Dienstag – pumpenvoll, so dass wir nicht drausssen sitzen konnten. Später kam die Chefin und sagte uns, es habe jetzt draussen einen freien Platz und wir könnten dislozieren. Gesagt, getan. Der auffrischende Wind kühlte uns etwas ab.

Wambrechies (Lille) – Halluin-Menen

Wambrechies (Lille) - Halluin-MenenIn Wambrechies blieben wir insgesamt 4 Nächte. Ganz nahe beim Hafen hat es eine feine Bäckerei, ein sehr einladende Metzgerei und ein Café, das bereits am Morgen früh öffnet. Dort haben wir jeden Morgen einen Kaffee getrunken. Insgesamt hat uns der Hafen sehr gut gefallen und meine anfängliche Skepsis hat sich mehr als gelegt. Auch der Hafenmeister kam tatsächlich täglich vorbei, so dass wir auch duschen konnten.

Wir haben zuerst einen Ausflug nach Lille gemacht und sind mit dem Bus dorthin gefahren. Es war zuerst regnerisch, so dass wir mit Schirm ausrückten. Die Stadt ist sehr sauber und relativ gross. Wir haben dort einen Spaziergang gemacht und ich konnte noch zwei Bände mit Comics erwerben. Der Buchladen ist riesengross und verfügt über eine extrem grosse Abteilung mit Comics.

Wambrechies (Lille) - Halluin-Menen

Wambrechies (Lille) - Halluin-Menen

Wambrechies (Lille) - Halluin-MenenAm Abend gingen wir in den Park, wo am Tag der Musik die Banda Ancha, eine Salsa-Band, aufspielte. Die Band musizierte hervorragend und André und Brigitta, die jahrelang Salsa tanzten, liessen ihr Können aufblitzen.

Wambrechies (Lille) - Halluin-MenenAm Nachmittag verabschiedeten sich unsere netten Nachbarn, die ihr Schiff in Armentière liegen haben. Sie wollten nach Lille fahren und dort nahe der Citadelle anlegen.

Das Wetter besserte sich zusehends und am nächsten Tag konnten wir mit den Fahrrädern ausrücken. Wieder ging’s nach Lille, diesmal zur Citadelle, wo wir auch unsere Nachbarn mit ihrem Schiff wieder entdeckten. Auf dem Gelände wurde für Kinder ein Event durchgeführt, bei dem sie verschiedenste Sportarten kennenlernen konnten. Sportklettern, Fechten, American Football, Landhockey, Brake Dance und viele mehr. Die Kinder (und deren Eltern) waren begeistert. An einem Arm der befahrbaren Citadelle genehmigten wir uns auf einem vertäuten Schiff einen kühlen Drink.

Wambrechies (Lille) - Halluin-MenenWambrechies (Lille) - Halluin-MenenAm Freitag wurde unser lieber Freund Alfred Stähli beerdigt. Ich kannte ihn seit gut 40 Jahren und wir haben manch schöne Erlebnisse gemeinsam geniessen können. Er war immer sehr engagiert für Kultur und Gesellschaft. Durch ihn habe ich auch Rudolf von Tavel kennengelernt. Seine Geschichtsbücher in Mundart wirken authentisch und führen uns in vergangene Zeiten.

In der Kirche haben wir eine Kerze angezündet und seiner gedacht. Er war auch im Kirchgemeinderat und hätte an der Kinderspielecke in der Kirche zu Wambrechies seine helle Freude gehabt.

Am nächsten Tag fuhren wir in die andere Richtung mehr oder weniger dem Fluss entlang. Wir konnten den Stand der Bauarbeiten an den Écluses de Quesnoy-sur-Deûle beobachten. Auf Waaterkarten war die Warnung aufgehoben, so dass wir zuversichtlich waren, dass am Montag problemlos passiert werden kann.

Rund 10 km weiter unten erreichten wir den Port de Plaisance Deûlemont. Der Hafen macht einen guten Eindruck und wir querten die direkt im Hafengelände liegende Brücke, um auf der rechten Seite des Flusses nach Wambrechies zurück zu fahren. Ein schöner und wenig anstrengender Fahrrandausflug ging zu Ende.

André und Brigitta führen einen genialen Grill mit. Darauf brieten wir am ersten Abend feines Fleisch aus der vorerwähnten Metzgerei und am zweiten Abend Würste vom gleichen Geschäft. Brigitte genosse eine Quiche mit Ziegenkäse.

Am Abend verfolgten wir den Match Schweiz – Deutschland über unser Local-Public-Viewing-Installation auf der Taranaki. Die Schweizer Mannschaft spielte ausgezeichnet, hatte auch mal Glück und dann das Pech, in der vierminütigen Nachspielzeit noch das 1 : 1 zu kassieren.

Wambrechies (Lille) - Halluin-MenenSchliesslich trennten wir uns vom tollen Passantenhafen in Wambrechiers, um unser nächstes Ziel, den Yacht Club de la Lys in Halluin-Menen anzusteuern.

Zuvor passierten wir die Écluse de Quesnoy. Der Schleusenwärter dirigierte uns ganz nach vorne, weil noch ein 80 m Frachter einfahren würde.Wambrechies (Lille) - Halluin-Menen

Wambrechies (Lille) - Halluin-MenenAuf der Gegenseite wartete bereits ein Frachter mit einer Fan Craft. Bei der Éclus Comine mussten wir etwas warten, weil bereits zwei Frachter eingefahren waren. Im Schlepptau des nächsten Frachters konnten auch wir einfahren.

Dann erreichten wir die Neptunia, ein Versorgungsschiff, wo wir unsere Taranaki betankten. André wollte die Linna ebenfalls betanken, was aber leider nicht ging, weil ich bereits mit rund 220 Litern den Stock aufgebraucht hatte. Der Tankwart meinte, es sei schwierig, genügend Treibstoff an Bord zu haben. Manchmal kämen sehr viele Schiffe, die betankt werden möchten, dann seien es wochenlang keine. Zudem habe er manchmal Mühe, weil das aus Sicht der Lieferanten Kleinstmengen seien.

Schliesslich näherten wir uns der Nieuwe Sluis Menen. Auf dem Kartenplotter hatten wir einen kleinen Frachter ausgemacht und ich meldete unsere beiden Schiffe an, wobei wir nach dem Frachter einfahren würden.

Wambrechies (Lille) - Halluin-MenenAuch hier wartete unterhalb der Schleuse bereits wieder ein Frachter sowie eine wunderschöne Luxemotor darauf, bergwärts schleusen zu können.

Dann erreichten wir den Hafen des Yacht Clubs de la Lys in Halluin-Menen. Er ist nicht sonderlich gross und beim Einfahren muss man aufpassen, weil es an den Ufern viele aufgeschüttete Steine hat. Wir fanden einen freien Liegeplatz und legten an. Da der Hafen nicht gerade mit Tiefgang strotzt, zog André es vor, seine Linna bei der Hafeneinfahrt auf der linken Seite zu vertäuen.

Brigitte hatte dem Hafenmeister schon zweimal anzurufen versucht. Ausser dem telefonischen Beantworter konnte sie keine Reaktion erwirken. Wir fragten Anleger im Hafen. Die meinten, der Posten des Hafenmeisters sei nicht besetzt und wir sollten ruhig Strom und Wasser beziehen. Wenn sich niemand melde, sei es eben gratis.

Es war sommerlich heiß geworden, Wir hatten im Salon 32 Grad. So entschieden wir für einen Teigwarensalat, den wir unter freiem Himmel an einem nahe gelegenen Picknickplatz genossen. Dort erschien ein älterer Herr und fragte uns, ob wir uns beim Hafenmeister gemeldet hätten. Das konnten wir bestätigen. Leider sei der Hafen nicht mehr in Verwaltung des Yacht Clubs, sondern neu der Stadtverwaltung. Das klappe nicht sehr gut, was wir nur bedauern konnten. Der Hafen liegt sehr schön und ist ausgesprochen ruhig. Er meinte, wenn niemand erscheine, sei es eben gratis. Er war früher Präsident des Yacht Clubs und hatte die Passanten jeweils persönlich begrüsst. Es war ihm anzusehen, dass er die Entwicklung sehr bedauerte.

Zuerst war er uns etwas griesgrämig erschienen, aber dann öffnete er uns freundlicherweise die Türe zum Steg, so dass wir nicht mehr darüber klettern mussten.

Beuvry – Wambrechies (Lille)

 

Beuvry - Wambrechies (Lille)Heute fuhren wir um ca. neun Uhr los, oder besser gesagt, wollten losfahren. Beim Wenden der Taranaki wickelte ich kontinuierlich zähes Seegras um die Welle, weshalb ich praktisch keinen Vortrieb mehr produzieren konnte. Ich schaffte es gerade noch, den letzten Poller anzusteuern und die Maschine abzustellen.

Beuvry - Wambrechies (Lille)Ich versuchte, ohne nass zu werden, das Problem in den Griff zu kriegen. Unter dem Bett in der Kajüte hat die Taranaki einen Schacht, mit dem man die Schiffsschraube sehen könnte. Aber dort dann auch noch Seegras zu entfernen, ist kaum möglich.

Deshalb kam ich zu meinem ersten Taucheinsatz. Badehose an, ins Wasser steigen (es war nicht sonderlich kalt), Schwimmbrille aufsetzen und mal schauen gehen, was da unter dem Schiff los ist. Ich konnte bereits beim ersten Mal eine Menge Gras abreisen. Es brauchte dann etwa sieben Tauchgänge plus das Sägemesser, das mir André auslieh, dann war die Welle wieder frei.

André fuhr mit der Linna, die bei uns angelegt hatte, voraus. Ich wollte hinterher, aber obschon der Propeller wieder Wirkung zeigte, kam ich nicht vom Fleck. Beim Anlegen war ich offenbar aufgelaufen.

Ich versuchte mit Wippen die Taranaki zu befreien. André befreite uns dann mit der Linna aus der misslichen Lage.

Daraufhin konnten wir unsere Fahrt problemlos fortsetzen. Es war fast eine Geisterfahrt, unterwegs sahen wir keine Sportboote und nur sehr wenige Frachter in Fahrt.

Beuvry - Wambrechies (Lille)

Beuvry - Wambrechies (Lille)

Lille verfügt über einen eindrücklichen Hafen, der sich über mehrere Kilometer erstreckt.

Beuvry - Wambrechies (Lille)

Beuvry - Wambrechies (Lille)Schliesslich erreichten wir unseren Zielhafen in Wambrechies. So toll, wie er auf dem Video aussieht, ist er eigentlich nicht. Im hinteren Teil, der Quaimauer entlang, hatte es freie Plätze. André fuhr mit der Linna hinein, drehte aber sofort wieder um: Unsere Schiffe haben einen zu hohen Tiefgang. So versuchten wir es unterhalb der Brücke. Dort hatte es knapp zwei Plätze. André legte an und er und Brigitta zogen ihre Linna soweit als möglich nach vorne. Dann hatten wir mit der Taranaki ebenfalls knapp Platz. Dank der Mithilfe von André und Brigitta konnten auch wir unser Schiff vertäuen.

Das folgende Video der Stadtverwaltung zeigt einen netten kleinen Jachthafen, in dem wir anlegten.

Der Eindruck des Films täuscht gewaltig. Die Wassertiefe entlang der Kaimauer ist bescheiden und für uns unzureichend. Die vertäuten Schiffe sind bis auf drei Plätze dauernd vermietet. Für die drei Passantenliegeplätze unterhalb der Brücke gibt es zwei Steckdosen. Da das hinterste Schiff vor uns festgemacht hatte, wechselten André und ich im 12 Std.-Takt den Strombezug ab.

Das schöne Trämli ist stillgelegt. Das Video im Internet täuscht etwas vor, das leider nicht mehr ist.

Ein Dauermieter rief den Hafenmeister an, der sich jedoch nicht zeigte. Im Internet wird gesagt, die Capitainerie sei täglich geöffnet. Das glauben wir nicht. Immerhin hat uns ein netter Herr aus dem Büro des VNF die Telefonnummern bestätigt, auf die Brigitte erfolglos versucht hat anzurufen. Ausser der Combox geschieht dort nichts.

Wir bleiben bis Montag und werden sehen, wie sich der Service entwickelt. Positiv: Der Kehricht wird separiert gesammelt.

Epilog: Der Hafenmeister war krank und am Folgetag meldete er sich. Er war sehr zuvorkommend und erlaubte uns, eine „besetzte“ Steckdose zu benutzen. Das Bähnli musste aus finanziellen Gründen ausser Betrieb genommen werden. Es wurde viel zu wenig benutzt, so dass es nicht mehr tragbar war. Es wird zwar Geld gesammelt, aber ich glaube kaum, dass es je wieder in Betrieb genommen wurde. Vor zwei Jahren sei es noch gefahren, sagte uns Dominique, der sehr sympathische Franzose am Ende des Quais.

Beuvry - Wambrechies (Lille)Wir haben oft mit Rachel und eben Dominique über das Schifffahren gesprochen. Sie verlassen Frankreich aber nie, weil sie in Belgien keine Chance hätten, verstanden zu werden. Die sprechen aber eigentlich gut Französisch. Einmal mehr stossen wir auf Ressentiments hüben und drüben.

Dominique ist aus der Region von Lille und Rachel kommt aus der Ardèche. Wir haben uns glänzend verstanden.

Arques – Beuvry

 

Arques - BeuvryDer empfehlenswerte Hafen von Arques, der von den Verantwortlichen familienfreundlich eingerichtet wird, ist zwar einfach, aber ruhig gelegen und wird von hilfsbereiten Leuten geführt. Ich kann ihn nur empfehlen.

Am gleichen Ort befindet sich das Schiffshebewerk Les Fontinettes (französisch Ascenseur des Fontinettes) nahe dem gleichnamigen Ortsteil von Arques in der Nähe von Saint-Omer im französischen Département Pas-de-Calais. Es verband den Fluss Aa mit dem Canal de Neuffossé über einen Höhenunterschied von 13 Meter.

Arques - Beuvry Arques - Beuvry Arques - Beuvry Arques - Beuvry Arques - Beuvry Arques - Beuvry

Das in Frankreich einzigartige Schiffshebewerk sollte eine fünfstufige Schleusentreppe ersetzen. Es wurde von 1885 bis 1888 nach dem Vorbild des wenige Jahre zuvor fertiggestellten Schiffshebewerks Anderton in England erbaut und arbeitete nach dem gleichen hydraulischen Prinzip. Jedoch war es deutlich grösser ausgelegt, um die auf den französischen Kanälen eingesetzten standardisierten Lastkähne (Péniches der Freycinet-Klasse) befördern zu können. Das zu hebende Gesamtgewicht eines jeden Trogs betrug somit rund 800 Tonnen, fast das Dreifache von Anderton.

Bei Les Fontinettes hatte man bereits aus einigen der bei Anderton aufgetretenen Probleme gelernt. So wurden beispielsweise die Tröge nicht direkt ins Unterwasser abgesenkt, sondern in eine trockene Grube, die durch ein Hubtor vom Unterwasser abgetrennt war. Auf diese Weise kamen Kolben und Zylinder nicht direkt mit dem Kanalwasser in Berührung. Doch hatte man hier die Belastung der Fundamente unterschätzt, so dass diese sich unter der Last der Tröge langsam absenkten. Nach nur sechs Jahren Betrieb wurde deshalb eine Generalüberholung notwendig, während der man die noch vorhandene alte Schleusentreppe wieder in Betrieb nahm.

1967 ging in unmittelbarer Nähe die Schachtschleuse Écluse des Fontinettes in Betrieb; Hebewerk und Schleusentreppe wurden daraufhin endgültig stillgelegt. Das Schiffshebewerk ist als Museum nicht betriebsfähig erhalten und kann während der Sommersaison besichtigt werden.

Wir starteten und legten unmittelbar vor der Schleuse wieder an, weil wir einen Frachter vorbeifahren liessen. Dann ging’s aber zügig weiter.

Arques - Beuvry

Arques - Beuvry

Wir legten vor der Monsterschleuse Les Fontinettes noch kurz an, konnten dann aber nach der Ausfahrt eines Sportbootes selber einfahren. Die Schleuse verfügt über komfortable Schwimmpoller, die aber extrem quietschten.

Wir näherten uns schliesslich dem Zielort Béthune resp. Beuvry. Der Hafen von Béthune sieht zwar im Internet einladend aus, ist aber nur für Péniches reserviert. Die Zufahrt ist zudem wenig tief (1.30 m, teilweise etwas mehr).

So fuhren wir wieder aus dem Zufahrtskanal hinaus und strebten den Passantenhafen von Beuvry an. Brigitte hatte auf die Combox gesprochen und der Zuständige rief uns noch vor der Einfahrt zurück.

Am Beginn der Einfahrt führt eine Zugbrücke über den Zufahrtskanal und wir waren uns nicht sicher, ob die hoch genug sei. Steuerbordseitig sahen wir die Geleise der Bahn, die nicht steigen wollten, obschon wir uns immer mehr näherten. Schliesslich klappte es doch noch.

Der Hafenmeister erklärte uns, dass der Hafen gratis sei. Ob er ein Foto machen dürfe, das er gerne in Facebook publizieren möchte. Wir sagten zu. Es gibt einen kleinen Weg dem Hafen entlang und wir hatten das Gefühl, das ganze Dorf wolle die beiden Schiffe sehen, die es wagten, den Hafen zu besuchen. Diese Ansicht wurde am nächsten Tag durch Ereignisse noch bekräftigt.

Der Passantenhafen wurde von VNF unterstützt, um die Freizeitschifffahrt zu fördern. Er verfügt zwar über Strom, aber dafür sind die von VNF herausgegebenen Badges nötig.

Brigitta kochte sehr feine Omeletten mit einer genussreichen Füllung. Es schmeckte hervorragend. Dann zügelten wir in die Taranaki, wo wir dank des Generators das EM-Spiel Schweiz – Schottland mitverfolgen konnten. Alle Tore wurden durch Schweizer erzielt. Dabei gab es ein Eigentor und ein sehenswertes Tor von Shaqiri.

Dunkerque – Arques

 

Dunkerque - ArquesDünkirchen hat Einiges zu bieten. Der Hafen selber verfügt über Süsswasser, was man gut an den Süsswasserquellen erkennen kann. Diese sind übrigens ein Indiz für sauberes Wasser. Aber wie kommt es, dass der Hafen über Süsswasser verfügt?

Der Wasserspiegel liegt deutlich über dem Meeresspiegel, so dass Schiffe, die aufs Meer fahren, immer talwärts schleusen. Das Hafenbecken wird mit Süsswasser gespiesen. Verlässt man das Hafenbecken Richtung Nieuwpoort oder Richtung Lille, muss man zuerst abwärts schleusen.

Dunkerque - ArquesNach der Ankunft haben wir mit dem Fahrrad einen Ausflug nach Malo-les-Bains gemacht. Dort haben wir über die schönen Strände gestaunt (es herrschte gerade Ebbe) sowie die schöne Kulisse der Häuser mit Sicht aufs Meer. Zudem feierten wir den 38. Hochzeitstag mit einem feinen Muschelgericht.

Dunkerque - Arques

Dunkerque - Arques

Weiter ostwärts entdeckten wir die hier recht beliebte Sportart Strandsegeln. Wir beobachteten eine Einführung und wie Einige das nachher schon gut beherrschten und Andere nicht. Es sei hier angemerkt, dass der Autor glaubt, auch männliche Kursteilnehmer würden nachher das Gefährt nicht beherrschen. Aber dasjenige, das im Schlick stecken blieb, wurde von einer Frau gesteuert.

Dunkerque - Arques

Dunkerque - Arques

Dunkerque - ArquesDann tätigten wir noch einen Einkauf: Wir ersetzten einen Fender und beschafften uns noch einen zweiten Kugelfender. Leider gab es nur einen weissen, den wir mit einem einem „Socken“ verdunkelten. Da unser Schiff insbesondere bei Schwall in den Schleusen und der kurzen Schiffslänge, wegen der wir oft zwei Poller mit unseren Tauen nicht erreichen, tanzt es jeweils am Mittelpoller der Taranaki hin und her. Mit dem zusätzlichen Tropfenfender wollen wir künftig Schäden besser vermeiden.

Brigitte und ich fuhren am folgenden Tag noch nach Bergues. Das ist der Ort, an den der Pösteler der Französischen Post „strafversetzt“ wurde. Du kennst sicher den Film „Bienvenu chez les Ch’tis„. Der wurde zum grossen Teil hier gedreht.

Dunkerque - Arques Dunkerque - Arques Dunkerque - Arques

Dunkerque - Arques

Am Abend assen wir in der „Princess Elizabeth“ ein feines Nachtessen.

Albtraum in der Nacht vor unserer Abfahrt: Es gibt so kleine Geschäfte, die uns ereilen können, auch mitten in der Nacht. Daheim liegt die Toilette unmittelbar neben dem Schlafzimmer, hier in Dunkerque mussten wir das zum Hafen abgesicherte Tor passieren. Brigitte und ich nahmen den Zutrittsbadge, passierten das Tor und wollten anschliessend auf die Toilette. Der Badge verweigerte den Zutritt. Böses ahnend versuchte ich den Zutritt zum Hafen und zu unserem Schiff. Der Zutritt wurde auch hier verweigert. Es war schätzungsweise 03:15 Uhr und wir wussten, dass der Reinigungsstaff um ca. 06:30 Uhr auftauchen wird und wir hofften, dass wir spätestens dann wieder zum Schiff könnten. Leider hatte niemand sonst aus dem Hafen Harndrang und so beobachteten wir, wie der Tag in Dunkerque sein Tagewerk beginnt. Nicht sehr spannend und wir hatten noch das Pyjama mit wenig Zusatzkleider verstärkt. Endlich traf die Frau ein, die die Anlagen reinigt. „Je m’excuse, pour la marina j’ai malheureusement pas d’access!“. Brigitte war schon mal unterwegs nach einem Kaffee und als sie zurück kam, versuchte die Frau nochmals und siehe da, der Badge funktionierte und wir konnten wieder aufs Schiff. Wir werden künftig solche Badges beim Weggehen prüfen, bevor das Tor zuschnappt.

Die Ursache für das Malheur war, dass die Capitainerie uns nur bis Sonnstag berechnete, statt bis Lundi, wie wir das gefordert hatten. Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben! Wir nahmen’s mit Humor.

Dunkerque - Arques

Dunkerque - Arques

Dunkerque - Arques

Für die Ausfahrt aus der Marina müssen wir den Pont de l’Université passieren, bevor wir in die Écluse No 1 Darse einfahren konnten. Wir hatten vor der Abfahrt bereits zwei Segler beobachtet, die die Brücke passierten.

Als wir den Motor starteten, rief uns ein aufgeregter französischer Segler vom Steg zu, wir könnten die Brücke nicht passieren. Sie öffne nur um 09:00 Uhr und um 11:00 Uhr. Wir müssten deshalb zwingend warten. Er rief uns das mindesen dreimal zu. Aber André hatte die Hafenaufsicht bereits angefunkt und diese meldete, wir könnten nach einer Péniche sowohl die Brücke passieren, als dann auch in die Schleuse einfahren. Wir vergewisserten uns aufgrund der Intervention nochmals bei der Hafenaufsicht, die unsere Absicht und das Ok bestätigte.

Dunkerque - ArquesDie Strecke von Dunkerque nach Arques ist eine sehr schöne Tour – und vermutlich weil Montag war und die Frachter erst beladen wurden, sehr wenig befahren. Auf der ganzen Strecke begegneten wir zwei Frachtern ohne Fahrt und ein entgegenkommender Frachter.

Dunkerque - Arques

Brigitte erkundigte sich beim Port de plaisance d’Arques, ob wir mit unseren beiden Schiffen anlegen könnten. Die Hafenmeisterin bestätigte und sagte, sie würde uns empfangen.

Wir konnten tatsächlich am Längssteg anlegen und für die etwas längere Linna hat der Partner der Hafenmeisterin noch einen Fingersteg verschoben, damit die Linna sicher anlegen kann. Zudem erkläte die Hafenmeisterin uns, dass gerade noch ein Grillplatz entstehe und nebenan demnächst eine Pétanque-Piste entstehen werde.

Der kleine, aber feine Hafen wir offenbar Schritt für Schritt ausgebaut und herzlich begrüssen heisst hier in Arques, mit Handschlag und einen schönen Aufenthalt wünschen.

Der herzliche Empfang, die einfache aber zweckmässige Infrastruktur sowie der einmalig günstige Preis von € 17.40 (Liegeplatz, Übernachtungstaxe, Elektrizität, Duschen und Trinkwasser) überzeugten uns, so dass wir spontan beschlossen, zwei Nächte zu bleiben.

Auf dem Schiff machten wir eine gelungene Entdeckung: Ich hatte schon länger in der Kapitänskajüte eine schrankähnliche Tür mit einem Mückennetz. Ich vermutete, dass die als Türe verwendet werden kann. Ich schaute mir das Ganze nochmals an und siehe da, die passt tatsächlich. So können wir bei Regenwetter und warmen Verhältnissen Frischluft einlassen, ohne dass wir nass werden und ohne dass Wasser durch die Bullaugen rinnt. Fliegen und Mücken bleiben ebenfalls draussen.

Dunkerque - Arques

Mol (Zilvermeer) – Turnhout

Mol (Zilvermeer) - TurnhoutGestern haben wir von Zilvermeer aus einen Ausflug zu dem Baumwipfelpfad für Fahrradfahrer gemacht. Die Strecke dorthin mit dem Rückweg sind etwa 40 km und der Radweg durch die Baumwipfel ist etwa 700 m lang. Dort haben wir auch Martin und Doris getroffen, die den Pfad ebenfalls unter die Räder genommen haben.

Mol (Zilvermeer) - TurnhoutAm Abend gab es auf der Taranaki eine Potpourri zum Nachtessen. Brigitta hatte ein feines Pilzrisotto zubereitet und Brigitte die aufgewärmten Tortellini, mit Peperoni und Tomatensauce aufgepeppt. Schliesslich versuchten wir noch das Nussbrot und die Salami mit Haselnüssen resp. mit Blauschimmelkäse. Es hat allen sehr gut geschmeckt. 

Da Pfingsten wie ein Feiertag zu behandeln ist, haben wir uns beim Hafenmeister erkundigt, ob und wann die drei Brücken geöffnet würden, die wir auf dem Weg nach Turnhout passieren müssen. Er versicherte uns, dass diese am Pfingtmontag wie an Sonntagen zwischen 10.00 und 18.00 Uhr geöffnet würden. Wir verliessen deshalb den Zilvermeerhafen um 10.00 Uhr und fuhren Richtung Turnhout. Der Kanal ist zu Beginn ziemlich eng und etwa 1.9 m tief. Auf Gewässerkarte sind 2.1 m angegeben, aber das ist eindeutig zu wenig. Immerhin haben wir in einer Ausweichstelle einen Leichter mit einem Bagger gesehen, das
Ausbaggern muss aber auf fast der ganzen Strecke geschehen.

Bei der ersten Brücke, die für uns geöffnet werden musste, trafen wir einen Hafenmeister, der einen kleinen Hafen verwaltet. Aber ausser seinem Schiff konnten wir keinen Anleger beobachten. Er war aber sehr freundlich, erzählte uns, dass seine Eltern Amerikaner seien und er in Belgien geboren sei. Er sprach leidlich deutsch, französisch und englisch. Er meinte, die Brücke werde bald angehoben und so war es auch. Wir konnten unsere Fahrt fortsetzen und kreuzten bald darauf einen Halbgleiter, der ebenfalls noch durch die offene Brücke fahren konnte.

 

Die Fahrt war idyllisch, aber wenig ereignisreich, ausser, dass wir bald einmal einen Frachter vor uns hatten, der mit 5,5 km/h fuhr. Wir waren schneller, konnten ihn aber nicht überholen. Der Frachter musste in der Mitte fahren, weshalb Back- und Steuerbord für ein Überholmanöver eindeutig zu wenig Platz vorhanden war. Vor der zweiten Hebebrücke funkte ich ihn an. Seine Antwort lautete, ohne dass ich danach schon gefragt hätte, wir könnten ihn etwa 500 m nach der Brücke in einer Ausweichstelle überholen. Gesagt, getan: Wir passierten ihn auf Backbord und kreuzten anschliessend im Kanal noch einen entgegenkommenden Frachter. Wir hatten ursprünglich gedacht, der Kanal sei für Frachter gänzlich ungeeignet, aber das Gegenteil ist der Fall. Auf der ganzen Strecke sahen wir mehrere Frachter.

Schliesslich landeten wir kurz vor Turnhout vor der letzten Hebebrücke, die für uns geöffnet werden musste. Nachdem ich zweimal erfolglos den Brückenwärter über Funk zu erreichen suchte, hat Brigitte es mit dem Telefon probiert. Obschon der Brückenwärter ausschliesslich flämisch sprach, hatte Brigitte es geschafft. Noch während dem Telefon klingelte es, was bedeutet, dass die Brücke demnächst  angehoben werde. So erreichten wir schliesslich nach nicht allzu langer Fahrt den Hafen in Turnhout. Dort gab es einen Ankerapéro und feine mit Speck umwickelte Datteln von Brigitta, die kurz im Ofen aufgewärmt wurden. Einfach herrlich. Wer nicht schon angefressener Skipper ist, der wird es spätestens dank solchen Erlebnissen.Auf der Taranaki waren vor einigen Tagen die Scheibenwischer ausgestiegen. Ich meinte zuerst, das liege an den Sicherungen. Aber die funktionierten einwandfrei. So half mir Martin mit seinem Fachwissen weiter.

Wir schraubten die Verbindungen von den Scheibenwischern zum Schiff ab und entdeckten Korrosionsschäden, die wir mit einem feinen Schleifpapier von André wegwischen konnten. Dann telefonierte ich noch mit Schuller Erwin. Er sagte, das habe er auf seinem Schiff auch gehabt. Nach einer Behandlung mit WD-40  funktionierten die wieder. Deshalb machten Martin und ich uns an die Arbeit. Den Grünspan hatte er entdeckt und dass Stecker damit nicht mehr funktionieren können, war mir dann auch klar. Wir putzten, so gut wir konnten, verwendeten WD-40 für die Kontakte und hatten eine Erfolgsquote von 100 %, wenn man von den beiden nicht mehr funktionierenden Scheibenwischern ausgeht. Der dritte hatte in der Zwischenzeit auch den Geist aufgegeben, womit die Quote auf 66 % zurückfiel. Immerhin: Der wichtigste Scheibenwischer funktioniert wieder. Plötzlich kam noch René Barraud vorbei, ebenfalls Mitglied des Schleusenvereins. Er orientierte uns über die Tatsache, dass in Antwerpen ein AIS auf dem Schiff obligatorisch ist. Das wussten wir bereits, weshalb wir unsere Reise über Lier planten. Die Highlander hat kein AIS an Bord.

Schliesslich verköstigten wir uns im Boothuis. Das Essen ist gut und reichlich, statt einen Wein präferenzierten wir die Bierkarte. Der Hafen, in dem wir anlegten, verfügt über keine Duschen und eine Toilette ist nur benutzbar, wenn der Hafenmeister anwesend ist. Wir dürfen aber die sanitarischen Anlagen des zweiten Hafens gleich nebenan benutzen, was sehr freundlich ist.  Zudem ist unser Hafen nicht verschlammt, der Zweithafen dagegen schon. Wir haben in einer ruhigen Ecke an der Kade anlegen können.

Bocholt – Mol (Zilvermeer)

Bocholt - Mol (Zilvermeer)Heute war das Wetter beim Start so-so-là-là und deshalb waren wir voll eingekleidet, was auch beim Skipper lange Hosen resp. Jeans bedeutet. Der Kanal hat wenig Kurven und führt zeitweise schnurgerade durch die Landschaft.

Immerhin gab es unterwegs eine Augenweide zu bestaunen, resp. eventuell zwei, je nach Sichtweise des Betrachters / der Betrachterin:

Bocholt - Mol (Zilvermeer)

Bocholt - Mol (Zilvermeer)Abwechslung zeigte sich am Horizont, weil eine ganze Reihe von Kanuten auf gleicher Höhe uns entgegen fuhren. Wir hatten bereits auf Gewässerkarte gesehen, dass in unserem Zeitfenster mit diesen zu rechnen sei verbunden mit der Bitte, auf die Sportlerinnen und Sportler entsprechend Rücksicht zu nehmen.

Gesagt getan: Wir fuhren Steuerbord an den rechten Rand des Kanals und verringerte das Tempo auf den Klick. Dabei achtete ich zu wenig auf den Tiefenmesser, wobei ich plötzlich auf Grund aufsetzte. Ich funkte sofort an André um ihn zu warnen, war aber damit zu spät, weil ihm das gleiche Malheur passierte. Im Gegensatz zu mir, konnte er sich selber im Rückwärtsgang aus seiner misslichen Lage befreien.

Bocholt - Mol (Zilvermeer)Bei der Taranaki ging nichts mehr. André und Brigitta versuchten mit der Linna, uns wegzuziehen, aber nur mit einem Teilerfolg. Der Bug konnte wieder bewegt werden, aber das Heck kam noch nicht frei.

In der Ferne sahen wir ein Schiff näher kommen. Es handelte sich um die Maxima unter holländischer Flagge fahrend. André funkte sie an und der Skipper gab Schweizerdeutsch Antwort. Das Schiff war eine Luxemotor und kräftig, so dass André fragte, ob sie uns nicht helfen könnte.

Der Skipper sagte zu und wollte zuerst das Tau an seinem Heck b efestigen. Er entschied sich kurzfristig anders und seine Frau warf uns das dicke Tau zu, das wir um den Mittelpoller legten. Die Maxima brauchte gar nicht stark rückwärts zu fahren, schon war die Taranaki frei.

Bocholt - Mol (Zilvermeer)Wir bedankten uns für die Hilfe und das Glück, vermutlich den einzigen Schweizer mit einem starken Schiff auf dem Kanal  anzutreffen und erst noch unmittelbar nachdem wir auf Grund auffuhren.

Der Kanal wird vermutlich schlecht unterhalten und an den Ufern, obschon grösstenteils mit Spuntwänden versehen, liegt jede Menge Schutt. Deshalb ist es ratsam, immer in der Kanalmitte zu fahren und bei Kreuzmanövern sehr vorsichtig steuerbordseitig auszuweichen. Die Ausweichstellen sind wenig vertrauenserweckend, dort sind die Untiefen vorprogrammiert.

Wir stellen fest, dass der Kanal von der Berufsschifffahrt nur mässig benutzt wird. Die meisten Schiffe sind unbeladen und haben dann entsprechend weniger Tiefgang.

Bocholt - Mol (Zilvermeer)Schliesslich erreichten wir die drei Schleusen vor der Seenplatte zum Zilvermeer. Wir mussten zuerst noch auf eine aufsteigende Jacht warten, wurden dann aber zügig durch die drei Schleusen talwärts befördert. Es geht auf kurzer Horizontaldistanz rund 18 Meter abwärts. Die Schleusen haben nur einen Poller oben auf der Schleusenmauer, weshalb entsprechend lange Leinen benötigt werden. Jede der Schleusen wird durch einen Schleusenwärter bedient, beim Bergwärtschleusen hilft er, das Tau um den Poller zu legen.

Bocholt - Mol (Zilvermeer)Nach den Abenteuern haben wir uns im Zilvermeerhaven zwei schöne Plätze nebeneinander an komfortablen Stegen ausgesucht und unsere Schiffe festgemacht. Wir durften den Ankertrunk auf der Linna geniessen mit Gewässern aus Wilderswil und dem Südtirol resp. mit Bieren der Marke Desperados. Aber im Gegensatz zu den Bieren sind wir wieder alle voller Zuversicht!

Bocholt - Mol (Zilvermeer)Martin und Doris waren bereits angekommen und begrüssten uns auf dem Steg. Wir werden noch gemeinsam Nachtessen. Das anstehende Gewitter wird wohl dann vorüber sein und wir hoffen, trocken auf die Linna wechseln zu können.