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Reisen mit der TARANAKI

Wessem – Venlo

 

Gestern durften wir Doris Schmied an Bord willkommen heissen. Sie geniesst ein paar Tage wohlverdiente Ferien auf unserer Taranaki, leider ohne Martin. Wir wünschen ihm auch an dieser Stelle gute Genesung, viel Geduld und Durchhaltevermögen. Wir hoffen, dass er vollständig vom schweren Unfall genesen wird. Wessem - VenloHeute morgen verabschiedeten wir uns von Robert, der auf seiner Highlander im Comfortparc bleiben wird, bis Liza zu ihm stösst. Dann fuhren wir gegen halb zehn Uhr los Richtung Venlo. Gemäss unseren Informationen funktionieren die beiden Schleusen in Linne und in Roermond wieder, was sich rasch bestätigte. In Linne waren wir sechs Sportboote, die abwärts schleusten. Die Linne-Schleuse hat den Vorteil, dass sie halbiert werden kann, wenn wenig Schiffe unterwegs sind. Wessem - VenloWir erwarteten, dass in Roermond mehr Schiffe talwärts schleusen werden, was sich bewahrheitete. Nach der Schleuse setzte ein Run ein, als käme nurmehr ein Schiff pro Schleusung weiter. Wessem - VenloNachdem wir die Schleuse verlassen hatten, war sie bereit, neue Schiffe bergwärts aufzunehmen. Wir sahen auf der Reise noch viele Kandidaten. Zuvorderst in der Schleuse lag ein richtiges Schmuckstück, welches wir ihm Hafen von Venlo wieder antrafen. Wessem - VenloUnterwegs hatten wir dann Gelgenheit, es aus der Nähe zu bestaunen. Wessem - VenloAuf dem Törn trafen wir nur  zwei Cargo-Schiffe und ein schönes Passagierschiff, einmal eines aus den Niederlanden, die Prins Willem-Alexander1, was uns sehr freute. Es wurde sicher zu Ehren des heutigen Königs der Niederlande so getauft und scheint deshalb nicht so alt zu sein. Wessem - VenloNach einer erholsamen Pause mit Getränken und einem kleinen Imbiss unternahmen wir einen Spaziergang nach Venlo. Fussgänger sind auf dieser Strecke wohl selten zu finden, weil wir die über weite Strecken die Velorouten benutzen mussten. Die Fietsen-Skipper fuhren aber aufmerksam und rücksichtsvoll, so dass wir unbeschadet im Stadthaven von Venlo landeten. Wessem - VenloNatürlich musste ich die angelegten Schiffe betrachten, wobei ich ein besonderes familienfreundliches entdeckte, das auf dem Vordach mit einer Art Laufgitter ausgestattet war. Der Vater in der Mitte, das Kleinkind rechts und die Tochter links: Sehr schöne Art, mit einer Familie auszufahren. Wessem - VenloAm Abend reservierten wir in der Brasserie De Admiraal, direkt hinter dem Vereinshafen gelegen. Um auf der Terasse sitzen zu können mit einer schönen Übersicht über den Hafen, muss man zwingend reservieren. Die Brasserie ist auch bei Einheimischen sehr beliebt.


1 Willem-Alexander (* 27. April 1967 in Utrecht als Willem-Alexander Claus George Ferdinand), Prinz von Oranien-Nassau, Jonkheer van Amsberg, ist seit dem 30. April 2013 König der Niederlande. Er übernahm das Amt von seiner Mutter Beatrix, die an diesem Tag vom Thron abdankte.  

Kanne – Wessem

 

Heute sollte uns die letzte Etappe wieder in den Hafen vom Comfortparc in Wessem führen. Dabei hatten wir drei Schleusen zu überwinden, wobei es bei allen drei talwärts ging.

Kanne - WessemDie erste ist die Lanaye-Schleuse und gehört noch zu Belgien. Wir sehen auf dem Bild einen ausfahrenden Berufsschiffer und dahinter zwei Sportboote. Das ist das übliche Prozedere, weil Cargo- und Passagierschiffe gegenüber Sportbooten Vortritt geniessen.

Das Schleusentor im Oberwasser ist ein Schiebetor und wird an Drahtseilen hängend weggezogen, wenn die Schleuse das Wasserniveau des Albert-Kanals erreicht hat. Die rot-grüne Ampel zeigt uns, dass die Schleuse zum talwärts Schleusen vorbereitet wird.

Kanne - WessemIm Oberwasser ist der Kanal sehr breit und mit einer Strasse erschlossen. Dort heben die Berufsschiffer oft ihre Autos von Bord, damit ein Crew-Mitglied einkaufen geht. Der Berufsschiffer fährt dann weiter und das Auto wird mitsamt dem eingekauften Proviant später unterwegs wieder an Bord genommen. Auf dem Bild sehen wir, dass der Kran zum Abladen eines der drei Autos vorbereitet wurde.

Wir wurden vom Schleusenwärter in die Schleusenkammer 3 eingewiesen, zusammen mit zwei Segelbooten. Nach dem Einfahren wurde die Schleuse geschlossen, dann aber für eine vierte Jacht nochmals geöffnet. Das ist wichtig und sinnvoll, weil möglichst wenig Wasser abgelassen werden soll.

Kanne - WessemDie Schleuse gehört zu denjenigen mit viel Hub, obschon es in Belgien – genauer in Antwerpen – noch eine Schleuse mit höherem Hub gibt. Brigitte konzentrierte sich darauf, unsere Taranaki gleichmässig am Schwimmpoller zu stabiliseren.

Kanne - WessemWir näherten uns anschliessend Maastricht und der St. Servatius-Brücke. Sint Servaasbrug, wie sie auch genannt wird, ist eine gewölbte Rad- und Fußgängerbrücke aus Stein über die Maas. Sie ist nach dem heiligen Servatius, dem ersten Bischof von Maastricht, benannt und wird als die älteste Brücke der Niederlande bezeichnet. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und verbindet den Stadtteil Binnenstad am Westufer mit dem östlichen Teil de Wyck. Die Brücke wurde in den Kriegen teilweise abgerissen, bombardiert und gesprengt, aber im Kern blieb sie erhalten. Am Brückenkopf ist der heilige Servatius zu sehen, der über talwärts fahrende Schifffe wacht resp. den bergwärts fahrenden nachschaut1.

Kanne - WessemKurz vor der Brücke wurden wir durch einen kleinen Kerl in weiss beobachtet. Oder suchte er seine Freundin am Westufer? Wir wissen es nicht und fragen können wir ihn auch nicht. Aber der kleine Kerl in Weiss macht das schon mehrere Jahre so.

Kanne - WessemEs hatte den ganzen Tag geregnet, wieder aufgehört und wieder geregnet, mal intensiv, mal weniger. Endlich sahen wir mal ein Stück blauen Himmel, allemal ein Grund, diesen Lichtblick festzuhalten.

In der Bornschleuse wurden wir zuerst in Schleusenkammer auf Steuerbord zugewiesen. Als der entsprechende Cargo einfuhr, meldete sich der Schleusenwärter nochmals und wies uns an, die Backbordschleuse zu benutzen sowie ganz nach vorne zu fahren, weil noch ein Cargo folge.

Das machten wir und warteten die Einfahrt des Cargos ab. Sobald sich unten die Schleusentore öffneten, machte ich Platz, damit der Berufsschiffer seine Fahrt ohne Verzögerungen fortsetzen konnte. Das letzte Stück des Julianakanals geht mehr oder weniger geradewegs weiter. Der Cargoschiffer von vorhin war bereits in die Schleuse eingefahren und bereit zum talwärts schleusen, als der Schleusenwärter von Maasbracht ihn fragte, ob er bereit sei auf uns zu warten, damit wir mit ihm schleusen konnten. Er war es und so durften wir ohne Verzögerung die Maasbracht-Schleuse passieren.

Kurz nachher erreichten wir unseren Stammplatz im Comfortpark. Die Sonne schien und es wurde richtig heiss. Gegen Abend wechselte das Wetter wieder auf Regen und scheinbar soll das die nächste Woche so weitergehen. Hoffen wir, dass sich die Meteorologen zu unseren Gunsten täuschen.


1 Talwärts bedeutet von der Quelle zur Mündung ins Meer. Der dabei überwundene Höhenunterschied ist unerheblich. Bei der Anmeldung beim Schleusenwärter weiss der durch die Begriffe „talwärts“ resp. „bergwärts“, ob sich das zu schleusende Schiff oberhalb oder unterhalb der Schleuse befindet.

Liège – Kanne

 

Heute haben wir eine Tour vorbereitet, die keine einzige Schleuse umfasste. Es war Regen angekündet und die Lieferung ist auch eingetroffen. Wir setzten die Positionslichter, machten unser Zelt dicht und fuhren los. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Liège verabschiedeten wir uns vom Solothurner Ehepaar und ihrer Aquila.

Liège - KanneBrigitte fand noch Zeit, von einem markanten Gebäude ein Foto zu machen. Beim Recherchieren, um was es sich dabei handelte, bin ich auf folgende Informationen gestossen:

Das Hôtel des Postes wurde zwischen 1898 und 1901 im alten Viertel „Chaffour“ (in Anlehnung an die dort vorhandenen Kalköfen) erbaut und ist das Werk des Architekten Edmond Jamar. Dieses Kalksteingebäude im Stil der Neugotik und Renaissance ist vom Palast der Fürstbischöfe inspiriert und besteht aus einem Hauptkörper, der von einem Eckturm flankiert wird, der von einer Turmspitze und Nebengebäuden gekrönt wird. Die Hauptfassaden haben zwei Ebenen und elf Buchten. Das zweite Joch eines von ihnen wird von einem Eingangsportal mit gekerbtem Sturz eingenommen, das von einem dreitägigen Joch und einem grossen Joch mit einem Spitzbogen mit neugotischem Masswerk überragt wird. Zwischen zwei Buchten ist der geformte Zwickel mit dem belgischen Wappen und seinem Motto „Einheit ist Stärke“ geschmückt. Die Dekoration umfasst ausserdem vierzehn topografische und heraldische Wappen der guten Städte des Fürstentums Lüttich, der ehemaligen Bestandteile des Fürstentums Lüttich (Franchimont, Looz, Hornes, Bouillon), der Provinz Lüttich und des Gouverneurs Pety de Thozée sowie fünfzehn Bronzestatuen, die die Bürgermeister von Lüttich von 1464 bis 1651 darstellen, und neun kleinere, die das damalige Postpersonal darstellen.

Wo sonst auf der Welt gibt es für ehemalige und längst verflossene Postangestellte Statuen?

Liège - KanneBei der Tourenvorbereitung bin ich in der App Gewässerkarte 2023 auf folgende Informationen beiliegende Information gestossen:

MITTEILUNG
Canal Albert-Pont de Lixhe, ouverture 1 – Bergungsarbeiten – Sperre
Gültig von 24-7-2023 bis 27-7-2023
In Verbindung mit Bergungsarbeiten es gilt: Kanal – Pont de Lixhe, ouverture 1 Höchstgeschwindigkeit höchstens 4 km/h von 24-7-2023 10:00 bis 27-7-2023 13:00
Sog und wellenschlag vermeiden von 24-7-2023 10:00 bis 27-7-2023 13:00
Durchfahrtsbreite verringert um 70 m rechtes Ufer von 24-7-2023 10:00 bis 27-7-2023 13:00
Durchfahrtsbreite verringert um 20 m linkes Ufer von 24-7-2023 10:00 bis 27-7-2023 13:00
Festmacheverbot von 24-7-2023 10:00 bis 27-7-2023 13:00 Begegnungsverbot von 24-7-2023 10:00 bis 27-7-2023 13:00
Überholverbot von 24-7-2023 10:00 bis 27-7-2023 13:00

Bergungsarbeiten? Seit 2021 befahren wir diese Strecke und wir wussten, dass dort zwei rote Tonnen eine Umfahrung im Kanal erfordern, weil dort ein Schiff gesunken sein soll. Wird das heute etwa gehoben?

Doch seht selbst, die Bilder zeigen eine einmalige Bergung eines Schubleichters. So nennt man die Frachtschiffe ohne Motor, die von einem Schuber durch die Gewässer geschoben werden. Der versunkene Leichter wurde mit zwei Lastkränen aus der Tiefe geholt, leergepumpt und wohl zum Abschleppen vorbereitet.

Liège - Kanne Liège - Kanne  Liège - Kanne Liège - Kanne Liège - Kanne

Damit wird die Fahrstrecke des Albert-Kanals für die Fracht-, Passagier- und Freizeitschiffer wieder in der ganzen Breite nutzbar und damit sicherer. Liège - KanneWir nehmen an, dass diese aufwändige Bergung im Regionalfernsehen einen Beitrag wert war, den über der Bergungsstelle flog ein Helikopter mit Kamera. Mehrmals flog er auch recht tief über unsere Taranaki und umrundete sie.

Liège - KanneWir fuhren an der Lanaye-Schleuse vorbei und zu unserem Ziel in Kanne.

Der Albert-Kanal, flämisch Albertkanaal, französisch Canal Albert, verbindet als künstliche Wasserstrasse die beiden belgischen Städte Lüttich und Antwerpen. Der Bau dieses Kanals sollte den Anliegern an der Maas einen Zugang zur Nordsee ermöglichen, ohne dabei durch das Gebiet der Niederlande fahren zu müssen.

Die Länge des Kanals beträgt 129,5 Kilometer. Auf seinem Weg überwinden sechs Schleusen eine Höhendifferenz von etwa 56 Metern. Beim belgischen Grenzort Kanne, südlich der niederländischen Stadt Maastricht, durchbricht der Albert-Kanal ein Bergmassiv aus Kalkstein, den man dort Mergel nennt. An diesem tiefen Einschnitt liegt das unterirdische Fort Eben-Emael. Dort verläuft der Kanal mehr oder minder parallel zur niederländischen Grenze westlich von Maastricht.

Dieses unterirdische Fort galt als uneinnehmbare Festung, wurde aber 1940 von deutschen Falschirmjägern überrannt.

Kurz nach diesen Felsen liegt auf der rechten Seite Kanne und auf der linken der Hafen des VVW Yakan. Der Hafen ist klein, aber fein. Die Einfahrt ist etwas eng und beim Wellengang der Frachter vorsichtig zu befahren.

Im dem Hafen angrenzenden Café-Restaurant Opcanner Anker, das sehr schön eingerichtet ist und von Einheimischen rege besucht wird, gibt es feine Speisen, verschiedene Biere, Spirituosen und Weine. Die Menukarte ist nicht sehr gross, die Qualität stimmt aber auf jeden Fall.

Dort hatten Brigitte und ich noch etwas zu feiern.

Huy – Liège

 

Heute haben wir bereits um halb neun die Leinen losgelegt. Wir wollten unbedingt vor dem „Frechdachs“ losfahren, was wir denn auch problemlos schafften. Das Wetter war durchzogen, mal schien die Sonne, dann regnete es um bald darauf wieder durch die Sonne abgelöst zu werden.

Huy - LiègeIn der zweiten Schleuse von Ivoz-Ramet war es wieder soweit: Es begann in Strömen zu regnen. Die Schleuse verfügt über bequeme Schwimmpoller, die mit dem Wasser sofort sinken. Brigitte zog es vor, die ganze Strecke beim Poller zu bleiben und die Taranaki nicht fix anzubinden. Auf dem Photo sehen wir sie noch halbwegs trocken, beim Ausfahren aus der Schleuse war sie mindestens unten völlig durchnässt. Dann kam auch sofort die Sonne wieder zurück.

Unterwegs bestaunten wir wiederum die Industrieanlagen, die aus vielen Förderbändern, Rohrleitungen, Silos usw. bestand. Solche Anlagen zu entwerfen und dann über Jahre am Laufen zu lassen, das ist schon tolle Ingenieurkunst.

Huy - Liège Huy - Liège

Auf dem zweiten Bild wird gerade ein Schuber entladen.

Schliesslich erreichten wir wiederum den Stadthafen von Liège. Es hatte noch genügend Anlegeplätze frei, die sich erst gegen Abend füllten.

Wir besuchten dann noch das Aquarium der Universität Liège, das tolle Tanks mit vielen exotischen Fischen zeigt. Im ersten Stock gibt es Sammlungen von Tierpräparaten zu sehen. Die in Alkohol eingelegten Tiere verbleichen und zeigen nicht mehr ihre natürliche Farbe. Bei den Weichtieren wie etwa Quallen ist Alkohol keine gute Methode, um Präparate zu erstellen. So wurde von der Universität Liège eine einzigartige Glassammlung solcher Tiere in Auftrag gegeben. Diese Exponate sind teilweise noch erhalten und sind in der Ausstellung der Universität zugänglich.

Huy - LiègeSchliesslich gingen wir noch auf den Montagne de Bueren, der durch eine Treppe erschlossen ist. Oben befinden Überreste einer Citadelle sowie ein Denkmal für die im ersten und zweiten Weltkrieg Gefallenen aus Liège.

Offenbar ist diese Treppe der ideale Trainingsort für viele Leute aus der Stadt. Eine Dame erzählte, sie habe die Treppe heute 9-mal gemacht und vermutlich ein Trainer einer Fussballmannschaft ermunterte seine zwei Schützlinge, diese Treppe noch mehr zu benutzen, um die Fitness zu steigern.

Huy - LiègeWir kamen dann doch auch ins Schnaufen. Von oben genossen wir einen herrlichen Überblick über die Stadt.

Huy - LiègeSchliesslich gelangten wir wieder zu Hafen zurück, wo wir uns über ein tolles Abendessen freuten.

Nach dem Essen kam ein Solothurner Ehepaar vorbei, welches mit ihrer Linssen ebenfalls im Hafen angelegt hatte. Wir hatten uns schon einmal getroffen, nämlich in der Schleuse Belfeld. Damals hatten sie mit Robert, der mit seiner Highlander direkt vor ihnen lag, während dem Schleusen einen Schwatz abgehalten. Wir lagen zu weit weg, aber heute klappte es mit uns. Sie werden nach Frankreich und Luxemburg weiterfahren und kamen von Maastricht. Wir werden gerade die andere Richtung einschlagen.

Namur – Huy

 

Heute sind wir um etwa 09:30 Uhr losgefahren. Wir erreichten die erste Schleuse Grands Malades und sahen von Ferne, dass sie bereits grün war, als bereit zum Einlaufen. Vor uns hatten bereits fünf Sportboote festgemacht und ich sah, dass im Unterwasser sich ein Cargo näherte. So erhöhte ich die Tourenzahl und durfte ebenfalls noch mit schleusen.

Ich war der einzige, der in der Schleuse den Motor ausmachte. Wir lagen Backbord und das Schiff Steuerbord war eine Qualmtüte sondergleichen. Als wir unten waren fuhr der gleich wie Feuerwehr los und stank fürchterlich. Ich überholte ihn bei günstiger Gelegenheit und fuhr ihm immer voraus. Auch in der nächsten Schleuse lag ich vor ihm, bis wir in den Royal Yacht Club de Huy-Statte einbogen. Da kam der Raucher von hinten angeschossen, schnitt mir den Weg ab und verweigerte mir mein Vortrittsrecht.

FrechdachsFrechdachse1 gibt es eben auch auf dem Wasser.

Wie auch immer: Wir sind nicht nachtragend, umso mehr es Anlegeplätze genug hatte.

Da auch diese Strecke schon mehrmals beschrieben wurde und abgesehen vom Frechdachs keine besonderen Vorkommnisse vermeldet werden können, denke ich, ein klein bischen Theorie könnte nicht schaden. Unser Freund, der Holländer, vermittelt in Videos anschaulich Know How rund um das Handling mit Sportbooten. Hier ein erstes Video, das insbesondere ins Repertoir von Fendermiezen gehört:

Quelle

Wer mehr vom Holländer erfahren möchte, dem sei sein Youtube-Kanal empfohlen.


1 Die ersten Frechdachse bemerkte ein imaginärer Gottlieb Wiegand im Jahre 1580. Zum damaligen Zeitpunkt war er als Welterkundler unterwegs. Er beschreibt den Frechdachs als mit grosser Klappe, ausgebildeten Lachmuskeln, null Ehrfurcht und schelmenhaftem Verhalten auftretend. Von morgens bis abends zogen Frechdachse durch das Land, um andere Menschen mit wilden Streichen und frechen Sprüchen zu ärgern. Schliesslich verbreitete sich der Frechdachs auf der ganzen Welt. Hier der Beweis dafür: Auf Spanisch heisst er mono fresco, in Schweden wird er als uppnosig apa bezeichnet und auf Französisch hat er den klangvollen Namen singe effronté.

Dinant – Namur

 

Um ca. 09:00 Uhr fuhren wir los. Über diesen Streckenabschnitt haben wir bereits auf der Hinfahrt ausführlich berichtet. So beschränken wir uns mit einem Film auf ein vollständiges Schleusenmanöver. Aufgenommen wurde es über unsere Mastkamera (bei abgelegtem Mast). Da die Durchfahrtshöhe 5.9 m auf dieser Strecke nicht zulässt, legen wir den Mast jeweils auf der ganzen Fahrt ab.

Namur – Dinant

 

Namur - DinantAm Vorabend haben in Namur im Restaurant der Capitainerie verschiedene Bands aufgespielt. Das Repertoir war ansprechend und weil wir doch etwa zweihundert Meter weg an der Kade lagen, stimmte auch die Lautstärke. An einem Donnerstag, das war schon etwas ungewöhnlich. Als es am Abend noch ein Feuerwerk gab, hätten wir aufmerksam werden müssen.

Am nächsten Morgen fuhren wir etwas später, als geplant, los Richtung Dinant. Bereits einige hundert Meter nach dem Start gab es die erste Schleuse. Wir bekamen Zuwachs durch ein Paar aus den Niederlanden, die mit uns alle sechs Schleusen bergwärts fuhren.

Die Schleusen ab Namur Richtung Dinant werden mehrheitlich durch Sportboote befahren. Es gibt zwar noch einige kleinere  Cargo-Schiffe, die hier durchfahren, aber nicht an einem 21. Juli in Belgien. Für die Taranaki resp. für Brigitte lagen die in die Mauer eingelassenen Querstäbe manchmal nicht sehr günstig. Das Tau muss teilweise durch das Wasser „ausgefädelt“ werden.

Namur - DinantUnterwegs gab es auch zwei Segelschulen, die ihrem Nachwuchs die Kunst des Segelns und insbesondere das richtige Setzen der Segel beibrachten.

Namur - DinantNach Namur  fuhren wir durch ein richtiges Villenviertel. Die Häuser und die dazugehörenden Gärten sind sehr gepflegt und werden wohl selten durch die Anwohner selber so in Form gebracht.

Namur - DinantVor zwei Jahren hatten wir dieses Schloss schon einmal gesehen. Alle Fensterläden waren damals geschlossen und unseres Erachtens stand es kurz vor dem Zerfall. Welch freudige Überraschung, es wurde wohl durch einen finanzkräftigen Prinzen oder Prinzessin wiederbelebt.

Namur - DinantSchon damals im 2021 staunten wir nicht schlecht, was sich Leute so in den Garten stellen. Wir wissen es nicht ganz sicher, aber vermuten, dass das Objekt ein Schwimmbad beherbergt.

In der Binnenschifffahrt gibt es Regeln, die ein sicheres Befahren der Gewässer sicherstellen und Kollisionen verhüten sollen. Dazu gehört auch die Infrastruktur, die es möglichst zu schützen gilt. Deshalb darf man in Schleusen erst einfahren, wenn das Signal auf Grün gewechselt hat. Auch beim Ausfahren aus belgischen Schleusen gilt: Freie Fahrt erst, wenn der Klingelton aufgehört hat oder wenn eine Barrierre oder eine Signal die Fahrt wieder freigibt.

Es gibt immer wieder Beispiele von Individuen, die sich um solche Regeln foutieren.

Namur - Dinant

Namur - Dinant

Namur - Dinant

Diese Weisswangengänse sind eingefahren, als die Tore noch gar nicht ganz geöffnet waren. Dann sind sie neben unserem Schiff nach hinten geschwommen, weil sie wussten: Vorne werden die einsprudelnden Wasser zu unerwünschten Strömungen bis Wildwasser führen. Als der Sturm vorüber war, mochten sie wiederum nicht warten, bis sich die Tore ganz geöffnet hatten.

Schleusen ist halt weniger anstrengend als fliegen oder laufen.

Namur - DinantDann in Dinant: Jubel, Trubel, Heiterkeit! Die Kaden an den sonst überfüllten Kaden mit Zetteln versehen, dass man nicht anlegen konnte. Es gab eine Menge Volk. Dazu Paraden der Belgischen Luftwaffe und endlich dämmerte es uns: Belgien feiert heute am 21. Juli seinen Nationalfeiertag. Die reservierten Kaden sind wegen dem geplanten Feuerwerk, damit keine Schiffe zu Schaden kommen. Das Feuerwerk wird auf der Brücke rechts abgefeuert und kann dann in der ganzen Stadt eingesehen werden.

Wir haben deshalb ausserhalb an der Mauer angelegt und werden heute den Generator in Betrieb nehmen. Morgen früh, so versicherte uns der Hafenmeister, können wir die heute gesperrten Anlegestellen benutzen. Wir werden uns das morgen früh zu Nutze machen.

Huy – Namur

 

Huy - NamurHeute morgen verliessen wir den schmucken Hafen in Huy um ca. 9:00 Uhr und wandten uns bergwärts. Und es gibt sie wirklich in den Ardennen: Berge mit schönen Wäldern und tollen Felsen.

Es war wenig Verkehr unterwegs und so dachten wir, dass wir vor den Schleusen doch ziemlich warten müssten. Dem war dann aber nicht so.

Dank dem Kartenplotter konnte ich vor der Ecluse d`Andenne Seilles prüfen, ob ein Cargo ebenfalls bergwärts zieht. Und siehe da, es gab einen, die immer näher kam. Ich erhöhte ein wenig die Geschwindigkeit, so dass wir sicher mit dem Cargo zusammen schleusen könnten. Die Rechnung ging auf, der Cargo fuhr ein und ich folgte ihm, wie mit dem Schleusenwärter vereinbart. Zwar war noch ein weiterer Cargo unterwegs, dem beschied der Schleusenwärter über Funk, dass er noch zu weit weg sei.

Wir legten in der Schleuse an. Plötzlich pfiff der Schleusenwärter und verlangte, dass wir weiter nach vorne fahren. Tatsächlich kam der zweite leere Cargo angebraust und machte hinter uns fest. Ein Freizeitboot schaffte es ebenfalls noch rechtzeitig in die Schleuse, so dass sich das bergwärts Schleusen lohnte.

Die Schleusenkammer war folgendermassen belegt: Vorne backbord lagen wir, steuerbord der erste Cargo in der zweiten Reihe lag backbord der zweite Cargo und steuerbord das Freizeitschiff.

Bei der Ausfahrt fuhr der erste Cargo los und der zweite überholte uns in der Schleuse. Du kannst dir denken, was da punkto Strömungen in der Schleuse los war. Wir hatten unsere Taranaki aber jederzeit unter Kontrolle, obschon wir jeweils nur an einem Poller festmachen können. Sicherheitshalber liess ich den Motor laufen, damit ich den Schleusenvorgang nötigenfalls unterstützen konnte.

Huy - NamurWir fuhren weiter die Maas hoch und kamen an verschiedenen Abbaugebieten vorbei. Die Ardennen liefern Sand, Kalk und Schottersteine, die auf Cargos verladen werden. Ein Teil der Transporte geht flussabwärts, der andere flussaufwärts bis Namur, wo die Sombre abzweigt. Diese Abzweigung führt nach Antwerpen.

Huy - NamurDie Gegend ist auch bekannt für Wanderungen und Klettereien. Wir konnten unterwegs eine Seilschaft dabei beobachten. In der Bildmitte am unteren Bildrand ist ein Kletterer zu sehen, der oben vom Seilersten gesichert wird.

Huy - NamurWenn eine ganze Reihe von Sportbooten hintereinander fährt, ist die nächste Schleuse nicht mehr weit.

Richtig, wir nähern uns der Écluse des Grands Malades.

Huy - NamurDoch bevor es soweit war, fuhren wir noch an einem Schrottplatz vorbeit und sahen ein Schiff, das offenbar mit einem  Hebekran abgesetzt worden war. Na ja, für Schrott hielten wir das Schiff nicht, es machte uns einen guten Eindruck. Bei näherem Beschauen sahen wir, dass das Schiff grundiert worden war und wohl auf weitere Anstriche wartete.

Wir funkten dem Schleusenwärter und der gab an, dass er demnächst schleusen werde. Auch hier kam uns ein Cargo, die unter belgischer Flagge fahrende Henosa zu Hilfe. Wir warteten deren Einfahrt in die Schleuse ab und bemerten ein Wohnschiff, das noch während der Fahrt am Cargo festmachte.

Huy - NamurZu zweit fuhren sie in die Schleuse und wir hinterher.

Auch hier kam noch ein zum Freizeitschiff umgebautes Frachtschiff hinterher und machte nach uns fest.

Der Fahrer des Hausbootes erzählte, er werde direkt weiterfahren und wünschte uns noch schöne Ferien.

Huy - NamurNun erreichten wir Namur, wo die Maas mit einem Nebenarm Richtung Antwerpen verzweigt. Die oben erwähnten bergwärts fahrenden Cargos nehmen dann oft diese Verzweigung, die sogenannte La Sambre.

Sie ist ziemlich eng und der Frachtbetrieb doch noch erheblich, was sich an den kreuzenden Frachtern zeigt. Wir fuhren durch die im Hintergrund ersichtliche Bogenbrücke, die uns zwang, den Masten abzulegen, wollten wir ihn und die Taranaki unbeschadet zum Hafen bringen.

Huy - NamurAn der Quaimauer trafen wir eine alte Bekannte: Beim letzten Besuch haben wir flussabwärts ein Schiff gesehen, das mit Pinkfarben bemalt wurde. Diese Lady trafen wir heute wieder.

Huy - NamurNamur hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. So wurde eine grosszügige Passerelle über die Maas gebaut und ein neuer Stadtplatz errichtet, in dessen Untergrund ein Parkhaus eingebaut wurde.

Huy - NamurWie eng die Fahrt durch Namur auf der Sombre ist, lässt sich am Bild erahnen. Die Fahrt erfordert jedenfalls volle Konzentration und fahrerisches Geschick der jeweiligen Kapitäne.

Wir machten an der Kade gegenüber dem eigentlichen Hafen fest. Damit der links der Taranki liegende zum Freizeitschiff umgebaute Frachter Platz fand, setzte ich mit der Taranaki so weit zurück, damit das möglich wurde. Trotzdem musste ich an mindestens zwei Pollern festmachen können, was schliesslich auch gelang.

Huy - NamurWir kamen mit dem Belgier ins Gespräch. Er war früher Cargo-Schiffsführer gewesen und hat sich auf die alten Tage den Frachter angeschafft und umgebaut. Der Frachter wurde 1878 gebaut und ist immer noch fahrtüchtig. Die Schiffswände sind genietet, wie das nurmehr bei ganz alten Schiffen zu sehen ist. Das Schiff macht immer noch einen sehr guten Eindruck und wird von ihm und seiner Frau gefahren. Die schönen Blumenarrangements auf dem Schiff seien aber eindeutig im Zuständigkeitsbereich seiner Frau.

Liège – Huy

 

Wir fuhren heute zeitig los, weil wir nicht wussten, wie lange wir vor den Schleusen warten müssen und weil wir vermuteten, dass der Zielhafen in Huy gut besetzt sein dürfte. Aber alles der Reihe nach.

Liège - HuyWenn wir durch Liège hindurch fahren, entdecken wir immer wieder Erstaunliches. Brigitte fand dieses eingezwängte Haus, welches wohl kaum über Betten im King-Size-Format verfügen dürfte. Die Blocks erdrücken das erstaunlich schmale Haus beinahe.

Liège - HuyDann gibt es moderne Bauten, die an riesige Schiffe erinnern und sich stark von der Umgebung abheben.

Als Skipper konzentriert man sich auf andere Dinge und kann dann erst bei der Durchsicht der Fotos staunen, welche Vielfalt an historischen Elementen wir begegnen. Kurz nach dem Stadthafen von Liège passieren wir den Pont de Fragnée (Engelsbrücke), der von sehr guten Zeiten der Statt Zeugnis abliefert. Hier ein paar Eindrücke dieser wirklich einzigartigen Brücke, die Brigitte festgehalten hat.

Liège - Huy Liège - Huy Liège - Huy Liège - Huy Liège - Huy Liège - Huy

Liège - HuyKurze Zeit später sehen wir aber auch verlassene Industrieanlagen, bei denen sich ein Abbruch offenbar nicht lohnte. Hier wachsen Bäume aus den früheren Laufbändern hervor.

Vor der Ivoz-Ramet-Schleuse funkte ich die Schleusenwärter an, ob wir auf den sich nähernden Cargo warten sollten oder sofort einfahren dürfen. Wir könnten einfahren, es habe Platz genug. In der Schleuse wartete bereits ein Sportboot, relativ weit hinten in der Schleuse und ich beschloss, die Taranaki direkt davor zu setzen. Der Cargo Harja fuhr ein und wir konnten bergwärts schleusen. Die breite Kammer mit den Schwimmpollern machte das Schleusen zu einer einfachen Sache.

Wir fuhren aus und der Cargo war wegen der höheren Geschwindigkeit bald nicht mehr zu sehen.

Liège - HuyUnterwegs gab es wieder ein wunderschönes Freizeitschiff zu bestaunen, die Camarque.

Im Unterwasser der Écluse d’Ampsin-Neuville konnten wir die fertig gebauten Anlegestellen und die neu verbauten Ufer bestaunen. Das frühere Ufer war durch das Hochwasser im Juli 2021 stark beschädigt worden.

Es gibt nun genügend Anlegestellen und insbesondere in der Ufermauer neu eingelassene Poller für Sportboote. Dort trafen wir einen Bekannten, die Harja, mit dem wir bereits die frühere Schleuse bergwärts schleusten.

Wir mussten noch warten auf zwei Sportboote, die talwärts schleusten und konnten dann einfahren. Die Schleusenanlage hat zwei Schleusenkammern, wovon zurzeit nur die kleinere in Betrieb ist. Die andere wurde abgerissen und wird gegenwärtig durch eine neue Schleuse ersetzt.

Die heute benutzte Schleuse ist eng, so dass neben dem Cargo kein Sportboot Platz findet. Wir konnten aber hinder dem Cargo problemlos einen Platz aussuchen. Ich fuhr Steuerbord an eine Stelle mit Umlegepollern.

Liège - HuyBrigitte hätte die Schwimmpoller vorgezogen, die vereinzelt auch in der Schleuse benutzt werden können. Sie hat aber ihre gute Laune dadurch nicht verloren.

Schliesslich näherten wir uns der Stadt Huy. Liège - HuyDie Maas wird auch hier von einigen Brücken überquert und wir taten wiederum gut daran, den Kartenplotter auf entgegenkommende oder schneller hinerher fahrende Cargos zu prüfen. Wir wollten ja für die Berufsschiffer kein Hinderniss sein.

Vor einigen Jahren hat ein Helikopter die Luftseilbahn über das Fort buchstäblich vom Himmel geholt. Beim letzten Besuch hinterliess der Wiederaufbau einen traurigen Eindruck. Nicht so bei unserem heutigen Besuch. Sowohl die Talstation, als auch über dem Fort sind deutliche Fortschritte resp. Arbeiten im Gang und sichtbar.

Liège - Huy Liège - Huy

Schliesslich steuerten wir den kleinen, aber feinen Stadthafen an, den Port des Statte, der dem Royal Yacht Club de Huy gehört. Er ist gut ausgestattet mit Toiletten, Duschen und Waschmaschine und Tumbler. Die Capitainerie ist bedient von 17:00 – 19:00 Uhr. Dort gibt es auch die nurmehr selten erhältlichen Gesamtübersichtskarten für Binnenschiffer von ganz Belgien zu kaufen.

Der Club hat freiwillige Helfer und unsere Hafenmeisterin, die auch Brigitte hiess, war sehr freundlich und hilfsbereit. Sie erzählte uns am Abend auch vom Hochwasser im Juli 2021, wo das Wasser einen bis dahin nicht gekannten Höchstand erreichte. Wie das aussah, zeigten die Bilder in einem Ordner in der Capitainerie.

Wir waren schon zeitig angekommen. So machten Brigitte und ich uns mit den Fahrrädern auf Richtung der Mur von Huy. Dieser steile Anstieg mit einer Spitzensteigung von 19 % ist jeweils Schlussanstieg der Flèche Wallone. Wir wussten dank Google, wo diese ungefähr lag, konnten dann aber einer dänischen Velogruppe folgen, die das gleiche Ziel im Sinne hatten. Die gut rund 100 Fahrerinnen und Fahrer machten vor dem Aufstieg eine Verpflegungspause und so konnten Brigitte und ich vor dem Feld mit unseren Klappfahrrädern den Hügel hochklettern. Zwar wurden wir von den Verfolgern eingeholt, kamen aber immer noch deutlich vor dem Gruppetto ins Ziel.

Liège - HuyEine Dänin aus dem Begleittross war dann so freundlich, unseren hart erkämpften Erfolg digital festzuhalten.

Am Abend genossen wir im Restaurant Pampa ein herrliches Abendessen mit einer schönen Flasche Rosé. Es ist ein richtig tolles Restaurant, das bereits um 14:00 Uhr pumpenvoll war. Dort muss man unbedingt frühzeitig reservieren, sonst kriegt man keinen Platz. Sehr empfehlenswert!

Maastricht – Liège (Lüttich)

 

Heute morgen hiess es um ungefährt neun Uhr „Leinen los“ und wir fuhren gegen Belgien zu. Nach einer relativ kurzen Strecke nach dem Hafen erreichten wir die Schleusen Lanaye. Es gibt noch Schleusen mit höherem Hub in Belgien, doch ist Lanaye schon eine beachtliche.

Maastricht - Liège (Lüttich)Wie auf dem dem Luftbild1 nachvollziehbar gibt es vier Schleusenkammern. Die zwei ganz links sind seit Jahren ausser Betrieb und werden wohl nie mehr in Betrieb gehen. Sie waren für Sportboote gedacht, aber heute schleusen Sportboote mit den Cargos.

Die Schleuse 3 ist eine kürzere, in der Cargos und Sportboote gut Platz finden. Ganz rechts ist die grosse Schleuse, die dann mehrere grosse Cargos aufnehmen kann. Um Wasser und Energie zu sparen wird mit der kleinst möglichen Schleuse gearbeitet, was von Fall zu Fall entschieden wird.

Als wir die Schleuse erreichten, wäre die Einfahrt noch möglich gewesen, wir aber zu weit weg. So warteten wir, bis sich eine Gelegenheit zum Schleusen bieten würde. Brigitte wies mich darauf hin, dass wir jetzt Zeit hätten, auf der Steuerbordseite die Belgienflagge zu setzen.

Dann erschien auf dem Kartenplotter ein Passagierschiff, das regelmässig von Maastricht nach Liège fährt und am Abend die Gäste wieder zurück bringt. Nach der Einfahrt schlängelten wir uns am Passagierschiff vorbei in die Schleuse. Sie ist mit Schwimmpollern versehen, was das Schleusen sehr bequem gestaltet.

Maastricht - Liège (Lüttich)Unterwegs nach Liège gibt es zwei Abzweiger: Eine ist der Kanaal van Haccout naar Wezet, der in die Maas mündet und bergwärts befahren werden kann. Zu Beginn des Kanaals gibt es eine Schleuse und am Ende ebenfalls, wo die Maas wieder verlassen wird. Einmal talwärts und einmal bergwärts schleusen, der Umweg lohnt sich schlecht, umso mehr bei der Schleuse Monsin Schiffe kleiner 3.65 Breite nur mit Cargos geschleust werden. Deshalb fahren wir lieber im Albert-Kanaal.

Unterwegs treffen wir auf Industrieruinen, wie sie in Belgien mehrfach anzutreffen sind. Es sind Orte, wo der Schlüssel gedreht und alles liegen gelassen wurde. Die Natur holt sich das Gelände nach und nach zurück, wie die Bilder zeigen.

Maastricht - Liège (Lüttich) Maastricht - Liège (Lüttich)

Maastricht - Liège (Lüttich) Maastricht - Liège (Lüttich)

Beim letzten Bild meinen wir, der Mystery Park in Interlaken habe sich einer Vorlage in Belgien bedient.

Maastricht - Liège (Lüttich)Hier noch ein Vergleichsbild, das unsere These untermauern könnte. Was oder wer wohl in der grünen Kuppel sass, als die Anlagen noch in Betrieb waren?

Maastricht - Liège (Lüttich)Beim letzten Besuch fuhren wir vor Lüttich an einer stinkenden Anlage vorbei, die Abfall aufbereitete. Heute sehen die Anlagen modern und aufgeräumt aus und produzieren Biogase. Die Geruchsnerven strapazierenden Immissionen wurden auf ein Minimum beschränkt.

Maastricht - Liège (Lüttich)Nach dem Zafaraia von Liège fuhren wir an einem grossen Holzlager vorbei.

Maastricht - Liège (Lüttich)Holzexporte sind wieder lukrativ geworden.

Maastricht - Liège (Lüttich)Schliesslich erreichten wir ein Wahrzeichen von Liège, das allen Skippern bekannt ist: Das Mémorial Albert 1er. Der funktionierende Leuchtturm macht für die Schiffahrt wenig Sinn. Trotzdem wurde er vor einigen Jahren renoviert und kündet die Stadt Liège an oder grüsst zum Abschied.

Maastricht - Liège (Lüttich)Die Maas wird in Liège von zahlreichen Rundbogenbrücken überspannt. Mit unserem Mast sind wir gut beraten, unter der Brücke die höchste Durchfahrt zu suchen. Dabei ist vor- und nachher auf Cargos Acht zu geben, die immer Vortritt haben und auch diese Mitte suchen.

Kurz nach dieser Brücke liegt der Stadthafen. Er war früher etwas in Verruf geraten. Wir können aber nur rühmen. Zwischen 15:00 und 18:00 Uhr ist La Capitainerie besetzt. Die angegebene Telefonnummer führt zu einem Anrufbeantworter, der den Austrittscode bekannt gibt. Die sanitarischen Anlagen sind sauber und in gutem Zustand. Die elektrischen Anlagen sind neu erstellt und Wasser kann ebenfalls bezogen werden.

Maastricht - Liège (Lüttich)Entsprechend zufrieden ist der Skipper wie auch Brigitte mit dem kleinen aber feinen Hafen.

Maastricht - Liège (Lüttich)Beim Hafeneingang turnt ein Turmspringer über die Maas, bereit, jederzeit in die Tiefe zu springen. Den habe ich heute zum ersten Mal gesehen.

Auf den ersten Blick ist die Stadt modern und geniesst viel Charme. In einem Restaurant kamen wir mit einer ortsansässigen Frau ins Gespräch. Sie sagte, insgesamt habe die Stadt eine bedenkliche Entwicklung durchgemacht. Oft werde viel Geld für unnütze Dinge ausgegeben. Statt zu arbeiten gebe es viele bettelnde Menschen, weil damit ein Überleben ohne grosse Mühe möglich sei. Es gebe auch Lichtblicke: In einem Quartier hätten junge Künstler begonnen, kleine Läden neu zu beleben und das Quartier habe viel Lebensqualität dazugewonnen.

Am schlimmsten sei jedoch die Korruption: Es kämen immer wieder Fälle ans Licht, aber keiner der Verurteilten habe bisher etwas vom unrechtsmässig erworbenen Reichtum zurückgegeben.

Nach dem interessanten Einblick in die belgische Gefühlswelt gingen wir noch einkaufen. In einer Bäckerei, es ging schon gegen 17:00 Uhr, erhielten wir gleich zwei Bagettes zum Preis von einem.

Maastricht - Liège (Lüttich)Dabei besuchten wir noch kurz die Kathedrale, die sehr schöne Kirchenfenster beherbergt. Trotz der Pracht, die aus vergangenen Zeiten stammt, hat die Kirche wohl zu wenig Geld, ihre Schätze vor dem Verfall zu bewahren. Insbesondere die Fresken hätten etwas nötig.

Maastricht - Liège (Lüttich)Schliesslich kehrten wir zum Schiff zurück, das bereit zur Abfahrt vor dem Anlegen noch gewendet wurde.


1 Quelle: https://www.paysdeherve.be/de/details/ALD-0E-01WX-0001&type=11