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Reisen mit der TARANAKI

Péronne – Aubencheul au Bac

Péronne - Aubencheul au Bac

 

Wiederum ging es früh los (Abfahrt um 7:00 Uhr), es sollte ja wieder heiss werden. Unser Ziel war Arleux, wo es Anleger für Sportboote haben soll.

Péronne - Aubencheul au BacBeim Wegfahren in Péronne sahen wir noch die Zufahrt zum Hafen. Auf der rechten Seite viel Gras und links ein schmales Fahrwasser, dessen Wassertiefe uns nicht geheuerlich erschien.

Unterwegs immer wieder das gleiche Spiel: Vor der Schleuse ein normaler Seewasserfilter, nach der Schleuse einer, der zum Putzen anregen muss.

Schliesslich erreichten wir den Tunnel de Ruyaulcourt. Der Canal du Nord verbindet die Täler der Sensée und der Oise. Der Canal du Nord ist Teil eines überregionalen Binnenwasserweges, der Belgien und den Ärmelkanal mit Nordwestfrankreich und dem Grossraum Paris verbindet.

Er ist 76 Kilometer lang und hat 17 Schleusen, deren Dimensionen betragen 92 m × 6.1 m – Tiefgang 2.80 m – Höhenbegrenzung 3.70 m. Seine Streckenführung überwindet 2 Höhenzüge.

Péronne - Aubencheul au BacDer Tunnel bei Ruyaulcourt ist 4’350 Meter lang. Wir durchfuhren ihn von Süden nach Norden. An seinem Nordportal befindet sich ein Turm, von dem aus die Schifffahrt durch den Tunnel geregelt wird. Im Tunnel befinden sich Dekametertafeln, deren Nullpunkt am Nordportal liegt. Als Besonderheit befindet sich im Tunnel eine Begegnungsmöglichkeit für Schiffe zwischen 1’660 und 2’690 (Meter vom Nordportal aus). Für diesen Abschnitt gilt ein Überholverbot, das durch beleuchtete Tafelzeichen angezeigt wird. Die Überwachung erfolgt mit Lichtschranken und an der Tunneldecke montierten Kameras. Beidseitig befindet sich ein Randweg, welcher seit Anfang 2009 an den Portalen mit Türen versehen ist und dadurch unerlaubtes Betreten verhindert. 2190 Meter vom Nordportal entfernt befindet sich ein Schacht zur Oberfläche, wo sich eine Ventilatoranlage befindet. Bei 2’765 Meter gibt es einen Rettungsschacht, von dem man aus durch ein Treppenhaus auf beide Randwege gelangen kann.

Vor dem Tunnel putzte ich nochmals sorgfältig den Filter. Das Gras hatte etwas abgenommen und so fuhren wir zuversichtlich durch den Tunnel. Wir erhielten vom Sachbearbeiter der Überwachung die Anweisung, in der Ausweichstelle zu warten, da uns ein Frachter entgegenkomme.

Wir hatten die Positionslichter und den Scheinwerfer eingeschaltet. Der Tunnel ist auch gut ausgeleuchtet. Plötzlich entdeckte ich einen Brei von Gras voraus und mir ahnte Böses. Richtig: Das Seewasserrohr und der Filter waren beide verstopft. Ich funkte, dass wir mit dem Filter ein Problem hätten. Der Sachbearbeiter meinte, ich solle zur Ausweichstelle fahren. Das war unmöglich und ich war bereits unten am Putzen. Brigitte wies das Ansinnen zurück, uns jemanden zu schicken. Nach kurzer Zeit hatte ich das Problem notdürftig behoben. Ich fuhr weiter und konnte den Frachter in der Ausweichstelle passieren lassen. Der Ausgang war dann nicht mehr weit. Ich fuhr langsam weiter und bemerkte, dass der Auspuff ziemlich rauchte.

Péronne - Aubencheul au BacNach dem Ausgang putzte ich erneut, füllte das Rohr mit Wasser und startete den Motor. Der Impeller versorge das Kühlsystem mit nur wenig Wasser. Ich glaubte schon, der Impeller sei hinüber. André half mir, das zu prüfen, der war aber intakt. Dann erinnerte ich mich an ein Ereignis dieses Törns: Vermutlich hatte das Kühlsystem zuviel Wasser verloren und nurmehr Luft im System. So füllte ich das System bei laufendem Motor und geschlossenem Seewasserrohr zweimal mit einem Kessel Wasser. Und siehe da: Das Kühlsystem funktionierte wieder einwandfrei.

Der Sachbearbeiter vom Turm organisierte uns noch zwei Telefonnummern von Mechanikern, die uns notfall weiter helfen könnte. Sie sind sehr hilfsbereit und ich weiss dies Hilfsbereitschaft sehr zu schätzen.

Vor einer Schleuse mussten wir wieder einmal einen Frachter passieren lassen. Ich habe dafür volles Verständnis, den im Gegensatz zu den Frachtführern haben wir Zeit im Überfluss.

Péronne - Aubencheul au BacDabei beobachtet ich einen Niederländer, der sein Auto sehr „spitz gerichtet“ aufgeladen hat. Oder was mein ihr, in Anbetracht des linken Hinterrades?

In Arleux hatte es keine freien Anleger mehr. Deshalb verliessen wir den Canal du Nord und befuhren den Canal de la Sensée. Auf der Höhe von Aubencheul au Bac fanden wir einen Anleger, an dem wir gut festmachen konnten.

Wir hofften im nahe gelegenen Dorf eine Einkehrmöglichkeit zu finden. Trotz Google-Unterstützung und -Versprechen fanden wir nichts. Aber auf dem Schiff konnten wir gut selber was essen und trinken. Der Abend zeigte sich immer noch sehr warm, aber in schönstem Licht.

Pont l’Evêque – Péronne

Pont l'Evêque - Péronne

 

Heute starteten wir wieder früh, um die Morgenfrische (oder mindestens das, was man im Tagesvergleich so benennen könnte) auszunutzen.

Auch die Hausboot-Eigner wissen, wo sie die Schiffe platzieren müssen, um möglichst lange von kühlen Temparaturen profitieren zu können.

Bald kamen wir zur ersten Schleuse, die von nun an mit Senktoren ausgerüstet sind. Es geht wieder zu Berg, und das nicht zu knapp. Die Fallhöhen betragen bei

  • Ecluse No. 19 de Pont l’Evêque: 5.70 m
  • Ecluse No. 18 de Noyon: 5.75 m
  • Ecluse No. 17 de Sermaize Haudival: 5.80 m
  • Ecluse No. 16 de Campagne: 5.75 m
  • Ecluse No. 15 de Languevoisin: 6.10 m
  • Ecluse No. 14 de Epenancourt: 3.90 m
  • Ecluse No. 13 de Péronne: 3.90

Das macht eine Höhendifferenz von total 36.90 Meter an einem Tag.

Pont l'Evêque - PéronneUnterwegs gab es einen ersten Tunnel: Tunnel de Libermont. Er war nicht sehr lang und wir konnten nur kurz die kühle Luft geniessen.

Pont l'Evêque - PéronneUnterwegs sahen wir, was der gestrige Gewittersturm angerichtet hatte. Auf mehreren Kilometern waren Bäume umgefallen, Äste abgerissen. Viel davon schwamm im Kanal, weshalb wir aufpassten, dass diese Überbleibsel nicht im Filter landeten.

Vor einer Schleuse mussten wir vier Frachter passieren lassen (zwei nach unten und zwei nach oben). Da diese nicht unmittelbar vor den Schleusentoren warteten, mussten wir uns an dafür an ihrer Stelle gedulden.

Dem Treidelweg entlang hatten Arbeiter das Gras gemäht, welches zum grossen Teil im Wasser landete. Im Wasser selber gab es keine Unterwasserpflanzen, die uns behinderten, aber dieses Gras landete im Seewasserrohr und verstopfte es periodisch. Ich musste etwa vier mal den Filter putzen und zweimal das Seewasserrohr von Propfen befreien.

Pont l'Evêque - PéronneSchliesslich landeten wir in Péronne und machten an der Kade fest. Den mächtigen Poller ergänzten wir mit drei Nägeln. Die Frachter nahmen aber toll Rücksicht und reduzierten beim Vorbeifahren ihre Fahrtgeschwindigkeit.

In den Hafen wagten wir uns nicht, weil der gemäss Bewertungen kaum zugänglich sei und einem Schiff mit Tiefgang von einem Meter zum Verhängnis wurde. Es steckte im Schlamm fest und konnte sich selber nicht mehr befreien.

Compiègne – Pont l’Evêque

Compiègne - Pont l'Evêque

 

Kurz nach der Abfahrt von der Kade in Compiègne erreichten wir die Verzweigung l’Oise und l’Aisne und nahmen den Flusslauf zur Linken. Der wurde wieder ziemlich schmal und bei entgegenkommenden Frachtern verlangsamten wir vor Kurven, damit sie genügend Platz zum Ausholen haben.

Compiègne - Pont l'EvêqueBald erreichten wir die ersten beiden Schleusen. Es gab eine grössere für die Frachter und eine kleine für Sportboote, die eigentlich ausser Betrieb sei, aber wir könnten diese benutzen. Sie verfügte sogar über eine Stange, an der die Taranaki und die Linna bergwärts geschleust werden konnten.

Compiègne - Pont l'EvêqueOben kam uns ein Frachter entgegen, der die grössere Schleuse benutzte. Die Sportbootschleuse wäre für ihn viel zu klein gewesen. Unsere beiden Schiffe passten gerade so rein.

Compiègne - Pont l'EvêqueDer Kanal war gut ausgebaut und bald erreichten wir Pont de l’Evéque. Die Anlegestelle dort ist spärlich mit Pollern ausgestattet. Es gelang uns aber schliesslich doch, unsere Schiffe gut zu vertäuen.

Pont de l’Evéque bietet eine Verzweigung: Auf Steuerbord führt der Canal Latéral à l’Oise weiter und auf Backbord beginnt der Canal du Nord. Er würde uns noch einige Überraschungen bereiten.

Compiègne - Pont l'EvêqueIn der Nähe liegt Noyon, wo wir die Kathedrale Notre-Dame besichtigten. Noyon liegt im nordfranzösischen Departement Oise und ist der Jungfrau Maria geweiht. Sie wurde zwischen 1157 und 1221 auf Initiative von Balduin II, Bischof von Noyon, errichtet.

Compiègne - Pont l'EvêqueSie gehört zu den ersten gotischen Sakralbauten und steht auf der Liste der „Monuments historiques“. 

Im Kirchenschiff gibt es in den Seiten verschiedene Kapellen, die unterschiedlichen Heiligen oder verdienten Christen gewidmet sind. Eine der Kapellen ist Soldaten gewidmet, die in Kriegen ihr Leben verloren haben.

Eindrücklich auf den Punkt bringt es diese englische Tafel:

Compiègne - Pont l'Evêque

Zurück auf dem Schiff kündigten schwere schwarze Wolken Gewitter an. Tatsächlich gab es ein Gewitter mit sehr starken Windböen. Das Erfreuliche: Die Gewitter brachten eine willkommene Abkühlung und der Natur nach langer Trockenheit wenigstens etwas Regen.

Creil – Compiègne

Creil - Compiègne

 

Creil war ein Halt, den wir usprünglich gar nicht eingeplant hatten. Wegen der Hitze und in Anbetracht, dass geplante Anleger teilweise in schlechtem Zustand waren, haben wir unsere Törnabschnitte jeweils flexibel angepasst.

Von Creil aus fuhren wir am Morgen los Richtung Compiègne. Unterwegs kamen uns wieder Sportboote entgegen. Aber nicht nur: Unterwegs wartete ein Katamaran und schloss sich unserer Reise an. Wir fuhren schneller und erreichten die Schleuse, deren Ampeln grün freie Einfahrt markierten. Ich sah, dass in absehbarer Distanz ein Frachter folgen würde. Meine Rückfrage bei der Schleusenwärterin bestätigte, dass wir ganz vorne festmachen sollten. Das machten wir.

Creil - CompiègneInzwischen war der Katamaran auch eingetroffen, der aber ungeachtet des sich nähernden Frachters viel zu weit hinten in der Schleuse fierte. Die Schleusenwärterin versuchte erfolglos, den Katamaran zu erreichen und ihn nach vorne zu bewegen. Schliesslich nützte der Pfiff von André und die Winkzeichen, dass der Frachter doch noch genügend Platz vorfand.

Nach der Schleuse machten André und ich im Oberwasser Platz, so dass der Frachter seine Fahrt ungestört fortsetzen konnte. Nicht so der Katamaran: Er zwängte sich zwischen der Linna und der Taranaki durch, obschon dazu eigentlich zu  wenig Platz war. Ich wich aus, sonst hätte es einen Zusammenstoss gegeben. Weiter vorne bei der Brücke schnitt er André den Weg ab, obschon genügend Platz für beide Schiffe vorhanden gewesen wäre.

Rüppel gibt’s eben auch auf dem Wasser.

Creil - CompiègneIn Compiègne machten wir wiederum an der Kade fest. André hatte vorher noch Diesel gebunkert, den Shop erkundet und für gut befunden.

Creil - CompiègneWir machten einen kleinen Spaziergang und erstanden uns eine neue Teppichmatte für den Eingang unserer Taranaki.

Wir gingen ins Restaurant „Bistrot du Terroir“, das von vielen Einheimischen besucht wird. Wir sind früh essen gegangen, weshalb wir noch ohne Reservation Platz fanden. Es war sehr gut und wir können das Restaurant bestens empfehlen. Zudem ist das Restaurant klimatisiert, was wir wegen der Hitze sehr zu schätzen wussten.

Das Personal ist teilweise beeinträchtigt, weshalb die Gäste Nachsicht walten lassen sollten.

Isle d’Adam – Creil

Isle d'Adam - Creil

 

Wir verlassen den Hafen und fahren Richtung Creil, unserem nächsten Zwischenstopp. Bei der letzten Durchfahrt hatte es massiv geregnet, heute war es schwül heiss.

Heute begegneten uns doch einige Sportboote.

Isle d'Adam - Creil

Isle d'Adam - Creil

Isle d'Adam - Creil

Creil ist eine grosse Stadt, die zweitgrösste des Departements. Es gibt Anleger, die unseren Bedürfnissen nicht so recht entsprachen, weil die Mauern unten sehr tief lagen. Teilweise ragten noch Gerippe von versunkenen Sportbooten aus dem Wasser. Sie wurden herrenlos zurückgelassen, bis sie versanken.

Schliesslich fanden wir eine geeignete Stelle, die jedoch von einem langen und dicken Wasserschlaug blockiert war. Ich fuhr vorsichtig heran und Brigitte konnte ihn aus dem Wasser heben und mit Hilfe eine freundlichen Französin an Land schaffen. Dann war das ein ganz guter Platz, wo wir auch unseren Generator ungestört laufen lassen konnten.

Vorher haben wir noch in einem nahe gelegenen Laden einkaufen können.

Es kamen einige Frachter und schöne Péniches vorbei.

Isle d'Adam - Creil

Isle d'Adam - Creil

Cergy – Isle d’Adam

Cergy - Isle d'Adam

 

Nachdem Brigitte wieder an Bord gekommen ist, fuhren wir am Nachmittag los. Es war ein kurzer Schlag bis zum Hafen von Isle d’Adam.

Es war ziemlich heiß und wir waren froh, dass der Fahrtwind etwas Linderung brachte.

Cergy - Isle d'AdamBald erreichten wir die Schleuse von Pontoise, wo wir das Museum von Camille Pissarro besucht hatten.

Cergy - Isle d'AdamEin Bild von ihm zeigt die Strasse zur Schleuse mit einer Häuserzeile, die der heutigen ziemlich ähnelt, ausser den heute parkierten Autos.

Der Hafen macht einen guten Eindruck: Es sind zwar keine Sportboote festgemacht, die Stege verfügen aber alle über Strom- und Wasseranschlüsse. Die Saison hat aber doch begonnen, treffen wir unterwegs doch vermehrt Sportboote an.

Bald treffen wir bei der zweitletzten Schleuse ein, diejenige von Isle d’Adam, bevor wir uns im Hafen anmelden und auch noch diese Schleuse bergwärts in den Hafen fahren. Der Hafenmeister bestätigt uns, dass die Saison erfreulich angezogen habe und nun doch mehr Schiffe in den Hafen kämen.

Wir beenden den Tag in einer Brasserie gleich am Hafen, wo wir uns eine Pizza zu Gemüte führen.

Es wird für einige Tage das letzte Mal sein, dass wir in einem Hafen festmachen konnten.

Ilon – Cergy

 

Ilon - Cergy

 

Ilon - CergyManchmal wird man auch positiv überrascht. In Ilon gibt es eine Tankstelle und da in Frankreich grundsätzlich gilt, wenn du eine Tankstelle findest, dann tanke auch, bunkerte ich Diesel. Auf dem Zähler stand pro Liter ein Preis von € 2.30. Beim Bezahlen galt ein Preis von € 2.22. Erstaunt ob der Preisentwicklung sagte der Mitarbeiter, es habe gestern eine Lieferung gegeben und der neue Preis sei zwar im Computer gültig, auf dem Display der Zapfsäule noch nicht implementiert. Seit Beginn der Reise im 2026 haben wir damit 144 Motorstunden auf dem Zähler.

Wir  blieben ja zwei Nächte in Ilon. Am Nachmittag besuchten wir die Stiftskirche Notre Dame oder französisch Collégiale Notre-Dame de Mantes-la-Jolie. Wir werden am nächsten Tag wieder daran vorbei fahren. Sie sei, so sagt man, die kleine Schwester der Notre Dame in Paris. 

Ilon - CergyIm Innern gibt es Erinnerungstafeln, die an gefallene Soldaten in den vielen Konflikten erinnert, in die Frankreich verwickelt war. Es sind dies neben den beiden Weltkriegen insbesondere Algerien, Marokko, Tunesien und Indochina. Die Namen der Soldaten sind aufgeführt, die Namen der im Krieg umgekommenen Zivilisten kennt man nicht. Ob Angehörige durch solche Tafeln getröstet werden, ist zu bezweifeln. In der Schweiz kennen wir solche Andenken nicht, weil wir wohl durch die Weltkriege ziemlich unbeschadet über die Runden kamen. Wenn ich dann jeweils vor solchen Gedenkstätten stehe, denke ich neben den Gefallenen immer auch an die namenlosen Angehörigen und Zivilisten, die zahlreichen Verletzten und die traumatisierten Menschen solcher Konflikte.

Über die Stiftskirche gibt es auch eine visuelle Dokumentation:

Yvelines | Patrimoine : La Collégiale Notre-Dame de Mantes-la-Jolie, 9 siècles d’histoire

Das Wetter war zwiespältig: Regen wechselte mit sonnigen Phasen ab. Wir warteten in einem Bistro auf das Ende des Regens, gingen noch einkaufen und erreichten unser Schiff noch rechtzeitig, bevor der Regen begleitet von starken Winden auf unser Schiff niederprasselte.

Am nächsten Tag fuhren wir los, nachdem wir noch die Übernachtungen bezahlt hatten. Der Hafen liegt sehr schön und die Anlagen sind in gutem Zustand.

Ilon - Cergy

An den Ufern der Seine gibt es auf beiden Seiten viele Bäume, die von zahlreichen Vögeln bevölkert werden. Immer wieder sehen wir Graureiher, Eisvögel und Schwalben. Diese Flugkünstler zeigen uns jeweils auch, welches Wetter uns erwartet. Tief fliegende Insekten weisen eher auf schlechtere Wetterbedingungen hin. Wenn die Schwalben hoch am Himmel ihr Futter jagen, freuen wir uns über stabile Wetterlagen.

Ilon - CergyOft begegnen uns – neben Frachtschifffen – auch immer wieder Flusskreuzfahrtschiffe. Mehrheitlich fahren diese unter Schweizer Flagge.

Bald verlassen wir die Seine, die uns sehr positiv überraschte, sei das einerseits über das saubere Wasser, aber auch durch die gastfreundlichen Anwohner. Es ist einfach, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Wir erreichten den Hafen von Cergy einen Tag früher, als avisiert. Der Hafenmeister hatte uns aber zugesichert, dass er für unsere Schiffe einen Platz haben werde. Im Hafen stellten wir nach dem Festmachen fest, dass er stark dem neuen Hafen Cormeilles-en-Parisis ähnelt. Tatsächlich ist die Anlage zwar einiges älter, aber vom gleichen Architekten konzipiert.

Ilon - CergyAm Freitag besuchten wir eine Ausstellung im Museum von Pontoise zum Maler Camille Pissarro. Er hat den Namen des Städchen, was eine Abkürzung aus Pont de l’Oise ist, weltberühmt gemacht. Er gehört zu den Impressionisten und ist aus Paris nach Pontoise weggezogen, weil die Mieten für Künstler langsam unbezahlbar wurden.

Ilon - CergySeine Werke können heute im Museum of Modern Art, im Guggenheim Museum in New York und auch im Ohara Fine Art Museum de Kurashiki in Japan bewundert werden.

Ilon - CergyDie Bilder der kleinen, aber feinen Ausstellung im schön gelegenen Museum, sind beeindruckend. Er hat auch Möbel bemalt und verkauft. Hier ein paar Eindrücke einer im Museum ausgestellten Kommode.

Ilon - Cergy  Ilon - Cergy  Ilon - Cergy  Ilon - Cergy 

Der Begründer des Impressionismus begann in Paris im Jahr 1860 mit anderen Künstlern vornehmlich im Café Guerbois zusammen zu sitzen. Sie gründeten in der Folge eine Vereinigung von Künstlern eine „Groupe des Batignolles“, der neben Camille Pissarro, Claude Monet, Frédéric Bazille, Alfred Sisley und Auguste Renoir angehörten. Sie veranstalteten Ausstellungen, wobei Pissarro zu den eifrigsten Ausstellern seiner Bilder gehörte. Diese Ausstellungen sollten Einkommen sichern, die sonst mit habgierigen Galeristen geteilt werden mussten.

Ueli Suter, Brigittes Vater, musste ins Spital eingeliefert werden, weshalb ihn Brigitte besuchen will. Sie reiste deshalb mit Kilian zurück in die Schweiz.

Ilon - CergyIch selber hütete das Schiff respektive ging ans Fest der Batellerie in Conflans-Sainte-Honorine. Wir fuhren mit dem Fahrrad dorthin und Brigitta, André und ich staunten ob dem Spektakel, das sich uns bot. Das Fest unter dem Namen „Pardon de la Batellerie“.

Die 1960 gegründete Pardon National de la Batellerie ist eine einzigartige Veranstaltung in Frankreich, die jedes Jahr in Conflans-Sainte-Honorine, der Hauptstadt des Bootes, am Zusammenfluss der Seine und der Oise stattfindet. Drei Tage lang im Juni würdigt dieses Gedenk-, Kulturerbe- und Seefest für Seeleute das Flussleben. Bootsparaden, die die Flamme der Erinnerung vom Arc de Triomphe wiederbeleben, die Segnung der Boote, die Flussmesse, der Bauernmarkt und die nautische Unterhaltung durchdringen ein Wochenende, das Tausende von Besuchern am Ufer der Seine anzieht. Das Hauptspektakel bildeten aber die Frachtschiffe, die eine Parade sondergleichen an den Tag legten. Beflaggt und mit lauten Schiffssirenen würdigten sie ihren Berufsstand und präsentierten ihn mit einer gehörigen Portion Stolz.

Ilon - CergyZuerst kam eine Armada von Schubern die mit Hupen Pirouetten und rauf und runter fuhren, so dass wir schon befürchteten, sie würden zusammenfahren. Geschieht bei solchen Profis selbstverständlich nicht.

Ilon - CergyEin Frachter mit Containern sperrte die Seine und machte hinten an einem fest vertäuten Frachter fest und vorne an der Schiffskirche, die ebenfalls fest vertäut das ganze Jahr über an der Kade liegt.

Ilon - CergyDie darauf folgenden Frachter legten sich quer zur Seine und präsentierten teilweise beladen ihr Können. Sie machten aneinander fest oder lagen parallel mit wenig Abstand im Fluss. Es war einfach grossartig.

Ilon - CergyEiner hatte sogar das Ebenbild des Taxis auf seinem Frachter. Die Filmserie ist ein grossartiges Spektakel aus Südfrankreich und wer schnelle Autos liebt, sollte sich den Film unbeding ansehen.

Zum Schluss noch ein paar filmische Eindrücke dieses einmaligen Erlebnisses.

 

 

 

Poses – (Venables) – Ilon

Poses - (Venables) - Ilon

 

Nach einer ruhigen Nacht versuchten wir im Port de Venables zwei freie Plätze zu finden. Dieser Hafen ist nur etwa zwei Fahrstunden entfernt und liegt in einem schönen See. Leider wird der Hafen per 31.12.2026 endgültig geschlossen.

Nachdem die ersten Versuche nichts brachte, meinte die Hafenmeisterin, sie habe nur Platz für ein Schiff. Daraufhin fragten wir Ilon an, ob wir schon einen Tag früher eintreffen könnten. Wir konnten uns sagten wir der Hafenmeisterin von Venables wieder ab. Es würde ein langer Tag werden.

Poses - (Venables) - IlonDie Seine zeigte sich wieder im besten Licht: Sauberes Wasser und nur eine einzige leere Pet-Flasche, die den Fluss hinunter schaukelte.

Poses - (Venables) - IlonWir erreichten schliesslich den Hafen von Ilon und machten fest. Der Hafenmeister kannte uns ja bereits und hatte uns den Code für die Türen telefonisch bestätigt. Das Hafenbüro war nicht mehr besetzt. Kilian hatte ein feines Gemüse vorbereitet und Brigitta verwöhnte uns mit einem auf dem Grill gebratenen Schweinsfilet. Selbstredend gab es den passenden Wein dazu.

Wir bleiben in Ilon zwei Tage und werden am 11. Juni 2026 nach Cergy weiterreisen.

Rouen – Poses

Rouen - Poses

 

Rouen - PosesRouen wurde im 2. Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen. In der Altstadt finden wir allerdings noch viele schöne Häuser in den hier typischen Riegelbauten.

Rouen - PosesDie Wände sind teilweise schief, die Fenster klein, die Isolation inexistent, dafür sind sie voller Charme und zeugen von einer historischen Vergangenheit.

Rouen ist historisch interessant. Jeanne d’Arc (* vermutlich 1412 in Domrémy, Lothringen; † 30. Mai 1431 in Rouen, Frankreich), auch Jehanne d’Arc, im deutschsprachigen Raum auch Johanna von Orléans oder Jungfrau von Orléans genannt, war eine französische Widerstandskämpferin im Hundertjährigen Krieg, einem bewaffneten Konflikt zwischen England und Frankreich im 15. Jahrhundert, und wurde deswegen später zur französischen Nationalheldin. Sie wird in der römisch-katholischen Kirche als Jungfrau und Heilige verehrt.

Rouen - PosesWährend des Hundertjährigen Krieges verhalf sie bei Orléans dem Dauphin und späteren französischen König Karl VII. zu einem Sieg über Engländer und Burgunder. Anschliessend geleitete sie Karl zu seiner Königssalbung nach Reims. Nach der Niederlage der Franzosen in der Schlacht von Compiègne wurde Jeanne d’Arc am 23. Mai 1430 durch Johann II. von Luxemburg gefangen genommen, später an die Engländer ausgeliefert und schliesslich in einem kirchlichen Verfahren des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon, der pro-englisch eingestellt war, aufgrund verschiedener Anklagen verurteilt. Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d’Arc im Alter von 19 Jahren auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Rouen - PosesIhre Geschichte wird in einem Museum anschaulich erzählt, weshalb sich ein Besuch auf jeden Fall lohnt.

In Rouen blieben wir ein paar Tage, resp. machten noch einen Ausflug nach Etrétat1 respektive Honfleur2. Dazu mieteten wir ein Auto und übernachteten in Honfleur.

Der Strand in Etrétat besteht aus vielen rundgescheuerten Steinen. Die Felsformationen sind einmalig und lohnen einen Ausflug auf jeden Fall.

Rouen - Poses

Rouen - Poses

Rouen - Poses

Beim Hafenmeister von Rouen erkundigte sich Brigitte, wann am 8. Juni 2026 die beste Zeit zum Losfahren sei, unter Berücksichtigung unserer normalen Reisegeschwindigkeit, den Gezeiten und unserem Reiseziel in Poses. Er konsultierte die Gezeitentabelle und meinte, wir sollten um 15.00 Uhr losfahren. Wir müssten dann allerdings eine Strecke noch bei abfliessendem Wasser zurücklegen, kämen dann aber sicher noch bei Tageslicht am Ziel an.

Rouen - PosesAls wir die Leinen einzogen, kam sehr schlechtes Wetter mit starken Winden auf. Der Kade in Rouen entlang erzeugte der Wind hohe Wellen und das abfliessende Wasser reduzierte unsere Reisegeschwindigkeit ziemlich stark, da half auch der starke Rückenwind nicht.

Es regnete ziemlich stark, der Wind liess aber bereits nach kurzer Zeit deutlich nach. Bergwärts fuhren wir am Anlegesteg von Rouen vorbei, der intakt aussieht und über Stromanschlüsse verfügt. Aufgrund der konsultierten Unterlagen war das nicht sicher.

Es gab einige Frachtschiffe, die uns entgegen fuhren. Auf einmal entdeckten wir auf der sonst sehr sauberen Seine eine riesige Benzinlache. Sie erstreckte sich über mehrere Kilometer. Brigitte rief 112 an und meldete die Situation. Sie versprachen, die zuständigen Stellen aufzubieten. Für uns sei die Situation damit erledigt.

Gegen Abend erreichten wir die Schleuse Poses und konnten mit einem Frachter zu Berg schleusen. Dann erreichten wir den Zielort und die Linna konnte am Anleger direkt bei den Stromanschlüssen festmachen. Wir machten ein „Bateaux en Couples“. Das sagen die Franzosen, wenn sie anlegen im Doppelpack meinen.

Étretat ist eine französische Gemeinde und ein Seebad mit 1102 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Seine-Maritime in der Region Normandie. Die Bewohner werden Étretatais und Étretataises genannt.

Bekannt ist Étretat vor allem durch die steilen Felsklippen mit ihren aussergewöhnlichen Felsformationen, die den Ort auf beiden Seiten umrahmen. Der Ort ist mit Hotels, Restaurants, Souvenirläden sowie vielfältigen Freizeit- und Sportangeboten auf den Tourismus ausgerichtet.

Honfleur ist eine französische Gemeinde und Hafenstadt mit 6.640 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Calvados in der Normandie. Honfleur liegt am südlichen Ufer der Mündung der Seine in den Ärmelkanal. Sie ist der nordöstliche Endpunkt der Côte Fleurie, ein Teil der nordfranzösischen Küste.

Poses – Rouen

Poses - Rouen

 

Heute wechseln wir in Gezeitengewässer: Ab der Schleuse sind wir wieder den Gesetzen des Mondes unterworfen. Ebbe und Flut reichen bis zum unteren Schleusentor von Poses. Wir haben eine Gezeiten-App konsultiert. Diese zeigte die Hoch- und Tiefwasserstände von Rouen an. Die weiter oben liegenden Orte werden pro 25 bis 30 Kilometer etwa zwei Stunden später betroffen. Ich persönlich dachte mir, dass wir etwa um acht Uhr los fahren sollten.

Fragen wir doch die Fachleute: André funkte zur nahe liegenden Schleuse von Poses und der Schleusenwärter meinte, eine Abfahrt um 10:00 Uhr sei am oekonomischsten. Mit abfliessendem Wasser fährt man schneller und spart erst noch Treibstoff. Wir starteten deshalb viertel vor zehn Uhr zusammen mit einem Segler. Dessen Crew hat im Sinn, ab der Schleuse bis Le Havre durchzufahren, wobei drei Personen das Schiff abwechselnd steuern wollen. Das bedeutet, dass sie mehrere bergwärts fliessendes Wasser erleben werden.

Bevor wir aber in die Schleuse infahren konnten, mussten wir auf die Ausfahrt eines Flusskreuzfahrtschiff abwarten. Obschon der englisch sprechende Segler die Schleuse korrekt angefunkt hatte, konnte er die Antwort auf Französisch nicht verstehen. Da bei beiden Schleusen rot-weisse Signale die Vorbereitung der Schleusen anzeigt, fragte er uns, welche Schleuse wir denn nun benutzen sollen. Gut, wenn man in Frankreich Französisch spricht respektive versteht.

Poses - RouenDie Seine wird immer breiter und tiefer. Wir haben trotz abfliessendem Wasser immer mindestens vier Meter unter dem Kiel. Gegen Rouen werden es sogar acht bis neun Meter, allerdings bei einsetzender Flut. 

Poses - RouenDie Landschaft ist vielfältig und abwechslungsreich. Uns überraschen die Hügel und immer wieder die Kalkfelsen, die die Ufer säumen.

Die Fahrt ging flott voran. Zuerst fuhren wir mit etwa 13 km / Stunde, das steigerte sich im Verlauf der Reise bis 15.5 km / Stunde. Dann plötzlich ein abrupter Wechsel. Optisch wurde das durch die bergwärts fahrenden Frachter in grösserer Anzahl angekündet, dann durch die Strudel im Fluss und schliesslich durch einen massiven Tempoverlust. Wir kamen bei gleichbleibenden Tourenzahlen nur noch mit ungefährt 8 km / Stunde vorwärts. Früher loszufahren wäre wohl sinnvoll gewesen.

Poses - RouenWie dem auch sei: Wir erreichten schliesslich Rouen, wo bereits drei Flusskreuzfahrtschiffe an der Kade festgemacht hatten. Der Hafen von Rouen liegt etwas unterhalb der Stadt und wegen der Flut fuhren wir zuerst ein gutes Stück flussabwärts, damit wir von der Strömung bei der Einfahrt nicht überrascht würden. Die Auswirkungen waren dann weniger gross, als erwartet. Brigitte rief die Capitainerie an. Der Telefonbeantworter meinte, wir könnten erst um 14:30 Uhr Kontakt mit dem Büro aufnehmen. Ein paar Minuten später wurde das Telefon abgenommen, der Gesprächspartner wusste aber nicht, dass wir kommen. Er empfahl uns, ganz vorne bei der Tankstelle anzulegen. Der Hafenmeister käme um 15:00 Uhr.

Er traf ein und wir konnten unseren Aufenthalt bis am 8. Juni 2026 definitiv vereinbaren. Kilian wird am 6. Juni bei uns eintreffen, dann kann er Rouen auch noch einen Tag geniessen.

Poses - RouenWir machen im Päckli ganz hinten fest. Bei der Suche nach einer Steckdose mussten wir feststellen, dass diese doch relativ weit entfernt sind. Ich fragte den Hafenmeister nach einem Verlängerungskabel, was er aber nicht im Portfolio hatte. Er empfahl uns ein Geschäft, wo wir das erhalten könnten, aber Fehlanzeige. Immerhin empfahl uns dort ein Mitarbeiter die Firma Rexel. Auf Google Maps sah ich, dass diese bald einmal schliessen würde. Wir fuhren mit den Fahrrädern hin und erreichten den Verkaufsladen drei Minuten vor Ladenschluss. Der Verkäufer dort wusste sofort, was ich brauche und so kaufte ich ein 25 Meter Kabel (tauglich für 16 Ampère), einen Stecker und ein Gegenstück, damit ich die Verlängerung selbständig erstellen konnte.

Das gelang nicht zuletzt dank meinen Vorkenntnissen, die ich bei Andreas Schmied in Mürren erlangte, als ich mit Martin beim Legen und Einziehen der Stromleitungen erste Erfahrungen sammeln konnte. Nun verfügen auch wir über Strom. Das Verlängerungskabel wird uns sicher noch anderweitig gute Dienste leisten, weil manchmal Steckdosen vom Schiff sehr weit weg benutzt werden können.