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Reisen mit der TARANAKI

Bourg et Comin – Soissons

 

Etappe nach Soissons

Heute legten wir um etwas nach neun Uhr im Anleger Bourg et Comin ab und fuhren Richtung Soissons los. Im Wasser sahen wir nurmehr wenig Pflanzenwuchs, was wohl auch den Frachtschiffen zu verdanken ist, die hier vermehrt verkehren.

Die Schleusen konnten problemlos passiert werden. Wir hatten dazu eine Fernbedienung erhalten, mit der ein gewünschter Schleusenvorgang gestartet werden kann. Bei der Doppelschleuse 7 und 8 konnten wir einen Frachter beobachten, der beide Schleusen passierte. Das Besondere: Der Frachtführer und der Matrose waren ein und dieselbe Person. Er fuhr den Frachter in die Schleuse, machte so fest, dass der Hub passte und ging zurück, startete mit der Stange das Talwärtsschleusen. Gleiches bei der zweiten Schleuse: Dort gab er Gas, ging nach vorne, um das Schiff zum Eindampfen zu bringen, befestigte auch die Gegenseite, ging zurück zum Führerhaus, löste dort mit der blauen Stange die Talwärtsschleusung aus. Sehr eindrücklich, wie das Video eingangs zeigt.

Als wir die Anmeldung mit der Fernbedienung auslösten, wurde die Anmeldung zwar quittiert (sieht man am blinkenden orangen Signal), aber weiter geschah gar nichts. Weitere Versuche waren ebenfalls erfolglos. Brigitte bestellte einen Techniker, der kam und uns aus der Patsche half. Seiner Einschätzung nach hätten wir das Signal zum Bergwärtsfahren ausgelöst, statt umgekehrt zu Tal zu fahren. Von da an lief auch die Doppelschleuse problemlos.

Sowohl der Kanal, als auch die Aisne zeigten sich von der besten Seite. Es war sehr eindrücklich, durch die baumgesäumte Lanschaft zu gleiten, einen Eisvogel und einen Graureiher beobachten zu können.

Bourg et Comin - SoissonsAuch wenn es sich um den Latteralkanal der l’Aisne handelt, erscheint der Kanal als anarchaisches Gewässer.

Bourg et Comin - SoissonsAuf der Aisne begegneten uns mehrere Frachter sowie ein als Flusskreuzfahrtschiff umgebauter Frachter.

Bourg et Comin - SoissonsBegleitet wurden wir einmal mehr von der zuverlässigen Linna und ihrer Crew, die uns heute morgen mit duftenden warmen Brötchen aus hauseigenem Backofen überraschte.

Nach dem Ankerbier gingen wir in ein japanisches Restaurant Sakura zum Essen. Es war ausgezeichnet.

Bourg et Comin - Soissons29. August 1944

Die 3. US-Panzerdivision befreit Soissons.

Am Nachmittag des 28. August 1944 hörten die Einwohner von Soissons den Lärm von Kugeln und Granaten: die Vorhut der amerikanischen Armee.

Nachdem die Panzer des Combat Command B der 3. US-Panzerdivision den gesamten Südwesten des Soissonnais befreit, Eisenbahnkonvois zerstört und wichtige deutsche Nachschubdepots eingenommen hatten, rückten sie mit Unterstützung der französischen Streitkräfte im Inneren in die Stadt ein. Am 29. August wurde Soissons offiziell befreit, während die amerikanischen Truppen, nachdem sie die Brücken über die Aisne gesichert hatten, ihren Vormarsch auf Laon fortsetzten.

Bourg et Comin - Soissons

Australier in Soissons

Am schön gestalteten und neuen Hafen, der auch über Elektrizität, Wasser und einer nahe gelegenen Toilette verfügt, kam heute auch ein schönes Schiff namens Continuum. Das Schiff fährt unter britischer Flagge, hat eine Länge von 18 m und ist 4 m breit. Es handelt sich um eine Piper Luxemotor.

Bourg et Comin - SoissonsHôtel de Ville Soissons (Rathaus)

Eine Grafschaft Soissons mit der Hauptstadt Soissons befand sich Ende des 9. Jahrhunderts in den Händen von Heribert II., Graf von Vermandois. Dessen Nachkommen hielten die Grafschaft bis zum 14. Jahrhundert.

Durch Heirat ging die Grafschaft dann an Johanna von Hennegau über, dann an Ludwig von Châtillon, Graf von Blois. Dessen Sohn Guido verkaufte sie 1367 an Enguerrand VII. de Coucy. Enguerrands Tochter Marie verkaufte einen Teil weiter an Herzog Ludwig von Orléans, der dann mit der Thronbesteigung Ludwigs XII. mit der Domaine royal vereinigt wurde.

1413 bekam Robert von Bar die Grafschaften Marle und (Rest-)Soissons als Entschädigung für den Verlust des Herzogtums Bar. Unter seinen Nachkommen wurde Soissons vererbt. Letzter Graf von Soissons war Eugen Johann Franz von Savoyen, mit dessen Tod 1734 die Grafschaft an die Krone zurückfiel.

Asfeld – Bourg et Comin

Asfeld - Bourg et Comin

 

Eigentlich wollten wir gestern unsere Reise fortsetzen. Brigitte hatte aber in der App Waterkaarten in den Bemerkungen zur nächsten Schleuse einen Hinweis entdeckt, dass die Schleusung 48 Stunden im Voraus anzumelden sei. Brigitte versuchte noch anzurufen, musste unsere Passage aber auf eine Combox sprechen. Zu spät merkten wir, dass dieser Hinweis gar nicht stimmte. Wir machten zuerst PD / ID (wer nicht weiss, was das heisst, frage jemand, der Militärdienst geleistet hat) und spazierten danach ins Dorf Asfeld.

Asfeld - Bourg et CominDort bewunderten wir die Kirche aus dem 17. Jahrhundert. Die römisch-katholische Kirche Saint-Didier ist eine Barockkirche (zur Zeit der Errichtung Avaux, zuvor Ecry) im Département Ardennes. Sie ist seit 1913 als Monument historique klassifiziert. Die Kirche wurde zwischen 1680 und 1685 im Auftrag des königlichen Intendanten Jean-Jacques de Mesmes und teilweise auf dessen Kosten errichtet. Der Plan stammte von einem „Monsieur Fleury“ und dem Dominikaner Frère François Romain aus Maastricht. Über eine Miturheberschaft von Guarino Guarini wird spekuliert.

Gestern Nacht hat es die ganze Zeit geregnet. Plötzlich klopfte es ans Fenster und André stand draussen. Er beklagte einen verstopften Wasserfilter des Generators. Ich gab ihm den Schlauch zurück, den er mir für das Ausstossen meines Seewasserfilters ausgeliehen hatte. Heute morgen mussten wir feststellen, dass er nicht nur verstopft war, sondern durch die Havarie der Generator ganz ausfiel. Wir wollten für die Crew der Linna Wasser kochen, aber unser Kochherd gehorchte uns aus unerfindlichen Gründen ebenfalls nicht mehr.

Unser Generator funktioniert aber noch und so konnten wir André und Brigitta mit einem Kaffee beglücken.

Asfeld - Bourg et CominVor unserer Abfahrt war das französische Boot mit dem Motorschaden, der inzwischen repariert werden konnte, losgefahren. Das Schiff fuhr mit stark reduzierter Geschwindigkeit. Wir legten ebenfalls ab und fuhren hinterher. An geeigneter Stelle überholten wir und konnten unsere Reise nur mehr mit wenigen Filterreinigungen fortsetzen. Damit wir sofort merken, ob der Impeller noch Wasser zieht, fahre ich in den heiklen Gebieten mit offenem Motorraum. Wenn sich im Wasserfilter Blasen bilden, dann zieht er Wasser. Wenn nicht, ist es Zeit, den Filter und allenfalls auch das Rohr zu reinigen. Den Filter erkennt man unten im Motorraum auf der rechten Seite.

Asfeld - Bourg et CominDie Wasserqualität wurde immer besser, es gab immer weniger Gras und Pflanzenrückstände im Wasser. Nachdem der Regen aufgehört hatte, schien auf einmal wieder die Sonne und trocknete unser Verdeck.

Asfeld - Bourg et CominGestern hatten wir geplant, in Maizy Zwischenhalt zu machen, da wir aber so gut vorwärts kamen, fuhren wir bis Bourg et Comin. Am Anlegesteg lag schon ein französisches Schiff, wir konnten aber gerade auch noch anlegen.

Der Steg ist mit zwei Steckdosen und Wasseranschlüssen ausgerüstet, deshalb blieb nur eine Steckdose für die Linna, die ja den Generator nicht mehr benutzen kann. Wir schafften es gerade noch, uns am Steg ebenfalls anzuhängen.

Asfeld - Bourg et CominBrigitta wusch freundlicherweise unsere Wäsche mit und Brigitte hängte sie an der improvisierten Wäscheleine auf. Wir dürfen freundlicherweise das Abendessen auf der Linna geniessen. Es gibt Spaghetti mit Salat. Einen Roten werden wir mitbringen.

Attigny – Asfeld

Attigny - Asfeld

 

Attigny - AsfeldHeute starteten wir um ungefähr neun Uhr. Die Schleusen nehmen ja bekanntlich den Betrieb um neun Uhr auf und so rechneten wir damit, die erste Schleuse zügig passieren zu können. Manchmal kommt es anders, als man denkt. Das war auch hier der Fall: Wir lösten mit der Stange die Schleusung korrekt aus, doch nichts geschah. Die Signalanlage schien ausser Betrieb und wir riefen deshalb die Betriebsstelle an.

Die herbeigeeilte Sachbearbeiterin (das dauert eben immer eine Weile), konnte die Schleusung startem. Sie teilte uns mit, diese Schleuse sei nicht revidiert und müsse deshalb immer manuell ausgelöst werden. Da es doch schon viel Kraut im Wasser hatte, fragten wir, ob das bei den andern Schleusen auch so sei. Die Schleusen 7 und 8 seien in Ordnung, aber bei der Schleuse 9 habe es viel Kraut. Sie werde dort sein und uns unterstützen.

Es ging alles gut bis zur Schleuse 8. Dort ist eine Brücke nach der Schleuse so tief, dass André mit seiner Linna nicht durchfahren konnte und er zuerst die Bimini herunternehmen musste. Das dauert eine Weile und in der Zwischenzeit wurden die Schleusentore im Unterwasser geschlossen, ohne dass die Linna die Schleuse verlassen konnte.

Brigitte telefonierte erneut und die Sachbearbeiterin kam, um die Linna samt Crew zu befreien.

Die Schleuse 9 war dann echt eine Katastrophe. Die fleissige Sachbearbeiterin hatte bereits viel Kraut herausgefischt, das Unterfangen glich aber eher einer Sysiphus-Arbeit. Wir fuhren in die Schleuse. Mit der Einfahrt gelang noch mehr Kraut in die Schleuse, als schon drin war.

Attigny - AsfeldWir waren das vordere Schiff und mit dem Absinken des Wasserpegels kam von hinten noch mehr Kraut dazu. Es wurde richtiggehend zusammengedrückt und so geschah, was in solchen Fällen immer passiert, mein Seewasserfilter war dicht. Ich befreite noch in der Schleuse den Filter und das Ansaugrohr vom Gras, aber ohne Erfolg. Beim dritten Mal habe ich dann die Taranaki ohne Wasserkühlung zu einem Unterhaltsschiff manöveriert, das unmittelbar nach der Schleuse festgemacht hatte. Dort probierte ich ein weiteres Mal, den Filter zu reinigen. Kühlwasser trat aber keines aus dem Auspuff.

Attigny - AsfeldAndré und ich vermuteten, das könne an einem defekten Impeller liegen. Wir öffneten deshalb das entsprechende Gehäuse, doch der Impeller sah intakt aus.

Nun rief ich den Retter in der Not an: Rick Graus. Er sagte mir, das habe mit der Luft zu tun, die im Kühlsystem sei. Um das zu beheben, solle ich den Seewasserfilter schliessen und bei laufendem Motor und offenem Filter gehörig Wasser nachgiessen. So füllte ich bei geschlossenem Seefilter aber offenem Filter sicher vier Eimer Wasser nach. Und siehe da, die Kühlung funktionierte wieder.

Attigny - AsfeldDie Schleusenverantwortliche hatte uns mitgeteilt, ab der Schleuse sollte es besser werden, weil Unterhaltsmitarbeiter das Gras geschnitten und aus dem Kanal entfernt hätten.

Wir fuhren dann die folgende Strecke mit relativ hoher Geschwindigkeit, weil mit dem Sog das Gras und die pflanzlichen Verunreinigungen beiseite geschoben wurden. Das klappte ganz ordentlich. Durch die Entpannung hatte sich unsere Reise verzögert, so dass wir Gefahr liefen, die Betriebszeiten der Schleusen (ab 18:00 Uhr ist kein Durchkommen mehr möglich) um wenige Minuten zu verletzen. Brigitte bat den Schleusenverantwortlich, eine Ausnahme zu machen. Der schlug den Wunsch zuerst ab, weil er meinte, es gebe unterhalb der Schleuse noch weitere Anleger. Sie solle ihm doch nach der Schleusung nochmals anrufen. Das tat sie: Gott sei Dank machten sie für uns eine Ausnahme und schleusten unsere zwei Schiffe bei der letzten Schleuse vor Asfeld kurz nach sechs Uhr.

Wer denkt, das sei’s gewesen: In der Schleuse verstopfte mein Filter respektive das Rohr unter dem Filter erneut und ich musste auf dem Kanal anhalten und den Filter sowie das Rohr nochmals reinigen. Nachdem ich auch diesmal Wasser nachfüllte, konnte ich unbeschadet weiterfahren.

Attigny - Asfeld

Am Anleger in Asfeld machten wir fest und bereiteten ein köstliches Abendessen vor. Brigitte machte ein feines Risotto und Brigitta briet Würste und Gemüse. Nun sind wir gespannt auf die weiteren Etappen.

Le Chesne – Attigny

Le Chesne - Attigny

 

Le Chesne liegt am Scheitelkanal, was bedeutet, dass die kommenden Schleusen talwärts führen. Wir starteten gestern kurz nach neun Uhr und fuhren zur ersten Schleuse. Bereits unterwegs beobachteten wir ziemlich viel Grünzeug und noch mehr kurze Schilfrohrstengel. Die anstehende Schleusentreppe ist so organisiert, dass mit der Auslösung der ersten Schleuse eine grüne Welle ansteht. Sobald die Schleusentore durch eine Stange ausgelöst schliessen, wird die nächste Schleuse vorbereitet. In aller Regel ist die nächste zur Einfahrt bereit, wenn sie erreicht wird. Manchmal sieht man drei Schleusen in kurzen Abständen auf einmal.

Le Chesne - AttignyDas Wetter war prächtig, es wurde sogar ziemlich warm. Die Gegend ist einzigartig, obschon dafür zwischen den 29 Schleusen, die wir befuhren, wenig Zeit blieb.

Le Chesne - AttignyDann regte André an, in Anbetracht des vielen Grünzeugs und der erwähnten Schilfrohrstengel nach dem Filter zu sehen. Gesagt getan: Der Filter und das Seewasser führende Rohr waren vollständig verstopft durch diese Stengel. Ich reinigte den Filter und befreite das Rohr, indem ich mit einem metallenen Doppelmeter die Verstopfung nach unten stiess.

Le Chesne - AttignyDiesen Vorgang wiederholte ich noch einmal. Ein VNF-Mitarbeiter bemerkte, das wir nicht mehr schleusten und kam nachschauen, woran das liegt. Brigitte erklärte ihm, dass die pflanzlichen Reste, die sich im vorderen Schleusenbereich ansammeln, unseren Filter ziemlich strapazieren. Er holte darauf einen Rechen und fischte die Pflanzen aus dem Wasser. Auch die kommenden Schleusen befreite er von diesem für unsere Filter nicht zuträglichen Resten.

In Attigny erreichten um 16:25 Uhr und machten am Anleger fest. Der verfügt sogar über einen Wasserhahnen zum Wasserbezug. Er liegt im Ardennenkanal, der parallel zur Aisne verläuft. Es ist sehr ruhig, ausser den zwitschernden Vögeln hörte man nichts. Idyllisch!

Nach dem Ankerbier auf der Linna spazierten wir zum Restaurant de l’Ecluse. Dort hatten wir beim Schleusen für eine Attraktion gesorgt, so viele Zuschauer hatten wir beim Schleusen noch nie. Das Essen war übrigens sehr gut und wir können das Restaurant nur empfehlen.

Pont-à-Bar – Le Chesne

Pont-à-Bar - Le Chesne

 

Heute morgen zeigte sich der Himmel freundlicher. Wir konnten wegen einer defekten Stromzufuhr keinen Landstrom beziehen. Deshalb spazierten wir am Morgen ins nahe gelegene Café, wo wir am Vorabend Baguettes und Croissants bestellt hatten. Der Kaffee mundete und wir freuten uns an den Gipfeli.

Pont-à-Bar - Le ChesneWir tankten 140.03 Liter Diesel zu € 2.35. Wir fuhren los durch eine wunderschöne  Landschaft. Es war ruhig, uns begegnete kein einziges Schiff.

Pont-à-Bar - Le ChesneAls wir in die Schleuse vor dem Tunnel einbiegen wollten, zeigten die Signale Doppel-Rot. Das würde bedeuten, dass die Schleuse auf unbestimmte Zeit nicht bedient würde. Brigitte telefonierte auf die Nummer, die in Waterkaarten angegeben war. Der Sachbearbeiter versprach, einen Mitarbeiter zu schicken, der die Schleuse wieder in Betrieb setzen soll. Das dauerte etwa eine halbe Stunde. Es war nur ein kurzer Einsatz, dann funktionierte die Schleuse.

Pont-à-Bar - Le ChesneNach dem kurzen Tunnel konnten wir ein Weile wieder die Landschaft geniessen. Bei der nächsten Schleuse ein bekanntes Bild: Doppel-Rot. Wieder Telefon, erneut ein Mitarbeiter vom VNF und nach einem kurzen Einsatz konnten wir auch in die Schleuse einfahren. Der Grund für die Aussetzer sei der hohe Wasserstand. Die nächsten Schleusen sollten funktionieren, sonst sei er ganz in der Nähe. Tatsächlich funktionierten diese dann problemlos.

Pont-à-Bar - Le ChesneDie Brücken sind generell mit einer Durchfahrtshöhe von 3.50 m angegeben. Die Taranaki benötigt 3.40 m und die Linna 3.45 m. Gerade bei der zweiten Schleuse, wo wir ebenfalls warten mussten, war die Brücke für die Linna ungemütlich tief: Am Schluss reichten 1 bis 2 cm, damit die Linna schadlos durchfahren konnte.

Pont-à-Bar - Le ChesneAuch bei Brücken waren die Nerven etwas angespannt. Es reichte aber überall.

Sehr erfreulich: Am Ardennenkanal wurden diverse Ausbesserungen vorgenommen. Zudem wurden Bäume gefällt, die zu nahe am Wasser die Fahrt behinderten oder den Damm zerstörten.

Pont-à-Bar - Le ChesneKurz nach drei Uhr erreichten wir unser Etappenziel in Le Chesne (die Franzosen sprechen es „Lö Scheen“ aus, das s wird weggelassen). Wie in Waterkaarten angemerkt befinden sich nahe der Kirche zwei Buchten. Sowohl die Linna, wie auch die Taranaki konnten in einer festmachen. In beiden sind Elektrizität und Wasser verfügbar. Für den Wasserbezug braucht es aber einen speziellen Adapter.

Monthermé – Pont-à-Bar

Monthermé - Pont-à-Bar

 

Wir starteten bei feuchten Verhältnissen. Das Wetter brachte viel Regen und wir konnten an den Ufern sehen, dass die Verantwortlichen der Wehre sicherheitshalber den Pegel der Maas um etwa 20 cm gesenkt hatten.

Monthermé - Pont-à-Bar

Wir kamen zügig voran und nach mehreren Schleusen erreichten wir Lumes. Dort hatte es bereits zwei Schiffe. Der Steg machte aber einen eher traurigen Eindruck. Engegen der uns angekündeten Strom- und Wasserversorgung war davon nichts vorhanden.

Monthermé - Pont-à-BarHier verabschiedete sich Adrian, der mit seinem Fahrrad Richtung Sedan weiterreisen wollte.

Wir beschlossen, Pont-à-Bar anzulaufen. Brigitte erkundigte sich bei der Servicestelle, ob wir Platz hätten. Dort befindet sich eine Vermietung von Sportbooten und normalerweise findet man dort kaum Platz. Die Verantwortliche meinte, sie hätte keinen Platz, werde aber den Kollegen der Vermietung fragen, ob wir dort anlegen könnten. Sie rief dann zwar nicht zurück, wir  fuhren aber mal los.

Unterwegs konnte ich vier verschiedene Eisvögel beobachten. Der schillernde Rücken ist jedesmal ein besonderer Anblick, wenn man diese prächtigen Vögel sieht.

Schliesslich erreichten wir die Abzweigung zum Ardennenkanal, der mit einer Schleuse beginnt. Bald darauf kommt die zweite Schleuse. Die Waterkaarten App hatte dort bei der Brücke unmittelbar vor der Schleuse eine Durchfahrtshöhe von 3.30 m angegeben. Das hätte bedeutet, dass wir die Bimini ziemlich abbauen müssen. Auch André und Brigitta hätte ihre  herunternehmen müssen.

Das Signal zur Einfahrt befindet sich vor der Kurve. Ich löste deshalb die Schleusenöffnung noch nicht aus und schaute mir das Ganze von Nahem an. Mein Augenmass sagte mir, dass die Durchfahrtshöhe mindestens 3.50 betragen muss und ich funkte André, er könne die Schleusenöffnung auslösen.

Und richtig: Wir konnten problemlos unter der Brücke durchfahren.

Die Hafenmeisterin meldete sich bei uns und wir durften an den Liegeplätzen bleiben, an denen wir angelegt hatten. Sie wies uns darauf hin, dass der Pegel zum heutigen Stand in der Nacht bis 10 cm sinken könnte. Unser Ufer sei deshalb problematisch, wenn man sich nicht vorsehe. Wir befestigten deshalb die Tropfenfender ausnahmsweise an der Seite und sorgten damit für die nötige Distanz zum Ufer.

Morgen wollen wir hier noch tanken, bevor es dann weitergeht.

Haybes – Monthermé

Haybes - Monthermé

 

Wir starteten in Haybes kurz vor neun Uhr, da die Schleusen ihren Betrieb erst um 09:00 Uhr aufnehmen. Adrian brachte uns feines Gebäck aus der nahegelegenen Bäckerei. Am Morgen zogen leichte Nebel durch den Maastal, bei der Abfahrt schien sogar die Sonne. Aber nicht lange, meldete sich intensiver Regen. Brigitte hatte sogar Unwetterwarnungen mit mittlere Überschwemmungen gemeldet. Bei regulierten Flüssen werden die Wehre uns vor Unbill bewahren.

Haybes - MontherméBrigitte als Fendermieze hatte Verstärkung erhalten. Adrian löste oft den Schleusenvorgang aus (Schliessen der Tore im Unterwasser, Füllen der Schleusenkammer) und half beim Schleusen. Das vordere Schiff kriegt jeweils den ganzen Wasserdruck zu spüren, das Zweiboot merkt dann nicht mehr sehr viel.

Links sieht man die dafür benutzten Stangen: Die blaue löst den Schleusenvorgang aus, die rote wäre für den Nothalt gedacht. Die Schleusen füllen sich unterschiedlich schnell mit Wasser. Wir haben kleine Scheusen erlebt, in denen das Wasser schnell von vorne einschoss, aber auch grosse haben den Vorgang beschleunigt abgewickelt. Dabei muss das Schiff mit aller Kraft gehalten werden.

Haybes - MontherméDie Maas führte uns durch schöne Wälder und entlang von schmucken Dörfern. Der Himmel war bedeckt und es regnete viel.

Haybes - MontherméDer Anlegesteg von Monthermé war eine robuste Angelegenheit. Die betonierte Mauer erlaubte ein solides Anlegemanöver. An der Kade hatte bereits ein Däne festgemacht, mit einem mehr als kleinen Boot. Er war damit von Sneek bis Monthermé gefahren. Seine Frau sei neu ebenfalls angekommen und verbringe jetzt 14 Tage mit ihm auf dme Schiff. Dabei meinten wir, auf der Taranaki sei eng und kuschelig, der Däne schlägt aber alle Rekorde.

Nachdem die Hafenmeisterin unsere Anmeldung entgegengenommen hatte, erhielten wir noch die speziellen Adapter zum Wasserbezug. Volle Wassertanks erhöhen die Unabhängigkeit, wer weiss, wie der Wasserbezug in später funktionieren wird.

Im Hotel Le Franco Belge haben wir sehr gut gegessen, bevor wir in unseren Schiffen den Schlaf der Gerechten absolvierten.

Dinant – Haybes

Dinant - Haybes

 

Einträchtig liegen sie am Steg, die Linna von André Keller und Brigitta Gwerder und unsere Taranaki. Das Bild wurde in Dinant gemacht, am Abend vor der Abfahrt nach Frankreich. Der Ruhetag in Dinant wurde genutzt, um unter anderem die Vignetten für den Frankreicht-Törn zu kaufen. Das klappte auf Anhieb und bereits heute konnten wir die Vignetten nutzen.

Dinant - HaybesDer Morgen begann neblig und feucht, die Fenster hatten sich entsprechend beschlagen. Aufgrund der blauen Flecken am Himmel hätte man schönes Wetter erwarten können, aber der Wetterbericht kündigte etwas anderes an. Und richtig: Schon bald setzte Regen ein und begleitete uns mehr oder weniger den ganzen Tag.

Ausgangs Dinant kamen wir am markanten Rocher Bayard vorbei. Bereits kurz nach dem Ablegen erreichten wir die erste Schleuse.

Dinant - HaybesAuch auf der Meuse gibt es schöne Schiffe, wie das Beispiel zeigt.

Dinant - HaybesAber auch Schlösser und Burgen sind im Maastal anzutreffen, wie etwa das Schloss Freÿr. Die Hochburg der Renaissance mit dreihundertjährigen Orangenbäumen sind ein Kleinod des Weltkulturerbes der Wallonie und für jeden Gartenliebhaber ein absolutes Muss.

Das Bauwerk, das auf den Ruinen einer ehemaligen, 1554 zerstörten Festung errichtet ist, war zuerst ein Herrensitz im Renaissancestil, bevor es im 17. und 18. Jahrhundert erweitert und umgestaltet wurde.

Dinant - HaybesDiese ehemalige Sommerresidenz der Herzöge von Beaufort-Spontin besitzt ein kultiviertes und multikulturelles Interieur. Ihre harmonischen Salons wurden von den zahlreichen Generationen, die diese Räumlichkeiten bewohnten, möbliert und ausgeschmückt.

Die Gärten von Freÿr, die durch die Arbeit des Gärtners Le Nôtre beeinflusst wurden, der namentlich in Versailles gewirkt hat, werden Sie mit ihrer Schönheit und ihrer perfekten Anordnung wie auch mit ihren herrlichen, 300 Jahre alten Orangenbäumen in Staunen versetzen.

Dinant - HaybesDie Maas mäandert hier sehr schön und windet sich durch das Gebirge. Es gibt aber nicht nur Sportboote oder Bateaux de Plaisance, wie sie hier genannt werden, sondern auch kommerzielle Frachter, die die Gewässer benutzen.

Dinant - HaybesSchliesslich passierten wir den Tunnel Van-Ham-sur-Meuse. Aufgrund des Tunnelprofils verzichteten wir darauf, auf Hinterdeck die Bimini abzubauen. Da die Linna 80 cm breiter ist als unsere Taranaki und damit die Bimini am Tunneldach schrammen könnte, bauten André und Brigitta den Hinterteil der Linna ab. Den Tunnel konnten wir dann problemlos durchfahren.

Ursprünglich wollten wir in Vireux-Wallerand anlegen, was wir auch machten. Am Anleger waren zwei Handwerker am Überprüfen der elektrischen Anschlüsse. Gemäss Unterlagen sollten wir über Duschen, Waschmaschine und schöne Toiletten verfügen, das rühmten auch diverse Besucher vor uns.

Nur: Wir waren eindeutig zu früh. Oder die Mairie beschloss, die entsprechenden Einrichtungen dauerhaft zu schliessen (wohl auch wegen schlechter Erfahrungen).

Dinant - HaybesWir lösten deshalb erneut die Leinen und fuhren weiter bis nach Haybes. Brigitte erkundigte sich telefonisch, ob wir dort anlegen können. Wir fanden dort einen tollen Anlegesteg. Wir konnten gratis anlegen und dazu noch Elektrizität beziehen. Damit das klappte, kamen extra zwei Gemeindearbeiter vorbei, um uns die Leitungen freizuschalten. Die Toiletten der Mairie konnten wir auch benutzen.

Nach einem feinen Raclette, das wir auf der Linna mit André und Brigitta genossen, zu dem Adrian im Dorf noch einen feinen Weisswei eingekauft hatte, liessen wir den Tag gemütlich ausklingen. In der nahegelegenen Brasserie fanden wir noch geeignete Wässerchen, die nicht nur den Gaumen erfreuten.

Namur – Dinant

Namur - Dinant

 

Namur - DinantDer Tag begann mit einem kurzen Schauer, beim Ablegen schien aber wieder die Sonne. So legten wir um neun Uhr ab und kündigten gleich bei der ersten Schleuse unser Kommen an. Insgesamt gab es sechs Schleusen bergwärts zu überwinden.

Namur - DinantDie Maas oder Meuse, wie sie hier heisst, mäandert schön und führt durch traumhafte Landschaften. Kurz nach Namur erreichten wir tolle, teilweise schlossähnliche Liegenschaften.

Brigitte hatte noch Bedenken wegen einer in der App Waterkaarten gemeldeten Havarie der dritten Schleuse. Dort sei ein Durchfahren unmöglich. In den Bemerkungen hatten jedoch User angegeben, dass der Defekt in der Schleuse behoben sei.

Später bemerkten wir auf Backbord Godinne mit der ehemaligen Probstei Polivache (Siehe Titelbild). Im 16. Jahrhundert wurde die Seigneurie Spontin zu einem Lehen. Im 1512 wurde es von Félix de Maillen erworben. Im selben Jahr errichteten die Erzherzöge Albrecht und Isabella eine Hochseigneurie, die das Gebiet der Pfarrei Godinne umfasste und sich bis nach Rivière jenseits der Mass erstreckte und verpfändeten es an François de Maillen, den Grundherrn von Berlo.

Namur - DinantKurz vor Dinant entdeckten wir einen Rebberg. Brigitta konnte uns nachher berichten, dass dort Crémant gekeltert wird. Der sei schon mehrmals prämiert worden.

Namur - DinantGegen zwei Uhr kamen wir Dinant an. Auf der ganzen Fahrt war uns kein einziges Schiff begegnet. Wir fuhren gegen den Steg und da sah ich ein Kiwi-Schiff. Gleich nach dem Anlegen meldete sich der Skipper und es war tatsächlich ein Kiwi. Er wollte wissen, weshalb das Schiff Taranaki heisse (Siehe Fussnote 1 auf Seite).

Normalerweise seien sie auf dem Meer unterwegs. Das Fahren auf Flüssen habe aber auch seinen Reiz, weshalb sie ein Schiff mieteten, obschon das für sie etwas teuer sei. Bis jetzt hätten sie immer talwärts schleusen können, wenn sie dann von Namur zurück fahren würden, gehe es dann alles nur noch bergwärts. Davor hätten sie etwas Respekt.

Gegenüber genehmigten wir uns ein Ankerbier, als auch Adrian (Bruder von Brigitte) uns erreichte. André hatte beim Muschelkönig reserviert. Und dort schlemmten wir einmal mehr feinste Muscheln.

Namur - DinantAm Abend auf der Linna gab es noch eine Absacker (Appenzeller oder wem das nicht beliebte eine alte Pflaume, eine alte Birne oder ein alter Apfel). Es war relativ ruhig geworden und der Felsen zur Zitadelle wurde beleuchtet. Die Seilbahn hinauf existiert übrigens nicht mehr, was sich wohl deutlich auf die Besucherströme auswirken wird. Dies umsomehr, als bereits unten an der Treppe hoch zur Zitalle pro Person € 15.00 bezahlt werden müssen.

Morgen machen wir Pause und regeln die administrativen Voraussetzungen für Frankreich (Vignette kaufen für 2 mal 30 Tage).

Huy – Namur

Huy - Namur

 

Huy - NamurAm Morgen schien die Sonne schon in den Salon, bevor wir die Leinen lösten. Gestern Abend hatten wir noch Franco und Brigitte getroffen, die mit der „La Fée Verte“ mit Französischer Flagge unterwegs waren. Sie erzählten uns, eine Horizon von einem Schweizer Skipper habe eben für uns Platz gemacht.

Die Fahrt war problemlos, wir kamen wiederum zügig voran. Uns überholte vor der ersten Schleuse ein Frachter, mit dem wir dann zusammen mit der Linna und einem etwas später noch eintreffenden Schlauchboot mit Aussenborder bergwärts schleusten.

Huy - NamurDie Landschaft durch die Felsenlandschaften stellt einen schönen Kontrast zu den in den Niederlanden üblichen flachen Landschaften dar.

Huy - NamurKurz vor Namur mussten wir ziemlich lange auf die Schleusung warten. Dabei entdeckte ich ein altes Fabrikgebäude, les Moules de Beez (Die Mühlen von Beez).

Der Verein der Moulins de Namur und Lüttich, der Moulins de Beez wurde 1889 eingeweiht. Sie kennen mehrere Bezeichnungen: Anciens Moulins de Namur und de Legs in Beez, Moulins de la Meuse und Moulins de Beez.

In Beez wurde nur Weizen verarbeitet. 1980 konnten sie bis zu 300 Tonnen pro Tag mahlen. Die Mehle sind in verschiedene Arten gruppiert: 4 Arten von Weiss- und ein Dutzend Grautöne. Der Umsatz betrug 750 Millionen Franken und das Unternehmen beschäftigte rund sechzig Mitarbeiter für eine tägliche Produktion von 2.000 Quintals.

1984 waren nur noch ein Dutzend Menschen übrig. Die Gebäude wurden 1996 restauriert, die wallonische Region hat dort ihr regionales Archiv eingerichtet.

Nach dem Schleusen hatten wir nur noch eine kurze Schleife zu fahren und machten an der Kade des Passantenhafens fest. Die ist eigentlich für grössere Schiffe gedacht und deshalb liegen die Poller relativ weit auseinander. Wir konnten deshalb unsere neuen 20-m-Leinen sehr gut gebrauchen.

Wir meldeten uns bei der Capitainerie und bezahlten den Liegeplatz sowie 4 Jetons für den Bezug der Elektrizität. Der Roland von der Horizon, die wir ebenfalls an der Kade antrafen, zeigte mir eine funktionierende Steckdose, die scheinbar ohne Jetons funktioniert (war schon beim Jubiläumstörn im Herbst 2025 so der Fall). Reparaturen dauern offenbar leider etwas länger.